Honda e: Elektro-Mini aus Japan

4.5.2019

Mit dem Honda e zeigen die Japaner einen serienreifen Prototypen eines elektrischen Kleinwagens – ein Auto für einen "urbanen Lebensstil" mit vier Türen, 200 km Reichweite, 35-kWh-Batterie. Erste Daten, Bilder, Preis

Honda E stehend von der Seite
Sieht knuffig aus: Das erste Elektroauto von Honda
  • Erstes Elektroauto von Honda im März 2020 beim Händler
  • Honda e ist als Stadtauto konzipiert: 200 Kilometer Reichweite, kleiner Wendekreis
  • Kameras statt Außenspiegel, große Displays im Cockpit

 

Kein Autohersteller kann sich auf die Dauer dem Thema Elektroauto verweigern. Auch diejenigen nicht, die bisher eher auf den Hybrid- und Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb gesetzt haben. Nun zeigt Honda den Prototyp eines Elektroautos, das Ende 2019 in Produktion gehen soll. Als Konzeptstudie hatte das Modell schon vor zwei Jahren auf der IAA auf sich aufmerksam gemacht. Im Vergleich zum Frankfurter Appetithäppchen hat sich nun einiges verändert.

Viertürer: kurz und knuddelig

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Honda E seitlich
Technik-Gimmicks: Versenkte Türgriffe, Kameras als Außenspiegel

Sah man am Main noch ein Zweitürer mit mittig angeschlagenen und recht breiten Zugängen, hat sich Honda zu einem knuddeligen Viertürer von 3,92 Metern Länge entschlossen. Die Silhouette des Honda e ist eckiger geworden, wohl auch wegen der Kopffreiheit für die Fond-Insassen. Geblieben ist das freundlich-kecke Gesicht mit den kreisrunden Scheinwerferaugen in LED-Technik.

Auffällig ist die große, unter einer Klappe auf der Fronthaube versteckte Öffnung für den Ladestecker. Das bei Dunkelheit beleuchtete Honda-Logo im Grill wird es nicht die Serienproduktion schaffen: Hier bremsen deutsche Regularien den japanischen Ideenreichtum noch aus, denn ein mittiges weißes Licht ist bei uns derzeit nicht zulassen.

Erlaubt ist neuerdings der Verzicht auf klassische Seitenspiegel. An deren Stelle ragen kleine Zapfen aus dem Blech, die eine Kamera in sich tragen. Die Honda-Lösung ist deutlich dezenter als etwa die des Audi e-tron, dessen Kameragehäuse ähnlich weit aus der Karosse reicht wie ein normaler Spiegel. Beim kleinen Japaner ist der sogenannte virtuelle Rückblick serienmäßig, beim 80.000-Euro-Audi kostet er 1540 Euro extra. Vorteil: Der Luftwiderstand soll um 90 Prozent sinken und der tote Winkel 50 Prozent kleiner sein als bei einem konventionellen Spiegel.

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Die Farbmonitore an den beiden Ecken des wagenbreiten Armaturenbretts zeigen ein gestochen scharfes Bild der Außenwelt, die Kopfbewegung des Fahrers fällt dadurch einige Grad knapper aus als jahrelang gewohnt. Auch der Innenspiegel ist übrigens ein kleiner Bildschirm, der von einer Heckkamera gespeist wird.

Die Armaturen beherbergen mehrere Bildschirme, die in Summe zu einer extrem breiten Einheit verschmelzen. Die einzelnen Anzeigen können je nach Geschmack und Laune des Fahrers programmiert werden. Sie tragen zum Beispiel Tacho, Navigation, Entertainment und vor allem Infos über den elektrischen Antrieb. Die untere Begrenzung der Monitore bildet eine sanfte Stufe in Holz-Deko, in der vier klassische Knöpfe und ein Drehschalter untergebracht sind. Die Bedieneinheit der Klimaanlage funktioniert analog.

Reichweite mit 35-kWh-Batterie: ca. 200 km

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Honda E Heck
Mit gut 3,90 Metern Länge ist der Honda kürzer als ein Corsa oder Polo

Und wie weit kommt der japanische Konkurrent zum E-Mini? Honda spricht bei einer Batteriekapazität von rund 35 kWh von mehr als 200 Kilometern nach neuer WLTP-Norm. Das ist deutlich weniger als bei anderen Neuerscheinungen, wie zum Beispiel dem neuen Opel Corsa-e oder dem Peugeot e-208. Folgt aber der Logik, dass der Honda e als reines Stadtfahrzeug konzipiert ist und wohl nur selten im Langstreckenverkehr genutzt wird.

Schnellladefähig ist der Japaner dennoch und kommt ab Werk CCS-Steckdose für die Gleichstromsäulen an der Autobahn. Dort kann der Honda bis zu 50 kW ziehen. In einer halben Stunde soll dann die Batterie wieder auf 80 Prozent ihrer Leistung aufgeladen werden können. Wie viel Strom der "e" an einer AC-Wechselstromsäule aufnimmt, verrät Honda noch nicht.

Technisch basiert das Fahrzeug auf einer neuen Plattform für Elektrofahrzeuge, teilt Honda mit. Das heißt, es werden über kurz oder lang weitere Elektro-Modelle folgen. Bis 2025 soll die gesamte Modellpalette elektrifiziert, also zumindest mit Hybridtechnik ausgestattet sein.

Weil der Honda e Heckantrieb bekommen soll, können die Antriebswellen-freien Vorderräder weiter eingeschlagen werden. Der Hersteller spricht daher von einem  sehr kleinen Wendekreis von unter neun Metern – ideal für die Stadt.

Weltpremiere feiert das Serienmodell auf der IAA im September 2019, vom Band rollen wird der erste Elektro-Honda ab Ende des Jahres. Auslieferung: ab März 2020. Für 2020 sind 5000 Stück für ganz Europa geplant, 1500 davon sollen den Weg nach Deutschland finden. Der Preis steht noch nicht fest, hinter vorgehaltener Hand spricht Honda aber von einem Preis zwischen 35.000 und 40.000 Euro. Wenn es tatsächlich so käme, wäre das wenig konkurrenzfähig.

Vorläufige technische Daten

Honda e
Motor Elektromotor, Leistung > 70 kW, Drehmoment ca. 300 Nm                  
Batteriekapazität / Reichweite ca. 35 kWh / ca. 200 km
Ladeleistung  bis 50 KW (DC)
Antrieb                     Heckantrieb                    
Leergewicht                     ca. 1500 kg                    
Länge                     3,92 m                    
Wendekreis                     < 9 m                    
Preis                     35.000 – 40.000 Euro                    

Text: Peter Maahn/SP-X, Jochen Wieler. Fotos: Honda.

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