Der neue Honda e: Eine tolle Elektrokiste!

10.9.2019

Mit dem Honda e präsentieren die Japaner einen elektrischen Kleinwagen, der mit vier Türen, 200 km Reichweite, 35-kWh-Batterie das ideale Stadtauto ist. Der erste Fahrbericht unserer Test-Redaktion mit Daten, Bildern, Preisen.

Front des Honda E fahrend
Sieht knuffig aus: Das erste Elektroauto von Honda
  • Perfekt für die Stadt: 200 km Reichweite, kleinster Wendekreis
  • Kameras statt Außenspiegel, große Displays im Cockpit
  • Erstes Elektroauto von Honda im März 2020 beim Händler

 

Kein Autohersteller kann sich auf die Dauer dem Thema Elektroauto verweigern. Auch diejenigen nicht, die bisher eher auf den Hybrid- und Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb gesetzt haben. Nun stellt Honda ein Elektroauto vor, das Ende 2019 in Produktion geht und spätestens im März 2020 bei den Händlern steht. Wir durften den fast fertigen Prototypen schon fahren – und waren vom Fahrerlebnis begeistert.

Viertürer: Kurz und knuddelig

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Seitenansicht des Honda E fahrend
Technik-Gimmicks: Versenkte Türgriffe, Kameras als Außenspiegel

Sah man als erste Studie noch ein Zweitürer mit mittig angeschlagenen und recht breiten Zugängen, hat sich Honda dann doch zu einem knuddeligen Viertürer von 3,92 Metern Länge entschlossen. Die Silhouette des Honda e ist eckiger geworden, wohl auch wegen der Kopffreiheit für die Fond-Insassen. Geblieben ist das freundlich-kecke Gesicht mit den kreisrunden Scheinwerferaugen in LED-Technik.

Auffällig ist die große, unter einer Klappe auf der Fronthaube versteckte Öffnung für den Ladestecker. Das bei Dunkelheit beleuchtete Honda-Logo im Grill hat es nicht die Serienproduktion geschafft: Hier bremsen deutsche Regularien den japanischen Ideenreichtum noch aus, denn ein mittiges weißes Licht ist bei uns derzeit nicht zugelassen.

Erlaubt ist neuerdings der Verzicht auf klassische Seitenspiegel. An deren Stelle ragen kleine Zapfen aus dem Blech, die eine Kamera in sich tragen. Die Honda-Lösung ist deutlich dezenter als etwa die des Audi e-tron, dessen Kameragehäuse ähnlich weit aus der Karosse reicht wie ein normaler Spiegel.

Beim kleinen Japaner ist der sogenannte virtuelle Rückblick serienmäßig, beim 80.000-Euro-Audi kostet er 1540 Euro extra. Vorteil: Der Luftwiderstand soll um 90 Prozent sinken und der tote Winkel 50 Prozent kleiner sein als bei einem konventionellen Spiegel.

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Die Farbmonitore an den beiden Ecken des wagenbreiten Armaturenbretts zeigen ein gestochen scharfes Bild der Außenwelt, die Kopfbewegung des Fahrers fällt dadurch einige Grad knapper aus als jahrelang gewohnt.

Auch der Innenspiegel ist ein kleiner Bildschirm, der von einer Heckkamera gespeist wird und ein extrem breites Bild des Verkehrs hinter dem Auto zeigt. Per Klopfdruck kann er (z. B. zum Blick auf die Heckpassagiere) umgestellt werden.

Die Armaturen beherbergen mehrere Bildschirme, die in Summe zu einer extrem breiten Einheit verschmelzen. Die einzelnen Anzeigen können je nach Geschmack und Laune des Fahrers programmiert werden. Sie tragen zum Beispiel Tacho, Navigation, Entertainment und vor allem Infos über den elektrischen Antrieb.

Die untere Begrenzung der Monitore bildet eine sanfte Stufe in Holz-Deko, in der vier klassische Knöpfe und ein Drehschalter untergebracht sind. Die Bedieneinheit der Klimaanlage funktioniert zum Glück auch analog.

Batterie: 35 kWh, Reichweite: Ca. 200 km

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Honda E fahrend
Enge Pylonengasse? Meistert der kleine Honda spielerisch

Und wie weit kommt der japanische Konkurrent zum E-Mini? Honda spricht bei einer Batteriekapazität von exakt 35,5 kWh von mehr als 200 Kilometern nach neuer WLTP-Norm. Das ist deutlich weniger als bei anderen Neuerscheinungen wie zum Beispiel dem neuen Opel Corsa-e oder dem Peugeot e-208. Folgt aber der Logik, dass der Honda e als reines Stadtfahrzeug konzipiert ist und wohl nur selten im Langstreckenverkehr genutzt wird.

Schnellladefähig ist der Japaner dennoch und kommt ab Werk mit CCS-Steckdose für die Gleichstromsäulen an der Autobahn. Dort kann der Honda bis zu 50 kW ziehen. In einer halben Stunde soll dann die Batterie wieder auf 80 Prozent ihrer Leistung aufgeladen werden können. Wieviel Strom der "e" an einer AC-Wechselstromsäule aufnimmt, verrät Honda noch nicht.

Technisch basiert das Fahrzeug auf einer neuen Plattform für Elektrofahrzeuge. Das heißt, es werden über kurz oder lang weitere Elektro-Modelle folgen. Bis 2025 soll die gesamte Modellpalette elektrifiziert, also zumindest mit Hybridtechnik ausgestattet sein.

Niedriger Schwerpunkt, sportliches Handling

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Honda E fährt in der Kurve
Kurvenräuber: Der e fährt sich spielerisch

Und wie fährt er sich? Um es kurz zu machen: Enorm beeindruckend. Warum? Weil er sich mit seinem Antriebskonzept so ganz anders fährt als die anderen E-Autos, die bislang auf dem Markt sind. Und alle, die unken, dass sich Elektrofahrzeuge mit ihren baugleichen E-Motoren in Zukunft nur noch durch die Reichweite und Smartphone-Anbindung unterscheiden, belehrt der Honda e eines Besseren.

Der Hinterradantrieb ist das Zauberwort, das den kleinen Honda so besonders macht. Schon beim ersten spurtstarken Beschleunigen mit bis zu 300 Nm Drehmoment werden dessen Vorzüge spürbar: Keine durchdrehenden Räder und kein Zerren in der Lenkung, nur entspannt die Kraft genießen. 

Das erste Kurvengeschlängel mit anschließender Pylonengasse – und das Fahrerlebnis geht weiter. Weil die Batterie komplett unter dem Fahrzeugboden verbaut ist, liegt der Schwerpunkt nur knapp 50 cm vom Boden entfernt. Und mit der optimalen 50:50 Gewichtsverteilung sowie der kompakten Größe lässt sich der Honda e so spielerisch und sicher um die Pylonen steuern wie kein anderes E-Auto im Kompaktsegment.

Und wieder ist der Hinterradantrieb nützlich: Schieben statt ziehen – so kann man jede Kurve beim rechtzeitigen Rausbeschleunigen noch einen Tick schneller nehmen.  

Wenden? Ein Erlebnis!

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Heck des Honda E fahrend
Mit 3,92 Metern Länge ist der Honda kürzer als ein Corsa oder Polo

Der Heckantrieb hilft umgekehrt auch beim Bremsen: Weil er bei den kurzen Längenmaßen eine 50:50-Gewichtsverteilung überhaupt erst ermöglicht, verteilt sich der Bremsdruck gleichmäßig auf alle vier Räder.

Die Bremsleistung fühlt sich brachial an. Das liegt sicher auch daran, dass der Honda e trotz der 35-kWh-Batterie mit weniger als 1500 Kilo eher ein Leichtgewicht ist – eine konkrete Zahl nennt Honda noch nicht. Und ob die besonders gripfreudigen montierten Michelin Pilot Sport Cup-Reifen in Serie montiert sind, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Doch das beeindruckendste Erlebnis ist das Wenden. Mit dem Heckantrieb können die antriebswellenfreien Vorderräder weiter eingeschlagen werden – und die Honda-Ingenieure nutzten diese Chance: Der Wendekreis beträgt nur 9,2 Meter! 

Was nach einem theoretischen Zahlenwert klingt, ist beim Ausprobieren beeindruckend. Das Gefühl erinnert an den Autoscooter auf der Kirmes: Wenn man Mädchen besonders beeindrucken wollte, schlug man das Lenkrad ganz ein, beschleunigte und drehte sich auf den Hinterrädern im Kreis. Gut, dass mit den Mädchen klappt heute wohl nicht mehr – ideal für den Stadtverkehr ist die Wendigkeit trotzdem.

Sehr praktisch in der Stadt ist auch die per Knopfdruck aktivierbare "Single Pedal Cotrol", mit der sich der Honda allein durch das Gaspedal beschleunigen und verlangsamen lässt. Weil er so auch automatisch wieder seine Batterie lädt, dürften innerstädtisch sogar mehr als die prognostizierten 200 Kilometer Reichweite drin sein.

Weltpremiere feiert das Serienmodell auf der IAA im September 2019, vom Band rollen wird der erste Elektro-Honda ab Ende des Jahres. Auslieferung: ab März 2020. Für 2020 sind 5000 Stück für ganz Europa geplant, 1500 davon sollen den Weg nach Deutschland finden.

Der Preis steht inzwischen fest: exakt 33.850 Euro. Das wäre vergleichsweise teuer. Doch dafür bekommt man einen erwachsenen Kleinwagen, dessen sympatisch-knuffiges Design Betrachtern gute Laune macht, innen auch optisch modernste Technik verspricht und vor allem: einen elektrischen Fahrspaß bietet, den viele Konkurrenten noch lange nicht erreichen werden.

Vorläufige technische Daten

Honda e
Motor Elektromotor, Leistung 110 kW/150 PS, Drehmoment 300 Nm                  
Batteriekapazität / Reichweite 35 kWh / 200 km (WLTP)
Ladeleistung / Verbrauch bis 50 KW (DC) / 18–20 kWh/100 km
Antrieb                     Heckantrieb                    
Leergewicht                     ca. 1500 kg                    
Länge                     3,92 m                    
Wendekreis                     9,2 m                    
Preis                     ab 33.850 Euro, Advance-Version ab 36.850 Euro                    

Text: Thomas Kroher, Jochen Wieler, Peter Maahn/SP-X. Fotos: Honda.

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