Reisen mit Diabetes: Alle Infos auf einen Blick

Insulinpumpe in der Tasche
Flexibel und unbeschwert: Dank moderner Medizin können die meisten Diabetiker heutzutage nahezu sorglos reisen ∙ © iStock.com/Click_and_Photo

Sie sind Diabetiker? Die gute Nachricht lautet: Wenn Sie Ihren Zuckerstoffwechsel gut im Griff haben und nicht an Komplikationen leiden, können Sie heutzutage unbeschwert nahezu überall hin verreisen.

Sicher unterwegs: Eine gute Vorbereitung ist alles 

Damit sie sicher unterwegs sind, sollten Patienten sich sorgfältig vorbereiten. Diese Dinge gehören zu einer guten Reiseplanung:

  • Informieren Sie sich vorab, welche Qualität die medizinische Versorgung am Urlaubsort hat. Das geht zum Beispiel beim Deutschen Diabetiker Bund (DDB)*.

  • Diabetiker sollten den Kohlehydratgehalt der wichtigsten lokalen Grundnahrungsmittel kennen. Außerdem wichtig: Gibt es im Reiseland tierisches Insulin, falls Patienten darauf angewiesen sind? Auch hier hilft der DDB.

  • Ebenfalls beim DDB gibt es wichtige Vordrucke (s.u.).

  • Wer mit dem Flugzeug verreist, bucht am besten einen Gangplatz und bestellt bei der Airline Diabetikeressen.

Fit in den Urlaub: Arztbesuch und Medikamente einplanen

Lassen Sie sich sechs Wochen vor der Reise untersuchen – und zwar von einem Reisemediziner. Sprechen Sie mit ihm über Ihre Urlaubspläne und erstellen Sie für Zeitzonenflüge gemeinsam einen Spritz-Ess-Plan.

Müssen Sie vor Ort Malariamedikamente nehmen? Fragen Sie den Arzt nach Wechselwirkungen mit Ihren gewohnten Arzneien. Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Impfungen gegen Hepatitis A/B, Pneumokokken, Influenza und eventuell gegen Durchfälle (mit einem Cholera- oder ETEC-Impfstoff) schützen.

Um vor Ort mit allen gewohnten Medikamenten versorgt zu sein, lassen Sie sich Rezepte dafür ausstellen – und zwar mit den internationalen Namen der Substanzen. Es kann immer passieren, dass Sie etwas verlieren oder Ihr Gepäck gestohlen wird. Nehmen Sie die Beipackzettel mit. Auch für Verbrauchsmaterialien brauchen Sie Rezepte, denn sie sind in manchen Ländern verschreibungspflichtig. Ärztliche Atteste (auch in engl. Sprache, mit Stempel und Unterschrift) für die Mitnahme von Medikamenten und Material vermeiden Probleme beim Zoll.

Der Arzt kann Ihnen auch erklären, wie Sie kleine Verletzungen auf der Reise am besten behandeln und gibt Ihnen Tipps für die Reiseapotheke. Denken Sie auch an Fußpflegemittel wie etwa Harnstoffcremes – besonders, wenn Sie einen Wanderurlaub planen oder in ein heißes Land fahren.

Ebenfalls rechtzeitig vor der Reise sollten Sie eine entsprechende Versicherung abschließen (falls Sie noch keine haben). Eine gute Auslandskrankenversicherung schließt den Versand von Medikamenten und Material ein und übernimmt auch dann Behandlungskosten, wenn ein gut eingestellter Diabetes plötzlich entgleist. Damit sind Sie auch bei unvorhergesehenen Erkrankungen oder Unfällen abgesichert.

Anzeige: ADAC Auslandskrankenschutz

Der ADAC Auslandskrankenschutz bietet Kostenerstattung für medizinisch notwendige Heilbehandlungen im Ausland. Dazu Organisation und Kostenübernahme von Hilfeleistungen bis hin zum Krankenrücktransport. Weitere Vorteile: Privatpatientenstatus und freie Wahl unter den Krankenhäusern im Ausland.

Hier gibt es weitere Infos zum ADAC Auslandskrankenschutz.

Auf Nummer sicher: Batterien, Insulin & Co. einpacken

Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass Sie Medikamente und Ausrüstung im Reiseland nicht kaufen können – und packen Sie von beidem mindestens doppelt so viel ein, wie Sie normalerweise für den Zeitraum benötigen. Diese Menge verteilen Sie dann auf zwei Portionen: Eine Hälfte kommt ins Handgepäck, der Rest ins Check-in-Gepäck.

Oder Sie fragen einen Ihrer Reisebegleiter, ob dieser die Medikamente in seinem Handgepäck für Sie transportiert. Im Zweifelsfall informieren Sie sich bitte vorher, auch weil die Sicherheitsvorschriften für das Handgepäck in letzter Zeit verschärft wurden.

Achtung: Insulin sollte dunkel und nicht kälter als vier oder wärmer als 40 Grad Celsius gelagert werden. Hier leistet eine Stahlthermoskanne gute Dienste: Das Insulin wird wasserdicht verpackt und in die mit kaltem Wasser gefüllte Flasche gegeben.

Woran Diabetiker außerdem denken sollten:

  • Ersatzbatterien

  • Katheter für Pumpen

  • Stechhilfe/Lanzetten

  • Insulinspritzen (in Deutschland meist U-100), Nadeln und einfache Farbteststreifen (auch wenn Sie normalerweise Pen und Zuckertestgerät oder Klebesensor benutzen)

  • festes Schuhwerk, das Sie lange tragen können, ohne wund zu werden (vor allem bei Reisen ins Gebirge oder in kalte Gebiete)

  • internationaler Diabetikerausweis

  • Atteste

  • Diabetiker-Tagebuch

  • Wörterbuch für den Arztbesuch im Ausland

  • Formular zur Medikamentenmitnahme, um Probleme bei der Einreise oder am Zoll zu vermeiden

Los geht's: Den Insulinbedarf im Blick behalten

Reisen macht Freude. Diabetiker sollten aber bedenken, dass eine ungewohnte Umgebung und fremde Gewohnheiten den Körper stressen können. Der Insulinbedarf kann sich dadurch verändern. Zu den Faktoren, die den Bedarf erhöhen oder herabsetzen können, gehören:

  • Zeitverschiebung

  • andere Temperaturen

  • Begleiterkrankungen

  • ungewohnte körperliche Aktivität

  • Stress

  • fremdes Essen mit unbekanntem Kohlehydratgehalt

Für Flugreisen gilt: Spritzen Sie erst dann, wenn Sie schon Essen vor sich haben, das Sie auch bei Turbulenzen zu sich nehmen können. Die Einstellungen von Insulinpumpen brauchen bei Zeitzonenflügen normalerweise nicht verändert zu werden. Sie sollten sie aber am zweiten Tag am Reiseziel auf die Ortszeit umstellen.

Frau bei Insulininjektion
Für den Notfall sollten Sie Insulinspritzen im Gepäck haben. ∙ © iStock.com/agrobacter

Vor Unterzuckerung schützen

Um zu verhindern, dass Ihr Blutzucker entgleist, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Sie schützen:

  • Denken Sie daran, dass "Broteinheit" (BE) keine international gebräuchliche Einheit ist: Entspricht 1 BE 12 Gramm Kohlehydraten, so sind es bei 1 CE (carbohydrate exchange) 15 Gramm und bei einer KE (Kohlehydrateinheit) 10 Gramm.

  • Regelmäßige Blutzuckerselbstkontrollen – nach Absprache mit Ihrem Hausarzt – schützen. Eine große Hilfe können hier auf die Haut geklebte und fortlaufend messende Glukosesensoren sein. Generell gilt: Nehmen Sie lieber etwas höhere Werte in Kauf, als eine Unterzuckerung zu riskieren.

  • Nehmen Sie immer (Trauben-)Zucker, Gummibärchen o.ä. mit und sagen Sie Ihren Mitreisenden frühzeitig, dass Sie Diabetiker sind. Ratsam ist, dass auch enge Reisebegleiter mit der Glukagonspritze umgehen können, die Typ-I-Diabetiker dabei haben sollten.

  • Trinken Sie genug. Sie sollten mindestens dreimal am Tag möglichst hellgelben Urin lassen können. Ist der Urin dunkel, trinken Sie zu wenig. Seien Sie aber zurückhaltend mit Alkohol.
    Waschen Sie sich so oft wie möglich die Hände. Pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig, laufen Sie nie barfuß.

  • Schwitzen, Schwäche und Zittern sollten nie als Folge von Anstrengung oder Hitze, sondern immer als Unterzuckerung gedeutet und entsprechend behandelt werden.

  • Bei Durchfall und Fieber verändert sich der Insulinbedarf rasch. Messen Sie in diesem Fall mindestens alle vier Stunden Ihren Blutzuckerspiegel. Ziehen Sie viel früher als zu Hause einen Arzt hinzu, wenn Sie sich nicht wohlfühlen.

Für Notfälle gerüstet

Um Notsituationen zu vermeiden, hinterlassen Sie immer eine Nachricht, wenn Sie allein irgendwo hingehen und ändern Sie Ihr Ziel danach nicht mehr. Führen Sie Ihre Ausrüstung unauffällig verpackt mit sich, damit niemand auf die Idee kommt, es handele sich z.B. um einen teuren Fotoapparat.

Bei sehr niedrigen Temperaturen sollte das Insulin nahe am Körper getragen werden. Und: Wenn Sie es vermeiden können, kaufen Sie nie Medikamente im Ausland, am wenigsten in Entwicklungsländern. Abgesehen von anderen Risiken werden die Kosten auch nicht von den Krankenkassen erstattet.

Gut beraten beim Reisemedizinischen Informationsdienst

Unsere Mitglieder erhalten beim Reisemedizinischen Informationsdienst (Tel: 0 89 - 76 76 77) neben vielen reisemedizinischen Informationen und dem Formular zur Medikamentenmitnahme auch Adressen von Deutsch sprechenden Ärzten und Kliniken weltweit.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Redaktion
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?