e-Autos unterwegs: Laden im Tarifdschungel

8.1.2019

Noch immer liegt der Anteil an Elektrofahrzeugen in Deutschland nur bei knapp über einem Prozent. Das liegt unter anderem an der mangelnden Ladeinfrastruktur für e-Autos.

Ladesäule an einem Parkplatz
  • Mangelnde Sichtbarkeit von Ladesäulen
  • Verbraucherfreundlichkeit verbesserungswürdig
  • Technisch sind die Ladesäulen aber meist in Ordnung

Wer sein Elektroauto nicht zu Hause laden kann oder auf Reisen ist, muss Ladestationen nutzen. Die gibt es nicht nur im öffentlichen Straßenraum, auch einige Arbeitgeber und z.B. Supermärkte bieten ihren Angestellten und Kunden die Möglichkeit, die Batterie ihres e-Autos aufzuladen. 12.600 Ladesäulen* gibt es mittlerweile in Deutschland, und man möchte meinen, das Laden unterwegs wäre problemlos möglich.

Theoretisch stimmt das, in der Realität sieht es aber anders aus. Es fängt bereits damit an, dass die Parkplätze an den Ladestationen oft recht klein sind und sich zu nahe am fließenden Verkehr befinden. Ein weiteres Problem: die Sichtbarkeit der Säulen. Nicht selten haben diese die Größe und Farbe von Stromverteilerkästen, auch Sichthindernisse führen dazu, dass der Fahrer die Ladesäulen übersieht. Vor allem bei Dunkelheit sind die Stationen häufig schwer auszumachen, erst recht, wenn der Fahrer sich vor Ort nicht auskennt.

Ist schließlich doch eine Ladesäule gefunden, offenbart sich das nächste Problem: Die Vielzahl an Betreibern bringt große Unterschiede zwischen den Ladestationen mit sich. Hier wird per Ladekarte Strom getankt, dort mithilfe einer App. Zudem variieren sowohl die Kosten, als auch die Abrechnungsmodelle der Betreiber sehr stark, je nachdem ob man einen Vertrag hat, über den Sofortzugang lädt oder über Roaming bei einem anderen Mobilitätsprovider. Transparenz? Fehlanzeige!

Vorbild Tankstelle: Wie viel kostet eine kWh Strom?

Eigentlich müsste für den Fahrer eines Elektrofahrzeugs auf Anhieb erkennbar sein, wie viel er pro Kilowattstunde (kWh) zahlen muss. So, wie es auch beim Tanken von Treibstoff an der Tankstelle funktioniert und wie es eigentlich auch der Gesetzgeber in der Preisangabenverordnung (PAngV) fordert. Um das zu gewährleisten, müssen alle Tankstellen in kurzen Zeitabständen ihre Preise verpflichtend an die Markttransparenzstelle melden. Ein ähnliches System müsste es auch beim Laden von e-Autos geben, doch aktuell muss der Fahrer die jeweils gültigen Ladetarife aufwändig auf Internetseiten der Anbieter recherchieren. Nach dem Ladevorgang werden die geladene Leistung und die Rechnungssumme teils erst nach Einsicht in Nutzerkonten und in einigen Fällen auch noch zeitverzögert ersichtlich. Aktuell bieten nur wenige Betreiber eine Abrechnung pro Kilowattstunde an. 

Der Grund dafür ist die Eichrechtsverordnung, die oft noch nicht umgesetzt werden kann. Daher rechnen die meisten Anbieter nach Ladezeit ab, was dazu führt, dass der Ladevorgang sehr teuer werden kann, je nachdem mit welcher Ladeleistung das Elektroauto laden kann. Auch muss der Elektroautofahrer bedenken, dass unter Umständen berechnet wird, wenn der Akku zwar vollständig geladen ist, das Fahrzeug aber noch immer an der Säule hängt. Dadurch soll erreicht werden, dass die Ladesäulen nicht länger belegt werden, als für den Ladevorgang notwendig ist, um so die Ladesäule wieder für das nächste Elektroauto frei zu haben.

Ladesäulen nicht besonders verbraucherfreundlich

Aber es gibt auch gute Nachrichten rund ums Thema Laden des e-Autos unterwegs: Technisch sind die Ladesäulen meist in Ordnung. Das haben wir in einem landesweiten Test öffentlicher Ladesäulen feststellen können. Leider haperte es häufig am Bedienkomfort und den uneinheitlichen Zugangssystemen. Hier muss nachgebessert werden.

Aus ADAC Sicht, zeichnet sich eine sehr gute Ladesäule unter anderem dadurch aus, dass online angezeigt wird, ob die Ladesäule frei, belegt oder defekt ist, dass das Laden unabhängig vom Anbieter funktioniert und dass der Preis pro Einheit an der Säule angezeigt wird. 

Bis mehr Ladestationen eine sehr gute Bewertung erhalten können, scheint es aber noch ein weiter Weg. Wer ein Elektrofahrzeug fährt, muss sich beim Laden unterwegs wohl oder übel weiter durch den Dschungel an Betreibern, Preismodellen und Intransparenz kämpfen.

Wir haben die Tarifmodelle von elf Anbietern unter die Lupe genommen: Hier finden Sie die Preise, Daten und Fakten.

Sie haben weitere Fragen zum Laden von Elektroautos? Antworten finden Sie in unseren FAQs zu Elektroautos.

* Quelle: Statista GmbH