ADAC Test Kia Sorento: Der SUV hat ziemlich zugelegt – auch beim Preis

Ein Kia Sorento fährt auf einer Strasse, von vorne aufgenommen.
Kia Sorento mit ausdrucksstarker Front ∙ © KIA

Nur rund fünf Jahre war die dritte Generation des Kia Sorento auf dem Markt. Inzwischen steht der Nachfolger des großen SUV bei den Händlern. Größer als bisher, aber auch teurer. ADAC Test von Plug-in-Hybrid und Diesel, Bilder, Daten

  • Auf 4,81 Metern Länge bis zu sieben Sitzplätze

  • Motoren: Diesel (202 PS) und Benzin-Hybrid (230 PS)

  • Plug-in-Hybrid leistet 265 PS

  • Fernsteuerung zum Ausparken aus engen Lücken

Kantiger, größer, erstmals mit Hybrid- und Plug-in-Hybridantrieb und zusätzlichen Assistenzsystemen: Die vierte Generation des Kia Sorento hat einiges zu bieten und sticht dabei in mancher Hinsicht sogar die Konkurrenz vom Schlage eines Seat Tarraco, Škoda Kodiaq und Hyundai Santa Fe aus.

Kia-SUV mit viel Platz und Riesen-Kofferraum

Ein Kia Sorento fährt auf einer Strasse, von der Seite aufgenommen.
In der Seitenansicht wirkt der Kia Sorento ganz schön mächtig ∙ © KIA

Schon optisch wirkt der große SUV deutlich selbstbewusster und stattlicher als sein Vorgänger, auch wenn er nur einen Zentimeter länger geworden ist und sich nun auf 4,81 Meter erstreckt. Entscheidender ist jedoch der um fast vier Zentimeter gewachsene Radstand, der für mehr Platz sorgt. Vorne sitzen bis zu 1,95 Meter große Menschen kommod, auf der Rückbank reicht die Kniefreiheit für ebenso große Passagiere.

Dank flachem Kardantunnel können sich im Fußraum zudem sechs Beine gut sortieren. 990 Euro Aufpreis kostet eine dritte Sitzreihe, auf der sogar durchschnittlich große Erwachsene noch ausreichend Platz finden. Sieben Personen – egal ob Kinder oder Erwachsene – können also mitreisen. Oder alternativ viel Gepäck: In den Kofferraum passen nach ADAC Messmethode zwischen 495 und 1875 Liter.

Die beiden getesteten Sorento bieten einen sehenswerten Mix aus vielen soften Flächen in Lederoptik, zahlreichen Rähmchen in Metallanmutung sowie schwarzen Hochglanzflächen. Hinzu kommen eine ordentliche Verarbeitung sowie imposante Displays für Kombiinstrument und Infotainmentsystem.

Letzteres beherrscht selbstredend den aktuellen Stand der Konnektivitäts-Technik, die unter anderem auch eine Smartphone-App umfasst, mit deren Hilfe das Fahrzeug etwa von der Ferne aus verriegelt werden kann, sollte es der Fahrer einmal vergessen haben. Und wer in die Navigation ein Ziel eingibt, bekommt von der App selbst dann noch Weghinweise angezeigt, wenn er für den finalen Fußweg das Fahrzeug verlassen hat.

Der Sorento-Innenraum in 360-Grad-Ansicht

Spannende Einblicke: So sieht es im Innenraum des Kia Sorento aus!

Wie derzeit üblich, bietet der Sorento eine beeindruckende Zahl an Assistenzsystemen. Eine Fernsteuerung beispielsweise, mit der der SUV von selbst aus engen Parklücken rollen kann, sollte der Nachbar zu nah eingeparkt haben. Und wer die grüne Ampel verschläft, wird vom Bordsystem zum Losfahren ermahnt. Außerdem gibt es eine sehr hilfreiche Totwinkel-Funktion: Beim Setzen des Blinkers erscheint in der Mitte des Kombiinstruments automatisch ein aus den Außenspiegeln aufgenommenes Kamerabild, das mehr darstellen kann als über Schulterblick und Seitenspiegel möglich wäre.

Motoren: Diesel, Hybrid-Benziner, Plug-in-Hybrid

Ein Kia Sorento fährt auf einer Strasse, von hinten aufgenommen.
Von hinten hat der neue Kia Sorento ein bisschen US-Flair ∙ © KIA

Der Sorento ist mit einem Vollhybrid mit 169 kW/230 PS Systemleistung zu haben. Und mit den beiden getesteten Antrieben: einem 2,2-Liter-Diesel mit 148 kW/202 PS und mit einem Plug-in-Hybrid mit 195 kW/265 PS. Nach Einschätzung von Kia werden künftig Diesel und Plug-in-Hybrid die Haupt- und der Vollhybrid-Benziner eher die Nebenrolle spielen. Erste Erkenntnis: Der 67 kW/91 PS starke E-Motor des Plug-in ist für eine gemütliche Fahrweise absolut ausreichend, bei genügend geladener Batterie und moderater Leistungsabforderung kann er alleine den Vortrieb übernehmen.

Das klappt zwar nicht ganz so lange, wie Kia angibt, aber im Elektrozyklus des ADAC Ecotest waren ordentliche 52 Kilometer drin, ehe sich der Verbrenner zuschaltete. Der reine Stromverbrauch lag bei gemess40158919enen 28,2 kWh je 100 Kilometer inklusive Ladeverluste. Für einen Plug-in-Hybriden in dieser Größe ist das gar nicht so schlecht, für ein reines Elektroauto wäre es nur mäßig.

Die Kombination aus 1,6-Liter-Benziner, Allradantrieb und Sechsgang-Wandlerautomatik bringt den Zweitonner mit einer Systemleistung von 195 kW/265 PS ordentlich in Schwung. 8,7 Sekunden dauert es, bis die 100er-Marke fällt, bei 193 km/h ist Schluss. Von 60 auf 100 km/h beschleunigt der Sorento in 5,1 Sekunden. Das für schnelles Einfädeln im Stadtverkehr wichtige Ansprechen bei niedrigen Geschwindigkeiten ist ebenfalls sehr gut, von 15 auf 30 km/h vergeht knapp über eine Sekunde.

Rauer Vierzylinder im Hybridmodus

Der Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum läuft gefühlt relativ rau. Beim Ausdrehen wird er laut und klingt wenig charmant. Das ist eine effektive Möglichkeit, den Fahrer vom Gebrauch der 265 Pferdestärken abzuhalten und zu einer dezenten Gangart zu animieren. Weil beim Gasgeben im Hybridmodus auch der E-Motor anfangs mit anschiebt, reagiert der Sorento gut und schnell auf Gasbefehle. Nur das Sortieren der Gänge und Kupplungen kann manchmal für eine kleine Verzögerung sorgen.

Hadern kann man hingegen mit dem realen Spritkonsum. Denn aus den 1,6 Litern Verbrauch, die Kia im veralteten und überholten NEFZ-Zyklus angibt, werden in der Praxis im Hybrid-Modus acht Liter Super auf 100 Kilometer. Auf der Autobahn sind es sogar 10,7 Liter. Startet man mit voller Batterie, verbraucht der Sorento Plug-in-Hybrid auf den ersten 100 Kilometern 13,5 kWh Strom und 4,2 Liter Sprit. Der Partikelausstoß liegt in allen Betriebszuständen unter den gesetzlichen Grenzwerten. Die strengen Anforderungen des ADAC Ecotest werden allerdings nicht ganz erreicht, so dass der Sorento einige Wertungspunkte verliert; stärker ins Gewicht fällt aber der erhöhte CO-Ausstoß im Autobahnzyklus. Deshalb reicht es gerade so für drei von fünf Sternen.

Nur zwei Ecotest-Sterne für den Diesel

Der getestete Dieselantrieb kommt sogar nur auf zwei der begehrten Sterne. Denn er schluckt im Ecotest im Schnitt 6,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer und liefert damit eine CO₂-Bilanz von 219 g/km, damit lässt sich heute kein Blumentopf mehr gewinnen. Der große Aufbau und das hohe Gewicht fordern speziell auf der Autobahn mit 8,4 Litern ihren Tribut. Die Schadstoffreinigung ist auf dem aktuellen Stand und kann speziell bei der Partikelreduktion voll überzeugen. Nicht ganz optimal sieht dagegen die Stickoxid-Reinigung aus.

Der 202 PS starke Dieselmotor verhilft dem Sorento zu guten Fahrleistungen. Das maximale Drehmoment von 440 Nm liegt über einen weiten Drehzahlbereich von 1750 bis 2750 U/min an. Der 2,2-Liter-Diesel mobilisiert den großen Sorento angemessen, aber nicht überbordend. Überholmanöver können schnell abgeschlossen werden. Die Beschleunigung von 60 auf 100 km/h ist in 5,4 Sekunden erledigt. Auch von 15 auf 30 km/h geht es sehr zügig, weniger als eine Sekunde wird dafür benötigt. Der Turbodiesel zieht bei Bedarf druckvoll und sehr gleichmäßig durch und erweist sich damit als angemessene Motorisierung für das Auto.

Kia Sorento auch im Gelände gut

Kia Sorento fährt im Gelände
Auch im Gelände gibt der Sorento keine schlechte Figur ab ∙ © KIA

Selbst bei Höchstgeschwindigkeit macht der Sorento einen verbindlichen und Vertrauen erweckenden Eindruck. Im Vergleich zum Vorgänger ist der SUV etwas straffer, aber auch agiler unterwegs. Er liegt sicher auf der Straße und bleibt selbst in schnell durchfahrenen Kurven gut beherrschbar. Der Geradeauslauf ist recht gut, von ausgeprägten Spurrinnen lässt sich der Koreaner wenig beeinflussen. Beim ADAC Ausweichtest liefert der Sorento trotz seines hohen Gewichts eine gelungene Vorstellung ab. Er umkurvt die Pylonen mit wirkungsvollem ESP-Einsatz, das beim Lastwechsel leicht nach außen drängende Heck wird wirkungsvoll eingebremst.

Verblüffend schlägt sich der allradgetriebene Sorento Offroad – auch ohne starke Achsverschränkung, Sperren oder Getriebeuntersetzungen. Die Macht der Regelsysteme lässt das Dickschiff steile und holprige Passagen ebenso wie weiche Untergründe ziemlich lässig meistern. Unter anderem helfen dabei die per Drehrädchen aktivierbaren Mud- oder Sand-Modi und eine Bergabfahrkontrolle. Mit Unterstützung der Rundum-Kameratechnik behält man im Kraxelmodus eine gute Übersicht, selbst wenn man durch die Windschutzscheibe nur noch Himmel sieht.

Preis: Sorento ab 42.490 Euro

Fehlt noch der Blick auf die Preisliste. 42.490 Euro kostet der Diesel mit der Basisausstattung Edition 7, die 17-Zoll-Räder, Digital-Kombiinstrument, Rückfahrkamera, beheizbares Lederlenkrad, Parkpiepser sowie viele Assistenten wie etwa einen Abstandstempomaten bietet. Wer mehr möchte, kann alternativ die Ausstattungspakete Vision, Spirit und Platinum bestellen.

Die getestete Version Platinum kostet mit Plug-in-Hybrid knapp 62.000 Euro. Kommen noch Metalliclack sowie die dritte Sitzreihe hinzu, liegt man schon bei rund 63.700 Euro. Der Diesel kostet ab 42.490 Euro, für die Platinum-Version sind mindestens 55.790 Euro fällig. Preisgünstig ist der neue Sorento damit nicht mehr. Vor gut zehn Jahren wurde Kias größter SUV noch deutlich unter 30.000 Euro angeboten.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid AWD als PDF
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Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Kia Sorento 2.2 CRDi AWD als PDF
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Technische Daten Kia Sorento

Herstellerangaben

KIA Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid Platinum AWD

Kia Sorento 2.2 CRDi Platinum AWD

Motor/Antrieb

Vierzylinder-Turbobenziner plus E-Motor, 1598 cm³, 195 kW/265 PS, 350 Nm bei 1500 U/min

Vierzylinder-Turbodiesel, 2151 cm³, 148 kW/202 PS, 440 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

8,7 s auf 100 km/h, 193 km/h Spitze

9,2 s auf 100 km/h, 202 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

1,6 l Super plus 16,1 kWh/100 km, 36 g CO₂/km

6,7 l Diesel/100 km, 150 g CO₂/km

Maße

L 4,81 / B 1,90 / H 1,70 m

L 4,81 / B 1,90 / H 1,70 m

Kofferraum

693 - 2077 l

705 - 2100 l

Leergewicht / Zuladung

2015 / 515 kg

1852 / 658 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 1500 kg

750 / 2500 kg

Garantie

7 Jahre / 150.000 km

7 Jahre / 150.000 km

Preis

ab 61.940 €

ab 55.790 €, Baureihe ab 42.490 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid Platinum AWD

Kia Sorento 2.2 CRDi Platinum AWD

Überholvorgang 60 – 100 km/h

5,1 s

5,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,5 m

33,6 m

Wendekreis

12,4 m

12,4 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

4,2 l Super + 13,5 kWh Strom/100 km, 177 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

6,9 l Diesel/100 km, 219 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

**

Reichweite

640 km

970 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,0 dB(A)

67,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2040 / 490 kg

1930 / 670 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

495 / 975 / 1875 l

495 / 975 / 1875 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid Platinum AWD

Kia Sorento 2.2 CRDi Platinum AWD

Karosserie/Kofferraum

2,3

2,3

Innenraum

2,0

2,0

Komfort

2,4

2,3

Motor/Antrieb

1,8

1,9

Fahreigenschaften

2,2

2,3

Sicherheit

1,8

1,7

Umwelt/Ecotest

3,5

3,8

Gesamtnote

2,4

2,4

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

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Text mit Material von SP-X