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Mercedes S-Klasse 2020: So viel Hightech steckt in der Limousine

Chefentwickler der neuen S-Klasse Jürgen Weissinger posiert am Mercedes
Chefentwickler Jürgen Weissinger mit der neuen Mercedes S-Klasse ∙ © Daimler

Seit 1972 gilt die Mercedes S-Klasse als Synonym für Luxus. Im Herbst 2020 kommt die neueste Generation – mit einigen technischen Raffinessen. Was die S-Klasse alles kann, erklärt Chefentwickler Jürgen Weissinger.

  • Drei Karosserielängen von 5,20 m bis 5,40 m

  • Neuartige Bedienung, fast keine Tasten mehr

  • Marktstart im Herbst 2020; auch als Plug-in-Hybrid

Keiner kennt die S-Klasse besser als er: Chefentwickler Jürgen Weissinger arbeitet seit über 35 Jahren bei Daimler und war unter anderem an der Entwicklung des Vision A, dem Konzeptfahrzeug der ersten A-Klasse, dem SLK/SL/SLR, dem Maybach und etlichen S-Klasse-Modellen beteiligt. Auch Konzeptfahrzeuge wie der F 015 stammen aus seiner Hand.

An der neuen S-Klasse, intern W 223 genannt, arbeitet er seit 2015. Sie ist sein letztes Projekt bei Mercedes. Und was für eines. "Bei der S-Klasse geht es darum, das beste Auto der Welt noch besser zu machen. Neben Sicherheit und Komfort stand bei der Entwicklung der Luxus über allem", sagt Jürgen Weissinger. Noch ist die Limousine getarnt, enthüllt wird sie erst im Herbst 2020. Details zur Technik verrät der Chefentwickler aber schon jetzt.

Karosserie: Drei Radstände, mehr Platz

Im Vergleich zum Vorgänger bietet das neue Modell mehr Technik, Komfort und Platz. Mercedes stellt wieder drei Radstände zur Auswahl und nennt die Fahrzeuge intern W (kurzer Radstand, Gesamtlänge knapp 5,20 Meter), V (mittlerer Radstand, Gesamtlänge fast 5,30 Meter) und Z (langer Radstand mit etwa 5,40 Meter Länge bei der Maybach-Version). Für Europa ist die "kurze" Version besonders relevant – mit immerhin vier Zentimetern mehr Knieraum im Fond als das Vorgängermodell. Bei der S-Klasse mit mittlerem Radstand sind es nur zwei Zentimeter, aber hier war der Vorgänger W 222 schon sehr gut aufgestellt.

Trotz der üppigen Maße soll sich die Luxuslimousine agiler fahren denn je. Dank einer neuen, optionalen Allradlenkung mit einer Verstellmöglichkeit von fünf oder zehn Grad an der Hinterachse reduziert sich der Wendekreis um bis zu zwei Meter. "Damit fährt sich das Auto in der Stadt sehr sportlich", erklärt Weissinger. Bis 60 km/h soll sich das Modell wie ein Kompaktwagen verhalten. "Selbst in engen Kurven wie bei Parkhausauffahrten zirkelt die S-Klasse spielend hoch", so der Chefentwickler.

Die S-Klasse ist noch leiser als bisher

Auch der Fahrkomfort soll noch einmal deutlich zugelegt haben: Im Innenraum nehmen Passagiere keine Störgeräusche mehr wahr, sogar bei hohen Geschwindigkeiten fahre die S-Klasse nahezu geräuschlos, sagt Weissinger. Ein spezieller Schaum im Leerraum des Rohbaus schluckt Vibrationen und Geräusche. Die für diese Klasse gute Windschlüpfigkeit (Cw-Wert: 0,22) trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei. Die Türgriffe liegen zum Beispiel bündig am Fahrzeugblech an.

Assistenz : Beim Seitencrash hebt sich die Karosserie

Das elektronische Fahrwerk e ABC erkennt dank neuster Kameratechnik nicht nur die Straßenbeschaffenheit und stellt das Fahrwerk darauf ein. Es kann auch einen Seitenaufprall frühzeitig erfassen und reagiert darauf entsprechend: Um die Insassen besser zu schützen, hebt sich die Karosserie blitzschnell einige Zentimeter an. Zu einem späteren Zeitpunkt will Mercedes die S-Klasse für automatisiertes Fahren nach Level 3 auf Autobahnen freigeben. Die Technik funktioniert laut Weissinger bereits einwandfrei.

Für mehr Sicherheit bei Dunkelheit sorgen neue HD-Scheinwerfer mit rund 1,3 Millionen Pixel pro Leuchteneinheit. Darin arbeiten auf einem daumengroßen Chip genau so viele Mini-Spiegel, die sich einzeln verstellen lassen. "Mit dem Digital Light lässt sich theoretisch ein Film auf der Straße als Projektionsfläche schauen, so genau arbeiten die Lichtstrahlen", schwärmt Weissinger. Die Straße soll dadurch äußerst präzise ausgeleuchtet werden. Bereits in der letzten Maybach-Generation hatte Mercedes ein vergleichbares System vorgestellt.

Bediensysteme: Kameras haben die Insassen im Blick

Ein Highlight ist das digitale Bediensystem. Es lässt sich per Fingertipp, Sprache (auch vom Fond aus) sowie mit Gesten bedienen. Kameras im Innenraum unterstützen die Insassen des Fahrzeugs. So erkennt eine Kamera den Fahrer anhand von Augen und Gesicht und stellt das vorher gespeicherte Fahrzeugprofil auf ihn ein. Dazu zählen unter anderem Vorlieben für Sitzposition, Klimaanlage, Schiebedach, Rollos und Radio. Anhand des Lidschlags identifiziert die Kamera außerdem, ob der Fahrer müde ist und schlägt Vitalisierungsprogramme vor. Zur Wahl stehen Massage, Klimatisierung, Beduftung, Ambientelicht und passende Musik.

Informationen im Kombiinstrument sieht der Fahrer optional in 3D mit einer besonderen Tiefenwirkung. Man kann verschiedene Optiken und Welten wie Luxury, Karte und Service einblenden. "Das neue MBUX-System besitzt viele Innovationen und hat eine bis zu 40 Prozent neue Telematik. Aber vor allem gehen Bedienung und Menüführung in eine neue Richtung", erklärt Chefentwickler Weissinger. So zeigt das Head-up-Display Navigationspfeile so an, als würden sie zehn Meter vor dem Auto auf der Straße schweben. Zugleich wandern sie in die zu fahrende Richtung. Außerdem lassen sich virtuelle Themen einblenden.

Bessere Sprachsteuerung

Die Sprachsteuerung müssen die Insassen nicht wie bisher mit "Hey Mercedes" aktivieren, sondern können einzelne Sprachbefehle direkt geben – auch mehrere hintereinander, die die S-Klasse dann sukzessive abarbeitet. Viele Funktionen lassen sich auch über das 12,8 Zoll große Zentraldisplay in der Mitte des Cockpits bedienen. Insgesamt gibt es bis zu drei Touchscreens im Fond.

Die S-Klasse hört nicht nur alles, sondern sieht auch, was die Passagiere machen. Dreht der Fahrer seinen Kopf zum Rückwärtsfahren nach hinten, öffnet sich automatisch das Heckrollo. Schlägt ein Fondpassagier eine Zeitschrift auf, strahlt ein Spot bei Dunkelheit zielgenau auf die Seiten. Und ein umlaufendes Lichtband unterhalb der Fenster kann in verschiedenen Farben leuchten und den Fahrer durch heftiges Blinken warnen. Etwa, wenn er beim Spurwechsel ein Auto übersieht.

Sitze mit Nackenmassage

Hohen Komfort versprechen auch die weitgehend in Handarbeit gefertigten Einzelsitze. Bis zu 17 Motoren sind in einem Sitz für Massage, Lüftung und Heizung zuständig. Erstmals gibt es ein beheizbares Nackenkissen, das Verspannungen lindern soll. Bei einem Crash werden die Fondpassagiere erstmalig mit Airbags aus den Rückenlehnen der Vordersitze geschützt.

Es kommt auch ein Plug-in-Hybrid

Genaue Leistungsdaten zu den Antrieben will der Chefentwickler noch nicht verraten, aber als sicher gelten die Reihensechszylinder als Diesel (S 350d und S 400d) und Benziner (S 450 und S 500), ein Achtzylinder für den S 580 und ein V12 im S 650. Ein Benziner als Plug-in-Hybrid mit einer elektrischen Reichweite von 100 Kilometern nach WLTP ist ebenso geplant. Die Leistung reicht bei den Dieselmotoren von rund 290 PS bis 330 PS, bei den Benzinern kann man von 370 bis über 600 PS ausgehen. Meistverkauftes Modell wird weiterhin der S 500 sein.

Preis: Nicht unter 90.000 Euro

Auch zum Preis gibt Mercedes aktuell noch keine Auskunft. Das bisherige Modell startet bei 89.128 Euro für den S 350d. Günstiger wird die neue S-Klasse bestimmt nicht werden – dafür aber luxuriöser und innovativer als der Vorgänger. Mitbewerber wie Audi A8 (ab 91.776 Euro), BMW 7er (ab 87.962 Euro) und Porsche Panamera (ab 95.289 Euro) liegen in einer ähnlichen Preisregion.

Probefahrt im Vision EQS: Die elektrische S-Klasse

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Text: Fabian Hoberg