Tetanus: Warum und wie oft eine Impfung notwendig ist

Ein kleiner Junge hat sich das Knie aufgeschlagen
Der Tetanus-Erreger gelangt über harmlose Verletzungen in den Körper© Shutterstock/Halinskyi Max

Tetanus ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die auslösenden Bakterien lauern nahezu überall in der Umwelt. Es gibt jedoch eine wirksame Schutzimpfung.

  • Auch kleinste Wunden können zu einer Infektion führen

  • Hauptsymptom ist eine anhaltende, sehr schmerzhafte Muskelstarre

  • Bis zu 20 Prozent der Tetanus-Erkrankungen enden tödlich

Tetanus ist eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit, die auch bei optimaler intensivmedizinischer Versorgung tödlich verlaufen kann. Übertragen wird der Tetanus-Erreger über Wunden: Sogar über kleinste Bagatellverletzungen können die Tetanus-Bakterien in den Körper gelangen. Ein vollständiger Impfschutz bereits ab dem frühen Säuglingsalter ist deshalb besonders wichtig.

Was ist Tetanus?

Tetanus, im Volksmund auch als Wundstarrkrampf bekannt, wird durch das Bakterium Clostridium tetani ausgelöst. Die Bezeichnung Wundstarrkrampf geht auf zwei typische Merkmale der Erkrankung zurück: Zum einen gelangt der Erreger immer über eine Wunde in den Körper, durch die intakte Haut kann er nicht eindringen. Zum anderen kommt es nach einer Infektion zu einer charakteristischen krampfartigen Muskelstarre, die sich vom Kiefer ausgehend auf den gesamten Körper ausbreitet.

Gefährlich sind allerdings nicht die Tetanus-Bakterien selbst, sondern der von ihnen produzierte hochpotente Giftstoff Tetanospasmin. Er entfaltet seine Wirkung innerhalb des Rückenmarks, wo er die Funktion bestimmter Nervenzellen stört.

Ein weiteres vom Tetanus-Erreger produziertes Gift, das Tetanolysin, wirkt nicht im Nervensystem, sondern zerstört die für den Sauerstofftransport wichtigen roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Außerdem besteht der Verdacht, dass es die Funktion des Herzens beeinträchtigt.

Wie äußert sich Wundstarrkrampf?

Tetanus-Bakterien gelangen immer über eine Wunde in den Körper. Dort siedeln sie sich an und produzieren ihre Giftstoffe, die sich über die Blut- und Lymphgefäße im gesamten Körper verbreiten. In der Regel dauert die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome, etwa drei Tage bis drei Wochen, im Einzelfall auch bis zu mehreren Monaten.

Als erstes Anzeichen einer Infektion bemerken Betroffene häufig, dass die Muskeln in Gesicht und Nacken schmerzen und steif werden. Im weiteren Verlauf einer Tetanus-Erkrankung kommt es durch die Verkrampfung von Zungen- und Kiefermuskulatur zu einer Kiefersperre, Sprechen und Schlucken werden zunehmend schwerer und schließlich unmöglich. Oft erstarrt das Gesicht in einer charakteristischen Grimasse mit ständig in die Breite gezogenem Mund und hochgezogenen Augenbrauen ("Teufelsgrinsen").

Innerhalb von etwa 24 Stunden können die Muskelkrämpfe auf den gesamten Körper übergehen: Zunächst erfassen sie Schulter, Gesicht und Genick, später auch den Oberkörper und in einigen Fällen die Gliedmaßen. Die Muskelkrämpfe sind extrem schmerzhaft und können durch äußere Reize verstärkt werden, wie zum Beispiel Geräusche oder Berührungen. Weitere häufigere Symptome bei Tetanus sind Unruhe, Reizbarkeit, Hals- und Kopfschmerzen sowie Verstopfungen.

Gefährlich wird Tetanus vor allem durch zahlreiche Komplikationen. So können die starken Krämpfe Knochenbrüche an der Wirbelsäule verursachen. Ist die Atemmuskulatur betroffen, drohen die Erkrankten zu ersticken, bei einer Beteiligung des Herzmuskels kann es zu lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen.

Vor allem in Entwicklungsländern mit schlechteren hygienischen Verhältnissen infizieren sich Säuglinge ungeimpfter Mütter manchmal schon nach der Geburt mit dem Tetanus-Erreger. Eintrittspforte ist in diesem Fall der Nabel. Betroffene Babys leiden unter Krämpfen, Steifigkeit und einer Trinkschwäche. Die Symptome dieses sogenannten neonatalen Tetanus treten meist in den ersten zwei Lebenswochen in Erscheinung. Die Säuglingssterblichkeit ist bei dieser Erkrankung sehr hoch.

In seltenen Fällen bleiben die Krämpfe nach einer Tetanus-Infektion auf die Muskeln in unmittelbarer Umgebung der Wunde begrenzt. Eine solche lokale Tetanus-Erkrankung hat eine deutlich bessere Prognose als der generalisierte, also den ganzen Organismus betreffende Tetanus.

Wo steckt man sich mit Tetanus an?

Der Tetanus-Erreger ist beinahe überall anzutreffen, und man kommt unweigerlich mit ihm in Kontakt. Besonders häufig ist das Bakterium Clostridium tetani im Erdreich anzutreffen, aber auch an zahlreichen anderen Stellen, beispielsweise im Straßenschmutz, in den Ausscheidungen von Mensch und Tier, im Hausstaub oder auf Kleidungsstücken.

Eine Tetanus-Infektion ist grundsätzlich nur über eine Wunde möglich. Häufig erfolgt die Übertragung über harmlose Fremdkörper, wie zum Beispiel Dornen oder Holzsplitter, aber auch durch Verletzungen von Tieren, wie zum Beispiel durch einen Hundebiss. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Die Wunden weisen bei Tetanus kein auffälliges Aussehen auf und müssen weder groß noch tief sein. Geringfügigste Bagatellverletzungen, die Betroffene im Alltag kaum bemerken, dienen als Eintrittspforte. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht auch bei Verbrennungen oder nach einer Operation.

Behandlung: Ist Tetanus heilbar?

Nach einer Tetanus-Infektion ist es zunächst wichtig, die Wunde chirurgisch zu versorgen und zu reinigen, da Schmutz ebenso wie abgestorbenes Wundgewebe die Vermehrung von Clostridium tetani begünstigen. Antibiotika wirken zwar nicht gegen die Giftstoffe selbst, töten aber den Erreger ab, sodass kein neues Gift mehr gebildet wird.

Um bereits freigesetztes Tetanus-Gift unschädlich zu machen, erhalten Betroffene sogenannte Tetanus-Immunglobuline. Dadurch kann sich das Gift nicht mehr an die Nervenzellen binden und ihre Funktion beeinträchtigen. Bereits gebundenes Toxin lässt sich nicht mehr aus dem Körper entfernen und kann auch nach Beginn der Behandlung noch für mehrere Wochen schwere Krämpfe verursachen.

Darüber hinaus benötigen Menschen mit Tetanus in der Regel eine intensivmedizinische Versorgung, um alle wichtigen Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Oftmals ist eine künstliche Beatmung erforderlich. Gegen die Muskelkrämpfe helfen Medikamente, die die Muskeln erschlaffen lassen. Oft kommen Beruhigungsmittel zum Einsatz, da die Betroffenen die Krämpfe ansonsten bei vollem Bewusstsein erleben müssen. Außerdem tragen sie zu einer verminderten Muskelspannung bei. Treten Schluckbeschwerden auf, werden die Betroffenen künstlich über eine Sonde ernährt.

Mithilfe intensivmedizinischer Maßnahmen ist Tetanus heute oft heilbar. Bis zu 20 Prozent der Betroffenen versterben jedoch trotz optimaler Versorgung. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei etwa 70 Prozent. Besonders hoch ist sie mit nahezu 100 Prozent bei sehr jungen und sehr alten Menschen. Neugeborene versterben auch unter Behandlung in bis zu 90 Prozent der Fälle.

Da sich der Kontakt mit dem Tetanus-Erreger kaum vermeiden lässt, bietet eine Tetanus-Impfung den einzigen zuverlässigen Schutz gegen die Erkrankung.

Tetanus-Impfung – wie oft?

Eine aktive Grundimmunisierung (also eine Immunisierung mit dem abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserreger) erfolgt in Deutschland normalerweise schon innerhalb des ersten Lebensjahres.

Die erste Impfung erhalten Säuglinge in der Regel im Alter von zwei Monaten. Dabei wird ein Mehrfachimpfstoff verabreicht, der auch vor anderen Erkrankungen wie Diphterie, Keuchhusten und Kinderlähmung schützt. Mit zwei weiteren Impfungen im Alter von vier und elf Monaten ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Nur Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind, erhalten eine zusätzliche Impfung im Alter von drei Monaten.

Danach empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO), den Tetanus-Impfschutz regelmäßig auffrischen zu lassen. Die erste Auffrischungsimpfung erfolgt im sechsten Lebensjahr, eine weitere im Alter von neun bis 17 Jahren. Nach dem 18. Lebensjahr sollte der Impfschutz alle zehn Jahre erneuert werden. Besonders wichtig ist das für Menschen, die infolge bestimmter Grunderkrankungen ein erhöhtes Risiko für schlecht heilende Wunden haben. Dazu zählen zum Beispiel Personen mit Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder offenen Ekzemen (entzündliche Hauterkrankungen).

Eine Auffrischungsimpfung erst im Falle einer Verletzung durchführen zu lassen, ist prinzipiell nicht sinnvoll, denn gerade kleine Bagatellverletzungen fallen im Alltag kaum auf und führen nur selten zum Besuch einer Arztpraxis. Menschen, die eine Auffrischung vergessen haben, können diese jederzeit nachholen. Das gleiche gilt für Personen mit unklarem Impfschutz oder fehlender Grundimmunisierung. Sie erhalten ebenso wie Kinder eine Dreifachimpfung, wobei die zweite und dritte Impfung im Abstand von einem beziehungsweise sechs Monaten verabreicht werden.

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Nebenwirkungen der Tetanus-Impfung

Die meisten Menschen vertragen die Tetanus-Impfung gut. Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen im Bereich der Einstichstelle sind allerdings normal. Sie weisen darauf hin, dass das Immunsystem aktiv wird und beginnt, die schützenden Antikörper zu produzieren. Leichte allgemeine Krankheitssymptome wie erhöhte Temperatur, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit sind ebenfalls möglich.

Bei Säuglingen kann der in Deutschland verabreichte Sechsfachimpfstoff gelegentlich zu höherem Fieber über 39 Grad oder Infektionen der oberen Atemwege führen. All diese Impfreaktionen sind jedoch harmlos und klingen in der Regel nach ein bis drei Tagen wieder ab.

Allergische Reaktionen treten bei weniger als einer von 1000 geimpften Personen auf. In Einzelfällen kann es zu Erkrankungen des Nervensystems mit Symptomen wie Lähmungen, Missempfindungen und Erschöpfungszuständen kommen.

Gut zu wissen: Sport nach der Impfung

Grundsätzlich ist Sport nach einer Impfung kein Problem, allerdings können starke körperliche Belastungen Nebenwirkungen verstärken. Deshalb raten Fachleute dazu, in den ersten Tagen nach der Impfung auf intensiven Ausdauer-, Kraft- oder Leistungssport zu verzichten.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.