Test Renault Austral: So gut ist das Kompakt-SUV wirklich

Renault Austral heißt die französische Alternative zum VW Tiguan. Der 4,53 Meter lange Fünftürer setzt auf Hybrid-Motoren, 2025 wurde er leicht geliftet. ADAC Test des 200 PS starken Vollhybrids mit Daten, Infos, Preisen.
Der Renault Austral hat den Kadjar ersetzt
Preise von 34.900 bis 44.350 Euro
Zwei Motoren mit 148 und 200 PS zu haben
R4, R5, R16: was waren das für innovative Fahrzeugkonzepte, mit denen Renault Automobilgeschichte schrieb. Und heute? Avantime, Vel Satis, Safrane, Latitude oder Fluence – das sind nur einige Renault-Modellnamen aus jüngerer Vergangenheit, die schon weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Ein Schicksal, das auch das SUV-Modell Kadjar ereilte: Da es ihm nicht gelang, am Bestseller VW Tiguan anzuknüpfen, ist der Name ins Firmenarchiv gewandert und hat 2022 Platz gemacht für den Austral.
Renault Austral leicht überarbeitet

Beim Austral wiederum sah sich Renault bereits drei Jahre nach Markteinführung zu einem Facelift gezwungen. Und das ist wörtlich zu nehmen: Im Prinzip umfasst die 2025er Überarbeitung eine größere Gesichtskorrektur für ein moderneres Antlitz. Motorisch hat sich wenig geändert. Die Variante mit 160 PS wurde gestrichen, sodass noch zwei Antriebe übrig geblieben sind: der Mildhybrid-Einstiegsbenziner mit 148 PS (vor dem Facelift 140 PS) und der 200 PS starke Full Hybrid E-Tech 200. Letzteren hat der ADAC ausführlich getestet.
Moderner Innenraum mit großen Displays
Im Innenraum gibt es neue Sitze und eine kamerabasierte Fahrererkennung, über die personalisierte Einstellungen automatisch beim Einsteigen aktiviert werden, etwa bevorzugte Radiosender, die Sitzposition und die der Außenspiegel.
Optisch ähnelt der Innenraum dem des elektrischen Mégane E-Tech. Die beiden Monitore vor dem Fahrer und im Zentrum des Armaturenbretts verschmelzen zu einem großen Ganzen. Inklusive des optionalen Head-up-Displays kommt da eine Menge Anzeigefläche zusammen. Bedient werden die Funktionen bevorzugt über den Touchscreen, für die wichtigsten Befehle stehen aber noch Schalter zur Verfügung – gut so, obwohl man sich auch einen Drehregler für die Lautstärke statt der kleinen Touchflächen am Bildschirmrand wünschen würde.
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Noch besser ist die Sprachbedienung über Google-Assist, die sich dank Online-Anbindung voll auf der Höhe der Zeit befindet. Immer mit dem Internet verbunden, kann das Fahrzeug Google-Apps integrieren, Updates empfangen und kann man als Fahrer oder Fahrerin einige Einstellungen mit Sprachbefehl steuern. "Funktioniert tadellos", sagen die ADAC Ingenieure.
Etwas irritierend ist zunächst der große Hebel auf der Mittelkonsole, der an einen Schubhebel im Flugzeug erinnert. Er dient nämlich nicht zur Bedienung der 15-stufigen Multi-Mode-Automatik, sondern als Handauflage über der Becher- und Handyablage. Zudem lässt sich hier der Fahrzeugschlüssel verstecken. Der Vorwärts- oder Rückwärtsgang wird per Hebel rechts am Lenkrad angewählt.
Je nach Ausstattung und Aufpreis glänzt der Austral mit ansehnlichen Materialien in Holz- oder Carbon-Optik, gesteppten Sitzbezügen und manchem mehr, das in dieser Klasse nicht überall zu finden ist. Die Materialauswahl orientiert sich an der Sicht- und Griffachse der Insassen: Oben wertig und geschäumt, doch je weiter man nach unten geht, desto härter wird das Plastik. In den Ablagen der Türen reicht's dann nicht mal mehr für eine lärmmindernde Filzschicht.
Austral: Ordentliches Platzangebot

Der Austral baut mit 4,53 Meter Länge, 1,65 Meter Höhe und 1,83 Meter Breite auf der jüngsten Generation der Renault-Nissan-Mitsubishi-Plattform CMF-CD auf. Das Platzangebot geht für Fahrer, Passagiere und Gepäck für die untere Mittelklasse in Ordnung. Die Beinfreiheit in Reihe eins reicht für rund 1,90 Meter große Menschen, die Kopffreiheit würde selbst deutlich über zwei Meter großen Personen genügen.
Im Fond geht es kaum enger zu. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, reicht der Platz dahinter dennoch für gut 1,95 Meter große Leute. Weit öffnende Türen erleichtern zusätzlich den Einstieg.
In der Version Alpine, der höchsten Ausstattungsstufe, ist der Austral mit einer im Verhältnis 1:2 geteilten Rückbank ausgestattet, deren Segmente sich unabhängig voneinander um jeweils 16 Zentimeter längs verschieben lassen. Je nachdem ob maximale Beinfreiheit oder größtmögliche Ladekapazität benötigt wird, stehen dann beim getesteten Hybrid gemessene 400 bis 1285 Liter zur Verfügung.
Beim Mildhybrid dürften es wegen seiner kleineren Batterie etwas mehr sein. Zusätzlich lassen sich im Ablagefach unterhalb des Kofferraumbodens weitere 70 Liter verstauen.
Test: Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200

Ein Dieselmotor, der in dieser Fahrzeugklasse lange die erste Wahl war, wird nicht angeboten. Beim Antrieb setzt Renault im Austral konsequent auf hybridisierte Benziner. Im Test musste sich die stärkste Variante, der Vollhybrid, beweisen.
Beim E-Tech Full Hybrid 200 genannten Modell sind neben einem 1,2-Liter-Turbobenziner mit drei Zylindern (96 kW/131 PS) zwei Elektromotoren an Bord (zusammen 51 kW/70 PS), die sich aus einer 1,7-kWh-Batterie bedienen und sich am Antrieb beteiligen. Gemeinsam kommt das Duo auf 146 kW/200 PS.
Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h absolviert der Franzose in 4,4 Sekunden, von 80 auf 120 km/h braucht er mit 5,1 Sekunden kaum länger. Der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h wird in 8,4 Sekunden absolviert. Die Beschleunigung fällt damit in allen Fahrsituationen souverän aus. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt ausreichende 180 km/h.
Wie bei einem Vollhybrid üblich, wird die Batterie über den Verbrenner und via Rekuperation beim Bremsen nachgeladen. Laut Renault reichen drei starke Bremsungen aus, um den Akku wieder zu 80 Prozent zu füllen. Im Stadtverkehr soll der Austral zu gut 80 Prozent elektrisch unterwegs und so 40 Prozent sparsamer sein als ein klassischer Verbrenner. Er hat im Gegensatz zu einem Plug-in-Hybrid keinen Stecker und wird nicht extern geladen, kann aber auch höchstens zwei Kilometer ohne den Verbrennungsmotor auskommen.
Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.
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Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.
Je nach Energiebedarf, Leistungsabgabe, Ladestand des Akkus und aktiviertem Fahrprogramm ermöglicht das Renault-System den Betrieb im vollelektrischen Modus sowie im seriellen Hybridmodus (Motor treibt nur Generator zur Batterieladung an) oder parallelen Modus (Motor unterstützt auch Antriebsstrang). Unabhängig vom Fahrprogramm startet der Austral-Hybrid immer im Elektromodus.
In der Stadt ist er tatsächlich ziemlich sparsam. 4,7 Liter pro 100 Kilometer weist der ADAC Ecotest hier aus. Außerorts liegt der Kraftstoffkonsum bei 5,8 Litern und auf der Autobahn bei 7,9 Litern Super pro 100 Kilometer. Ergibt im Ecotest-Schnitt eher durchschnittliche 6,2 Liter. Weil die Abgase sehr sauber sind, schafft der Vollhybrid-Austral vier von fünf möglichen Ecotest-Sternen.
Die komplexe Antriebssteuerung funktioniert in der Praxis gut, man hat passend zu seinem Gaspedalbefehl spontan Leistung zur Verfügung – außer man geht vom gemütlichen Bummeln spontan in den Kickdown, dann braucht es etwas, bis es vorwärtsgeht. Hohe Drehzahlen führen zu einem merklichen Dröhnen, ansonsten ist der Benziner akustisch meist im Hintergrund.
Das SUV gibt es auch mit Allradlenkung
Das Fahrwerk des Austral ist komfortabel abgestimmt und schlägt auch bei fiesen Querfugen nicht unangenehm durch. Den ADAC Ausweichtest durcheilt der Renault problemlos und fahrsicher. Und wer im Fahrzeugmenü den "Lenkaufwand" dauerhaft auf "hoch" einstellt, wird auch mit der zu leichtgängigen und gefühllosen Lenkung versöhnt. Auch die Bremse fühlt sich etwas künstlich an, bietet trotzdem einen spürbaren Druckpunkt und bringt den Austral nach guten 33,3 Metern zum Stehen.
Und ein Extra sollte man sich trotz 1500 Euro Aufpreis unbedingt leisten: die dynamische Allradlenkung 4Control advanced. Bei Fahrgeschwindigkeiten über 50 km/h steuern die Hinterräder bis zu 1 Grad in dieselbe Richtung mit wie die Vorderräder – das wirkt der Fliehkraft entgegen.
Doch der Clou ist das Fahren mit niedrigen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr. Dann schlagen die Hinterräder mit maximal 5 Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Damit ist der Austral äußerst agil unterwegs: Sein Wendekreis beträgt lediglich 10,8 Meter und liegt damit auf dem Niveau eines deutlich kleineren Autos. An die äußerst direkte Umsetzung von Lenkbefehlen muss man sich allerdings erst gewöhnen.
Renault Austral: Technische Daten und Preis
Der Renault Austral startet mit dem Mildhybrid 150 ab 34.900 Euro, dann allerdings in der etwas kärglich ausgestatteten Evolution-Ausstattung ohne Fahrprogramme, nicht verschieb- und klappbarer Rückbank (die Lehnen sind aber umklappbar) und nur einem kleinen 9-Zoll-Mittendisplay. Für den getesteten Vollhybrid werden mindestens 39.450 Euro, in der Ausstattungsstufe Alpine 44.350 Euro fällig.
Technische Daten (Herstellerangaben) | Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik (ab 04/25) |
|---|---|
Motorart | Voll-Hybrid |
Hubraum (Verbrennungsmotor) | 1.199 ccm |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 147 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 200 |
Drehmoment (Systemleistung) | n.b. |
Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor) | 4.500 U/min |
Antriebsart | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 8,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 109 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 4,8 l/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 1,7 |
Kofferraumvolumen normal | 527 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.736 l |
Leergewicht (EU) | 1.613 kg |
Zuladung | 477 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.500 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.533 mm x 1.825 mm x 1.645 mm |
Grundpreis | 44.350 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 4,4 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 33,3 m |
Wendekreis | 10,8 m |
Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest | 6,2 l Super/100 km, 163 g CO₂/km (Well-to-Wheel) |
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) | **** |
Reichweite | 885 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 66,6 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1682 / 460 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 400 / 800 / 1285 l |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik (ab 04/25) |
|---|---|
Karosserie/Kofferraum | 2,6 |
Innenraum | 2,4 |
Komfort | 2,5 |
Motor/Antrieb | 2,1 |
Fahreigenschaften | 2,1 |
Sicherheit | 1,6 |
Umwelt/EcoTest | 2,1 |
Gesamtnote | 2,1 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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