Test Kia EV4: Ist das ein ID.3-Killer?
Von Jochen Wieler

Der neue Kia EV4 will dem VW ID.3 Konkurrenz machen: Mit gutem Platzangebot, super Reichweite und extravagantem Design. Der ADAC hat den Fünftürer getestet.
Kia EV4 als kompakter 5-Türer und als Limousine
Reichweite: 490 Kilometer im Test
Preis mit 82-kWh-Batterie: ab 45.540 Euro
Eines muss man Kia lassen: Die koreanische Marke baut ihre elektrische Modellpalette konsequent aus. Zwischen EV2 und EV9 gibt es kaum noch eine Fahrzeugkategorie, die nicht mit einem Elektroauto bespielt wird. In der Kompaktklasse hat Kia sogar zwei Vertreter am Start: den Kia EV3 und den hier getesteten EV4.
Kompaktmodell und Limousine

Grundsätzlich gibt es den EV4 als fünftüres Schrägheckmodelll oder als viertürige "Fastback"-Limousine mit Stufenheck. Die optisch für uns etwas merkwürdig anmutende Fastback-Version rollt in Korea vom Band und bedient von dort die "Limousinen-Märkte". Hierzulande dürfte das Stufenheckmodell eher ein Nischendasein fristen.
Der gefälligere 5-Türer des EV4 wird – zielgerichtet für den europäischen Markt – in der Slowakei gebaut. Im Vergleich mit dem EV3 ist der EV4 8 Zentimeter flacher, mit 4,43 Metern Länge (GT-Line 4,45 m) 13 Zentimeter länger, und sein Radstand fällt größer aus. Das ist ungewöhnlich in dieser Fahrzeugklasse. In der Konsequenz heißt das aber auch, dass man im EV4 4 Zentimeter tiefer und damit sportlicher sitzt als im EV3. Die Einbußen in puncto Bequemlichkeit beim Ein- und Ausstieg halten sich trotzdem in Grenzen.
Kia EV4: Platz und Kofferraum

Der hier getestete 5-Türer ist insgesamt ein durchaus familientaugliches Auto. Der Kofferraum fällt mit gemessenen 345 bis 1290 Litern Fassungsvermögen für die Kompaktklasse recht üppig aus. Schon beim Einsteigen imponiert das großzügige Raumgefühl im Kia EV4. Und so viel Beinfreiheit hinten hat kein anderes Auto dieser Kategorie, auch nicht der Topseller VW ID.3.
Theoretisch würden hinten sogar zwei Meter große Insassen ihre Beine unterbringen, wäre da nicht die Kopffreiheit, die den Platz auf 1,90-Meter-Menschen limitiert. Außerdem lassen sich die Füße hinten nicht unter die Vordersitze schieben – das ist der im Fahrzeugboden verbauten Batterie geschuldet. Vorn sitzt man luftig und entspannt, mit reichlich Platz in alle Richtungen.
Kia EV4: 490 Kilometer Reichweite im Test

Den Antrieb übernimmt eine E-Maschine an der Vorderachse, die 150 kW/204 PS Leistung zur Verfügung stellt. Als Energiespeicher stehen ein 58,3 und ein 81,4 kWh großer Akku zur Wahl mit Normreichweiten zwischen 410 (für das Kompaktmodell mit kleinem Akku) und 630 Kilometern (für die Limousine mit großem Akku). Auf den ADAC Prüfstand rollte die Variante mit größerem Akku.
Im Test konnte der ADAC bei einem gemischten Fahrprofil 490 Kilometer Reichweite ermitteln. Ein sehr ordentlicher Wert, der das Thema Reichweitenangst vergessen machen sollte. Der gemessene Verbrauch lag nach dem seit 2026 gültigen neuen Testverfahren des ADAC inklusive Ladeverlusten bei 19,0 kWh auf 100 Kilometer.
Fahreindruck: Flott und komfortabel

Die Fahrleistungen können sich mehr als sehen lassen. Unter 8 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h sollten nicht nur keine Wünsche offenlassen, sie tun es auch nicht.
Bei der Testfahrt mit der an der Vorderachse angetriebenen Version konnte der Motor durch eine angenehm gleichmäßige und nachdrückliche Leistungsentfaltung überzeugen. Selbst auf bergigen Etappen reicht ein Druck auf das feinfühlig und gut dosierbare Strompedal, um sich flott und freudvoll durch Serpentinen zu schlängeln und manch schwachbrüstigen Benziner mit Leichtigkeit hinter sich zu lassen. Die Messwerte belegen das: Der EV4 braucht gerade einmal 3,9 Sekunden für den Zwischensprint von 60 auf 100 km/h. Ein guter Wert.
Noch mehr Spaß machen würde es, wenn die Lenkung nicht ganz so rückmeldungsfrei ausgelegt wäre. Da hilft es auch nicht, wenn man sich für den Sport-Modus entscheidet. Die Lenkung wird dann zwar schwergängiger als bereits im normalen Setting, die Übersetzung aber nicht direkter.
Erfreulich komfortabel fällt die Fahrwerksabstimmung aus. Den mit den serienmäßigen 17 Zoll großen Rädern ausgerüsteten Testwagen schert der Straßenzustand nur wenig. Er übergeht ihn einfach, zumindest solange er nicht auf fiese Geschwindigkeitsbarrieren trifft, die man besser sanft angehen sollte. Aber das ist ja auch Sinn der Sache. Gut dazu passt, dass der EV4 sehr gut gedämmt ist. Den E-Antrieb hört man praktisch nie. Auch bei Autobahntempo geht es ruhig zu, die große Reise kann beginnen. Gemessene 65 Dezibel bei 130 km/h bestätigen den subjektiven Eindruck.
Den ADAC Ausweichtest absolviert der EV4 fahrsicher, wenn auch nicht sonderlich dynamisch und mit relativ großen Aufbaubewegungen. Ein Sportwagen ist am EV4 sicher nicht verloren gegangen, aber das will er schließlich auch nicht sein. Enttäuschend fällt die Bremsleistung des EV4 aus: Lange 40,3 Meter Bremsweg aus 100 km/h im Schnitt aus zehn Notbremsungen ziehen hier die Note 4,0 ("ausreichend") nach sich.
Ladeleistung: Kein Rekordwert

Bei den Ladegeschwindigkeiten an der AC-Ladesäule fährt der EV4 nicht vorn mit, aber in der Fahrzeug- und Preisklasse ist das noch okay. So lädt der Kia EV4 an der AC-Säule mit maximal 11 kW, was im Falle der großen Batterie eine Ladezeit von rund 8 Stunden nach sich zieht, wenn der Akku ganz leer gesogen ist. Da die meisten Anbieter nach 4 Stunden an der öffentlichen Säule eine Stand-Strafgebühr verlangen, ist das unschön. Die maximalen 22 kW einer solchen Säule auszureizen wäre also wünschenswert, und manch ein Konkurrent kann das auch.
An der DC-Schnellladesäule lässt sich mit bis zu 128 kW laden. Zum Vergleich: Der VW ID.3 Neo kann bis zu 183 kW ziehen. So weit die Theorie – doch wie sieht es im Test aus? Hier konnte der ADAC einen Maximalwert von 129 kW messen. Über den Hub von 10 auf 80 Prozent lag eine durchschnittliche Ladeleistung von 112,9 kW an, sodass der Vorgang nach 32 Minuten Standzeit mit 358 nachgeladenen Reichweiten-Kilometern beendet war. Ein durchaus praxistauglicher Wert. Die komplette Ladekurve ist im PDF (ganz oben in diesem Artikel) dargestellt.
Sehr gut: Über eine Smartphone-App ist es möglich, eine Routenplanung vorzunehmen, diese direkt ins Auto zu schicken und auch gleich Ladestopps mit einzuplanen. Die App dient zudem als "digitaler Schlüssel", über den man das Auto aufsperren und starten kann. Dabei lassen sich sogar bis zu 15 weitere Personen "berechtigen", die dann ebenfalls keinen haptischen Schlüssel mehr brauchen – die App reicht. Das ist vor allem dann praktisch, wenn mehrere Fahrerinnen und Fahrer, etwa in einer Firma oder Familienmitglieder, das Auto nutzen dürfen.
Der Innenraum des Kia EV4

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Die Innenraumgestaltung unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Kia-Modellen und ist quasi identisch mit der des EV3. Das große Touchdisplay in der Mitte des Armaturenbretts schließt sich nahtlos an das Fahrerdisplay an, dazwischen ist noch ein Bereich für die Klimasteuerung vorhanden, ebenfalls als Touch-Display. Das ist nicht die beste Lösung, denn je nach Statur des Fahrers oder der Fahrerin werden die Anzeigen vom Lenkradkranz verdeckt. Es gibt aber auch noch separate, "richtige" Tasten für die Klimabedienung und die Lautstärkereglung. Mit den Bedientasten am Lenkrad kommt man gut zurecht.
Die Ausstattung ist umfangreich

Natürlich gibt es eine Schublade voller Assistenzsysteme, darunter eine neue KI-Kommunikation und ein neuer Autobahn-Assistent. Als störend kann der übereifrige Aufmerksamkeitsassistent empfunden werden, der schon Alarm schlägt, wenn man etwas länger auf das Display schaut.
Der EV4 ist gegen Aufpreis mit einem Head-up-Display erhältlich. An Infotainment-Elementen sind Streaming-Apps (Youtube, Netflix, Disney+), Spiele und Karaoke-Plattformen verfügbar.
Musikfreaks, denen das serienmäßige Soundsystem nicht genügt, können sich ein hochwertigeres Harman-Kardon-System mit acht Lautsprechern bestellen. Externe Elektrogeräte lassen sich per Adapter mit Strom aus dem Akku versorgen (V2L). Für die Netzeinspeisung von Strom (V2G) ist der Kia EV4 technisch vorbereitet.
Der Kia EV4 ist alles in allem eine – nicht nur optische – Bereicherung für das Marktsegment und könnte als Zwischengröße für manche Kunden genau die richtige Wahl darstellen, wenn ein durchschnittlicher Kompaktwagen zu klein ist und man ein Auto der Mittelklasse nicht braucht. Als Elektroauto mit praxistauglicher Reichweite kann er überzeugen.
Das hat uns gefallen: umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung, vielfältige Elektroauto-Funktionen, komfortable Federung, lange Garantielaufzeit
Das hat uns nicht gefallen: langer Bremsweg, billig wirkender Dachhimmel, geringer Verstellumfang des Lenkrads
Kia EV4: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | Kia EV4 (81,4 kWh) Earth (ab 10/25) |
|---|---|
Motorart | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 150 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 204 |
Drehmoment (Systemleistung) | 283 Nm |
Antriebsart | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 7,7 s |
Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 625 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | 14,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 81,4 |
Ladeleistung (kW) | AC:2,3-22,0 DC:50,0-128,0 |
Kofferraumvolumen normal | 435 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.415 l |
Leergewicht (EU) | 1.896 kg |
Zuladung | 459 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.000 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 7 Jahre oder 150.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 4.430 mm x 1.860 mm x 1.485 mm |
Grundpreis | 45.540 Euro |
Im ADAC Autokatalog finden Sie die technischen Daten aller Kia EV4-Versionen.
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Kia EV4 (81,4 kWh) Earth |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 3,9 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 40,3 m |
Wendekreis | 11,6 m |
ADAC Testverbrauch | 19,0 kWh/100 km |
Reichweite | 490 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 65,0 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1868 / 487 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 345 / 760 / 1290 l |
Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel | 2,12 m |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | Kia EV4 (81,4 kWh) Earth (ab 10/25) |
|---|---|
Karosserie | 2,7 |
Innenraum | 2,2 |
Komfort | 2,3 |
Antrieb | 1,0 |
Fahreigenschaften | 3,1 |
Sicherheit | 2,5 |
Umwelt | 2,2 |
Gesamtnote | 2,4 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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