Führerscheinumschreibung für Flüchtlinge

Theoretischer Führerscheinunterricht
Wer seinen Führerschein nicht in Deutschland gemacht hat, kann ihn umschreiben lassen© ADAC/Markus Hannich

Der Führerschein ist für Flüchtlinge der Schlüssel für eine unabhängige Mobilität und oft auch Voraussetzung bei der Job-Vergabe. Was bei der Anerkennung und Umschreibung eines Führerscheins aus einem Drittstaat (Nicht EU- oder EWR-Staat) wie der Ukraine oder Syrien zu beachten ist.

  • Meist theoretische und praktische Führerscheinprüfung erforderlich

  • Minderjährige dürfen in Deutschland nicht Auto fahren

  • Fahrerlaubnis aus Drittstaaten gilt in Deutschland sechs Monate

Was gilt, wenn kein dauerhafter Wohnsitz begründet wird?

Flüchtlinge, die nur durchreisen oder planen nicht dauerhaft in Deutschland zu bleiben, dürfen grundsätzlich unbefristet ihre Fahrerlaubnis nutzen. Führerscheine aus Nicht-EU-Staaten brauchen aber zusätzlich eine Übersetzung, sofern der Führerschein nicht in englischer Sprache ausgestellt ist. Inhaber ukrainischer Führerscheine, die sich nur vorübergehend im Bundesgebiet aufhalten, sind von der Verpflichtung zur Mitführung einer Übersetzung befreit.

Gültigkeit ukrainischer Führerscheine in Deutschland

Nach Auskunft des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr gilt Folgendes: "Alle Bürgerinnen und Bürger aus der Ukraine, die einen nationalen (ukrainischen) oder einen Internationalen Führerschein besitzen, dürfen in der Bundesrepublik Deutschland Kraftfahrzeuge der Klassen führen, für die ihr Führerschein ausgestellt ist, soweit sie sich vorübergehend im Bundesgebiet aufhalten.

Die Mitführung einer Übersetzung des ukrainischen Führerscheins ist nicht erforderlich. Erst wenn die Betroffenen hier ihren Wohnsitz in Deutschland begründen, besteht die Fahrerlaubnis noch weitere sechs Monate. Danach ist dann ein in der Bundesrepublik Deutschland ausgestellter Führerschein erforderlich." (Quelle: Bundesministerium für Digitales und Verkehr)

Was gilt nach Begründung des Wohnsitzes in Deutschland?

Für Flüchtlinge, die einen ordentlichen Wohnsitz in Deutschland begründen, gilt die Fahrberechtigung des Herkunftslandes für sechs Monate ab Wohnsitzbegründung. Nach Ablauf der sechs Monate erlischt die Berechtigung. Wer auch nach Ablauf der sechs Monate fahren möchte, muss den Führerschein in ein in Deutschland ausgestelltes Dokument umschreiben lassen.

Ein ordentlicher Wohnsitz besteht bereits dann, wenn der Aufenthalt mit der ernsthaften Absicht begründet wird, für einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens 185 Tagen in Deutschland zu wohnen und/oder zu arbeiten. Für Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, um Asyl zu beantragen und dauerhaft zu bleiben, beginnt damit die Sechsmonatsfrist mit dem Zeitpunkt der Einreise.

Übersetzung und Klassifizierung des Führerscheins

Während der sechs Monate nach Begründung es ordentlichen Wohnsitzes muss grundsätzlich eine Übersetzung mitgeführt werden, sofern der Führerschein nicht in englischer Sprache ausgestellt ist. Das gilt nach Auskunft des BMVI nicht für Führerscheine in ukrainischer Sprache. Für die Umschreibung wird eine Klassifizierung verlangt.

Angebot: Übersetzungs- und Klassifizierungs-Service

Der ADAC bietet einen Übersetzungsservice für Führerscheine an. So können Sie Ihren Führerschein beim Club übersetzen und klassifizieren lassen.

Theoretische und praktische Prüfung

Da mit den typischen Herkunftsländern von Flüchtlingen kein Anerkennungsabkommen besteht, ist für die Umschreibung der Führerscheine eine zusätzliche theoretische und praktische Prüfung erforderlich. 

Die theoretische Prüfung kann in den Sprachen Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Kroatisch, Spanisch, Türkisch und Hocharabisch absolviert werden. Die praktische Prüfung erfolgt ausschließlich in Deutsch.

Kristina Benecke
Fach-Autorin
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