Das E-Rezept ist jetzt Plicht: So funktioniert es

Eine Frau lässt sich von einer Apothekerin beraten
Künftig ohne Papier: Das E-Rezept soll sich in deutschen Apotheken und Arztpraxen etablieren© iStock.com/Alexander Ford

Ab sofort sind Ärzte dazu verpflichtet, gesetzlich Versicherten ein E-Rezept auszustellen. Patienten benötigen dafür eine elektronische Gesundheitskarte oder die E-Rezept-App.

  • Papierausdruck bleibt als Alternative bestehen

  • Für E-Rezept ist keine PIN notwendig

  • Kontaktlose Übermittlung nach Videosprechstunde möglich

Digitaler Code statt Ausdruck auf rosa Papier: Das elektronische Rezept, kurz E-Rezept, ist nun Standard in deutschen Arztpraxen und Apotheken. Für Patientinnen und Patienten, die eine Arzneimittelverordnung nicht über ein Smartphone oder die elektronische Gesundheitskarte (eGK) einlösen wollen, gibt es weiterhin eine Alternative.

Was ist das E-Rezept?

Bereits seit Juli 2023 können elektronische Rezepte ausgestellt und über die elektronischen Gesundheitskarten der gesetzlichen Krankenkassen in den Apotheken eingelöst werden. Seit dem 1. Januar 2024 sind Vertragsärzte ("Kassenärzte") dazu verpflichtet, E-Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel auszustellen. Diese Neuerung basiert auf Entwürfen der Bundesregierung zum "Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens".

Die Umstellung auf das E-Rezept betrifft derzeit alle gesetzlich Versicherten in Deutschland. Für Privatversicherte gibt es bis dato noch keine einheitlichen Regelungen.

Werden Papier-Rezepte ganz abgeschafft?

Ein Beispiel-Ausdruck eines elektronischen Rezeptes
So wird das E-Rezept in Papierform aussehen© Gematik/ADAC

Wer kein Smartphone nutzt, muss sich um die Versorgung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auch in Zukunft keine Sorgen machen. Es besteht die Möglichkeit, sich ein E-Rezept mit entsprechendem Code auf Papier ausdrucken zu lassen. Auf dem Ausdruck befindet sich oben rechts ein Sammelcode, der mehrere Verordnungen beinhalten kann. Im unteren Bereich werden die einzelnen Verschreibungen mit kleineren Codes angegeben.

Wie funktioniert das E-Rezept?

Das E-Rezept wird von den Arztpraxen und Krankenhäusern im Praxisverwaltungssystem (PVS) digital erstellt und signiert. Eine handschriftliche Unterschrift von Ärztin oder Arzt ist nicht nötig. Die Übermittlung an die Patientin oder den Patienten erfolgt unmittelbar. Die Verordnung kann somit direkt an die Apotheke geschickt werden, damit diese die Verfügbarkeit prüft und das Medikament zur Abholung bereitstellt.

Es stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung, ein E-Rezept einzulösen:

  • Mit dem Smartphone über die E-Rezept-App der Gematik

  • Über die elektronische Gesundheitskarte

  • Mit einem Ausdruck auf Papier

Die auf dem E-Rezept enthaltenen Daten werden in einem Data-Matrix-Code, der einem QR-Code ähnelt, verschlüsselt dargestellt. In der Apotheke wird der Code in der App oder auf dem Ausdruck gescannt. Mit der elektronischen Gesundheitskarte wird die Verordnung durch ein entsprechendes Kartenlesegerät übermittelt. Dafür benötigen Sie weder PIN noch Passwort.

Elektronische Gesundheitskarte (eGK)

Ob Ihre Krankenkassenkarte die Voraussetzungen einer kontaktlosen elektronischen Gesundheitskarte erfüllt, erkennen Sie zum einen an der sechsstelligen Nummer (CAN/Card Access Number) auf der Vorderseite unter der Aufschrift "Gesundheitskarte" sowie an dem Symbol für drahtlose Datenübertragung (Near Field Communication, kurz NFC; ähnelt dem WLAN-Symbol).

Sollten Sie noch keine eGK erhalten haben, können Sie diese mit dazugehöriger PIN, die Sie unter anderem für die Anmeldung in der App benötigen, kostenlos bei Ihrer Krankenkasse anfordern. Zu den auf der Gesundheitskarte gespeicherten Daten hat lediglich medizinisches Fachpersonal Zugriff, nachdem Sie mit der Eingabe Ihrer PIN zugestimmt haben.

Die E-Rezept-App der Gematik

Screenshot einer Apotheken App auf dem ein elektronisches Rezept zu sehen ist
Mit der E-Rezept-App landet der Code auf dem Smartphone© Gematik/ADAC

Wer das E-Rezept über ein Smartphone nutzen möchte, benötigt die kostenlose E-Rezept-App der Gematik (nationale Agentur für digitale Medizin). Für die Anmeldung werden eine elektronische Gesundheitskarte sowie eine entsprechende PIN vorausgesetzt. Eine Nutzerin oder ein Nutzer kann mehrere Profile für Kinder oder zu pflegende Angehörige anlegen. Die E-Rezept-App soll einen "datenschutzkonformen und sicheren Zugang zu Rezeptdaten" ermöglichen, heißt es seitens der Gematik.

Wo kann man das E-Rezept einlösen?

E-Rezepte kann man deutschlandweit in sämtlichen Apotheken über die drei genannten Übermittlungswege einlösen. In der E-Rezept-App wird eine Apothekensuche angeboten. Hier werden nicht nur Apotheken in der unmittelbaren Nachbarschaft angezeigt, sondern auch Boten- und Versanddienste sowie aktuelle Öffnungszeiten.

E-Rezepte können auch in Online-Apotheken eingereicht werden. Für den nicht stationären Handel ist ebenfalls der Code entscheidend. Dieser muss auf der jeweiligen Anbieterseite eingescannt oder hochgeladen werden.

Welche Rezepte werden elektronisch?

Alle Verordnungen, die gesetzlich Versicherte bis dato auf einem rosafarbenen Ausdruck erhalten haben, sollen künftig über das E-Rezept abgewickelt werden. Für folgende Rezeptarten gibt es nun ebenfalls eine elektronische Version:

  • Arzneimittel-Empfehlungen ("grünes Rezept")

  • Verordnungen von nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten für Kinder unter zwölf Jahren

  • Privatrezepte ("blaues Rezept")

E-Rezept auch ohne Praxisbesuch

Auch in der Telemedizin wird das E-Rezept zum Einsatz kommen. Ärztinnen und Ärzte können im Rahmen einer Videosprechstunde elektronische Verordnungen kontaktlos ausstellen. Folgerezepte können elektronisch übermittelt werden, ohne dass die Patientin oder der Patient in der Praxis erscheinen muss. Voraussetzung dafür bleibt, dass im laufenden Quartal bereits einmal vor Ort die Gesundheitskarte eingelesen wurde.

Ein weiterer Vorteil für Patientinnen und Patienten: Sie können das E-Rezept vor Abholung direkt an die Apotheke senden und prüfen, ob die Medikamente vorrätig sind. Etwaige Bestellungen können somit direkt erfolgen. Eine elektronische Korrektur von falsch ausgestellten Verordnungen kann direkt in der Apotheke durchgeführt werden.

Ist das E-Rezept sicher?

Das E-Rezept ist nur einmalig einlösbar und laut Gematik fälschungssicher. Nicht eingelöste Rezepte werden zehn Tage nach Ablauf ihrer Gültigkeit (28 Kalendertage nach Ausstellung) automatisch gelöscht. Eingelöste Rezepte werden nach 100 Tagen vom Server gelöscht. Da die Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte in der Apotheke ohne PIN oder zusätzliche Authentifizierung erfolgt, sollten Sie sie nach Diebstahl oder anderweitigem Verlust zeitnah bei der Krankenkasse sperren lassen.

Elektronische Patientenakte bis 2025

Bis Anfang 2025 sollen außerdem alle gesetzlich Versicherten von den Krankenkassen mit einer elektronischen Patientenakte (ePA) ausgestattet werden. Die E-Akte wird automatisch erstellt, es sei denn, man legt aktiv Widerspruch dagegen ein (Opt-out-Regelung). Die Versicherten sollen selbst entscheiden können, welche medizinischen Daten, also etwa Befunde, Bilder, Laborwerte oder Medikationspläne, darauf gespeichert werden und wem diese zur Verfügung gestellt werden.

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