Renault Rafale: Mit Hybridtechnik ins Premiumsegment?

Aufnahme des Renault Rafale
Wuchtige Eleganz: Viel unterscheidet den Rafale optisch nicht vom eingeprobten SUV-Design© Clément Choulot DPPI

Ein SUV nach dem nächsten: Renault fügt munter Sprosse für Sprosse ins Modellsortiment und ist nun mit dem Rafale ganz oben angelangt. Ob es für das Premiumsegment reicht? Ein paar vielversprechende Features hat der Neue auf jeden Fall. Testfahrt.

  • SUV-Coupé der Mittelklasse mit 4,71 Metern Länge

  • Konsequent elektrifiziert: Erst als Voll-, dann als Plug-in-Hybrid

  • Sehr wendig dank Allradlenkung

Auch Renault hat längst erkannt, dass mit klassischen Limousinen kein Staat mehr zu machen ist und verlagert sein Angebot in Richtung SUV. Innerhalb kurzer Zeit haben die Franzosen daher den Austral vorgestellt und den neuen Espace-SUV, der kein Van mehr sein darf. Den Captur als Kleinwagen-SUV gibt es schon lange, ganz neu ist der Symbioz, und der Arkana deckt die Gattung des kompakten SUV-Coupés ab.

Der neue Renault Rafale rundet das Angebot nun nach oben hin ab. Als SUV-Coupé soll er sich vom gleich großen Espace vor allem durch Sportlichkeit und etwas mehr Extravaganz abheben, ohne dabei allerdings die Praktikabilität als Familienauto ganz aufzugeben. Zum Flaggschiff auserkoren soll der Rafale zusätzlich noch die neueste Renault-Technik angemessen ins Schaufenster stellen. Wird der Neue all diesen Anforderungen gerecht?

Inspiration aus dem Hangar

Aufnahme des fahrenden Renault Rafale von vorne
Optisches Highlight: Transparente Gitterstruktur an der Front© Clément Choulot DPPI

Wie es sich für ein neues Vorzeigemodell gehört, hat Renault dem Rafale (das "e" ist stumm) eine eigene Hintergrundstory gebastelt. Den Namen verdankt das SUV dem Flugzeug Caudron-Renault Rafale, das sich vor 90 Jahren mit 445 km/h durch die Luft bewegen konnte.

Dieses Erbe gibt einen Hinweis darauf, wie Renault sein neues Werk verstanden wissen will: Die coupéhafte Silhouette des 4,71 Meter langen Fahrzeugs soll aerodynamische Leichtigkeit, die scharfen Linien im Blech Dynamik und Angriffslust vermitteln. Renault will den Rafale dadurch zuallererst von der internen Konkurrenz absetzen, denn eigentlich haben die Franzosen mit dem Espace schon ein Mittelklasse-SUV im Sortiment. Letzterer soll aber weiterhin vor allem als praktische Familienkutsche funktionieren, der Rafale wiederum die Option für die Kundschaft mit distinguierterem Geschmack sein.

Erkennbar ist dieser Ansatz ganz vorne am Grill: Dieser ist als durchlässige Wabe gestaltet, durch deren Schlitze ein blauer Hintergrund durchscheint. Auffällig sind auch die Tagfahrlichter, die von einem Knick in der Karosserie unterbrochen werden und sich dann weiter Richtung Unterboden fortsetzen. Interessante optische Features in einem insgesamt aber recht generischen SUV-Gesamtdesign.

Renault Rafale: Bildergalerie

Innenraum: Die Details überzeugen

Aufnahme des Cockpit des Renault Rafale
Viele flüssige Linien, wirklich spannend sind im Innenraum aber nur die Details© Clément Choulot DPPI

Die originellen Einfälle hat sich Renault für den Innenraum aufgehoben. Ein technisches Highlight ist zweifellos das Panoramadach: Das macht das Interieur nicht nur heller und einladender, sondern hat eine sehenswerte Funktion parat. Per Knopfdruck oder Sprachbefehl an den Google Assistant wird das Glas langsam milchig, die Intransparenz baut sich dank Flüssigkristalltechnik ganz ohne Rollo langsam auf.

Im Cockpit scheint Renault die Kreativität dann verlassen zu haben. Hinter dem Lenkrad sitzt ein 12 Zoll großes Display, daneben noch ein hochformatiger Touchscreen ebenfalls mit 12 Zoll, auf dem die Steuerung von Navigation und Entertainment geschieht. Anders als etwa bei BMW gehen die Bildschirme nicht flüssig ineinander, sondern sind von einer Luftdüse unterbrochen und durch einen Plastikrand begrenzt. Das hinterlässt zwar einen praktischen, aber nicht besonders eleganten Eindruck.

Etwas sonderbar mutet auch die Mittelkonsole an, auf dem verheißungsvoll ein sehr großer Hebel angebracht ist. Der verschiebt allerdings nur die Abdeckung nach vorne und hinten und ist gänzlich überflüssig, wenn in den Flaschenhaltern auch wirklich Flaschen stehen. Für die Hochdachkombi- und Van-Spezialisten von Renault wirkt das überraschend kurz gedacht.

Auffällig ist, wie viel der Bedienung auf und am Lenkrad stattfindet: Der Wahlhebel für die Gänge sitzt relativ hoch rechts hinter dem Lenkrad, die Fahrmodi (Eco, Sport, Comfort und MySense) klickt man auf einem großen Knopf unten rechts durch. Nach etwas Eingewöhnungszeit wirkt diese Lösung allerdings sinnvoll, weil man den Blick nie wie sonst üblich rechts auf die Mittelkonsole oder den Touchscreen wenden muss.

Dass es sich beim Rafale um den neuen Stolz des französischen Autobauers handelt, lässt einen Renault eher mit Ausstattungsdetails wissen. Das Innenfutter der Türfächer ist in blauem Stoff gehalten und der im Alcantara-Material eingearbeitete Schriftzug "Alpine-A" leuchtet und pulsiert im Dunkeln.

Antrieb: Hybridtechnik vom Feinsten

Aufnahme des fahrenden Renault Rafale von der Seite
Der Rafale fährt sich dynamisch, ist aber keine Rennsemmel© Clément Choulot DPPI

Die Zeichen bei Renault stehen konsequent auf Hybrid. Schon den Austral gab es nicht mehr als Diesel, immerhin aber noch als Mild-Hybriden, der Espace verließ sich schon ausschließlich auf Vollhybridtechnik. Das heißt, dass zwei kleine Elektromotoren und ein Benzinmotor zusammenarbeiten, wobei der E-Antrieb vor allem bei niedrigerem Tempo das Fahrzeug allein vorwärtsbringen kann.

Renault kombiniert für den E-TECH Full Hybrid 200 des Rafale nun einen 3-Zylinder-Benzinmotor mit 1,2 Liter Hubraum (96 kW/130 PS) mit einem Hauptelektromotor (50 kW/70 PS). Dazu kommt noch ein kleiner elektrischer Generator (25 kW/34 PS), der das Starten und Gangwechseln übernimmt.

Dieses Setup soll es ermöglichen, in der Stadt bis zu 80 Prozent der Zeit elektrisch unterwegs zu sein und auch im Normalbetrieb erheblich Kraftstoff einzusparen. 4,7 Liter auf 100 Kilometer gibt der Hersteller an, was in der Tat beeindruckend wenig wäre. Bei der ersten Testfahrt ließ sich dieser Wert allerdings noch nicht bestätigen, ein kommender ADAC Ecotest wird für Klärung sorgen.

Fest steht aber jetzt schon: Der Hybridantrieb im Rafale ist Renault geglückt, vom Aufjaulen beim Wechsel zwischen den verschiedenen Antriebsformen – durchaus ein Problem bei vergleichbaren Autos – kann beim SUV-Coupé nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil, auch bei recht hoher Geschwindigkeit läuft der Motor erstaunlich leise, was sicherlich auch an der guten Dämmung liegt. Das Ansprechverhalten ist einwandfrei und verzögerungslos, wozu auch die gut abgestimmte 15-stufige Automatik beiträgt.

Die größere Sportlichkeit im Vergleich zum eher gemütlichen Espace ist also gelungen, ein SUV-Powerhouse ist der Rafale allerdings trotzdem nicht geworden. Zwar spricht das Coupé im Sportmodus noch einmal griffiger an, dann läuft der Motor aber auch merklich lauter. Im Comfort- oder Eco-Modus fährt sich der Rafale dafür flüssig und kraftvoll.

Fahrwerk: Exzellente Vierradlenkung

Aufnahme des fahrenden Renault Rafale von hinten
Wuchtig, aber manövrierfähig: Die Allradlenkung des Rafale ist eine Errungenschaft© Clément Choulot DPPI

Dazu trägt auch die im Vergleich zum Austral gestiegene Laufflächenbreite und Spurweite bei, die das Auto noch stabiler auf der Straße machen. Das echte technische Bonmot findet sich beim Rafale aber in der Allradlenkung, die beim Handling des nicht gerade kurzen SUV erheblich hilft. Die Hinterräder lenken bis zu fünf Grad entgegengesetzt zu den Vorderrädern, das unterstützt merklich beim Rangieren in Parklücken und engen Stellen.

10,4 Meter Wendekreis sollen sich dadurch ergeben. Zum Vergleich: Der nahezu gleich lange Seat Tarraco muss satte 1,5 Meter weiter ausholen. Gerade in der Stadt ist dies ein großer Pluspunkt für den Rafale. Aber auch auf der Autobahn helfen die Hinterräder leicht mit beim Lenken und sorgen für zusätzliche Stabilität.

Wie praktisch ist der Rafale?

Aufnahme des Kofferraum des Renault Rafale
Angenehme Überraschung: Im Rafale ist richtig viel Platz für Gepäck© Clément Choulot DPPI

Als dynamisches SUV-Coupé wird der Rafale seinen Ansprüchen also auf den ersten Blick gerecht, die technischen und optischen Einfälle im Innenraum unterstreichen zudem den Premiumanspruch, den Renault mit dem Neuen vermitteln will. Abgehoben wirkt er trotzdem nicht. Denn auch wenn Kangoo, Captur, Clio, Scenic und Co eher durch ihre Praktikabilität zu erschwinglichen Preisen überzeugen und der Rafale im Vergleich dazu extravaganter wirkt, hat Renault auch Zugeständnisse an das Familienauto-Publikum gemacht hat.

Da wäre zum einen das Panoramadach, das nicht nur gut aussieht, sondern durch das fehlende Rollo drei Zentimeter mehr Kopffreiheit lässt. Und da wäre die luxuriös ausgestattete Mittel-Armlehne auf der Rückbank, in dessen Schlitzen sich Tablets oder Handys etwa zum Filmschauen festklemmen lassen. Außerdem verbaut: Zwei USB-C-Auslässe zum Aufladen, Ablageflächen und die obligatorischen zwei Flaschenhalter.

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Beim Blick in den Kofferraum gibt es eine echte Überraschung: Denn der ist trotz unvorteilhafter Coupé-Form ziemlich groß, 627 Liter passen laut Hersteller rein. Mehr als bei BMW X4, Volvo XC60 und dem Espace (Fünfsitzer). Bei umgeklappter Sitzbank sind bis zu 1914 Liter (bis Sitzhöhe) möglich.

Ein echtes Manko ist allerdings die Ladekante, Kinderwagen und Gepäck muss man erst einmal über knapp 82 Zentimeter herüberwuchten, der Espace ist ein kleines bisschen zugänglicher. Allerdings gilt dieser Kritikpunkt für fast alle SUVs dieser Größe, Vans und Hochdachkombis sind da zweifellos praktischer.

Renault Rafale: Plug-in am Horizont

Den stärksten Antrieb, auch markenintern, wird der Rafale als E-Tech 4x4-Plug-in-Hybrid bieten. Neben den 300 PS und dem permanenten Allradantrieb zeichnet ihn auch ein aktives Fahrwerk aus, das auf Basis der Kamerabilder von der Straße Federung und Steuerung vorausschauend adaptieren kann. 100 Kilometer weit soll das SUV dann rein elektrisch zurücklegen können. Ab Herbst 2024 soll er bestellbar sein.

Preis und Ausstattung

"Techno" nennt Renault die Basisversion des Rafale und mit ihr bekommt man schon ein ganz ordentliches Paket: Adaptive LED-Lichter, adaptiver Tempomat, Müdigkeitswarner, Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, Navigationssystem (Google-basiert), Rückfahrkamera und Verkehrszeichenerkennung sind inkludiert. Preis: 43.800 Euro.

Schicke und nützliche Details wie das flexibel dimmbare Panoramaglas, der blau hinterlegte Kühlergrill, die leuchtende Sitzbestickung, dreifarbige Nähte im Alcantara-Bezug und den Toter-Winkel-Warner mit aktivem Lenkeingriff erhält man allerdings nur mit der Variante "Esprit Alpine" oder weiteren optionalen Paketen. Preis: ab 48.300 Euro. Produziert wird der Rafale wie auch der Espace und Austral im spanischen Werk Palencia.

Renault Rafale: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Renault Rafale E-Tech Full Hybrid 200 Techno Multi-Mode-Automatik (ab 06/24)

Motorart

Voll-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.199 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

147

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

200

Drehmoment (Systemleistung)

n.b.

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.500 U/min

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,9 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

106 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

4,7 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

1,7

Kofferraumvolumen normal

627 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.910 l

Leergewicht (EU)

1.728 kg

Zuladung

447 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.710 mm x 1.866 mm x 1.613 mm

Grundpreis

43.800 Euro

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