Gesund auf dem Kreuzfahrtschiff: Was Passagiere wissen müssen

Ein paar sitzt auf der Reling eines Kreuzfahrtschiffs
Viele Menschen lieben Kreuzfahrten. Man kann viele Orte sehen, ohne sie einzeln planen zu müssen© iStock.com/Steve Mason

Immer mehr Menschen bereisen die Welt auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie umgehen mit Seekrankheit, Infekten und Pandemien wie Corona? Ein ADAC Gesundheitsratgeber für Kreuzfahrtpassagiere.

  • Tipps und Tricks gegen Seekrankheit, Infekte und Co.

  • Hohe Schiffshygiene und gute medizinische Versorgung sind die Regel

  • Erkrankungen und Verletzungen auf hoher See können teuer werden

Damit der Traumurlaub nicht zum Alptraum wird, sollten Reisende vor und während der Abfahrt einiges beachten. Dazu gehört auch die Wahl der Reederei, der Route und der Kabine. Auch die medizinische Versorgung an Bord kann entscheidend sein.

Die häufigsten Erkrankungen an Bord

Auf Kreuzfahrtschiffen sind Tausende Passagiere über Tage oder Wochen auf engem Raum versammelt. Das kann die Ausbreitung von Viren und Bakterien besonders begünstigen. Zu den häufigsten Erkrankungen an Bord gehören Erkältungen und Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall (z.B. durch das Noro-Virus). Auslöser für Schnupfen, Husten & Co. sind oft kühle, klimatisierte Räumlichkeiten. Nicht wenige Passagiere suchen den Bordarzt oder die Bordärztin auf, weil sie seekrank sind oder sich kleinere Verletzungen zugezogen haben.

Kreuzfahrten auch für Menschen mit Allergien

Wichtig für Allergiker, Diabetiker und Menschen mit Handicap: Kreuzfahrten sind für sie in der Regel kein Problem. Unverträglichkeiten oder Diätwünsche sollten der Crew frühzeitig mitgeteilt werden. Oft gibt es Köche oder Köchinnen an Bord, die Passagiere speziell beraten.

Viele Kreuzfahrtriesen sind heute barrierefrei. Behindertengerechte Kabinen gehören oftmals zum Standard. Sie befinden sich in der Regel nahe der Aufzüge, um die Wege kurz zu halten. Auch außerhalb der Unterkünfte sind dann Restaurants, Cafés etc. problemlos mit dem Rollstuhl erreichbar und mit Brailleschrift versehen. Wer auf den Rollstuhl angewiesen ist, aber dennoch gern Landgänge macht, sollte die zuständige Reederei für genaue Informationen kontaktieren.

Aber auch Corona könnte zum Problem werden auf Kreuzfahrtschiffen. In der Hochphase der Pandemie verhängten die zuständigen Behörden nach einem größeren Covid-19-Ausbruch an Bord immer wieder mehrtägige Schiffsquarantänen. Ein zeitnaher Rücktransport nach Deutschland war in diesen Fällen ausgeschlossen. Auch wurden Kreuzfahrten nicht selten umgeroutet oder vorzeitig abgebrochen. Durch das Abflauen der Pandemie hat sich die Situation in der Kreuzfahrtbranche aber normalisiert.

Alles über Seekrankheit

Mutter und Tochter auf einem Kruzfahrtschiff
Typische Symptome von Seekrankheit: Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen© iStock.com/Kerkez

Bei der Seekrankheit handelt sich um eine Bewegungskrankheit, auch Kinetose genannt. Seekrankheit tritt auf, wenn die Sinnesorgane widersprüchliche Informationen zur räumlichen Lage und Bewegung des Körpers an das Gehirn senden. Betroffene sehen beispielsweise in ihrer Kabine einen starren Raum, fühlen aber die Bewegungen der Wellen. Das passt nicht zusammen. Typische Symptome sind Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und verschwindet in der Regel nach zwei bis drei Tagen.

Tipps gegen Seekrankheit

ADAC Gesundheitsratgeber

Eine Frau wäscht sich die Hände
Regelmäßiges Händewaschen ist das A und O an Orten, an denen viele Menschen zusammenkommen© Shutterstock/Lisa-S
  • Lassen Sie sich frühzeitig vor Reiseantritt reisemedizinisch beraten und über mögliche Impfungen und Malaria-Vorsorgen informieren

  • Ins Gepäck gehören ausreichend Mückenschutzmittel, vor allem, wenn Länder angesteuert werden, in denen Malaria und Dengue-Fieber häufig sind

  • Vor Betreten des Schiffs, des Restaurants und nach jedem Toilettengang die Hände desinfizieren. Entsprechende Spender stehen in der Regel bereit

  • Regelmäßig und ausgiebig die Hände einseifen und waschen – und zwar mindestens 20 Sekunden lang. Tipp: Wer nicht mitzählen will, kann alternativ zweimal das Lied "Happy Birthday" summen. Das dauert ungefähr genauso lang

  • Bei jedem Gang zum Büffet frisches Geschirr benutzen. Besteck und Zangen nur an den Griffflächen berühren

  • Lieber keine Stofftaschentücher, sondern Einwegprodukte benutzen. Diese entsprechend entsorgen

  • Zu engen Kontakt zu anderen Passagieren meiden. Also lieber Treppe laufen statt Aufzug fahren, im Restaurant am Tisch bedienen lassen, statt im Büffet-Restaurant zu drängeln

  • Bei gesundheitlichen Problemen jeglicher Art sofort den Schiffsarzt aufsuchen

Bei weiteren Fragen helfen die ADAC Reisemediziner gern weiter. Hilfreiche Informationen zu den beliebten Reiseländern finden Sie beim ADAC und beim Auswärtigen Amt.

ADAC Informationen zur Reisemedizin

Weitere Infos erhalten ADAC Mitglieder vom Reisemedizinischen Informationsdienst des ADAC unter 089 76 76 77. Auch online finden Sie umfangreiche Informationen zu reisemedizinischen Themen.

Sauberkeit auf Kreuzfahrtschiffen

Die Hygienestandards auf Kreuzfahrtschiffen sind im Allgemeinen sehr hoch. Viele Kreuzfahrtreedereien verpflichten sich dem United States Public Health Service (U.S.P.H.S.), der weltweit die höchsten Hygienestandards setzt. Diese gelten für Schiffe, die mehr als 13 Passagiere befördern, in internationalen Gewässern unterwegs sind und einen US-Hafen anlaufen.

Unabhängig davon kontrollieren und bewerten staatlich autorisierte Stellen, zum Beispiel hafenärztliche Dienste, unangekündigt alle sechs Monate die Hygiene an Bord. Vom Whirlpool bis zum Kühlraum wird alles unter die Lupe genommen. Nur wer die Vorschriften einhält, bekommt das Schiffshygienezertifikat.

Darüber hinaus betonen Reedereien regelmäßig auf ihren Websites, dass interne Kontrollen stattfinden würden. Räume und Kabinen werden häufig zweimal täglich gereinigt. Viele Toiletten neuerer Schiffe sind mit Türen ausgestattet, die sich automatisch öffnen. Keime können sich so weniger ausbreiten.

Das muss mit an Bord!

Ganz wichtig an Bord: Eine leistungsfähige und qualitativ hochwertige Sonnencreme, und das auch bei Reisen in den kühlen Norden. Keine gute Idee: Schuhe mit hohen Absätzen sind auf hoher See fehl am Platz. Vor allem bei starkem Seegang kann man damit eher den Halt verlieren als in Slippern. Auch für den Spaziergang an der Reling oder auf dem Landgang ist ein bequemer, rutschfester Schuh besser.

Noch ein Tipp: Wer auf Medikamente angewiesen ist, sollte unbedingt das ADAC Formular "Medikamentenmitnahme" dabei haben. Diese Bescheinigung hilft Urlaubern, Probleme bei der Einreise oder am Zoll zu vermeiden.

Medizinische Versorgung an Bord

Ein Mädchen auf der Krankenstation
Große Kreuzfahrtschiffe sind mit eigenem Bordhospital ausgestattet© Shutterstock/Phonix_a Pk.sarote

In der Regel sind Kreuzfahrtschiffe im medizinischen Bereich gut ausgestattet: Apotheke, Ärzte, Schwestern, Ausrüstung für Notfälle aller Art, sogar ein Bordkrankenhaus sind auf größeren Kähnen üblich. Der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (Clia) empfiehlt, dass ab 800 Passagieren einer von mindestens zwei Ärzten Tag und Nacht in Bereitschaft sein sollte. Da dieser Standard nicht verbindlich ist, bestimmt jede Reederei selbst, wie viel Fachpersonal an Bord ist und was ein Schiffsarzt oder eine Schiffsärztin können muss.

Verstauchter Fuß, Seekrankheit, Herzinfarkt – was lässt sich auf hoher See überhaupt behandeln? Die Bordhospitäler auf großen Kreuzfahrtschiffen sind in der Regel unter anderem mit EKG-, Röntgen- und oftmals auch Dialysegeräten ausgestattet. Manchmal müssen Patienten aber auch an Land. Herzinfarkte, Schlaganfälle oder schwere Verletzungen wie komplizierte Beinbrüche werden in der Regel an Bord nur erstversorgt. Bei Zahnproblemen kann das medizinische Personal an Bord zwar mit Schmerzmitteln helfen, zur Behandlung müssen die Patienten aber in der Regel einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin an Land konsultieren.

Ob, wo und wann ein Patient oder eine Patientin ausgeschifft wird, entscheidet der Arzt oder die Ärztin anhand von medizinischen Kriterien. Aber auch Ort und Wetterlage spielen eine Rolle. Nicht jedes Krankenhaus, beispielsweise in der Karibik, ist in der Lage, die Patienten nach gewohntem westlichem Standard weiter zu versorgen.

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Versicherungsschutz besonders wichtig

Erkrankungen und Verletzungen auf hoher See können sehr teuer werden. Die Behandlungskosten sind weder im All-inclusive-Paket noch im Leistungsspektrum der Krankenkassen enthalten. In der Regel übernimmt diese zwar den Betrag, der in Deutschland für die Behandlung angefallen wäre, doch die Rechnung auf hoher See ist meist um ein Vielfaches höher. Auf der sicheren Seite stehen Reisende deshalb mit einer privaten Auslandskrankenversicherung.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.