VW Tiguan (2026): Ist sein Plug-in-Antrieb zu empfehlen?

• Lesezeit: 7 Min.

Von Wolfgang Rudschies, Jochen Wieler

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Frontansicht eines fahrenden VW Tiguan
Im aktuellen ADAC Test: VW Tiguan 1.5 eHybrid – Plug-in-Hybrid mit 150 kW/204 PS © Volkswagen AG

Der VW Tiguan verkauft sich bestens. Acht verschiedene Motoren sind für das SUV erhältlich. Ist der Plug-in-Hybrid mit 150 kW empfehlenswert? ADAC Test.

  • Acht Motorversionen stehen zur Wahl

  • Darunter zwei Plug-in-Hybride

  • Einstieg in die Baureihe ab 38.850 Euro

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Lesen Sie hier den ausführlichen Autotest des VW Tiguan 1.5 eHybrid OPF Elegance DSG (2026)
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Lesen Sie hier den ausführlichen Autotest des VW Tiguan 1.5 eTSI OPF Elegance DSG (2024)
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Wie gut ist der Plug-in-Antrieb?

Heckansicht eines fahrenden VW Tiguan
Der Tiguan ist eines der erfolgreichsten SUVs weltweit© Volkswagen

Für den Erfolg von Volkswagen hat der Tiguan eine enorme Bedeutung. Weltweit ist er das mit Abstand meistverkaufte Modell der Marke. In Deutschland belegt er, nach Golf und T-Roc, Rang 3 der beliebtesten VW-Modelle.

Um möglichst viele Kunden zu erreichen, sind insgesamt acht verschiedene Motoren für den VW Tiguan erhältlich. Die Preise beginnen bei 38.850 Euro für das Basismodell mit Vierzylinder-Turbobenziner, der eine Leistung von 96 kW/130 PS mitbringt. Das Topmodell ist ein Plug-in-Hybrid mit 200 kW/272 PS, der in der Grundausstattung 59.260 Euro kostet.

Zum aktuellen Test trat die niedriger motorisierte Plug-in-Variante mit 150 kW/204 PS für 51.510 Euro an. Ob dieser Plug-in-Tiguan eine gute Wahl ist, klärt der folgende Bericht.

Die Kraft der zwei Herzen

Beim getesteten Tiguan 1.5 eHybrid wird ein Benzinmotor mit einem Elektromotor kombiniert. Als Basis dient ein 1,5-Liter-TSI-Motor, der im Miller-Cycle läuft (hoher Wirkungsgrad unter anderem durch hohe Verdichtung und frühes Schließen der Einlassventile). Zusammengespannt mit einem Elektromotor, der eine Peak-Leistung von 85 kW/115 PS erreicht, ergeben sich eine Plug-in-Systemleistung von 150 kW/204 PS und ein Systemdrehmoment von 350 Nm.

Das ist deutlich mehr, als der 1.5 eTSI als Mildhybrid bietet. In der Version mit 110 kW/150 PS stellt der Antrieb 250 Nm zur Verfügung, zum Preis von 43.560 Euro.

Die Fahrleistungen des 1.5 eHybrid sind prima: Die volle Beschleunigung aus dem Stand von 0 auf 100 km/h ist in nur 8,6 Sekunden erledigt. Überholvorgänge auf der Landstraße gehen schnell und sicher vonstatten. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn beträgt 210 km/h. Für die Laufkultur des Antriebs sowie die Getriebeschaltung vergeben die ADAC Tester durchweg gute Noten.

Verbrauch: Gute Werte bei Strom und Benzin

VW Tiguan
Tiguan mit Plug-in-Antrieb: Fährt oft elektrisch und spart daher Kraftstoff© Volkswagen

Startet man mit voller Batterie, verbraucht der Plug-in-Tiguan auf den ersten 100 Kilometern im ADAC Messzyklus 20 kWh Strom und die Winzigkeit von 0,5 Liter Superbenzin. Ein sehr guter Energie-Verbrauchswert. Dass überhaupt fossiler Kraftstoff verbrannt wird, liegt am Messzyklus. Er beinhaltet auch eine simulierte Autobahnfahrt, auf der kurzzeitig der Verbrenner mitläuft (in den Kickdown-Phasen).

Ist die Batterie des 1.5 eHybrid nach längerer Fahrt fast leer und steht entsprechend wenig Strom zur Verfügung, verbraucht er 6,4 Liter pro 100 Kilometer. Das sind 0,3 Liter weniger, als der normale 1.5 eTSI konsumiert – trotz der zusätzlichen Technik und des um etwa 200 Kilogramm höheren Gewichts. Daran sieht man, wie effizient der Motor ist.

Das Plug-in-typische Manko: Die guten Fahrleistungen des Antriebs schwinden bei einem Ladezustand unter 10 bis 15 Prozent SoC (State of Charge). Denn dann steht nicht mehr genug Energie für den Elektromotor zur Verfügung. Und ohne den Elektro-Schub hat der Tiguan spürbar mit dem Zusatzgewicht der Plug-in-Bauteile zu kämpfen. Es beträgt rund 250 Kilo.

Dafür entschädigt der Plug-in-Hybrid mit einer bemerkenswert guten elektrischen Reichweite. Nach WLTP-Messung beträgt sie im Tiguan 1.5 eHybrid bis zu 120 Kilometer. Im realitätsnäheren ADAC Autotest-Messzyklus bleiben davon 108 Kilometer übrig. Das ist immer noch äußerst alltagstauglich.

Sehr praktisch ist zudem, dass sein Akku nicht nur über Nacht mit Wechselstrom (bis 11 kW), sondern auch mit Gleichstrom (bis 50 kW) geladen werden kann. Ein Stopp an der Supermarkt-Ladesäule, ein paar Besorgungen erledigen – und die Batterie ist wieder voll.

Lohn für den VW Tiguan 1.5 eHybrid im Testkapitel Antrieb: die Top-Note 1,8.

Die Platzverhältnisse

Kofferraum des VW Tiguan
Der Kofferraum des Tiguan fasst je nach Version ordentliche 380 bis 1420 Liter© Volkswagen AG

Wie sieht es nun in Sachen Platzangebot aus? Hier spielt der Antrieb ja keine Rolle. Könnte man jedenfalls meinen.

Das stimmt aber nur zum Teil. Denn beim Kofferraumvolumen hat der Plug-in den Nachteil, dass die im Heck verbaute Extra-Batterie Volumen kostet. Nicht viel, aber immerhin 20 Liter weniger sind es im Vergleich zum "normalen" Verbrenner (alle Messwerte finden Sie in der Tabelle unten).

Das Raumangebot vorn ist sehr gut. Hier reicht die Beinfreiheit für 1,95 Meter große Personen. Die Kopffreiheit fällt noch großzügiger aus, erst 2,15-Meter-Riesen würden oben anstoßen.

Üppigen Platz gibt es auch in Reihe zwei. Hier genügt sowohl die Kopffreiheit als auch die Beinfreiheit für Insassen bis zu einer Größe von zwei Metern. Die Rücksitzbank lässt sich längs verschieben und in der Lehnenneigung einstellen. Das Raumgefühl ist dank der großen Fensterflächen angenehm. Auch auf großer Reise ist der Tiguan bequem.

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Anzeigen und Bedienung

Bedient wird der Wagen über ein Zentraldisplay, das aktuell auch in Golf und Passat sowie den ID-Modellen verbaut ist. Die Bildschirmdiagonale von 12,9 Zoll macht es übersichtlich. Große Menübuttons erleichtern die Bedienbarkeit.

Die Sliderleiste am unteren Displayrand ist allerdings aus ergonomischer Sicht keine gute Lösung. Immerhin hat VW den größten Makel beseitigt: Endlich ist die Bedienleiste beleuchtet, damit ist sie nun auch bei Dunkelheit nutzbar. Die Gestensteuerung am Infotainment-Monitor "versteht" nur links und rechts und ist daher im Alltag von überschaubarem Nutzen.

Eine separate Bedieneinheit für die Klimatisierung gibt es im aktuellen Tiguan leider nicht. Die Temperatur beispielsweise wird zwar dauerhaft am unteren Ende des Touchdisplays eingeblendet und lässt sich somit auch rasch ändern, für weitere Feinjustierungen wie etwa die Luftverteilung sind jedoch mehrere Bedienschritte im Klimamenü erforderlich.

Anders das Multifunktionslenkrad, das auf konventionelle Tasten setzt. Die lassen sich im Gegensatz zu den berührungsempfindlichen Sensorflächen, wie sie etwa (noch) in den ID-Modellen zum Einsatz kommen, präzise und problemlos bedienen.

Digitale Instrumente hinter dem Lenkrad sind Serie und können ebenfalls je nach Geschmack gestaltet werden. Vier "Views" mit unterschiedlicher Anmutung stehen zur Wahl: Classic, Progressive, Navigation und R-Line.

VW Tiguan im Detail

Sehr praktisch ist der zentrale Multifunktionsschalter auf der Mittelkonsole. Durch Drehen lässt sich die Audiolautstärke steuern. Drückt man den Schalter nach unten, können Fahrprofile und Antriebsmodi sowie die Ambiente-Beleuchtung geändert werden. Der Wahlhebel für das obligatorische DSG-Getriebe wanderte dafür ans Lenkrad.

Im Vergleich zum Vorgängermodell hat das Cockpit deutlich weniger Tasten, es werden noch mehr Funktionen über den Touchscreen gesteuert. Die Scheibenwischerfunktion wanderte vom rechten in den linken Lenkstockhebel und muss sich diesen mit der Blinkerfunktion teilen.

Der Fahrkomfort

Ab einer Antriebsleistung von 150 PS ist der Tiguan mit dem Fahrdynamikpaket DCC Pro samt adaptiver Dämpferregelung ausgestattet. Diese bietet dem Fahrer neben den Modi Comfort, Normal und Sport zusätzlich den Modus Individual, der eine noch exaktere Einstellung ermöglicht.

Das Fahrwerk kann in puncto Federungskomfort weitgehend überzeugen. Allerdings dringen Einzelhindernisse im unteren Geschwindigkeitsbereich recht deutlich in den Innenraum durch. Das liegt neben der straffen Fahrwerk-Auslegung auch an den optionalen 19-Zoll-Rädern, mit denen der Testwagen ausgestattet ist.

Bei höherem Tempo spricht das Fahrwerk sensibler an, der Aufbau liegt angenehm ruhig: Im ADAC Ausweichtest punktet der Wolfsburger mit hoher Fahrsicherheit.

Die Lenkung spricht direkt an, auch die Zentrierung gefällt – in der Summe ergibt das ein angenehmes Gefühl, das dem Fahrer eine gute Rückmeldung bietet.

Fazit: Besser, aber auch teurer

Frontansicht eines stehenden VW Tiguan
So sieht der neue VW Tiguan in der Ausstattungslinie Elegance aus© Volkswagen

Mit der Gesamtnote 1,9 schneidet der VW Tiguan 1.5 eHybrid im ADAC Autotest hervorragend ab. Der zuvor getestete 1.5 eTSI Mildhybrid ist mit der Note 2,0 kaum schlechter im Gesamturteil.

Für den moderneren Plug-in-Hybrid spricht, dass er mehr Leistung bietet und trotzdem weniger Kraftstoff verbraucht. Mit ihm wird es auch möglich, Strecken von rund 100 Kilometern rein elektrisch zu bewältigen. Das ist weit mehr, als die meisten Berufspendler benötigen.

Ob diese Vorteile den Aufpreis von rund 8000 Euro rechtfertigen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Video: VW Tiguan 2.0 TDI Fahrbericht

VW Tiguan 2026: Daten & Preise

ADAC Messwerte

ADAC Testergebnis

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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