Reifendichtmittel: Was bei Pannensets zu beachten ist

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Man muss in Deutschland zwar kein Reifenpannenset dabei haben, hilfreich kann es trotzdem sein. Zumindest kurzfristig helfen Reifendichtmittel bei einer Reifenpanne, wenn kein Reserverad im Auto ist.

  • Reifenpannensets helfen bei plattem Reifen

  • Unbedingt die Bedienungsanleitung beachten

  • Nur bis zur nächsten Werkstatt fahren

Pannenset statt Reserverad

Ein Reifenpannenset
Ein Pannenset besteht aus einem Reifendichtmittel (li.) und einem Kompressor zum Aufpumpen © PR

Seit einigen Jahren haben die meisten neuen Autos statt eines vollwertigen Reserverads nur noch ein Reifenpannenset im Kofferraum. Der Vorteil: Es lässt sich gut im Auto verstauen und benötigt weniger Platz als ein Ersatz- oder Notrad. Ein Pannenset hat zudem wenig Gewicht und erhöht im Gegensatz zu einem schweren Ersatzrad dadurch nicht den Kraftstoffverbrauch. Nachteil: Wer bei einer Panne seinen Reifen mit einem Reifendichtmittel befüllt, kann nur eine kurze Strecke weiterfahren.

Mit Reifendichtmitteln aus einem Pannenhilfeset lassen sich lediglich kleinere Löcher abdichten, die im Bereich der Lauffläche durch spitze Gegenstände wie Nägel oder Schrauben entstanden sind. Wenn der provisorisch abgedichtete Reifen dann zuverlässig Luft hält, ist mit dem geflickten Reifen zumindest eine vorsichtige Weiterfahrt bis zur nächsten Werkstatt möglich.

Platter Reifen: Helfen Pannensets?

Ein platter Reifen
Ein Plattfuß kann mit dem richtigen Reifenpannenset bei einfachen Stichverletzungen behoben werden © Shutterstock/Toa55

Für Autos mit normaler Bereifung gibt es verschiedene Reifenpannensets, die in Neufahrzeugen mit ausgeliefert werden. Daneben gibt es auch Reifendichtmittel aus der Spraydose. Ein Reifenpannenset hat gegenüber der Montage eines Reserverads den Vorteil, dass es meistens einfach anzuwenden ist.

Wichtig: Größere Beschädigungen am Reifen wie zum Beispiel eine Laufflächenablösung, Risse oder auch undichte Ventile lassen sich mit einem Reifendichtmittel allerdings nicht beheben. In jedem Fall müssen Autofahrende die Anweisungen in der Bedienungsanleitung beachten.

Vorsicht: Einschränkungen gibt es für sehr niedrige Temperaturen besonders im Winter. Denn bei Minusgraden sind die Mittel der Pannensets sehr zähflüssig und dichten manchmal nicht richtig ab.

Reparatur mit Reifenpannenset:

  • Undichte Stelle suchen.

  • Hat ein Gegenstand den Reifen beschädigt, bleibt er meist im Reifen und wird nicht herausgezogen. Ausnahme: Der Pannenset-Hersteller sieht es vor.

  • Auto so bewegen, dass das Reifenventil unten ist.

  • Ventilkappe abnehmen und Ventileinsatz mit beiliegendem Spezialwerkzeug ausschrauben.

  • Reifenreparaturset mit Kompressor, Dichtmittelflasche und Schlauch zum Befüllen nach Vorgabe vorbereiten.

  • Kompressor an Bordsteckdose anschließen, Motor starten.

  • Dichtmittel in Reifen einfüllen.

  • Bei laufendem Motor mit Kompressor den geforderten Fülldruck herstellen. Meist steigt er zunächst stark an, um später auf den echten Reifendruck abzufallen.

  • Bei korrektem Reifendruck Kompressor abschalten, Schläuche vom Ventil abnehmen.

  • Stromversorgung für Kompressor aus Steckdose abziehen.

  • Reifenpannenset wieder verstauen.

  • Vorsichtig, aber zügig losfahren.

  • Maximale Geschwindigkeit laut Herstellervorgabe (meist 80 km/h).

  • Fülldruck im Reifen nach einigen Kilometern kontrollieren.

  • Nur bis zur nächsten Werkstatt fahren.

Grundsätzlich gelten die Beschreibungen in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Diese Hinweise sind unbedingt zu beachten.

Reifenpannenset vs. Reifenspray

Reifenpannensets sind relativ komfortabel in der Handhabung, wenn auch mit Kompressor die teuerste Variante. Kostenpunkt: rund 50 Euro. Allerdings sind sie keine Dauerlösung. Der beschädigte Reifen muss nämlich in jedem Fall trotzdem so schnell wie möglich durch einen neuen Reifen ersetzt werden. Außerdem funktioniert ein Reifendichtmittel nur bei einer undichten Stelle in der Lauffläche des Reifens. Diese darf nicht größer als 4 bis 5 Millimeter im Durchmesser sein.

Eine Frau wechselt einen Reifen am Strassenrand
Manchmal hilft nur noch ein Reifenwechsel © Shutterstock/Bobex-73

Reifensprays sind in der Regel zwar kostengünstig in der Anschaffung (ab 10 Euro), es ist aber nach dem Abdichten nicht möglich, den Reifendruck zu kontrollieren. Außerdem müssen die Einsatzbedingungen sehr günstig sein, damit sie abdichten. Wegen der begrenzten Gasmenge in den Spraydosen lässt sich der Reifendruck für eine sichere Weiterfahrt meistens nicht einstellen.

Ist der Schaden am Reifen aber größer, hilft nur noch die Montage des Reserverads oder aber ein Anruf bei der ADAC Pannenhilfe.

Notlaufreifen sind eine Alternative

Wer mit Notlauf-Reifen – auch Run-Flat-Reifen genannt – unterwegs ist, braucht kein Reifendichtmittel und kann bei Luftverlust vorsichtig weiterfahren. Allerdings sollte man damit nicht schneller als 80 km/h und höchstens 80 Kilometer weit fahren. Autofahrende müssen auch hier die Herstellerangaben in jedem Fall beachten. Eine Weiterfahrt bis zur nächsten Werkstatt ist aber möglich.

Was nach einer Reifenpanne zu beachten ist

Der defekte Reifen muss in jedem Fall erneuert werden. Weitere Kosten fallen nach der Anwendung eines Reifendichtmittels auch für die innenseitige Reinigung der Felge durch einen Fachbetrieb an. Diese ist oft sehr aufwendig und damit teuer.

Wichtig zu wissen: Wenn ein Reifen mit einem Reifendichtmittel behandelt wurde, ist eine professionelle Reifenreparatur durch eine qualifizierte Fachwerkstatt nicht mehr erlaubt.

Fachliche Beratung: Ruprecht Müller, Matthias Zimmermann / ADAC Technikzentrum

Andrea Piechotta
Redakteurin
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