Hyundai Ioniq 3: Einer wie keiner?

Dieses Auto könnte für Gesprächsstoff sorgen: Nicht nur mit frecher Optik will der Hyundai Ioniq 3 punkten. Das elektrische Kleinwagen-SUV verspricht passable Platzverhältnisse, gute Reichweite und eine brauchbare Ladeperformance zum günstigen Preis. So fährt er sich.
Zwei Batterieoptionen: 42 und 61 kWh
Reichweite bis zu 497 Kilometer nach WLTP
Preise zwischen 28.950 und 42.450 Euro
Hyundai Ioniq 3 mit interessantem Design

Wenn Autobauer besonders kreativ sein wollen, erfinden sie eine neue Fahrzeugklasse: So bezeichnet Hyundai seine jüngste Kreation als "Aero Hatch". Merken muss man sich das aber nicht, denn bei dem neuen Ioniq 3 handelt es sich schlicht um ein Kleinwagen-SUV, das sich mit Opel Mokka, Jeep Avenger, Renault 4 und Mini Aceman messen will und selbstredend auch mit den neuesten Konkurrenten VW ID. Cross und Škoda Epiq. Die Klasse boomt jedenfalls und Hyundai möchte mitmischen, nicht mehr und nicht weniger.
Beim Design sticht der Neuling aus der Masse heraus: Die niedrige Front steigt nach hinten hin an und geht letztlich in ein hohes Heck mit auffälligem Spoiler über. Der Ansatz soll Aerodynamik und Innenraumhöhe zusammenbringen und erinnert ein wenig an den neuen Audi A2 e-tron. Gefällt sicher nicht jedem, bringt aber durchaus frischen Wind in die Elektro-Riege. Ob das auch für die inneren Werte gilt? Das hat der ADAC auf einer ersten Testfahrt herausgefunden.
Überraschend gute Platzverhältnisse

Nimmt man in dem Elektrowagen Platz, fällt zunächst eines auf: Trotz lediglich 4,16 Metern Länge herrschen brauchbare Platzverhältnisse. Und zwar nicht nur vorn, wo man auf bequemen und hinreichend verstellbaren Sitzen auch längere Strecken problemlos übersteht, sondern auch hinten. Wo es in einem Opel Mokka ziemlich zwickt, kann man im Hyundai die Beine merklich besser ausstrecken. Zudem bringt man die Füße unter dem Vordersitz unter, was zusätzlich Bewegungsspielraum ermöglicht. Einschränkend ist da eher die Kopffreiheit, die nicht für jede Statur gleichermaßen passen dürfte. Grundsätzlich sitzt es sich aber auch im Fond bequem.
Wer beim ersten Blick in den Kofferraum die Klappe enttäuscht wieder (manuell) schließen möchte, sollte sich damit ein bisschen näher beschäftigen. Der Kofferraumboden lässt sich schließlich um eine Etage tiefersetzen, was zusätzlich Höhe schafft. Darunter gähnt ein großes Loch, die Mega-Box. Sie beherbergt bis zu 119 Liter Stauraum, die sich zu den 322 Litern darüber noch dazuaddieren. Das ist freilich keine neue Idee – auch VW ID. Cross und Ford Puma haben so eine Box fast bis zum Boden. Praktisch ist es jedoch allemal. Einen Frunk unter der Fronthaube gibt es aber nicht.
Die Basisversion hat nur einen Touchscreen

Das Armaturenbrett darf als gelungen gelten. Es gibt große und kleine Ablagen, vor dem Beifahrer zum Beispiel eine offene mit gummierter Auflage, damit nichts hin und her rutscht. Auch das Smartphone wird auf einer rutschfesten, induktiven Ladefläche ordentlich gehalten.
Wie das Cockpit genau aussieht, ist von der jeweiligen Ausstattungsversion abhängig. In der Basis beispielsweise wurde das 9,9 Zoll große Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad weggespart. Keine ideale Lösung: Wer das aktuelle Tempo wissen will, muss den Blick auf das zentrale Mitteldisplay richten, das es wiederum in zwei Größen gibt. Erst mit der N-Line-Ausstattung ist es 14,6 Zoll groß, sonst misst es – ebenfalls passable – 12,9 Zoll. Zudem lässt sich der Innenraum in Schwarz oder in einem hellen Grau bestellen. Letzteres sieht freundlicher aus, aber nach ein paar Jahren Nutzung sicher nicht mehr ganz so taufrisch.
Der Hyundai Ioniq 3 N-Line im Detail
Es gibt fünf Ausstattungsstufen: Select, Trend, N-Line, Prime und N-Line Evo. Die N-Line-Modelle unterscheiden sich optisch mit schwarz lackierten Flächen an der Front, der Seite und am Heck und einem leicht sportiveren Interieurdesign. Nicht aber in der Motorleistung.

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Neues Bediensystem auf Android-Basis

Der Hyundai hat unter anderem beheiz- und belüftbare Sitze, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, LED-Ambientebeleuchtung und ein Bose-Soundsystem als Optionen. Der Ioniq 3 ist das erste europäische Hyundai-Modell mit dem "Pleos Connect"-Infotainment. Es basiert auf Android Automotive OS. Als alltagsrelevante Funktionen sind der "Digital Key" (schlüsselloser Zugang via Smartphone bzw. Smartwatch), Plug & Charge sowie ein integrierter EV-Routenplaner zu nennen. Die klappt hervorragend, so der erste Eindruck der Redaktion. Zusätzlich ist Vehicle-to-Load (V2L) vorgesehen, um externe Verbraucher mit Strom zu versorgen.
Es gibt noch echte Tasten, wo sie sinnvoll sind, der Touchscreen lässt sich bis zu einem gewissen Grad den individuellen Vorlieben anpassen und weitgehend intuitiv bedienen. Ein paar der vielfältigen Einstellmöglichkeiten wegzulassen hätte aber der Übersicht sicher nicht geschadet. Erfreulich: Möchte man unbeeinflusst von Assistenzsystemen "pur" unterwegs sein, lassen sich diese ohne große Umstände abschalten, ohne dass sich der Fahrer oder die Fahrerin in den Untermenüs verlieren muss.
Die Fahrleistungen reichen völlig aus

Apropos fahren. Das macht der Ioniq 3 prima. Dass der Antrieb des gefahrenen Modells mit 61-kWh-Batterie "nur" 99 kW/135 PS leistet und es auf dem Papier in wenig spektakulären 9,5 Sekunden auf 100 km/h geht, möchte man beim Tritt auf das rechte Pedal kaum glauben. Das Kleinwagen-SUV beschleunigt spontan, verzögerungsfrei und angemessen flott, mehr Leistung braucht es definitiv nicht. Dem E-Antrieb und einer schalldämmenden Verglasung zum Trotz ist es im Ioniq 3 zwar leise genug, es herrscht aber keine sakrale Ruhe. Abrollgeräusche machen sich klassengemäß schon bemerkbar.
Etwas eigenartig erscheint die Tatsache, dass die Version mit kleinerem Akku (42 kWh) eine mit 108 kW/147 PS höhere Leistung hat als das gefahrene, teurere Modell mit 61-kWh-Batterie. Und auch, dass sie etwas schneller beschleunigt. Das hat mit der Akkutechnik zu tun: Bei der kleineren Batterie handelt es sich um eine preisgünstigere LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat), bei der großen um eine NMC-Batterie (Nickel, Mangan, Kobalt).
Beide Akkus sollen sich am Schnelllader trotz unterschiedlichem Peak bei der Ladeleistung (110 bzw. 119 kW) in 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen. Das wäre ein guter Wert, den es bei einem ausführlicheren ADAC Test noch zu überprüfen gilt.
Gut: Gegen Aufpreis lässt sich der serienmäßige 11-kW-Lader für das AC-Laden gegen ein 22-kW-Gerät tauschen. Laternenparker ohne eigene Wallbox sollten hier ein Kreuzchen machen, um möglichst kurze Standzeiten an öffentlichen Säulen (3 Stunden für einen vollen Akku) zu erzielen.
Die Größe der Räder entscheidet über die Reichweite

Doch zurück zum Fahreindruck. Selbst mit 19 Zoll großen Rädern federt der Ioniq 3 noch passabel, geschmeidiger wird es allerdings mit kleineren Rädern – und auch sparsamer. Je kleiner die Räder, desto mehr Reichweite. Beim kleinen Akku haben wahlweise 16 und 17 Zoll zwar noch keine große Auswirkung auf den Aktionsradius. Sie wird nach WLTP mit 344 und 340 Kilometern angegeben. 16 oder 19 Zoll – das ist beim großen Akku die Bandbreite – macht schon erheblich mehr aus: 497 zu 434 Kilometer können im Alltag entscheidend sein. Aber auch Temperatur und Tempo haben natürlich einen Einfluss auf die Reichweite. Wie in etwa, zeigt der ADAC Reichweitenrechner am Beispiel des 61-kWh-Akkus:
ADAC Reichweitenrechner
Hyundai IONIQ 3 (61 kWh) Select 99 kW (135 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
482km
(Reichweite laut Hersteller: 497 km)
Wo man bei den Rädern noch die Wahl hat, hat man sie bei der Lenkung nicht. Bei niedrigem Tempo macht sie einen etwas schwammigen Eindruck und liefert wenig Rückmeldung von der Straße. Doch hat man die Stadtgrenze hinter sich gelassen, wird sie angenehmer. Beim gut abgestimmten Fahrwerk gibt es nichts zu kritisieren, ihm merkt man an, dass es in Deutschland für Europa angepasst worden ist. Gewöhnungsbedürftig ist, dass der Heckspoiler die Scheibe teilt (wie im Audi A2) und große Teile hinterherfahrender Autos wie bei einem Zensurbalken verdeckt werden.
Entwickelt wurde das Modell in Rüsselsheim, im europäischen Entwicklungszentrum von Hyundai, gebaut wird es im Werk İzmit in der Türkei.
Preise: Die Spanne ist groß
Noch im Oktober 2026 rollt der Ioniq 3 zu den Händlern. Mit interessanter Optik und hoher Alltagstauglichkeit könnte er bei der Kundschaft punkten. Der Basispreis von günstigen 28.950 Euro macht sich zwar gut in der Werbung, doch mit großem Akku und mindestens Trend-Ausstattung liegt der Hyundai dann schon bei 35.950 Euro. Mit Wärmepumpe (1000 Euro extra) und noch ein, zwei Extras strebt der Preis dann flott in Richtung 40.000 Euro oder darüber, soll es noch luxuriöser zugehen. Ganz so günstig ist das dann eben nicht mehr.
Hyundai Ioniq 3: Technische Daten und Preise
Technische Daten (Herstellerangaben) | Hyundai IONIQ 3 (42,2 kWh) Select (ab 10/26) | Hyundai IONIQ 3 (61 kWh) Select (ab 10/26) | Hyundai IONIQ 3 (61 kWh) N Line (ab 10/26) |
|---|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 108 | 99 | 99 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 147 | 135 | 135 |
Drehmoment (Systemleistung) | 250 Nm | 250 Nm | 250 Nm |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 8,7 s | 9,5 s | 9,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h | 170 km/h | 170 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 344 km | 497 km | 456 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | 14,1 kWh/100 km | 13,7 kWh/100 km | 15,1 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 42,2 | 61,0 | 61,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:2,7-11,0 DC:119,0 | AC:2,7-11,0 DC:110,0 | AC:2,7-22,0 DC:110,0 |
Kofferraumvolumen normal | 441 l | 441 l | 441 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.213 l | 1.213 l | 1.213 l |
Leergewicht (EU) | 1.625 kg | 1.630 kg | 1.630 kg |
Zuladung | 465 kg | 465 kg | 465 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 5 Jahre | 5 Jahre | 5 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.155 mm x 1.800 mm x 1.505 mm | 4.155 mm x 1.800 mm x 1.505 mm | 4.170 mm x 1.800 mm x 1.510 mm |
Grundpreis | 28.950 Euro | 32.950 Euro | 39.650 Euro |
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