BMW i7 und BMW 7er: So fährt das neue BMW-Flaggschiff

Am großen Kühlergrill des BMW i7 / 7er scheiden sich die Geister
Am großen Kühlergrill des BMW i7 / 7er scheiden sich die Geister© BMW

Der neue BMW 7er kommt mit Verbrennungsmotoren und als Elektroauto BMW i7. Unser Autor konnte beide Varianten als getarnte Erlkönige ausprobieren. Alle Infos zu Reichweite, Batterie und Technik.

  • BMW i7 mit Elektroantrieb für 590 bis 625 km Reichweite

  • BMW 7er mit Dieselmotor und Plug-in-Hybrid

  • Beide Varianten äußerlich kaum zu unterscheiden

Die Autowelt im Allgemeinen und die Oberklasse im Besonderen sind im Umbruch – und die PS-Elite findet darauf ganz unterschiedliche Antworten. Während sich Newcomer wie Tesla oder Lucid wagemutig und kompromisslos in die neue Welt stürzen und Audi irgendwie noch nicht ganz von der alten Welt lassen kann, probiert es Mercedes mit einer Doppelstrategie und bedient die Verbrenner-Fraktion mit der S-Klasse, während der EQS in die Zukunft schielt. BMW macht es beim neuen 7er anders – und präsentiert wie beim iX3 zwei unterschiedliche Autos in einer Karosserie.

BMW i7 und BMW 7er sehen gleich aus

Erstmals hat der 7er geteilte Scheinwerfer © BMW

BMW will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und zwingt das Flaggschiff in den Spagat: Außen wie innen nur an Details zu unterscheiden – vornehmlich an blauen Elementen für die elektrische Version – kommt der Luxusliner fast gleichzeitig als Siebener und als i7 und will so beide Lager bedienen. Der elektrische i7 bekommt dabei den Vortritt: Er wird gegen Ende 2022 in den Handel kommen, die Versionen mit Ottomotor dagegen erst im Frühjahr 2023.
Der Antrieb mag sich dabei unterscheiden, doch der Anspruch bleibt der gleiche: "Der Siebener soll auch künftig das dynamischste und zugleich komfortabelste Auto in seiner Klasse sein", sagt Nicolai Martin, der das Fahrerlebnis verantwortet. Dass das wirklich so ist, davon konnte sich unser Autor schon vor der Weltpremiere bei einer ersten Ausfahrt im Prototypen im Münchner Umland überzeugen.

Neuer BMW i7 / BMW 7er: Extrem handlich

Typisches BMW-Heck auch beim i7 © BMW

Ob man im BMW i7 oder im Standard-Siebener sitzt, macht tatsächlich keinen Unterschied – selbst wenn da im schlimmsten Fall mehrere 100 Kilo dazwischenliegen. Denn egal ob mit Sprit oder Strom fühlt sich der Luxusliner tatsächlich sehr viel handlicher, verbindlicher und engagierter an als seine Konkurrenten – und das, obwohl der 7er sogar einen längeren Radstand hat als die bisherige Langversion und sich nun auf 5,39 Meter streckt. Das sind 13 Zentimeter mehr als bisher. Die Breite legt um 4,8 Zentimeter auf 1,95 Meter zu (ohne Spiegel) und die Höhe um fünf Zentimeter auf 1,54 Meter.

Wo man sich in EQS und selbst in der S-Klasse ein wenig über den Dingen wähnt und buchstäblich abgehoben ist, bleibt der Fahrer im Siebener immer im Zentrum des Geschehens und freut sich daran, dass vor ihm so ein griffiges Lenkrad prangt. Wer aber mal in die zweite Reihe wechselt, der fühlt sich plötzlich in einem ganz neuen Auto, liegt butterweich auf seinem Ledersofa und bekommt von der Welt da draußen kaum etwas mit.

Haben die Zweikammer-Luftfederung, die Hinterachsenlenkung und die aktive Wanksteuerung in Reihe eins noch die Nerven gekitzelt und den Blutdruck in die Höhe getrieben, wirkt der Luxusliner vom Fond aus wie eine feste Burg, die sowohl im Tiefflug auf der Autobahn als auch bei der flotten Landpartie in kurvigem Geläuf jeder Anstrengung trotzt. Zum Spielen haben auch die Fondinsassen etwas bekommen: In den Türen befinden sich kleine Displays unter anderem zur Steuerung von Entertainment, Klimaanlage und Sonnenrollos.

BMW i7: Mit zwei Elektromotoren und 544 PS

Lange Schnauze, kurzes Heck: Ein 7er wie ein 7er © BMW

Treibende Kraft sind im i7 zwei Elektromotoren aus dem so genannten Gen5-Baukasten, mit dem die Bayern auch den iX und den i4 konstruiert haben. Zum Marktstart Ende 2022 ist der i7 als xDrive 60 mit 400 kW/544 PS zu haben, der bereits mit erhabenen Fahrleistungen glänzt. Mit 745 Newtonmeter Drehmoment wuchtet sich die Limousine in Windeseile aus dem Stand nach vorn und erreicht nach gerade einmal 4,7 Sekunden Tempo 100. Die Spitze ist bei 240 km/h begrenzt. Die Kraftverteilung übernehmen zwei Elektromotoren: Mit 230 kW/313 PS fällt der Elektromotor, der auf die Hinterachse wirkt, dabei etwas stärker aus als der E-Motor an der Vorderachse mit 190 kW/258 PS.

Da stellt sich schon die Frage, wozu es einen noch stärkeren i7 braucht, der als i7 M70 xDrive bereits angekündigt ist und laut BMW "deutlich mehr als 600 PS" und 1000 Nm Drehmoment haben soll. In unter vier Sekunden soll sich die fast 2,7 Tonnen schwere Limousine auf Tempo 100 katapultieren. Irrsinn? Irgendwie schon.

Der Akku ist mit 101,7 kWh großzügig dimensioniert, so dass zwischen 590 und 625 Kilometer Reichweite angekündigt sind –zumindest nach dem eher gemächlichen WLTP. Wer den i7 fliegen lässt, dürfte die Werte allerdings nur aus dem Prospekt kennen. Die maximale Ladeleistung liegt bei 195 kW. Im Vergleich zu einem Porsche Taycan, Audi e-tron GT oder Kia EV6 ist das kein Rekordwert, doch kurze Ladezeiten an schnellen Autobahnsäulen (DC-Säulen) sollten hier auch kein Problem sein.

Der i7 kann auch segeln – und spart so Strom

Zumal BMW verspricht, dass die Ladekurve mit zunehmender Akkufüllung nicht so schnell abfällt wie bei anderen Modellen, und die Ladeleistung lange hoch bleibt. Im Idealfall sollen sich in zehn Minuten 170 Kilometer Reichweite nachtanken lassen. An AC-Säulen in der Stadt sieht das schon anders aus. Hier sind 11 kW das Maximum, so dass ein komplett leerer i7 erst nach 10 Stunden wieder mit ganz vollem Akku losfahren kann.

Eine adaptive Rekuperation optimiert je nach Fahrsituation die Stärke der Energierückgewinnung, der i7 kann auch segeln, also ohne Antriebsmoment dahinrollen und so gar keinen Strom verbrauchen. Auch die Heizung des Hochvoltspeichers soll sehr effizient ausfallen mittels eines separaten 5,5 kW starken Durchlauferhitzers, wodurch weniger Reichweite im Winter verloren geht.

BMW 7er: Mit starken Sechs- und Achtzylindern

Schade: In schwarz verschwimmen die Formen des 7er © BMW

Wer sich mit der neuen Elektrowelt noch nicht anfreunden kann, den verwöhnt BMW auch noch einmal ganz alt hergebracht, wenn auch ein paar Monate nach dem elektrischen i7. Schließlich haben die Bayern nicht zuletzt für den Siebener sogar noch einmal neue Verbrenner entwickelt. Der V12 ist allerdings Geschichte – sowie zumindest in Europa auch die Achtzylinder. Ohnehin werden nicht alle Motoren in Europa angeboten, der Schwerpunkt liegt bei uns auf "Sparmotoren".

So wird es im Frühjahr 2023 den 7er als Diesel 740d xDrive mit Reihensechszylinder, 48-Volt-Mildhybridtechnik und einer Gesamtleistung von 300 PS geben. Mit 250 km/h Spitze und einer Beschleunigung von 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h sollte das "Basismodell" auch Anspruchsvollen genügen. Verbrauch: 5,9 bis 6,9 Liter Diesel nach WLTP.

Als Alternative sind zwei Plug-in-Hybride 750e und M760e mit 3,0-Liter-Reihensechszylindern und Elektromotor vorgesehen. Beim 750er liefert der Benziner 310 PS zu, der E-Motor 200, so dass der 7er auch im Elektromodus nicht untermotorisiert sein dürfte. Systemleistung: 490 PS, 0-100 km/h in 4,9 Sekunden. Der M760e kommt gar auf bis zu 571 PS Systemleistung, aufgeteilt auf den 380-PS-Benziner und den 200 PS starken E-Motor. Der 760er sprintet in 4,3 Sekunden auf Tempo 100. Rund 80 Kilometer elektrische Reichweite soll bei beiden Antrieben möglich sein.

Elektrische Türen öffnen per Knopfdruck

Innen erinnert der neue 7er ein wenig an den BMW iX mit seinem großen, schlanken und leicht gebogenem Display hinter dem Lenkrad, dem leicht verspielten iDrive-Controller auf dem hohen Mitteltunnel und als neues Gimmick erstmals elektrische Türen, die von außen automatisch aufschwingen und von innen mit Knopf statt Griff geöffnet werden.

Optionale Kristallglas-Applikationen und eine "Glitzerleiste" in der Mitte des Armaturenbretts – BMW nennt sie "Interaction Bar" – dürften wohl eher dem asiatischen Geschmack geschuldet sein. Doch außer interessant aussehen kann sie auch etwas: Etwa den Fahrer willkommen heißen mit Lichtanimationen, bei Anrufen leuchten oder den Insassen anzeigen, wenn sie sicher aussteigen können ohne einen Radler mit der Tür zu erwischen.

Autonom Fahren – mit dem Kino auf Rädern

Mit einem riesigen Bildschirm im Fond wird der 7er zum Kino © BMW

Der eigentliche Hingucker prangt aber über den Passagieren im Fond. Denn dort steckt das neue Rear-Seat-Infotainment, das BMW bereits im Januar 2022 auf der CES in Las Vegas enthüllt hat: Ein riesiger Bildschirm, der sich auf Kommando nach unten faltet und den Siebener zum Kino auf Rädern macht, für Filme im Format 16:9 bis hin zu 32:9. Und damit man auch für die längste Fahrt gewappnet ist, gibt’s dazu auch noch die erste automobile Anwendung für den Amazon-Firestick, der über das eingebaute LTE-Model Zugang eröffnet zu einer langen Liste von Streaming-Anbietern.

Nicht gleich zum Start, aber zumindest im Lauf des Modellzyklus soll der Siebener mit EQS und S-Klasse gleichziehen und autonomes Fahren nach Level 3 bieten, so dass man auch hinter dem Lenkrad in bestimmten Fahrsituationen (Stau auf der Autobahn) die Hände in den Schoß legen kann. Und wer so lange nicht warten will mit der Autonomie, der kann den Luxusliner zumindest auf dem Parkplatz auch von außen in die Lücke zwingen.

Der 7er mit kurzem Radstand wurde gestrichen

Wer den ganzen digitalen Zauber nicht braucht, der kann sich auch einfach tief in seinen weichen Sessel sinken lassen, elektrisch die Beinauflage ausfahren, die Augen schließen und das Kino im Kopf genießen – nicht umsonst bettet der Siebener die Hinterbänkler wie auf Wolken und packt sie in Watte, was nicht zuletzt den ausgeschäumten Reifen zu verdanken ist, die sich BMW von Rolls-Royce abgeschaut hat. Genau wie beim Antrieb steht der Siebener auch in dieser Disziplin den Spagat zwischen der alten und der neuen Welt.

Zwar ist der Job für die Entwickler damit nicht einfacher geworden, genauso wenig wie mit dem Fokus auf Asien, weil sie die Europäer schließlich nicht ganz verprellen wollen. Doch zumindest eine Entscheidung erleichtert ihnen die Arbeit ungemein: Weil schon bislang die meisten Siebener in China, Japan und den USA und dort nur in der Langversion verkauft wurden, hat BMW den kurzen Siebener ersatzlos gestrichen und den Ingenieuren so immerhin eine Variante von den Schultern genommen.

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler

ADAC Test: So schneiden die alten BMW 7er ab

Hier können Sie sich den ausführlichen Test des BMW 730d herunterladen
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Hier können Sie sich den ausführlichen Test des BMW 745e herunterladen
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