Immer mehr Menschen bereisen die Welt auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie umgehen mit Seekrankheit, Infekten und Magen-Darm-Erkrankungen? Ein ADAC Gesundheitsratgeber für Kreuzfahrtpassagiere. Tipps und Tricks gegen Seekrankheit, Infekte und Co. Hohe Schiffshygiene und gute medizinische Versorgung sind die Regel Erkrankungen und Verletzungen auf hoher See können teuer werden Damit der Traumurlaub nicht zum Alptraum wird, sollten Reisende vor und während der Schiffsreise einiges beachten. Dazu gehört auch die Wahl der Reederei, der Route und der Kabine. Auch die medizinische Versorgung an Bord kann entscheidend sein. Die häufigsten Erkrankungen an Bord Auf Kreuzfahrtschiffen sind Tausende Passagiere und Mannschafts-Mitglieder über Tage oder Wochen auf engem Raum versammelt. Das kann die Ausbreitung von Viren und Bakterien besonders begünstigen. Zu den häufigsten Erkrankungen an Bord gehören Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall (z.B. durch das Norovirus). Auslöser für Schnupfen, Husten & Co. sind oft kühle, klimatisierte Räumlichkeiten. Nicht wenige Passagiere suchen den Bordarzt oder die Bordärztin auf, weil sie seekrank sind oder sich kleinere Verletzungen zugezogen haben. Mit einer Erkältung an Bord gehen Mit einer leichten Erkältung können Passagiere in der Regel an Bord gehen, aber nur mit Rücksicht auf andere Passagiere. Bei starken Symptomen besteht die Gefahr zurückgewiesen zu werden. Bei schweren Erkrankungen kann der Arzt eine Ausschiffung im nächsten Hafen anordnen – und das kann teuer werden. Alles über Seekrankheit Bei der Seekrankheit handelt sich um eine Bewegungskrankheit, auch Kinetose genannt. Seekrankheit tritt auf, wenn die Sinnesorgane widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers an das Gehirn senden. Betroffene sehen beispielsweise in ihrer Kabine einen starren Raum, fühlen aber die Bewegungen der Wellen. Das passt nicht zusammen. Typische Symptome sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und verschwindet in der Regel nach zwei bis drei Tagen. Tipps gegen Seekrankheit Kinetose: Das können Sie dagegen tun Versicherungsschutz besonders wichtig Erkrankungen und Verletzungen auf hoher See können sehr teuer werden. Die Behandlungskosten sind weder im All-inclusive-Paket noch im Leistungsspektrum der Krankenkassen enthalten. In der Regel übernimmt diese zwar den Betrag, der in Deutschland für die Behandlung angefallen wäre, doch die Rechnung auf hoher See ist meist um ein Vielfaches höher. Auf der sicheren Seite stehen Reisende deshalb mit einer privaten Auslandskrankenversicherung. ADAC Gesundheitsratgeber Lassen Sie sich frühzeitig vor Reiseantritt reisemedizinisch beraten und über mögliche Impfungen und Malaria-Vorsorgen informieren. Ins Gepäck gehören ausreichend Mückenschutzmittel, vor allem, wenn Länder angesteuert werden, in denen Malaria und Dengue-Fieber häufig sind. Vor Betreten des Schiffs, des Restaurants und nach jedem Toilettengang die Hände desinfizieren. Entsprechende Spender stehen in der Regel bereit. Regelmäßig und ausgiebig die Hände einseifen und waschen – und zwar mindestens 20 Sekunden lang. Tipp: Wer nicht mitzählen will, kann alternativ zweimal das Lied "Happy Birthday" summen. Das dauert ungefähr genauso lang. Bei jedem Gang zum Büffet frisches Geschirr benutzen. Besteck und Zangen nur an den Griffflächen berühren. Lieber keine Stofftaschentücher, sondern Einwegprodukte benutzen. Diese entsprechend entsorgen. Zu engen Kontakt zu anderen Passagieren meiden. Also lieber Treppe laufen statt Aufzug fahren, im Restaurant am Tisch bedienen lassen, statt im Büffet-Restaurant zu drängeln. Bei gesundheitlichen Problemen jeglicher Art sofort den Schiffsarzt aufsuchen. Für Menschen mit Vorerkrankungen ist dringend zu empfehlen, vor einer Kreuzfahrt mit einem Arzt – am geeignetsten ist der Hausarzt – zu sprechen und zu prüfen, ob das Reisen auf Kreuzfahrtschiffen für die individuelle Gesundheit und medizinischen Bedürfnisse geeignet ist. Passagiere sollten ihre eigenen Medikamente und eine Reiseapotheke mitnehmen. Dies kann bei individuellen Vorerkrankungen, aber auch bei kleineren Beschwerden helfen und die Zeit bis zur professionellen medizinischen Versorgung überbrücken. Auch interessant: Hygiene unterwegs: So schützen Sie sich und andere vor Viren und Bakterien Bei weiteren Fragen helfen die ADAC Reisemediziner gern weiter. Hilfreiche Informationen zu den beliebten Reiseländern finden Sie beim ADAC und beim Auswärtigen Amt. Sauberkeit auf Kreuzfahrtschiffen Die Hygienestandards auf Kreuzfahrtschiffen sind im Allgemeinen sehr hoch. Viele Kreuzfahrtreedereien verpflichten sich dem United States Public Health Service (U.S.P.H.S.), der weltweit die höchsten Hygienestandards setzt. Diese gelten für Schiffe, die mehr als 13 Passagiere befördern, in internationalen Gewässern unterwegs sind und einen US-Hafen anlaufen. Unabhängig davon kontrollieren und bewerten staatlich autorisierte Stellen, zum Beispiel hafenärztliche Dienste, unangekündigt regelmäßig die Hygiene an Bord. Vom Whirlpool bis zum Kühlraum wird alles unter die Lupe genommen. Nur wer die Vorschriften einhält, bekommt das Schiffshygienezertifikat. Darüber hinaus betonen Reedereien regelmäßig auf ihren Websites, dass interne Kontrollen stattfinden würden. Räume und Kabinen werden häufig zweimal täglich gereinigt. Viele Toiletten neuerer Schiffe sind mit Türen ausgestattet, die sich automatisch öffnen. Keime können sich so weniger ausbreiten. Medizinische Versorgung an Bord In der Regel sind Kreuzfahrtschiffe im medizinischen Bereich gut ausgestattet: Apotheke, Ärzte, Schwestern, Ausrüstung für Notfälle aller Art, sogar ein Bordkrankenhaus sind auf größeren Kähnen üblich. Der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (Clia) empfiehlt, dass ab 800 Passagieren einer von mindestens zwei Ärzten Tag und Nacht in Bereitschaft sein sollte. Da dieser Standard nicht verbindlich ist, bestimmt jede Reederei selbst, wie viel Fachpersonal an Bord ist und was ein Schiffsarzt oder eine Schiffsärztin können muss. Verstauchter Fuß, Seekrankheit, Herzinfarkt – was lässt sich auf hoher See überhaupt behandeln? Die Bordhospitäler auf großen Kreuzfahrtschiffen sind in der Regel unter anderem mit EKG-, Röntgen- und oftmals auch Dialysegeräten ausgestattet. Manchmal müssen Patienten aber auch an Land. Herzinfarkte, Schlaganfälle oder schwere Verletzungen wie komplizierte Beinbrüche werden in der Regel an Bord nur erstversorgt. Bei Zahnproblemen kann das medizinische Personal an Bord zwar mit Schmerzmitteln helfen, zur Behandlung müssen die Patienten aber in der Regel einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin an Land konsultieren. Ob, wo und wann ein Patient oder eine Patientin ausgeschifft wird, entscheidet der Arzt oder die Ärztin anhand von medizinischen Kriterien. Aber auch Ort und Wetterlage spielen eine Rolle. Nicht jedes Krankenhaus, beispielsweise in der Karibik, ist in der Lage, die Patienten nach gewohntem westlichem Standard weiter zu versorgen. Weitere wichtige Informationen für Kreuzfahrt-Urlauber: Ärger und Mängel auf der Kreuzfahrt Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.