Neue Mercedes C-Klasse: Erste Testfahrt

Neue Mercedes C-Klasse: Elegante Form in typischer Mercedes-Optik ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Mercedes

Die neue Mercedes C-Klasse kommt zu den Händlern. Edler und sportlicher als zuvor, aber auch als innovativer Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometern Reichweite. Die erste Testfahrt mit allen Daten, Preisen, Infos.

  • Schon zum Marktstart als Limousine und T-Modell

  • Auch als Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometer E-Reichweite

  • Mit Allradlenkung wird die C-Klasse handlicher

  • Einstiegspreis für C 180-Limousine: 41.138 Euro

Man kann es kaum glauben: Rund 28 Jahre gibt es die Mercedes C-Klasse schon. Seit sie 1993 den Mercedes 190 ("Baby-Benz") abgelöst hat, wurden bereits vier Modellgenerationen auf die Straße gebracht. Und sie blieb als das volumenstärkste Modell von Mercedes-Benz auch in den letzten Jahren erfolgreich: Seit der Einführung der noch aktuellen Generation 2014 wurden über 2,5 Millionen Einheiten der Limousine und des T‑Modells verkauft.

Im Sommer 2021 fährt die jetzt die fünfte Auflage des Hecktrieblers zu den Händlern – in China, dem inzwischen größten Absatzmarkt der C-Klasse, bevorzugt als klassische Limousine, in Deutschland wird das T-Modell von den Käufern präferiert: Hier werden zwei von drei C-Klassen als Kombi verkauft. Und deshalb macht es Sinn, dass bei uns erstmals Limousine und T-Modell gleichzeitig in den Verkauf gehen.

Mercedes C-Klasse optisch verjüngt

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
AMG-Look: "Powerdomes" auf der Motorhaube ∙ © Mercedes

In den letzten Jahren haben traditionelle Limousinen immer mehr Marktanteile an SUVs verloren. Um verlorenen Boden gut zu machen, hat Mercedes-Design-Chef Gordon Wagener die C-Klasse auch optisch deutlich modernisiert: Digitale Scheinwerfer mit scharfem Blick, eine Motorhaube mit platzschaffenden Powerdomes, die in der Tuning-Szene besonders leistungsstarke Boliden markieren, und der prominente Zentralstern im Grill statt des filigranen Sterns auf der Haube schinden im Rückspiegel mächtig Eindruck. Am Heck dagegen folgen die Blicke einem athletischen Rücken mit besseren Proportionen und weniger sinnfreien Rundungen, die manch anderes Mercedes-Modell zieren. Sieht mit den schmalen, erstmals zweigeteilten Heckleuchten von hinten fast schon etwas zierlich aus.

Aber bei einem neuen Modell geht es vor allem ums Fahren. Und auch die Ingenieure müssen sich technische Highlights einfallen lassen, mit denen die C-Klasse gegenüber BMW 3er und Audi A4 künftig punkten will.

Ein Cockpit wie in der S-Klasse

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
Elegant und technisch-modern: Die Mischung stimmt im Cockpit ∙ © Mercedes

Das gilt vor allem fürs Cockpit, das stark von der neuen S-Klasse inspiriert und für Mercedes-Verhältnisse extrem fahrerorientiert ist. Das Lenkrad trägt wie im Luxusliner Doppelspeichen, dahinter steht frei ein 10,25 Zoll großes Display (gegen Aufpreis 12,3 Zoll), und daneben schwebt wie im Flaggschiff ein üppiger Bildschirm vor der Mittelkonsole (9,5 wahlweise 11,9 Zoll), der bis in den Mitteltunnel reicht. Für beide Displays gibt es verschiedene Anzeigestile (klassisch, dezent, sportlich), die Inhalte sind knackscharf gezeichnet.

Gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung. Klar, ein Touchscreen ist inzwischen Standard. Aber müssen auch alle anderen "Schalter" im Lenkrad (zu viele) oder unter dem Display (im Prinzip gut platziert) fingerwischend über eine kleine Softtouch-Oberfläche bedient werden? Nach anfänglichen Fehlversuchen sehnt man sich doch den guten alten Dreh-/Drückschalter zurück.

Natürlich soll auch die neue C-Klasse aufs Wort hören und mit der zweiten MBUX-Generation der S-Klasse frei gesprochene Befehle wie "Hey Mercedes, stelle die Temperatur im Haus auf 18 Grad" verstehen. Ja, funktioniert oft, aber nicht immer. Irgendwie hat man bei allen Sprachsystemen das Gefühl, da wäre noch Luft nach oben.

Als Sonderausstattung wird für die Navigation MBUX Augmented Reality angeboten. Eine Kamera erfasst die Umgebung vor dem Fahrzeug und zeigt die Videobilder mit zusätzlichen Infos wie beispielsweise Verkehrsschilder, Abbiegehinweise, Spurwechselempfehlungen und Hausnummern auf dem Zentral-Display. Funktioniert gut und erleichtert die Navigation insbesondere in der Stadt deutlich.

C-Klasse mit mehr Platz im Innenraum

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
Das neue Heck wirkt fast zierlich ∙ © Mercedes

Die neue C-Klasse wurde etwas größer – und den Raumgewinn durch 10 Millimeter mehr Breite und eine reichlich gewachsene Spur nimmt man im wertig gestaltetem Innenraum deutlich wahr. Vor allem die Fondpassagiere: Auf 4,75 Metern Länge (bei der Limousine ein Plus von rund sieben Zentimetern im Vergleich zum Vorgänger) zahlen sich 25 Millimeter mehr Radstand plus ein bisschen mehr Platz für Köpfe und Schultern aus. Sie bringen den Mercedes wieder auf Augenhöhe mit Audi und BMW.

Das Kofferraumvolumen blieb bei der Limousine mit der schmalen Ladeöffnung gleich (455 Liter), doch der Gepäckraum des T-Modells ist mit einem Volumen von 490 bis 1510 Litern 30 Liter größer als bisher. Die Höhe des Laderaumes sowie die Laderaumlänge wurden im Vergleich zum Vorgängermodell vergrößert. Und auch die Ladekante liegt etwas niedriger. Die elektrische Heckklappe ist jetzt serienmäßig.

Viel Hightech – meist gegen Aufpreis

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
Das digitale Licht kann Führungslinien auf die Straße projizieren ∙ © Mercedes

Selbstredend, dass die neue C-Klasse gegen Aufpreis auch ein Head-up-Display (1178 Euro) bietet und sich neue Software "over the air" in das Fahrzeug spielen lässt. Darüber lassen sich später auch Extras nachkaufen, die man beim Neukauf etwa vergessen hat zu bestellen oder das Fahrzeug um Funktionen erweitern, die erst im Lauf der nächsten Jahre entwickelt werden. Und wer will, kann sich über die Digital-Light-Scheinwerfer (im Paket 2112 Euro Aufpreis) mit ihren 1,3 Millionen Mikrospiegeln Symbole vor das Fahrzeug projizieren lassen – zum Beispiel Linien, die die Fahrzeugbreite darstellen und nachts beim Durchfahren einer Baustelle hilfreich sein können.

Neue Dynamik dank Hinterachslenkung

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
Limousinen-klassisch: Kurze Überhänge, langer Radstand ∙ © Mercedes

Damit wären wir bei einer weiteren Innovation: Die C-Klasse hat erstmals eine Hinterachslenkung – leider nur gegen Aufpreis (1249 Euro). Denn auch wenn sich die Räder nur um 2,5 statt wie bei der neuen S-Klasse um mehr als zehn Grad einschlagen lassen, wirkt das Auto viel handlicher und agiler. Das Prinzip: Bei Geschwindigkeiten von weniger als 60 km/h lenken die Hinterräder in die entgegengesetzte Richtung der Vorderräder – der Radstand verkürzt sich situationsabhängig virtuell, wodurch das Fahrzeug in der Stadt oder im Parkhaus wendiger wirkt.

Ab einer Geschwindigkeit von mehr als 60 km/h lenken die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder – das verlängert virtuell den Radstand. Und das spürt man bei dynamischen Fahrmanövern deutlich: Man muss weniger Lenkwinkel aufbringen – und die C-Klasse reagiert bei höheren Geschwindigkeiten oder schnellen Spurwechseln sportlicher auf Lenkbefehle.

Die neue C-Klasse mag zwar die agilste in der langen Geschichte sein, aber sie will kein BMW-Jäger sein. Denn trotz der Fokussierung auf Agilität und Fahrspaß wurden keine Kompromisse beim Komfort gemacht – auch wenn Mercedes die optionale Luftfederung bei den meisten Modellen gestrichen hat. Selbst mit adaptiven Stahlfedern wirkt die C-Klasse immer noch wie ein gemütlicher Cruiser, der den Blutdruck ruhig hält.

Motoren: Nur noch Vierzylinder mit Automatik

Der neue Mercedes Benz C-Klasse 2021
Fummelige Softtouch-Bedienung am Lenkrad ∙ © Mercedes

Einen weiteren Beweis für diese Strategie findet man unter der Motorhaube: Nicht nur, dass Mercedes alle Motoren mit einem 48-Volt-Startergenerator elektrifiziert, der 15 kW und 200 Nm leistet und ein häufiges Abschalten des Verbrenners sowie sanftes Wiederanfahren auch bei höheren Geschwindigkeiten ermöglicht. Denn die Schwaben haben auch alle großen Motoren ausgemustert und sich auf Vierzylinder beschränkt: Die Bandbreite reicht zum Marktstart vom C 180 mit 170 PS über einen C 200 (204 PS) bis zum vorläufigen Spitzenreiter C 300 (258 PS) bei den Benzinern. Als Diesel fungieren der C 220d (200 PS) sowie der 300d (265 PS). Die stärkeren Modelle können auch als Allradversion 4Matic geordert werden.

Einige dieser Motoren konnten wir schon fahren, zum Beispiel den C 200 mit 204 PS und 300 Nm Drehmoment (als Limousine 44.797 Euro). Er hinterließ einen etwas zwiespältigen Eindruck: Man fühlt sich mit ihm nie untermotorisiert, aber irgendwie fehlt ihm die souveräne Gelassenheit. Er kann beim beherzten Gasgeben schon mal unwillig knurren. Und dann weiß die ansonsten butterweich schaltende 9-Gang-Automatik auch nicht, welcher Gang jetzt der beste ist. Hier ist ganz klar der kultivierte C 300 (47.177 Euro) klar die bessere Wahl – auch wenn er kombiniert mit 7,0 Litern/100 km im Vergleich 0,4 Liter mehr verbraucht.

Höchstes Lob verdient bei allen Modellen die angenehm direkte Lenkung, die dem Fahrer gute Rückmeldungen liefert. Harte Kritik muss sich aber die Bremse gefallen lassen: Klar, sie ist zentraler Bestandteil des 48-Volt-Startergenerators, weil durch ihre Bremsleistung Strom für das System rekuperiert wird. Aber muss sie sich deshalb so teigig und indirekt anfühlen wie im ersten Toyota Prius von 1998? Das kann die Konkurrenz inzwischen besser.

Bei den Dieseln sind sowohl der C 220 d wie der C 300 d für 47.177 bzw. 51.788 Euro eine gute, weil ausgewogene Wahl. Mit ihren drei Katalysatoren und dem Partikelfilter fahren sie vergleichsweise sauber und mit der CO₂-Emission von unter 140 g/km auch relativ klimafreundlich.

Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometer Elektro-Reichweite

Kofferraum der Mercedes C-Klasse Limousine
Trotz großer Antriebsbatterie im Heck gibt es beim Plug-in keine Stufe mehr im Kofferraum ∙ © Mercedes

Dass eine AMG-Version kommt, gilt als gesetzt. Aber auch weit zukunftssicherere Neuzugänge in naher Zukunft: Schon bald nach der Markteinführung bietet Mercedes Plug-in-Hybride als Diesel und Benziner mit Hinterrad- und Allradantrieb und einer 25,4-kWh-Antriebsbatterie an – genug für eine bislang konkurrenzlose Reichweite von über 100 Kilometern im rein elektrischen Fahrbetrieb (WLTP). Bis 140 km/h kann die C-Klasse damit völlig ohne Verbrenner fahren.

Gut für kurze Ladezeiten: Ein 11-kW-Lader ist Serie, und ein 55-kW-Schnellladesystem für CCS-Säulen gibt es gegen Aufpreis. Damit ließe sich auf Urlaubsreisen die Batterie in rund 30 Minuten wieder füllen. Im Vergleich zum Vorgänger ist die Batterie auch besser integriert worden, sodass im Kofferraum keine Stufe mehr entsteht und auch eine Durchlademöglichkeit existiert.

C-Klasse T-Modell knapp 2200 Euro teurer

Die neue C-Klasse wird in den Werken Bremen, Peking und East London (Südafrika) produziert. Die Varianten Coupé und Cabrio fallen dem Sparzwang zum Opfer. Und auch fürs T-Modell sind vorerst nur drei Motorisierungen bestellbar: Die zwei Diesel 220 und 300 für 49.355 und 53.966 Euro und als Benziner der 200er für 46.975 Euro. Wer also die eindeutig praktischere Variante der C-Klasse will, muss immer knapp 2200 Euro drauflegen.

Bildergalerie: Die neue C-Klasse als T-Modell

Technische Daten Mercedes-Benz C-Klasse

Technische Daten (Herstellerangaben)

C 300 Limousine

C 220 d T-Modell

Motor/Antrieb

Vierzylinder-Turbobenziner, 1999 cm³, 190 kW/258 PS, 400 Nm bei 3200 U/min

Vierzylinder-Turbodiesel, 1999 cm³, 147 kW/200 PS, 440 Nm bei 2800 U/min

Fahrleistungen

6,0 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

7,4 s auf 100 km/h, 242 km/h Spitze

Verbrauch nach WLTP

6,6 - 7,0 l Super/100 km, 150-159 g CO₂/km

5,0 - 5,3 l Diesel/100 km, 133-140 g CO₂/km

Maße

L 4,75 / B 1,82 / H 1,44 m

L 4,75 / B 1,82 / H 1,45 m

Kofferraum

455 l

490 -1510 l

Preis

ab 47.891 €

ab 49.355 €

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