Car2X: Wenn Autos mit der Umwelt kommunizieren

10.8.2018

Vernetzung ist ein zentrales Thema im Bereich Mobilität, Car2X-Kommunikation das passende Schlagwort. Heutige Autos tauschen bereits Informationen mit den Herstellern aus. Künftige Fahrzeuge werden auch mit anderen aktiv kommunizieren und sich mit der Verkehrstechnik in Städten und auf Autobahnen verbinden.

Autonomes Auto kommuniziert mit Umgebung
Bei Car2X kommunizieren Autos untereinander oder mit der Verkehrsinfrastruktur.

Wenn in Zukunft Autos mit Autos oder Autos beispielsweise mit Ampeln in digitalen Kontakt treten, klingt dies nach einer Vision. Doch schon heute gibt es Muster-Einsatzszenarien von Car2X, die positive Wirkungen auf den Verkehrsablauf sowie auf den Komfort und die Sicherheit des Fahrers haben sollen. Aktuell fehlt allerdings eine grundsätzliche Voraussetzung zur Erreichung dieser Ziele: die Einigung über einen einheitlichen Kommunikationsstandard, der dann länder-, hersteller- und modellübergreifend ist. 

Die Europäische Kommission will bis Ende 2018 verbindliche Standards für die Ausgestaltung "kooperativer Systeme" festlegen, deren technologische Grundlage Car2X bildet.

Was bedeutet Car2X?

Car2X ist der Oberbegriff für verschiedene Kommunikationswege innerhalb der vernetzten Mobilität. Diese können von Fahrzeug zu Fahrzeug (Car2Car) oder von Fahrzeug zur verkehrstechnischen Infrastruktur (Car2I) führen. Im Car2X-Modell sind die Fahrzeuge stets sowohl Sender als auch Empfänger von Daten. Der Austausch dieser Informationen erfolgt in Echtzeit.

Welche Technologie wird bei Car2X eingesetzt?

Im Fahrzeug

Im Regelfall erfolgt die Kommunikation über WLAN oder Mobilfunktechnik, die im Auto fest verbaut ist. Die für Car2X-Kommunikation notwendige Identifizierung des Fahrzeugs im Netz erfolgt über eine Client-Nummer. Die empfangenen Meldungen bzw. Gefahrenhinweise werden auf dem Mitteldisplay des Autos dargestellt.

In der verkehrstechnischen Infrastruktur    

Fahrzeuge benötigen für die Vernetzung und den Austausch von Informationen einen technisch vergleichbar ausgestatteten Gegenpart auf der Seite der verkehrstechnischen Infrastruktur. Der Datenaustausch erfolgt über ein einheitliches Kommunikationsprotokoll.

Mehr Sicherheit und besserer Verkehrsfluss bei Car2X

Was leistet Car2X-Kommunikation?

Sie soll für eine höhere Sicherheit sorgen und durch Stauvermeidung den Verkehrsfluss in Städten und auf Autobahnen verbessern. Bei ADAC Vergleichstests von Notbremsassistenten stellte sich heraus, dass die künftige Verknüpfung mit Car2X-Kommunikation ein wichtiger Baustein etwa zur Verhinderung von Kreuzungsunfällen sein kann. "Hier werden die zukünftigen vernetzten Systeme durch eine ganzheitliche Umfeldüberwachung oder Car2Car- bzw. Car2Infrastruktur-Kommunikation die Zahl der im Straßenverkehr verletzten oder getöteten Personen weiter reduzieren können", sagen unsere Experten.

Car2X erweitert also den Horizont der Fahrzeugsensorik durch den in Echtzeit erfolgenden Informationsaustausch mit der Umgebung. Der so gewonnene digitale „Blick um die Kurve“ kann zum frühzeitigen Erkennen einer gefährlichen Situation beitragen. Etwa indem ein Einsatzfahrzeug vor einer Kreuzung einen Warnhinweis auf dem Display anderer Autos in unmittelbarer Nähe auslöst. Oder aber, wenn beim Ansprechen des Anti-Schleuder-Systems ESP der nachfolgende Verkehr vor rutschigen oder glatten Stellen gewarnt wird.

Anwendungsbeispiele für Car2X-Kommunikation

Sämtliche bisher von den Herstellern gezeigten Anwendungsbeispiele sind noch Insellösungen, die den Charakter von Machbarkeitsstudien haben und Möglichkeiten an Einzelbeispielen demonstrieren. So können Fahrzeuge von Audi in Berlin derzeit mit mehr als 700 Ampeln über deren zentrale Steuerung kommunizieren (Car2I). Dabei wird die optimale Geschwindigkeit des Fahrzeugs für die grüne Welle vorausberechnet oder dem Fahrer die verbleibende Laufzeit der aktuellen Rotphase angegeben. Damit kann Kraftstoff eingespart werden. Auf Autobahnen könnte diese Technik darüber hinaus den Verkehrsfluss optimieren. 

Bei Fahrzeugen von Mercedes-Benz gehen Warnungen zu gesperrten Kreuzungen oder über Sichteinschränkungen an andere Autos bestimmter Baureihen (bisher u.a. E-Klasse). Die Informationsübermittlung kann dabei von Auto zu Auto oder auch von einem Backend (einem zentralem Server des Herstellers) an das Fahrzeug erfolgen.

Datenschutzproblematik

Bei der Car2X-Kommunikation werden zwangsläufig große Datenmengen erfasst, ausgetauscht und verarbeitet. Und zwar nicht nur in den Fahrzeugen, sondern auch in den Backends der Hersteller, in der Verkehrstechnik und bei den involvierten Mobilfunkanbietern. Die Herausforderung ist eindeutig: Ohne weitreichende Datenverarbeitung kann eine Vernetzung nicht wirksam werden.

Um potenziellem Datenmissbrauch einen Riegel vorzuschieben, muss auf jeden Fall die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingehalten werden. Außerdem muss der Fahrer wissen, wann welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden, zudem muss er eigenständig entscheiden können, welche vom Hersteller angebotenen Dienste er nutzen möchte und welche Daten dieser verwenden darf.

Außerdem muss die eingesetzte IT stets auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik sein, um Manipulationen zu verhindern und mögliche Sicherheitslücken aufzudecken. Da IT-Sicherheit und funktionale Sicherheit der eingesetzten Systeme miteinander verwoben sind, ist die IT-Sicherheit ein kritischer Faktor für eine erfolgreiche Einführung von vernetztem und autonomem Fahren.

Text: Jörg Peter Urbach

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de