Gesund an Bord: Was Kreuzfahrtpassagiere wissen müssen

Ein Kreuzfahrtschiff mit Liegestuhl von oben
Immer mehr Menschen bereisen die Welt auf einem Kreuzfahrtschiff ∙ © Shutterstock/The Art of Pics

Immer mehr Menschen bereisen die Welt auf einem Kreuzfahrtschiff. Die wenigsten denken daran, dass man dort auch krank werden kann. Wie umgehen mit Seekrankheit, Infekten und Pandemien wie Corona? Unser Gesundheitsratgeber für Kreuzfahrtpassagiere.

  • Tipps und Tricks gegen die Seekrankheit

  • Hoher Hygienestandard an Bord

  • Wichtige Infos zur medizinischen Ausstattung des Schiffs

Damit der Traumurlaub nicht zum Alptraum wird, sollten Reisende vor und während der Abfahrt einiges beachten. Dazu gehört auch die Wahl der Reederei, der Route und der Kabine. Auch die medizinische Versorgung an Bord kann entscheidend sein.

Das sind die häufigsten Erkrankungen an Bord

Auf Kreuzfahrtschiffen sind Tausende Passagiere über Tage oder Wochen auf engem Raum versammelt. Das kann die Ausbreitung von Viren und Bakterien besonders begünstigen. Zu den häufigsten Erkrankungen an Bord gehören Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall (z.B. durch das Noro-Virus). Auslöser für Schnupfen, Husten & Co. sind oft kühle, klimatisierte Räumlichkeiten. Nicht wenige Passagiere suchen den Bordarzt auf, weil sie seekrank sind oder sich kleinere Verletzungen zugezogen haben.

Kreuzfahrten auch für Menschen mit Allergien

Wichtig für Allergiker, Diabetiker und Menschen mit Handicap: Kreuzfahrten sind für sie in der Regel kein Problem. Allergiker sollten ihre Unverträglichkeiten oder Diätwünsche der Crew frühzeitig mitteilen. Oft gibt es Köche an Bord, die Passagiere speziell beraten.

Viele Kreuzfahrtriesen sind heute barrierefrei. Behindertengerechte Kabinen gehören oftmals zum Standard. Sie befinden sich in der Regel nahe bei den Aufzügen, um die Wege kurz zu halten. Auch außerhalb der Unterkünfte sind dann Restaurants, Cafés etc. problemlos mit dem Rollstuhl erreichbar und mit Brailleschrift versehen.

Wer gern Landgänge macht, sollte die zuständige Reederei für genaue Informationen kontaktieren.

Alles über Seekrankheit

Mutter und Tochter auf einem Kruzfahrtschiff
Typische Symptome von Seekrankheit: Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen ∙ © iStock.com/Kerkez

Bei der Seekrankheit handelt sich um eine Bewegungskrankheit, auch Kinetose genannt. Seekrankheit tritt auf, wenn die Sinnesorgane widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers an das Gehirn senden. Betroffene sehen beispielsweise in ihrer Kabine einen starren Raum, fühlen aber die Bewegungen der Wellen. Das passt nicht zusammen. Typische Symptome sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und verschwindet in der Regel nach zwei bis drei Tagen.

Unsere Tipps gegen Seekrankheit

Gute Reisevorbereitung

Sowohl das Zielgebiet als auch die Jahreszeit haben Einfluss auf die Seekrankheit. Auf einer Atlantik-Kreuzfahrt ist der Seegang meist stärker als im Mittelmeer, in der Karibik toben im Herbst oft Stürme. Auch das Mittelmeer ist im Winter meist unruhiger als im Sommer. Wer Angst vor der rauen See hat, aber auf einen Urlaub auf dem Wasser nicht verzichten will, sollte über eine Flusskreuzfahrt als Alternative nachdenken. Oder: Manche Reedereien bieten auch Minikreuzfahrten zum Ausprobieren an. Nicht unwichtig für Menschen, die empfindlich sind, ist auch die Wahl der Kabine. Eine Kabine mit Aussicht ist für Seekranke besser geeignet als eine Innenkabine ohne Fenster. Ob die Kabine in der Mitte, am Bug oder am Heck liegt, dürfte heutzutage keine große Rolle mehr spielen. Inzwischen verfügen viele schwimmende Hotels über Stabilisatoren, sodass man kaum mehr Unterschiede merkt.

Horizont fixieren und frische Luft

Bei den ersten Anzeichen von Übelkeit sollte man nach draußen an Deck gehen, den Blick in Richtung Horizont oder vorne richten. Fixiert man mit den Augen einen weit entfernten, festen Punkt, dann fällt es dem Gehirn leichter, die verschiedenen Sinneseindrücke in Einklang zu bringen. Die Beschwerden lassen nach. Auch frische Luft und Sauerstoff helfen den Betroffenen häufig.

Viel Schlaf und Entspannung

Legt man sich ins Bett und schließt die Augen, werden alle widersprüchlichen Sinneseindrücke und Informationen einfach ausgeschaltet. Möglichst flach liegen, entspannen und nicht an Seekrankheit denken. Lesen ist keine gute Idee!

Ob und wann jemand seekrank wird, hängt auch von der körperlichen und psychischen Verfassung ab. Ist man gestresst, ist man anfälliger. Ein ausgeruhter Körper ist es weniger. Daher ist viel Schlaf immer gut. Entspannungsübungen können helfen, das innere Gleichgewicht schnell wiederherzustellen.

Richtiges Essen

Auf viel fettiges Essen sollten Sie verzichten. Ebenfalls tabu: Alkohol. Manche Kreuzfahrtexperten schwören auf Zitrusfrüchte, die es in fast jedem Bordrestaurant gibt. Zitrusfrüchte enthalten viel Vitamin C, das hilft, Histamin im Körper abzubauen und Seekrankheit vorzubeugen. Ein natürlicher, altbekannter Wirkstoff ist Ingwer. Es gibt ihn pulverisiert in Kapselform oder als Tee. Die uralte Heilpflanze entfaltet ihre Wirkung aber auch frisch in kleinen Scheibchen zum Kauen. Da Ingwer das Immunsystem stärkt, kann man damit nicht nur Seekrankheit, sondern auch Erkältungen effektiv vorbeugen. Ebenfalls gut: andere Obstsorten und Gemüse. Das Einatmen von Minzöl soll auch helfen.

Medikamente

Es gibt heute viele Medikamente, auch homöopathische, zur Vorbeugung und Behandlung. Meist sind sie in Form von Pflastern, Kaugummis, Tabletten oder Zäpfchen erhältlich. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Achten Sie dabei immer auf die möglichen Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten. Übrigens: In der Apotheke bekommt man auch Akupressur-Bänder, die man einfach am Handgelenk tragen kann. Richtig angewendet drücken sie auf einen bestimmten Punkt am Handgelenk und sollen so Übelkeit lindern. Auch für Kinder geeignet.

ADAC Gesundheitsratgeber: So schützen sich Passagiere

Eine Frau wäscht sich die Hände
Regelmäßiges Händewaschen ist das A und O an Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen ∙ © Shutterstock/Lisa-S
  • Lassen Sie sich frühzeitig vor Reiseantritt reisemedizinisch beraten und über mögliche Impfungen und Malaria-Vorsorgen informieren

  • Ins Gepäck gehören ausreichend Mückenschutzmittel, vor allem, wenn Länder angesteuert werden, in denen Malaria und Dengue-Fieber häufig sind

  • Vor Betreten des Schiffs, des Restaurants und nach jedem Toilettengang die Hände desinfizieren. Entsprechende Spender stehen in der Regel bereit

  • Regelmäßig und ausgiebig die Hände einseifen und waschen – und zwar mindestens 20 Sekunden lang. Tipp: Wer nicht mitzählen will, kann alternativ zweimal das Lied "Happy Birthday" summen. Das dauert ungefähr genauso lang

  • Bei jedem Gang zum Büffet frisches Geschirr benutzen. Besteck und Zangen nur an den Griffflächen berühren

  • Lieber keine Stofftaschentücher, sondern Einwegprodukte benutzen. Diese entsprechend entsorgen

  • Zu engen Kontakt zu anderen Passagieren meiden. Also lieber Treppe laufen statt Aufzug fahren, im Restaurant am Tisch bedienen lassen, statt im Büffet-Restaurant zu drängeln

  • Bei gesundheitlichen Problemen jeglicher Art sofort den Schiffsarzt aufsuchen

Bei weiteren Fragen helfen die ADAC Reisemediziner gern weiter. Hilfreiche Informationen zu den beliebten Reiseländern finden Sie beim ADAC und beim Auswärtigen Amt*.

ADAC Informationen zur Reisemedizin

Weitere Infos erhalten ADAC Mitglieder vom Reisemedizinischen Informationsdienst des ADAC unter 089 76 76 77. Auch online finden Sie umfangreiche Informationen zu reisemedizinischen Themen.

So sauber sind die Kreuzfahrtschiffe

Die Hygienestandards auf Kreuzfahrtschiffen sind im Allgemeinen sehr hoch. Viele Kreuzfahrtreedereien verpflichten sich dem United States Public Health Service (U.S.P.H.S.), der weltweit die höchsten Hygienestandards setzt. Diese gelten für Schiffe, die mehr als 13 Passagiere befördern, in internationalen Gewässern unterwegs sind und einen US-Hafen anlaufen. Die vom U.S.P.H.S. gesetzten Standards sind auch mitverantwortlich dafür, dass Karibik-Schiffe wegen der Corona-Krise bis heute im Hafen bleiben müssen.

Mehr Infos zu Kreuzfahrten in Corona-Zeiten.

Unabhängig davon kontrollieren und bewerten staatlich autorisierte Stellen, zum Beispiel hafenärztliche Dienste, unangekündigt alle sechs Monate die Hygiene an Bord. Vom Whirlpool bis zum Kühlraum wird alles unter die Lupe genommen. Nur wer die Vorschriften einhält, bekommt das Schiffshygienezertifikat.

Darüber hinaus betonen Reedereien regelmäßig auf ihren Websites, dass interne Kontrollen stattfinden würden. Räume und Kabinen werden häufig zweimal täglich gereinigt. Viele Toiletten neuerer Schiffe sind mit Türen ausgestattet, die sich automatisch öffnen. Keime können sich so weniger ausbreiten.

Viele Reedereien haben im Zuge der Corona-Krise ihre Hygienekonzepte angepasst. Büffet-Essen sind aus diesem Grund auf den meisten Schiffen erst einmal vom Tisch.

Das muss mit an Bord!

Ganz wichtig an Bord: Eine leistungsfähige und qualitativ hochwertige Sonnencreme, und das auch bei Reisen in den kühlen Norden. Keine gute Idee: Schuhe mit hohen Absätzen sind auf hoher See fehl am Platz. Vor allem bei starkem Seegang kann man damit eher den Halt verlieren als in Slippern. Auch für den Spaziergang an der Reling oder auf dem Landgang ist ein bequemer, rutschfester Schuh besser.

Noch ein Tipp: Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte unbedingt das ADAC Formular "Medikamentenmitnahme" dabei haben. Diese Bescheinigung hilft Urlaubern, Probleme bei der Einreise oder am Zoll zu vermeiden.

So gut ist die medizinische Versorgung an Bord

Ein Mädchen auf der Krankenstation
Große Kreuzfahrtschiffe sind mit eigenem Bordhospital ausgestattet ∙ © Shutterstock/Phonix_a Pk.sarote

In der Regel sind Kreuzfahrtschiffe im medizinischen Bereich gut ausgestattet: Apotheke, Ärzte, Schwestern, Ausrüstung für Notfälle aller Art, sogar ein Bordkrankenhaus sind auf größeren Kähnen üblich. Der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (Clia) empfiehlt, dass ab 800 Passagieren einer von mindestens zwei Ärzten Tag und Nacht in Bereitschaft sein sollte. Da dieser Standard nicht verbindlich ist, bestimmt jede Reederei selbst, wie viel Fachpersonal an Bord ist und was ein Schiffsarzt können muss.

Verstauchter Fuß, Seekrankheit, Herzinfarkt – was lässt sich auf hoher See überhaupt behandeln? Die Bordhospitäler auf großen Kreuzfahrtschiffen sind in der Regel unter anderem mit EKG-, Röntgen- und oftmals auch Dialysegeräten ausgestattet. Manchmal müssen Patienten aber auch an Land. Herzinfarkte, Schlaganfälle oder schwere Verletzungen wie komplizierte Beinbrüche werden in der Regel an Bord nur erstversorgt. Bei Zahnproblemen können Schiffsärzte zwar mit Schmerzmitteln helfen, zur Behandlung müssen die Patienten aber in der Regel einen Zahnarzt an Land konsultieren.

Ob, wo und wann ein Patient ausgeschifft wird, entscheidet der Arzt anhand von medizinischen Kriterien. Aber auch Ort und Wetterlage spielen eine Rolle. Nicht jedes Krankenhaus, beispielsweise in der Karibik, ist in der Lage, die Patienten nach gewohntem westlichem Standard weiterzuversorgen.

Vor der Reise Versicherungsschutz prüfen

Erkrankungen und Verletzungen auf hoher See können sehr teuer werden. Die Behandlungskosten sind weder im All-inclusive-Paket noch im Leistungsspektrum der Krankenkassen enthalten. In der Regel übernimmt diese zwar den Betrag, der in Deutschland für die Behandlung angefallen wäre, doch die Rechnung auf hoher See ist meist um ein Vielfaches höher. Auf der sicheren Seite stehen Reisende deshalb mit einer privaten Auslandskrankenversicherung.

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Der ADAC Auslandskrankenschutz bietet für die ersten 63 Tage jeder Reise Kostenerstattung bei medizinisch notwendiger Heilbehandlung im Ausland. Dazu Organisation und Kostenübernahme von Hilfeleistungen bis hin zum Krankenrücktransport. Weitere Vorteile: Privatpatientenstatus und freie Wahl unter den Krankenhäusern im Ausland.

Hier gibt es weitere Infos zum ADAC Auslandskrankenschutz.

Hinweis: Der ADAC Auslandskrankenschutz leistet auch, wenn Sie wegen Corona im Ausland medizinisch behandelt werden müssen. Infos zur Auslandskrankenversicherung bei Corona.

Corona-Pandemie: Absage einer Kreuzfahrt auch ohne Reisewarnung zulässig

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Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

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