Plug & Charge: So funktioniert das E-Auto-Laden ohne Karte

• Lesezeit: 6 Min.

Von Jochen Wieler

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Ein Tesla Model Y steht an einer Ladesäule
Tesla hat es vorgemacht: Einfach an die Ladesäule fahren, anstecken, und schon fließt der Strom© ADAC/Lena Willgalis

Einstecken, laden, weiterfahren: Plug & Charge verspricht, den Ladevorgang so einfach wie möglich zu gestalten. Wie das Laden ohne App und Karte funktioniert und welche Hersteller es schon können.

  • Einmal einrichten, immer automatisch laden

  • Ist künftig das Laden auch ganz ohne Vertrag möglich?

  • Immer mehr Modelle unterstützen Plug & Charge

Einfach den Stecker in die Ladesäule stecken und der Ladevorgang startet von selbst: So einfach wünschen sich viele E-Auto-Fahrer das Laden von Elektroautos an öffentlichen Säulen. Tatsächlich hantiert man aber in der Regel immer noch mit Apps und Ladekarten von verschiedensten Anbietern, mit Giro- oder Kreditkarten. Das kann nerven und gerade für E-Auto-Neulinge eine Hürde darstellen.

Mit Plug & Charge soll das künftig deutlich einfacher werden. Die Idee dahinter: Das Fahrzeug identifiziert sich automatisch an der Ladesäule, die Authentifizierung läuft im Hintergrund und die Abrechnung erfolgt über einen einmalig hinterlegten Ladevertrag. Für die Kundschaft bedeutet das im Idealfall nur noch einen Handgriff – nämlich das Ladekabel einstecken.

Was steckt hinter Plug & Charge und wo liegen die Vorteile?

Anzeige an einer Ladesäule
Diese Säule zeigt an, dass sie ein Plug-&-Charge-fähiges Fahrzeug erkannt hat, und startet den Ladevorgang© ADAC/Matthias Vogt

Plug & Charge basiert auf dem internationalen Standard ISO 15118, der die Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladesäule regelt. Sobald Fahrzeug und Ladepunkt miteinander verbunden sind, tauschen beide Systeme verschlüsselt Daten aus. Das Auto weist seine Identität über digitale Zertifikate nach, die einem Ladevertrag zugeordnet sind.

Eine manuelle Freischaltung mit App, RFID-Karte oder Kreditkarte entfällt dadurch. Der Ladevorgang startet automatisch und wird anschließend über den hinterlegten Vertrag abgerechnet. Damit aber der automatische Ladevorgang startet, müssen das Elektroauto, die Ladesäule und der jeweilige Ladeanbieter bzw. dessen Backend-System zusammenspielen.

Die Vorteile

Neben dem höheren Komfort beim Laden an sich gibt es weniger Fehlerquellen wie Probleme mit Apps, Ladekarten oder schlechten Mobilfunkverbindungen. Zudem erfolgt die Kommunikation verschlüsselt – die Sicherheitsstandards sind also hoch.

Das Verfahren ist grundsätzlich für AC- und DC-Laden vorgesehen. In der Praxis wurde Plug & Charge bisher vor allem an DC-Schnellladestationen umgesetzt, weil dort die notwendige Kommunikationstechnik früher und häufiger verfügbar war. Für neue öffentliche AC-Ladepunkte gewinnt ISO 15118 mittlerweile ebenfalls an Bedeutung, und perspektivisch dürfte Plug & Charge auch in AC-Ladesäulen am Straßenrand Einzug halten.

Tesla zeigt seit Jahren, wie einfach Laden funktioniert

Neu ist die Idee nicht. Bei Tesla gibt es das Prinzip seit mehr als zehn Jahren im Einsatz. An den eigenen Superchargern genügt das Einstecken des Fahrzeugs, die Abrechnung erfolgt automatisch über das hinterlegte Tesla-Konto.

Allerdings handelt es sich dabei um eine markeneigene Lösung innerhalb des Tesla-Ökosystems. Fahrzeug, Software, Kundenkonto und Ladeinfrastruktur stammen aus einer Hand. Das sorgt für hohen Komfort, funktioniert aber nur innerhalb des Tesla-Systems bzw. eben nur mit einem Tesla.

Plug & Charge geht einen Schritt weiter: Der Standard soll marken- und anbieterübergreifend funktionieren, unabhängig davon, von welchem Hersteller das Fahrzeug stammt, wer die Säule betreibt oder an welchem Ladepunkt geladen wird.

Wie wird Plug & Charge eingerichtet?

Ganz ohne Vorbereitung geht es aber auch hier nicht. Interessierte müssen zunächst ein Konto beim Fahrzeughersteller anlegen und ihr Fahrzeug damit verknüpfen. Anschließend wird Plug & Charge im Fahrzeug selbst oder in der Hersteller-App aktiviert.

Zusätzlich muss ein passender Ladetarif im System hinterlegt werden. Über sogenannte Zertifikate wird dieser Vertrag anschließend mit dem Fahrzeug verknüpft. Erst danach kann das Auto an kompatiblen Ladestationen automatisch authentifiziert werden. Vorteil: Der Tarif muss nur einmalig eingepflegt werden, dann braucht man sich um nichts mehr zu kümmern und das Fahrzeug lädt automatisch.

Wichtig: Will man einen Ladevorgang mal nicht per Plug & Charge bezahlen, muss Plug & Charge vorher in der App oder im Fahrzeug deaktiviert werden.

Gibt es bei Plug & Charge auch Nachteile?

Ein häufiger Kritikpunkt ist die fehlende Preistransparenz. Wer den Stecker in das Fahrzeug einsteckt, sieht den aktuellen Strompreis weder im Auto noch an der Ladesäule. Nutzer müssen die Konditionen ihres hinterlegten Vertrags bereits kennen oder vorab in der App prüfen.

Hinzu kommt, dass die Einrichtung je nach Hersteller und Anbieter unterschiedlich ausfällt. Nur wenige Hersteller bieten bisher die Möglichkeit, mehrere alternative Ladeverträge zu hinterlegen. Bei den meisten wird bislang nur ein Ladevertrag unterstützt. Dadurch kann die Wahl des günstigsten Tarifs erschwert werden.

Eine interessante Entwicklung könnte diese Einschränkung künftig entschärfen. Im April 2026 stellten Hubject, BMW und der Ladeanbieter Mer das System "Plug & Charge Direct" vor. Dabei hinterlegt der Nutzer einmalig eine Kreditkarte in der Fahrzeug-App. Anschließend kann an kompatiblen Ladepunkten automatisch geladen und bezahlt werden – ganz ohne klassischen Ladevertrag und zum Ad-hoc-Preis. Es handelt sich aber noch nicht um den allgemeinen Marktstandard, sondern um ein konkretes Ökosystem aus Autohersteller, Ladeanbieter und Plattformbetreiber. Es ist wünschenswert, dass andere Anbieter diesem Beispiel folgen.

Welche Fahrzeuge unterstützen Plug & Charge?

Ein Audi Q6 e-tron lädt an einer Ladesäule
Immer mehr Hersteller setzen auf Plug & Charge. Auch dieser Audi Q6 e-tron ist dafür ausgerüstet© AUDI AG

Die Zahl kompatibler Fahrzeuge wächst kontinuierlich. Unterstützt werden Plug-&-Charge-Funktionen mittlerweile unter anderem von Audi, BMW, Ford, Hyundai, Kia, Mercedes-Benz, Mini, Polestar, Porsche, Renault, Škoda, Volvo, VW und weiteren Herstellern. Voraussetzung ist jedoch häufig eine bestimmte Softwareversion oder Modellgeneration.

Auch auf der Infrastrukturseite wächst das Angebot. Große Schnellladenetze wie Ionity, Aral Pulse, BayWa, Chargepoint, Shell Recharge, Electra, Mer oder Allego integrieren Plug & Charge zunehmend in ihre Systeme.

Was ist Autocharge?

Autocharge verfolgt dasselbe Komfortziel wie Plug & Charge – also das Laden ohne vorherige Freischaltung durch App oder Ladekarte. Dabei wird nicht mit digitalen Zertifikaten gearbeitet. Stattdessen erkennt die Ladesäule das Fahrzeug anhand einer zuvor registrierten Kennung. Manche Ladeanbieter setzen bereits seit einiger Zeit auf Autocharge-Lösungen.

Der Vorteil: Das System lässt sich vergleichsweise einfach umsetzen. Nachteil: Autocharge ist in der Regel auf einzelne Betreiber und Fahrzeugmodelle beschränkt und funktioniert nicht flächendeckend. Zudem erreicht das Verfahren nicht das Sicherheitsniveau des standardisierten Plug-&-Charge-Ansatzes.

Fazit

Plug & Charge hat das Potenzial, das öffentliche Laden von Elektroautos grundlegend zu vereinfachen. Die Technologie beseitigt viele der heutigen Zugangshürden und sorgt für einen Komfort, den Tesla-Fahrer seit Jahren schätzen. Noch bremsen Themen wie Preistransparenz, unterschiedliche Einrichtungsprozesse und begrenzte Vertragsflexibilität die breite Nutzung. Mit Lösungen wie Plug & Charge Direct könnte sich das jedoch ändern, damit Laden genauso simpel wird wie das Anschließen eines Steckers.

Tipps für Nutzer

  • Plug & Charge bewusst konfigurieren: Prüfen, welcher Ladevertrag im Fahrzeug hinterlegt ist, um unerwartete Preise zu vermeiden (oft nur ein aktiver Vertrag im Vordergrund)

  • Preise vorab checken: Da beim Einstecken keine unmittelbare Preisanzeige erfolgt, empfiehlt sich vor dem Laden ein Blick in die App oder die Tarifübersicht

  • Kompatibilität prüfen: Nicht jede Kombination aus Fahrzeug, Ladepunkt und Anbieter unterstützt Plug & Charge

  • Rückfalllösung kennen: Immer alternative Authentifizierung (RFID-Karte, App, Kreditkarte) bereithalten, falls Plug & Charge nicht funktionieren sollte

  • Ladehistorie überprüfen: Regelmäßig Abrechnungen kontrollieren

  • Neue Optionen nutzen: Bei kompatiblen Fahrzeugen Plug & Charge Direct ausprobieren (z.B. Kreditkartenlösung), um flexibler ohne Vertrag laden zu können

  • Deaktivieren: Wenn nicht automatisch bezahlt werden soll, vor dem Einstecken Plug & Charge deaktivieren

Wünsche an die Hersteller

  • Mehrere Ladeverträge ermöglichen: Nutzer sollten flexibel zwischen Ladeverträgen wählen können

  • Preistransparenz erhöhen: Anzeige des konkreten kWh-Preises direkt im Fahrzeug vor Start des Ladevorgangs

  • Einfachere Ersteinrichtung: Standardisierte, nutzerfreundliche Onboarding-Prozesse

  • Offene Interoperabilität stärken: Plug & Charge möglichst netz- und markenübergreifend als echte Roaming-Funktion nutzbar machen

  • Direktbezahlung integrieren: Plug & Charge mit Ad-hoc-Zahlung (Kreditkarte) kombinieren, um Zugang ohne Vertrag zu ermöglichen

  • Transparente Tariflogik: Klare Darstellung, welcher Vertrag beim Laden genutzt wird

  • Integration ins Fahrzeug erhöhen: Ladepreise, Vertragsauswahl und Historie direkt im Fahrzeugdisplay darstellen, nicht nur in Apps

Fachliche Beratung: Matthias Vogt, ADAC Technik Zentrum