Keuchhusten: Übertragungswege, Risikogruppen und Impfung

Eine Mutter hat ihr Baby auf dem Schoss wärend es eine Sprizte von einer Ärztin bekommt
Babys sind bei Keuchhusten besonders gefährdet© istock.com/FatCamera

Keuchhusten kommt auf der ganzen Welt vor und ist keine harmlose Kinderkrankheit. Alle Infos, die für Reisende wichtig sind.

  • Keuchhusten ist sehr ansteckend

  • Babys sind besonders gefährdet

  • Impfung schützt

Keuchhusten ist eine schwere Infektionskrankheit, die sehr leicht übertragen wird. Sie tritt ganzjährig und weltweit auf. Ein vollständiger Impfschutz beugt einer Infektion vor. Dazu gehören vor allem auch Auffrischimpfungen bei Erwachsenen. Aktuell steigen die Infektionszahlen europaweit

Im Vergleich zu den Jahren seit 2020 ist aktuell ein deutlicher Anstiegder Keuchhustenfälle erkennbar. Die Fallzahlen sind jedoch nicht ungewöhnlichund mit den Zahlen vor der Pandemie vergleichbar.
Die niedrigeren Fallzahlen von 2020 bis 2023 hängen mit den Infektionsschutzmaßnahmenwährend der COVID-19-Pandemie zusammen: Der Erreger konnte sich weniger gut ausbreiten, wodurch auch die Immunitätin der Bevölkerung gesunken ist, was dem Erreger jetzt eine bessere Verbreitung ermöglicht.
Dies sehen wir auch bei anderen Infektionskrankheiten.

Übertragung durch Tröpfcheninfektion

Häufigster Erreger von Keuchhusten ist das Bakterium Bordetella pertussis. Bordetella parapertussis und Bordetella holmesii können ebenso Keuchhusten auslösen, dieser verläuft in der Regel aber milder. Die Bordetella-Bakterien vermehren sich auf der Schleimhaut der Atemwege und schädigen sie.

Übertragen werden die Bakterien durch sogenannte Tröpfcheninfektionen. Erkrankte stoßen beim Sprechen, Husten oder Niesen kleine Tröpfchen aus, die Keuchhusten-Erreger enthalten. Die Ansteckungsgefahr ist groß: Atmet ein gesunder und ungeschützter Mensch in der näheren Umgebung der erkrankten Person die Tröpfchen ein, kommt es in 80 bis 90 Prozent der Fälle zu einer Infektion.

Erkrankte können bis zu drei Wochen ansteckend sein. Das Risiko für eine Infektion ist in den ersten beiden Wochen am größten. Antibiotika können die Ansteckungsfähigkeit auf bis zu sieben Tage ab Beginn der Behandlung verkürzen.

Typische Symptome und Krankheitsverlauf

Erste Symptome treten ein bis drei Wochen nach einer Infektion auf. Bei Ungeimpften, die sich zum ersten Mal infiziert haben, verläuft Keuchhusten in drei Phasen:

  • 1. Phase (ein bis zwei Wochen): erkältungsähnliche Symptome wie leichter Husten, Schnupfen, kein oder nur leichtes Fieber

  • 2. Phase (vier bis sechs Wochen): krampfartige Hustenanfälle mit stakkatoartigen Hustenstößen, die mit einem keuchenden Einziehen der Luft enden. Hustenattacken treten vor allem nachts auf. Oft würgen die Betroffenen während der Hustenanfälle zähen Schleim heraus und müssen sich danach erbrechen. Sie haben keinen Appetit und können nicht schlafen. Neugeborene und Säuglinge können einen lebensgefährlichen Atemstillstand erleiden.

  • 3. Phase (sechs bis zehn Wochen): Hustenanfälle klingen ab. Einflüsse wie körperliche Anstrengung, kalte Luft oder Zigarettenrauch können aber noch mehrere Monate danach zu Reizhusten führen.

Komplikationen bei Risikogruppen

Komplikationen treten vor allem bei Neugeborenen und Säuglingen, älteren Menschen sowie Personen mit Grunderkrankungen auf. Keuchhusten kann zum Beispiel zu Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und selten auch zu Krampfanfällen führen. Eine weitere seltene Komplikation – vor allem bei Säuglingen unter sechs Monaten – ist ein Gehirnschaden aufgrund von Sauerstoffmangel. Während der Hustenanfälle können Atemaussetzer auftreten. Dauerhafte Seh-, Hör- oder geistige Störungen sowie Lähmungen können die Folge sein.

Keuchhusten kommt weltweit vor

Keuchhusten tritt weltweit auf und gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern. In vielen Ländern ist die Anzahl der Keuchhusten-Fälle in den vergangenen Jahren gestiegen – trotz Impfung. Vor allem Jugendliche und Erwachsene erkranken, denn mit zunehmendem Alter nimmt der Impfschutz ab. Eine regelmäßige Auffrischimpfung ist daher sehr wichtig.

Impfung beugt Infektionen vor

Eine Spritze wird aufgezogen
Die Impfstoffe gegen Keuchhusten werden als Kombinationsimpfstoffe verabreicht© iStock.com/scyther5

Gegen Keuchhusten gibt es eine wirksame Impfung. Die Impfstoffe werden als Kombinationsimpfstoffe verabreicht, die auch gegen Krankheiten wie Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung (Polio), Influenza vom Typ B und Hepatitis B schützen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grundimmunisierung bereits im Säuglingsalter: je eine Impfdosis mit zwei, drei, vier und elf bis 14 Monaten. Eine Grundimmunisierung kann man auch später nachholen. Bei Erwachsenen reicht dafür eine Impfdosis.

Die STIKO empfiehlt allen Schwangeren eine Keuchhusten-Impfung ab der 28. Schwangerschaftswoche. Ist das Risiko für eine Frühgeburt erhöht, kann die Impfung bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel erfolgen. Generell sollten schwangere Frauen die Impfung in jeder Schwangerschaft erhalten – auch unabhängig davon, wann zuletzt gegen Keuchhusten geimpft wurde. Durch die Impfung gibt die Mutter Antikörper gegen den Keuchhusten-Erreger an das Ungeborene weiter. Das schützt Neugeborene vor einer Infektion, bis sie die erste Impfdosis mit zwei Monaten erhalten können.

Regelmäßige Auffrischung ist wichtig

Da der Impfschutz mit der Zeit abnimmt, sind laut STIKO folgende regelmäßige Auffrischungen nötig:

  • Kinder und Jugendliche: je eine Auffrischung mit fünf bis sechs Jahren sowie mit neun bis 16 Jahren

  • Erwachsene: einmalige Auffrischung als Kombinationsimpfung mit Diphterie und Tetanus, sobald die letzte Impfung gegen Keuchhusten mehr als zehn Jahre zurückliegt

  • Menschen, die im Gesundheitswesen oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten: Auffrischung alle zehn Jahre

  • Enge Kontaktpersonen eines Säuglings: Auffrischung spätestens vier Wochen vor der Geburt (Ausnahme: Erwachsene, die in den letzten zehn Jahren eine Impfung erhalten haben)

Reisende sollten vorab mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin klären, ob ein Impfschutz gegen Keuchhusten besteht oder ob eine Auffrischung nötig ist. Vor allem in Hinblick auf die Impfung von Säuglingen ist es wichtig, sich an die Empfehlungen der STIKO zu halten.

Nach einer Keuchhusten-Erkrankung ist man maximal zehn bis 20 Jahre immun. Es besteht somit kein lebenslanger Immunschutz. Eine Auffrischung ist daher auch nach überstandener Krankheit sinnvoll.

So wird Keuchhusten behandelt

Eine Frau hält sich ein Tuch vor den Mund wärend sie stark hustet
Grundsätzlich müssen Antibiotika frühzeitig verabreicht werden© istock.com/Pheelings Media

Antibiotika können helfen, die Dauer und Stärke der Hustenattacken zu mildern. Ihr Einsatz ist allerdings nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin möglich. Grundsätzlich müssen sie frühzeitig verabreicht werden: entweder zu Beginn der Keuchhusten-Erkrankung oder in den ersten zwei Wochen, nachdem der Husten zum ersten Mal aufgetreten ist.

Antibiotika können Infektionsketten (Übertragung des Keuchhusten-Erregers von einem Menschen zum anderen) unterbrechen. Dazu sollten sie bis maximal drei Wochen nach dem Beginn des Hustens verabreicht werden.

Schleimlösende Medikamente können das Abhusten von zähem Schleim unterstützen. Neugeborene und junge Säuglinge werden in der Regel im Krankenhaus überwacht. Denn bei ihnen besteht die Gefahr, dass es zu einem Atemstillstand kommt.

Keuchhusten ist meldepflichtig

Besteht der Verdacht auf Keuchhusten, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Für Keuchhusten gibt es in Deutschland eine Meldepflicht durch die behandelnde Ärztin oder den Arzt. Erkrankte können Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Schule, Kindergarten) erst nach einem gewissen Zeitraum wieder besuchen:

  • frühestens fünf Tage, nachdem sie eine Behandlung mit Antibiotika begonnen haben

  • frühestens drei Wochen nach Beginn der Erkrankung, wenn keine Therapie erfolgt ist

Wichtig: Auslandskrankenversicherung

Es wird empfohlen, bei Reisen ins Ausland eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland im Ausland entstandene Kosten nur gemäß der deutschen Gebührenordnung erstatten kann. Folglich werden einige Ausgaben wie beispielsweise ein Krankenrücktransport nicht abgedeckt.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.

Autorin: Kathrin Rothfischer