Škoda Kamiq im Fahrbericht: Mini-SUV mit Platz und Fahrspaß 

21.10.2019

Nach Kodiaq und Karoq bringt Škoda den Kamiq als drittes SUV-Modell der Marke. Die ADAC Test-Redaktion konnte das Auto schon ausgiebig unter die Lupe nehmen. Fahrbericht, Bilder, technische Details, Daten, Motoren und Preise.

  • Der Kamiq ist der dritte und kleinste SUV von Škoda
  • Trotz coupéhafter Kleinwagen-Karosserie bietet er erstaunlich viel Platz 
  • Motorenprogramm: Drei Benziner, ein Diesel und ein Erdgasmotor zur Wahl

 

Škoda gibt weiterhin mächtig Gas und bringt SUV Nummer drei auf den Markt. Während das Flaggschiff Kodiaq 4,70 Meter misst und der Karoq 4,38  Meter, begnügt sich der Kamiq (übersetzt: "zweite Haut") mit 4,24 Meter Länge. Die Breite beträgt 1,79 und die Höhe 1,53 Meter. Škoda nutzt für den Kamiq die Kleinwagen-Architektur des VW-Konzerns, auf der auch der Seat Arona und der VW T-Cross gebaut werden. Unser erster Fahrbericht klärt, wie sich der neue Kamiq fährt und anfühlt.   

Kleine Motoren, großes Infotainment 

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Das Cockpit des neue Skoda Kamiq 2019
Übersichtlich und aufgeräumt: Cockpit des Škoda Kamiq

Schon der Einstieg in den Mini-SUV läuft erfreulich ab: Den Fahrersitz zu erklimmen, gelingt aufgrund der höheren Bodenfreiheit mühelos. Im Vergleich zum Škoda Fabia etwa sind es 5,5 Zentimeter mehr in der Höhe. Das macht sich beim Ein- und Aussteigen bemerkbar. Das Cockpit wirkt übersichtlich und aufgeräumt. Der große Touchscreen (optional) misst 9,2 Zoll, ist weit oben an der Mittelkonsole angebracht und liegt damit gut im Blickfeld des Fahrers. Die Klimaeinheit befindet sich klassisch mit Drehreglern und Tasten intuitiv bedienbar darunter. So soll es ein.   

Nicht so gut ist, dass sowohl zum Ein- und Ausschalten des Top-Bediensystems, als auch zum Regeln der Lautstärke jeweils ein Sensorfeld bemüht werden muss. Das kann beim EInstellen unter Umständen zum wilden Herumtippen auf Plus oder MInus führen. Das ist umständlich und nervt. Dafür sitzt man im Kamiq prima, genießt die Übersicht und erfreut sich an den passgenauen und hochwertig wirkenden Materialien. Türverkleidungen und Armaturenträger sind weich unterschäumt, alle Oberflächen angenehm anzufassen. Das mögliche individuelle Konfigurieren des virtuellen Cockpits sparen wir uns für einen späteren Zeitpunkt auf. Jetzt geht es erstmal ums Fahren. 

Wir probieren zunächst den 1.0 TSI mit 85 kW Leistung (115 PS) und 6-Gang-Handschaltgetriebe. Mit leicht knurrendem Unterton legt sich der kleine Motor mit einem knappen Liter Hubraum vernehmbar ins Zeug, Typisch Dreizylinder eben. Seine 200 Newtonmeter Drehmoment reißen keine Bäume aus, reichen zum Mitschwimmen im Verkehr aber aus.

Wenn es drauf ankommt, soll es der kleine Motor sogar in unter 10 Sekunden schaffen, den Wagen von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Als Höchstgeschwindigkeit werden 194 km/h genannt. Ob das zutrifft, war auf Frankreichs Autobahnen aufgrund des generellen Tempolimits nicht annähernd auszuloten. Als Kraftstoffverbrauch gibt Škoda für diese Version 5,2 bis 6,6 Liter pro 100 Kilometer an. Das deckt sich mit den Werten des Bordcomputers auf unserer Fahrt.  

Erstaunlich viel Platz, tolles Fahrwerk

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Heckansicht des neue Skoda Kamiq 2019
Überraschung: Viel Platz für Passagiere und Gepäck

Eine Überraschung tut sich hinsichtlich der Platzverhältnisse in Reihe zwei auf. Während es bei den Konzernbrüdern Seat Arona und VW T-Roc auf der Rückbank etwas eng wird, genießt man im Fond des Kamiq eine vergleichsweise üppige Bein- und Kniefreiheit. Verantwortlich dafür ist der Radstand des Škoda, der in Relation zum T-Roc gut sechs Zentimeter, in Relation zum Arona sogar 8,5 Zentimeter länger ist.

Die Raumvorteile sind unübersehbar. Auch das Kofferraumvolumen des Kamiq wirkt durchaus größeren Aufgaben gewachsen. Laut Hersteller beträgt das Volumen 400 (normal) bis 1395 Litern (bei umgeklappten Rücksitzlehnen). Einziges Manko: Die geteilten Rücksitzlehnen bleiben nach dem Umklappen leicht schräg stehen, sodass keine ganz ebene Ladefläche entsteht. 

Kommen wir zum 1,6-Liter-Diesel. Der ist grundsätzlich mit Handschaltung oder Siebengang-DSG erhältlich, wir können das Automatikgetriebe-Modell testen. Der Diesel hat trotz deutlich größeren Hubraums auch nur 115 PS Leistung in den Papieren stehen, geht aber in den unteren Drehzahlregionen und während Bergaufpassagen ganz anders zur Sache. Typisch Dieselmotor eben. 250 Newtonmeter bei 1500 Umdrehungen bedeutet deutlich mehr Durchzugskraft. Als Verbrauch gibt Škoda 5,0 bis 5,8 Liter Diesel an. 

Zu guter Letzt haben wir noch die Möglichkeit, den Škoda Kamiq in der Basisversion zu fahren. Das heißt: 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 70 kW Leitung (95 PS). Diese Basisversion wird mit 5-Gang-Handschaltung ab 17.950 € angeboten – ein verlockender Einstiegspreis. Und tatsächlich: Wir hatten nicht das Gefühl, besonders untermotorisiert unterwegs zu sein. Die Antriebskombination wirkte erfreulich gut passend und harmonisch.

Beim Blick in das Fahrzeug und dessen Ausstattung stellt man jedoch fest, dass die eine oder andere Zusatzoption unerlässlich ist. So fehlen der Basisversion die Vordersitzheizung, eine Freisprechanlage für das Telefon und die Parksensoren hinten. Zudem muss der praktische Einlegeboden für den Kofferraum mit 150 € extra berappt werden. Das schöne Corrida-Rot kostet 239 €, die Klimaanlage 1110 € extra. Und ein gutes Soundsystem möchten zumindest Musikliebhaber auch nicht missen. Damit steigt der Preis auf gut 22.000 bis 23.000 €.

Ist das zuviel? Unser Eindruck: nein. Denn der Kamiq bietet nicht nur viel Platz bei kompakten Außenabmessungen sowie einen passenden Antrieb. Der Kamiq bietet vor allem ein ganz hervorragend abgestimmtes Fahrwerk. Der Wagen rollt prima ab, federt sehr manierlich und lässt sich auch in schnell gefahrenen Kurven nicht aus der Ruhe bringen. Die Lenkung ist leichtgängig genug, ohne es an Präzision vermissen zu lassen.

Škoda führt das auf ein neu entwickeltes Fahrwerk mit längeren Federn und längeren hydraulischen Stoßdämpfern zurück. Auf das alternativ angebotene adaptive Fahrwerk mit zwei verschiedenen Einstellungen kann man jedenfalls getrost verzichten.

150-PS-Motor und CNG-Version folgen später 

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Frontansicht des neue Skoda Kamiq 2019
Selbst mit nur 95 PS recht flott unterwegs: 1.0 TSI ab 17.950 € 

Bei den rund 22.000 € für die ordentlich ausgestattete Einstiegsversion kann es bleiben, muss es aber nicht. Der Katalog bietet etliche weitere Optionen an. Beispiele: ein proaktiver Insassenschutz, Voll-LED-Scheinwerfer, ein radargestützter Totwinkelwarner, der Einparkassistent, der adaptive Abstandstempomat, ein Türkantenschutz oder auch eine Müdigkeitserkennung.

Serienmäßig an Bord sind Sicherheitsdetails wie die Multikollisionsbremse und das City-Notbremssystem, der Spurhalteassistent, Isofix-Kindersitzbefestigungen und eine elektronische Traktionskontrolle mit Differentialsperre. Dazu gibt es Komfortfeatures wie beispielsweise Teil-LED-Hauptscheinwerfer, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn.

Beim Händler steht der Kamiq ab dem 21. September. Zur Markteinführung stehen zwei Benziner (70 und 85 kW) und ein Diesel (85 kW) zur Wahl. Der 1.5 TSI (110 kW) sowie eine Version mit Erdgas-Antrieb (CNG) werden folgen. Das Leistungsspektrum reicht dann von 95 bis 150 PS. Der 1,5-Liter-Benziner arbeitet mit Zylinderabschaltung, abgekürzt ACT (siehe Tabelle). Alle Motoren ab 115 PS Leistung können mit DSG-Automatik geordert werden. 

Technische Daten (Herstellerangaben)  Škoda Kamiq 1.0 TSI                    
Motor                     Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen                     11,1 s auf 100 km/h, 181 km/h Spitze
Verbrauch                     5,1 – 6,3 l Super/100 km, 116 – 143 g CO2/km
Maße                      L 4,24 / B 1,79 / H 1,53 m
Kofferraum                     400 – 1395 l 
Leergewicht                     1373 kg
Preis ab 17.950 €

 

Alle Motoren im Überblick 

Motor Leistung  Preis
1.0 TSI 70 kW/95 PS ab 17.950 €
1.0 TSI 85 kW/115 PS ab 19.150 €
1.5 TSI ACT* 110 kW/150 PS n. b.  
1.6 TDI SCR 85 kW/115 PS ab 22.100 €
1.0 G-TEC* 66 kW/90 PS n. b.

* Markteinführung später

5 Sterne für den Škoda Kamiq

Der Škoda Kamiq erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür erforderlichen Punktwerte deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut (für die zweite Sitzreihe optional), der Fahrer wird optional zusätzlich mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung (für den Beifahrersitz optional erhältlich). Der mittlere Sitz hinten ist für gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der Kamiq ist mit einem umfassenden und guten Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: Škoda.

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