Versicherungsrecht

Kfz-Haftpflichtversicherung

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Abgrenzung zur Privathaftpflichtversicherung

Die Unterscheidung zwischen Kfz-Haftpflichtversicherung und privater Haftpflichtversicherung ist nicht immer einfach. Die Clubjuristen helfen bei der Abgrenzung.

Was ist die Kfz-Haftpflichtversicherung?

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist eine gesetzliche Pflichtversicherung, d.h. sie muss abgeschlossen werden und dient zum Ausgleich der Schadenersatzansprüche geschädigter Personen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung tritt ein, wenn der Schadenfall auf den Betrieb des Fahrzeugs zurückzuführen ist. Diese sog. Betriebsgefahr des Fahrzeugs endet nicht schon mit dem Abstellen des Motors, auch z.B. Be- und Entladevorgänge gehören zum Betrieb eines Kraftfahrzeugs.

Abgrenzung zur privaten Haftpflichtversicherung

Wenn es um Schäden beim Beladen des Fahrzeugs oder beim Aussteigen aus dem Fahrzeug geht, besteht oft Unklarheit darüber, ob die Kfz-Haftpflichtversicherung oder die Privathaftpflichtversicherung eintreten muss. In den Bedingungen der meisten Privathaftpflichtversicherungen sind durch die sog. Benzinklausel alle Schäden ausgeschlossen, die im Zusammenhang mit dem Führen oder Halten eines Kfz oder Anhängers stehen. Diese müssen von der Kfz-Haftpflichtversicherung abgewickelt werden. Hier sollten die Schäden zunächst der Privathaftpflichtversicherung gemeldet werden und eine etwaige Ablehnung genau geprüft werden.

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Wie wird die Prämie in der Kfz-Haftpflichtversicherung berechnet?

Bei der Berechnung der Prämie in der Kfz-Haftpflichtversicherung spielen viele Faktoren eine Rolle. Ihre Clubjuristen erklären die wichtigsten Voraussetzungen.

Persönliche Voraussetzungen

  • Alter
    Schadenstatistiken belegen, dass junge Fahranfänger (18-23 Jahre) und Personen über 69 Jahre öfter in Unfälle verwickelt sind als Personen anderer Altersgruppen. Daher zahlen Personen bis 23 Jahre und ab 69 Jahre bei vielen Versicherungsgesellschaften teurere Prämien als Personen anderer Altersgruppen.
  • Unfallhäufigkeit
    Es wirkt sich auf die Prämie aus, ob und wie oft ein Versicherungsnehmer Schäden verursacht. Wer ein Kalenderjahr schadenfrei bleibt, wird im folgenden Kalenderjahr in eine günstigere Schadenfreiheitsrabattklasse eingestuft. Verursacht der Versicherungsnehmer einen Schaden, der seiner Kfz-Haftpflichtversicherung gemeldet wird, wird der Versicherungsvertrag im folgenden Kalenderjahr zurückgestuft.
  • Rabattretter
    Wer schon lange Jahre schadenfrei fährt und deshalb in hohen Schadenfreiheitsrabattklassen ist, bekommt von manchen Versicherungsgesellschaften einen "Rabattretter" gewährt. D.h. nach einem Unfall wird der Versicherungsvertrag zwar in eine niedrigere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft, die Prämie bleibt aber gleich.

    Bei einigen Versicherungen kann ein „Rabattschutz“ gegen Aufpreis erworben werden. Ein Unfall führt im nächsten Versicherungsjahr dann nicht zur Rückstufung. 

Fahrzeug- und Standortbezogene Voraussetzungen

  • Typenklasse

    In der Kfz-Haftpflichtversicherung werden Kraftfahrzeuge nach Typenklassen in Tarifgruppen eingeteilt. Dabei wird berücksichtigt, welche Schäden durch einen bestimmten Fahrzeugtyp verursacht werden. Die Typklasse Ihres Fahrzeugs können Sie unter www.typklasse.de ermitteln.

  • Regionalklasse

    Die Regionalklassen werden den Versicherungen von einem unabhängigen Treuhänder auf Grundlage von Schadenstatistiken vorgeschlagen. Da die Regionalklassen bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften unterschiedlich sein können, lohnt es sich einen Prämienvergleich verschiedener Versicherungen vorzunehmen.

Besondere Rabatte

Folgende Merkmale können sich bei der Berechnung der Prämie auswirken – fragen Sie vor Abschluss des Vertrages bei der Versicherungsgesellschaft nach:

  • Regelmäßiger nächtlicher Stellplatz (z.B. Garagenplatz)
  • Fahrzeughalter
  • Fahrleistung pro Jahr
  • Personenkreis, der das versicherte Fahrzeug nutzt
  • Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel
  • Absolviertes Sicherheitstraining 


Hinweis

  • Die Versicherungen gewähren meist nur Höchstrabatte, es können also nicht mehrere Rabattmerkmale addiert werden.
  • Es muss vor Abschluss der Versicherung abgewogen werden, ob evtl. vereinbarte Beschränkungen erfüllt werden können, denn es kommt zu vertraglichen Sanktionen, wenn die Beschränkungen nicht eingehalten werden! Diese reichen von einer Nachzahlung der Versicherungsprämie entsprechend den tatsächlichen Gegebenheiten (z.B. höhere jährliche Fahrleistung) bis zur Leistungsfreiheit der (Kasko-)Versicherung.
  • Der Versicherungsnehmer muss seiner Versicherung Änderungen  der "weichen" Prämienberechnungsmerkmale umgehend mitteilen. Diese werden dann im folgenden Versicherungsjahr bei der Prämie berücksichtigt.
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Wichtiges zum Schadenfreiheitsrabatt

Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung und der Vollkaskoversicherung erfolgt die Prämienberechnung auf der Basis der schadenfreien Jahre. Die Einstufung erfolgt in Schadenfreiheitsklassen („SF"-Klassen). Wir haben die wichtigsten Fragen zum Schadenfreiheitsrabatt hier für Sie zusammengestellt.

In welcher SF-Klasse werde ich eingestuft?

Beginnt der Vertrag ohne Übernahme eines Schadenverlaufs, wird er meistens in die SF-Klasse 0 eingestuft. Viele Versicherer nehmen unter bestimmten Voraussetzungen, (z.B. bei Fahranfängern, Ehegatten und Zweitwagen) Besser- bzw. Sondereinstufungen vor. 

Allgemein gilt: Je länger die schadensfreie Zeit, desto höher die Schadenfreiheitsklasse und damit der Schadenfreiheitsrabatt und umso niedriger die Versicherungsprämie.

Was bedeutet jährliche Neueinstufung?

Der Versicherer stuft den Vertrag zum Beginn des Versicherungsjahres nach seinem Schadenverlauf im vergangenen Jahr neu ein. Die Neueinstufung gilt ab der ersten Beitragsfälligkeit im neuen Kalenderjahr.

Ist der Vertrag während eines Versicherungsjahres schadenfrei geblieben und hat der Versicherungsschutz während dieser Zeit ununterbrochen bestanden, wird der Vertrag in die nächst bessere SF-Klasse eingestuft. Ist Ihr Vertrag während eines Versicherungsjahres schadenbelastet verlaufen, wird er nach der jeweiligen Rückstufungstabelle zurückgestuft.

Wie erfolgt die Rückstufung nach einem Schadenfall?

Wird der Kfz-Haftpflichtversicherung ein Schaden gemeldet, so wird der Vertrag für das folgende Versicherungsjahr zurückgestuft. Die Rückstufungstabellen der Versicherer unterscheiden sich dabei. 

Einige Versicherungen belohnen langjährig schadenfreie Versicherungsnehmer, indem sie den Personenkreis, der sich z.B. in der höchsten SF-Klasse 25 befindet, nach einem Schadenfall nur in eine SF-Klasse zurückstufen, deren Rabattsatz annähernd der gleiche ist wie in der höchsten SF-Klasse.

Wirkt sich ein Kaskoschaden auf den Schadenfreiheitsrabatt der Kfz-Haftpflichtversicherung aus?

Nein. Handelt es sich nur um einen Vollkaskoschaden, erfolgt die Rückstufung nur in der Vollkaskoversicherung, nicht aber in der Kfz-Haftpflichtversicherung. 

Kommt es zu einem Unfall, bei dem nur die Kfz-Haftpflichtversicherung zahlt, so betrifft dies nur den Schadenfreiheitsrabatt in der Kfz-Haftpflichtversicherung. Der Schadenfreiheitsrabatt in der Vollkaskoversicherung bleibt unberührt.

Was bedeutet "Rabattschutz" oder "Rabattretter"?

Viele Gesellschaften bieten einen sog. „Rabattretter“. Dies bedeutet, dass Versicherungsverträge, die sich in der höchsten Schadenfreiheitsrabattklasse befinden, zwar in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft werden, aber mit demselben Prozentsatz belastet werden wie in der höchsten Rabattstufe.

Einige Versicherungen bieten gegen Aufpreis den „Rabattschutz“ an. Danach wird bei einem Schadensfall der Versicherungsvertrag wie schadenfrei behandelt (keine Rückstufung).

Wie wirkt sich eine Unterbrechung des Versicherungsvertrages aus?

Bei Unterbrechungen (z.B. Außerbetriebsetzung, Saisonkennzeichen außerhalb der Saison, Vertragsbeendigung) bis zu sechs Monaten übernehmen viele Versicherer den Schadenverlauf so, als wäre der Versicherungsschutz nicht unterbrochen worden.

Besteht die Unterbrechung mehr als sechs und höchstens 12 Monate, übernehmen die Versicherer meist den Schadenverlauf so, wie er vor der Unterbrechung bestand.

Beträgt die Unterbrechung mehr als 12 Monate, ziehen viele Versicherungen für jedes weitere angefangene Kalenderjahr seit der Unterbrechung ein schadenfreies Jahr ab.

Bei Unterbrechungen von mehr als sieben Jahren, übernehmen die meisten Versicherer die schadenfreien Jahre nicht.

Wie kann ich eine Rückstufung in der KH-Versicherung vermeiden?

Fast alle Versicherer räumen dem Versicherungsnehmer die Möglichkeit ein, Schadenzahlungen bis € 500,- (teilweise auch bei höheren Beträgen) an die Versicherung zurückzuzahlen, um den Vertrag so zu stellen, als ob kein Schaden gemeldet worden wäre. In diesem Fall muss die Versicherung dem Versicherungsnehmer den gezahlten Betrag mitteilen und ihm die Möglichkeit geben, diesen meist innerhalb einer Frist von meist 6 Monaten zurückzuzahlen. 

Hinweis
Der Vertrag wird nur dann schadenfrei gestellt, wenn die Rückzahlung freiwillig erfolgt. Erfolgt die Zahlung gemäß den Versicherungsbedingungen, so z.B. bei einer Unfallflucht, findet dennoch eine Rückstufung statt.

Wann kann der Schadenfreiheitsrabatt übertragen werden?

Die aktuellen (aber unverbindlichen) Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. sehen in folgenden Fällen die Möglichkeit einer Übertragung des Schadenfreiheitsrabatts vor:
 
  • Fahrzeugwechsel
    Der Versicherungsnehmer schafft sich ein neues Fahrzeug an und möchte den Schadenfreiheitsrabatt des alten Fahrzeugs für das neue Fahrzeug verwenden bzw. auf dieses übertragen.
  • Rabatt-Tausch bei mehreren Fahrzeugen
    Der Versicherungsnehmer besitzt zwei Fahrzeuge und veräußert oder setzt das Fahrzeug, für das der höhere Schadenfreiheitsrabatt verwendet wird, außer Betrieb. Der hohe Schadenfreiheitsrabatt soll für das verbleibende Fahrzeug verwendet bzw. auf dieses übertragen werden.
  • Übernahme des Schadensverlaufs von einer anderen Person
    Das Fahrzeug des Versicherungsnehmers wurde überwiegend von einem Dritten (Übernehmer) gefahren. Der Dritte möchte den Schadenfreiheitsrabatt des Versicherungsnehmers auf sich übertragen lassen.
  • Wechsel des Versicherers
    Der Versicherungsnehmer wechselt das Versicherungsunternehmen und möchte den Schadenfreiheitsrabatt mitnehmen.
     

Unter welchen Voraussetzungen kann der Schadenfreiheitsrabatt übertragen werden?

Die Fahrzeuge, zwischen denen der Schadenfreiheitsrabatt bzw. der Schadenverlauf übertragen wird, müssen derselben Fahrzeuggruppe angehören oder das Fahrzeug, von dem der Schadensverlauf übernommen wird, gehört einer höheren Fahrzeuggruppe an als das Fahrzeug, auf das übertragen wird.

Bei Übernahme des Schadenverlaufs des Versicherungsnehmers durch einen Dritten wird der Schadensverlauf nur für den Zeitraum, in dem das Fahrzeug von dem Dritten (Übernehmer) überwiegend gefahren wurde, übernommen. Zusätzlich ist meist erforderlich:

 

  • Der Versicherungsnehmer (der anderen Person) ist der Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, in häuslicher Gemeinschaft lebende Lebenspartner, Elternteil, Kind oder Arbeitgeber des Dritten (Übernehmer).
  • Der Zeitraum, in dem das Fahrzeug des Versicherungsnehmers (der anderen Person) überwiegend vom Dritten (Übernehmer) gefahren wurde, muss glaubhaft gemacht werden.
  • Der Versicherungsnehmer (die andere Person) ist mit der Übertragung des Schadenfreiheitsrabatts an den Dritten (Übernehmer) ausdrücklich einverstanden.
  • Die Nutzung des Fahrzeuges des Versicherungsnehmers (der anderen Person) durch den Dritten (Übernehmer) liegt bei der Übernahme nicht mehr als für einen im Versicherungsvertrag bestimmten Zeitraum zurück.

Hinweis

Die konkreten Voraussetzungen für eine mögliche Übertragung der schadensfreien Zeit bzw. des Schadenfreiheitsrabatts ergeben sich nur aus den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB) des jeweiligen Versicherers. Die Musterbedingungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. sind nicht verbindlich! Es sollte daher immer beim Versicherer nachgefragt werden, unter welchen Voraussetzungen eine Übertragung möglich ist.