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BMW F 750 GS und F 850 GS: Fahrbericht, Daten, Preise

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © BMW

BMW hat 2018 die vielseitigen Enduro-Mittelklasse-Bikes F 750 und F 850 GS komplett renoviert: Neuer Motor, neues Fahrwerk und bessere Connectivity. Testfahrt mit beiden Modellen sowie technische Daten, Bilder und Preise.

  • Neue Motoren und Fahrwerke für die Mittelklasse-Enduros

  • Allrounder für jedermann

  • Modelle für Führerscheinklasse A2 erhältlich

Als BMW 2008 seine damals neuen Mittelklasse-Enduros F 650 und 800 GS vorstellte, war das Marktsegment völlig verwaist. Zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte: bald 200.000 Exemplare der zweizylindrigen Bikes fanden seitdem ihre Käufer. 

Grund genug, die robusten Allrounder vor zwei Jahren von Grund auf zu renovieren. Resultat: die F 750 GS und die F 850 GS. Die Modellnamen sorgen zwar für Verwirrung, doch die Qualität überzeugt, wie unsere Testfahrten rund um Málaga zeigten.

Zum Namen: Wenn früher ein Motorrad zum Beispiel eine "500" im Modellnamen trug, dann konnte man sich darauf verlassen: Die hat 500 ccm Hubraum. Jetzt haben BMW-Händler die neuen Enduros im Showroom stehen, und in beiden Fällen stimmt die alte Regel nicht mehr. Die F 850 GS hat zwar 853 ccm, die günstigere und schwächere F 750 GS aber ebenfalls. Man mache das wegen der "Spreizung", heißt es bei BMW.

Die BMW 750er ist ein Allrounder

die gelb-goldene BMW F750 GS stehend von der Seite
Mit 77 PS ausreichend stark motorisiert: Die BMW F 750 GS ∙ © BMW

"Spreizung" heißt konkret: Beide Schwestermodelle sind tatsächlich eigenständig in ihrem Charakter. Die 77 PS der F 750 sind mehr als genug für Einsteiger und Wiedereinsteiger. Und weil die "Kleinere" dank Zubehör auf 77 cm Sitzhöhe schrumpfen kann, ist sie auch für nicht so große Biker oder Frauen erste Wahl. Die 750er gibt sich als ausgesprochen unkomplizierter Allrounder, und gerade in der schwächeren Abstimmung glänzt der Twin mit sehr geschmeidiger Leistungsentfaltung.

Anders die große 850er: Die geht vor allem bei höherer Drehzahl mit ihren 95 PS bissiger zu Werke und hat mit einem Maximum von 92 Nm auch eine fülligere Drehmomentkurve als die kleine Schwester mit 83 Nm.

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Die Motoren stammen aus China

die BMW F850 GS stehend von der Seite
Die neue BMW F 850 GS ist rund 12 kg schwerer als bisher ∙ © BMW

Die Motoren stammen übrigens nicht mehr aus Österreich von Rotax, sondern aus China von BMWs Kooperationspartner Loncin. Auf Wunsch sind beide Modelle mit 35 kW/48 PS für die Führerscheinklasse A2 erhältlich. Der neue China-Twin klingt – obwohl ein Reihenmotor – wie ein V2-Aggregat. Der Trick: 90 Grad Hubzapfenversatz und 270 Grad Zündabstand. Trotz der gewollt ungleichmäßigen Zündfolge haben BMW und Loncin dem Triebwerk mögliche Vibrationen ebenso ausgetrieben wie allzu großen Durst: Wir ermittelten bei der F 850 einen Testverbrauch von 4,8 l bei flotter Gangart; etwas sparsamer war naturgemäß die F 750 mit 4,6 l unterwegs.

Eine Tankfüllung reicht damit bei der F 850 für gut 310 km. Trost für Langstrecken-Fans: Die klassische Globetrotter-Version der 850er mit größerem Tank wird sicher bald folgen. Für erhöhte Fahrsicherheit sorgen die beiden serienmäßigen Fahrmodi "Road" und "Rain" (weichere Gasannahme und veränderte Charakteristik der Regelsysteme). Gegen Aufpreis sind für beide Modelle weitere (Gelände-)Fahrmodi verfügbar.

Gute Fahrleistungen bei beiden Modellen

die BMW F850 GS im Gelände von der Seite
Im Style "Rallye" (nur bei der F 850 GS) wirkt die Enduro sehr dynamisch ∙ © BMW

Apropos Offroad: Das größere 21 Zoll-Vorderrad der F 850 (F 750: 19 Zoll) zeigt zwar klar, dass der "großen Schwester" ein Ausflug auf Schotter oder ins leichte Gelände besonders willkommen ist. Doch auch die 750er schlägt sich dort wacker, wie überhaupt Fahrwerk und Motor bei beiden bestens harmonieren. Auf Asphalt sind alle Zwei sehr vital und wendig unterwegs, die Straßenlage ist prima, böse Überraschungen Fehlanzeige.

Gewöhnungsbedürftig ist lediglich das zeitweilige Klacken am Hebel der Anti-Hopping-Kupplung – bis man die Vorzüge dieser Technik erkannt hat, denn ein lästiges bis gefährliches Motor-Schleppmoment etwa bei starkem Bremsen hat sich dadurch deutlich verringert. Das Sechsgang-Getriebe verlangt manchmal etwas Nachdruck.

Die ersten drei Gänge hat BMW für höhere Spritzigkeit kürzer als bisher ausgelegt; die oberen Gänge dagegen fallen jetzt länger aus, um bei hohem Tempo Sprit zu sparen. In der Praxis ist diese Auslegung rundum überzeugend.

Natürlich geht auch bei Motorrädern nichts mehr ohne Vernetzung: Für vertretbare 500 Euro Aufpreis lassen sich die Connectivity-Funktionen des Handys – auch das Smartphone-Navi –über das große und brillante 6,5 Zoll-TFT-Display kontrollieren und per Drehrad und Druckkopf am linken Lenkerende steuern. Sehr gut gelöst!  

HerstellerangabenBMW F 750 GS (F 850 GS)

Motor/Getriebe

Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, Leistung 57 kW/77 PS bei 7500 U/min, max. Drehmoment 83 Nm bei 6000 U/min, alternativ für Führerscheinklasse A2 mit 35 kW/48 PS (F 850: Leistung 70 kW/95 PS bei 8250 U/min, max. Drehmoment 92 Nm bei 6250 U/min, alternativ 35 kW/48 PS), Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Stahlbrückenrahmen, Motor mittragend, vorn Teleskop-Gabel mit 41 mm Tauchrohrdurchmesser (F 850: Upside-down-Gabel mit 43 mm Tauchrohrdurchmesser), hinten Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Federbasis hydraulisch einstellbar, Zugstufendämpfung einstellbar

Maße und Gewichte

Radstand 1559 mm (F 850: 1593), Tankinhalt 15 Liter, Leergewicht 224 kg, zulässiges Gesamtgewicht 440 kg (F 850: 229 kg, 445 kg)

Bremsen

vorn hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse, Ø 305 mm, hinten hydraulisch betätigte Einscheibenbremse, Ø 265 mm, BMW Motorrad ABS (abschaltbar), Reifen vorn 110/80 R19, hinten 150/70 R17 (F 850: vorn 90/90 R21, hinten 150/70 R17)

Fahrleistungen, Verbrauch

Spitze 190 km/h; 0-100 km/h in 4,1 Sek; Normverbrauch kombiniert: 4,1 l/100 km (F 850: über 200 km/h; 0-100 km/h in 3,8 Sek; 4,1 l/100 km)

Preis

ab 9.299,50 Euro (ab 11.931,42 Euro)

Will man den beiden neuen BMW-Enduros überhaupt etwas anlasten, dann die Preise. Beide Modelle sind mit gut 9000 bzw. über 12.000 Euro etwas teurer als ihre Vorgängerinnen, bringen dafür aber auch mehr Serienausstattung mit. Das ist allerdings auch nötig, denn der direkte Rivale Honda und andere Hersteller schlafen nicht.

Text: Ralf Schütze.