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Der ADAC

Sommer-Staubilanz 2020: Urlaub in der Corona-Krise

Stau auf der A8 bei Stuttgart
58.442 Staus zählten die ADAC Verkehrsexperten im Reisesommer 2020 ∙ © imago images/Arnulf Hettrich

Der Sommerurlaub 2020 stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. Diese hatte gravierenden Einfluss auf das Reiseverhalten. Das zeigt die ADAC Sommer-Staubilanz der 13 Ferien-Wochenenden.

  • Starker Rückgang bei den Staulängen, geringer Rückgang bei der Anzahl der Staus

  • Autobahnring München (A99) am stärksten belastete Ferienautobahn

  • Schlimmstes Wochenende 11. bis 13. September

  • Freitag staureichster Wochenendtag

Intensität der Staus geringer als im Vorjahr

An den 13 Wochenenden der Sommerferien (19.6. bis 13.9., jeweils Freitag bis Sonntag) zählte der ADAC auf Deutschlands Autobahnen insgesamt 58.442 Staus. Gegenüber dem Vorjahr (60.057) ist dies ein Rückgang von knapp drei Prozent. Tatsächlich ist der Rückgang sogar noch stärker, da der Ferienkorridor 2019 nur zwölf Wochenenden umfasste.

Noch deutlicher zeigt sich dieser Effekt bei der Intensität der Staus. 2020 summierte sich die Länge der registrierten Staus an den 13 Ferienwochenenden auf insgesamt 98.357 Kilometer, im Vorjahr waren es an zwölf Wochenenden noch 131.771 Kilometer. Dies entspricht – trotz des längeren Betrachtungszeitraums – einem Rückgang von rund 25 Prozent.

Freitag als staureichster Wochenendtag

Der mit Abstand staureichste Wochenendtag war – wie bereits 2019 – der Freitag. Auf diesen Tag entfielen rund 51 Prozent aller Wochenendstaus. Besser kam man am Samstag (24 Prozent aller Staus) und Sonntag (25 Prozent aller Staus) voran.

Analysiert man die Zahlen jedoch genauer, zeigen sich gegenüber 2019 erkennbare Verschiebungen. Während die Gesamtzahl aller Staus an den Freitagen des Betrachtungszeitraums im Vergleich zum Vorjahr weitgehend konstant blieb, stieg sie an den Samstagen um 8 Prozent an. An den Sonntagen verringerte sie sich deutlich um 16 Prozent, was im Rückgang der Wochenendpendlerzahlen begründet sein könnte.

Bei der gesamten Staulänge zeigten sich an allen drei Wochentagen deutliche Rückgänge: An den Freitagen ein Minus von 24 Prozent, an den Samstagen – trotz der gestiegenen Anzahl der Staus – ein Minus von 17 Prozent und an den Sonntagen sogar ein Minus von 33 Prozent.

Die schlimmsten Wochenenden

Im Verlauf des Sommerferienkorridors nahm die Anzahl der Staus immer mehr zu – sicher auch eine Folge, dass zu Beginn der Ferien die Corona-Unsicherheit noch groß war und einige Urlaubsgebiete sich nur vorsichtig öffneten. Die meisten Staus registrierten die ADAC Verkehrsexperten am Wochenende 11.-13.9. Hier hieß es für Autofahrer insgesamt 5668 Mal Stop-and-Go. Ferien gab es da zwar nur noch in Baden-Württemberg, doch waren wegen des in ganz Deutschland spätsommerlichen Wetters viele Wochenend- und Tagesausflügler sowie Urlauber unterwegs, die nicht an Ferientermine gebunden sind. Überdies war der Berufsverkehr fast wieder normal.

Pech hatte auch, wer am Wochenende 31.7.-2.8. in den Urlaub startete oder zurückkehrte, als in Baden-Württemberg die Ferien begannen und die zweite Reisewelle aus Bayern rollte. Das gleiche gilt für das Wochenende 28.-30.8., als die Ferien in Thüringen und Sachsen zu Ende gingen, aber auch viele Bayern und Baden-Württemberger bereits wieder auf dem Rückweg waren. An diesen Wochenenden registrierte der ADAC 5075 beziehungsweise 5054 Staus.

Die am stärksten belasteten Autobahnen

Die schlimmste Stauautobahn im Urlauberverkehr war die A99 (Autobahnring München). Hier wurden im Betrachtungszeitraum rund 905 Staus je 100 Autobahnkilometer registriert. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die A8 (Karlsruhe – München – Salzburg) und die A1 (Fehmarn – Saarbrücken) mit rund 885 beziehungsweise 677 Staus je 100 Kilometer. Die Ränge vier bis sechs belegen die Autobahnen A7 (Flensburg – Füssen), A3 (Arnheim – Passau) und A5 (Hattenbacher Dreieck – Weil am Rhein).

Weitere interessante Stau-Fakten

  • Der schlimmste Stau, den Autofahrer über sich ergehen lassen mussten, bildete sich am Samstag, 1. August, auf der A1 (Hamburg – Fehmarn) zwischen Bargteheide und Ratekau. Grund war hohes Verkehrsaufkommen. Er erreichte eine maximale Länge von 22 Kilometern und dauerte mehr als sieben Stunden

  • Der schlimmste Stautag war Freitag, 11. September. Hier wurden auf Deutschlands Autobahnen 2741 Staus gezählt

  • Insgesamt standen die Autofahrer an den Ferienwochenenden auf Deutschlands Autobahnen mehr als 34.000 Stunden im Stau. Diese Zahl erhält man, wenn man die Dauer aller gemeldeten Staus summiert. Gerundet ergibt dies einen Zeitraum von fast vier Jahren

Fazit: Weniger Staus als 2019

An den Sommerwochenenden 2020 gab es auf Deutschlands Autobahnen weniger Staus als 2019, vor allem aber waren diese in der Summe deutlich kürzer als im Vorjahr. Der wichtigste Grund dürfte im veränderten Reiseverhalten infolge der Corona-Pandemie liegen. Viele Deutsche verzichteten auf Fahrten ins Ausland und machten Urlaub im eigenen Land. Dadurch waren häufig auch die Anreisestrecken kürzer. Zudem waren auf den Autobahnen weniger Reisende aus dem Ausland unterwegs. In normalen Jahren nutzen vor allem Niederländer, Belgier, Skandinavier und Osteuropäer Deutschland gerne als Transitland.

Wie 2019 liegt der Freitag als staureichster Wochenendtag deutlich vor dem Samstag und Sonntag. Die Gründe liegen im zusätzlichen Berufsverkehr sowie darin, dass freitags viele Lkw unterwegs sind, während die Samstage und Sonntage von Lkw-Fahrverboten profitieren. Diese waren wegen der Corona-Krise zwar zeitweise ausgesetzt, mehrere Bundesländer waren aber bereits vor Beginn der Sommerferien wieder zu den Verboten zurückgekehrt.

Die an Freitagen im Vergleich zum Vorjahr stark reduzierte Staulänge bei gleich bleibender Anzahl der Staus lässt sich am besten dadurch erklären, dass die Überlagerung des Reiseverkehrs mit dem klassischen Berufsverkehr weniger stark ausgeprägt ist als im Vorjahr war. Wegen Corona befanden sich zahlreiche Arbeitnehmer im Homeoffice, so dass deutlich weniger Pendler unterwegs waren.

Die meisten Staus entstanden durch hohes Verkehrsaufkommen und Baustellen. Die Zahl der Autobahnbaustellen war in den diesjährigen Sommerferien mit durchschnittlich 750 höher als im Vorjahr. Unfälle und defekte Fahrzeuge fielen weniger ins Gewicht.

Staubilanz: Methodik

Die Zahl der Staus, ihre Längen und die Dauer berechnet der ADAC aus Positions- und Geschwindigkeitsinformationen, die ihm direkt aus den Fahrzeugen über Online-Navigationsgeräte und Smartphone-Apps mit der Funktion „Staudaten übertragen“ ständig anonymisiert und automatisiert übertragen werden. Aus diesen Live-Daten ergibt sich – bezogen aufs Autobahnnetz – die Verkehrslage in Deutschland. Hier finden Sie weitere Informationen zu den ADAC Verkehrsdaten:

ADAC Verkehrsdaten
PDF, 1.13 MB
PDF ansehen

Hier finden Sie die Sommer-Staubilanz 2019.