Leapmotor B03X im Fahrbericht: Platzwunder zum kleinen Preis?
Von Jochen Wieler

Jetzt greift Leapmotor mit dem B03X im Segment der Kleinwagen-SUVs an – mit einem günstigen Preis, viel Platz und guter Ausstattung. Stimmen auch Reichweite und Fahreigenschaften? Das hat die ADAC Redaktion bei der ersten Testfahrt herausgefunden.
Elektrisches Mini-SUV ab 24.900 Euro
Zwei Batteriegrößen für 292 und 382 Kilometer Reichweite
Viel Platz und variabler Innenraum
Endlich kommt Bewegung in die Riege der kleinen, bezahlbaren Elektro-SUVs. Und zwar mit einem ganzen Schwung an neuen Modellen. Kia EV2, Škoda Epiq und VW ID. Cross sind die jüngsten Neuzugänge, Fiat 600e, Opel Mokka Electric, Ford Puma Gen-E und Renault 4 gibt es schon länger.
Viel Platz im Leapmotor B03X

Klar, dass da auch die Chinesen in das beliebte Segment drängen und eigene Angebote aus dem Ärmel ziehen. Wie Leapmotor mit dem B03X. Der ist parkfreundliche 4,27 Meter lang, damit genau zwischen Kleinwagen- und Kompaktsegment angesiedelt und zeigt bereits durch seine kastige Form: Hier kommt ein Pragmatiker, der in erster Linie mit Nutzwert punkten will.
Und den hat der B03X tatsächlich. Sieht man einmal davon ab, dass das Mini-SUV nicht sonderlich breit ist und es für drei Mitfahrer hinten ziemlich kuschelig wird, erstaunen vor allem die überdurchschnittliche Beinfreiheit im Fond und eine Handbreit Platz über den Köpfen. So viel Raum haben selbst deutlich größere Autos oft nicht zu bieten. Bequem sitzt es sich obendrein, vorn wie hinten.
Und auch in Sachen Variabilität und Kofferraum haben die Chinesen einen Trumpf in der Hand. Wie beim Honda Jazz mit seinen "Magic Seats" lässt sich auch beim Leapmotor B03X die Sitzbank mit nur einem Handgriff in Richtung Lehne klappen. Das schafft Platz und Ladehöhe hinter den Vordersitzen, sodass sich eine Topfpflanze stehend oder anderes sperriges Ladegut ordentlich unterbringen lässt.
Der Kofferraum hat verschiedene Ebenen
Der Kofferraum an sich macht zunächst einen überschaubar großen Eindruck. Doch das täuscht: So lässt sich der Ladeboden um eine ganze Etage nach unten absenken, sodass auch große Koffer reinpassen. Zusätzlich befindet sich unter dem Ladeboden noch eine riesige Box, die 105 Liter fasst. Dort lässt sich erheblich mehr verstauen als nur das Ladekabel, das dort aber zwingend seine Heimat finden muss – ein Frunk im Vorderwagen fehlt nämlich.

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An die Bedienung muss man sich gewöhnen

Innen zeigt sich der Leapmotor nicht außergewöhnlich pfiffig gestaltet, sieht man einmal von "Leapy" ab, einem kleinen lustig dreinblickenden Männchen, das an der ein oder anderen Stelle im Innenraum in die Kunststoffe gestanzt ist. Sonst dominiert chinesische Einheitsware ohne Design-Highlights: ein großer Bildschirm in der Mittelkonsole, über den so ziemlich alles bedient wird, ein Display hinter dem Lenkrad und so gut wie keine Knöpfe. So sieht es in den meisten China-Autos aus.
Die Bedienung erfordert daher einmal mehr Konzentration und Eingewöhnung. Dass man die Spiegelverstellung über eine nicht näher bezeichnete Taste am Lenkrad aktivieren muss, was sich alles über ein Drop-down-Menü aus- und einschalten lässt und was nicht und welche Fahrprofile mit welchen Voreinstellungen man anlegen kann, das sollte gut verinnerlicht werden, bevor man losfährt.
Hat man das geschafft, bleibt immer noch manches fragwürdig. Die Klimaautomatik so einzustellen, dass sie tut, was sie soll, braucht eine Weile. Und eigentlich lässt sich der B03X mit dem Smartphone als "Schlüssel" öffnen und starten, doch das Testexemplar verlangte zusätzlich noch nach einer Chipkarte. Ein Einzelfall möglicherweise. Alle B03X dagegen sind von den nervigen Assistenzsystemen betroffen, die unablässig piepen oder am Lenkrad ruckeln (Spurhalter). Wer es geschafft hat, sie zu deaktivieren, sieht sich damit konfrontiert, dass der B03X manches sogar während der Fahrt einfach wieder von selbst einschaltet. Und das Generve geht weiter.
Die Lenkung ist extrem leichtgängig

Einen sauberen Strich in der Kurve zu fahren gelingt aber nicht nur deswegen nicht sonderlich gut, weil der Spurhalter oft zu beflissen eingreift, sondern auch weil die Lenkung dermaßen leichtgängig ist, als hätte jemand vergessen, die ein oder andere Schraube anzuziehen. Kontakt zur Straße? Fehlanzeige. Zum Glück lässt sich die Lenkung über das Bordmenü einstellen, am besten gleich auf "Sport", dann ist es auf kurvigen Landstraßen nicht ganz so schwammig und man kann sich daran gewöhnen.
In der Stadt sieht die Sache anders aus: Hier wird der ein oder andere die extreme Leichtgängigkeit der Lenkung vielleicht sogar zu schätzen wissen. Der Wendekreis ist klein und man wuselt sich behände durch den Verkehr.
An Leistung mangelt es dem B03X wahrlich nicht. 197 PS taugen bei der gefahrenen Topversion mit großem Akku für einen schnellen Sprint am Lkw vorbei auf der Landstraße, es geht spontan, ansatzlos und dynamisch voran. Wenn es sein muss, spurtet der B03X in 8,6 Sekunden auf 100 km/h. Ja, mit dem quirligen Antrieb kommt sogar Fahrspaß auf! Zumindest bis zur nächsten Kurve, wenn das weiche Fahrwerk für Bewegung in der Karosserie sorgt und man schnell merkt: Der Leapmotor ist auf Komfort ausgelegt und nicht auf eine sportive Fahrweise.
Der elektrische B03X fährt sehr komfortabel

Komfort ist tatsächlich die Paradedisziplin des B03X. Bodenunebenheiten werden erstaunlich gut kaschiert, der Abrollkomfort ist klasse. Auch was das Thema Geräusche angeht, erstaunt das kleine SUV: Es bleibt stets ruhig im B03X, hier haben die Akustiker einen guten Job gemacht. Und wo andere Marken mit soften Flächen geizen und spätestens ab dem Handschuhfach nur noch hartes Plastik einsetzen, gibt es im B03X fast durchweg weiche, gepolsterte Flächen. Die würden allerdings ein noch wohnlicheres Ambiente schaffen, wenn sich der Kunstlederbezug nicht gar so abwaschbar clean anfassen würde.
Trotz guter Ausstattung – Serie sind selbst in der Basis "Life" mit kleinem Akku zum Beispiel Klimaautomatik, Navigationssystem, Rückfahrkamera und Apple CarPlay bzw. Android Auto – wird dem Beifahrer eine Sitzhöhenverstellung verwehrt. Besonders große Menschen würden sich wohler fühlen, ließe sich der rechte Sitz nach unten justieren.
Auch eine Anhänge- und Stützlast ist für den B03X eigentlich nicht vorgesehen. Doch dass es in Europa zumindest die Möglichkeit für den Transport von Fahrrädern geben sollte, sieht auch Leapmotor so und arbeitet gerade an einer Lösung.
Reichweiten zwischen 292 und 382 Kilometer
Bleibt noch die Frage nach der Reichweite. Zwei Akkus stehen zur Wahl: ein 39,8-kWh-Akku für eine Normreichweite von 292 Kilometern und eine größere Batterie mit 53 kWh Kapazität und 382 Kilometern WLTP-Radius. Die Zahlenwerte zeigen es schon: Ein Langstreckenauto ist der B03X nicht unbedingt. Für alle, die nicht nur im urbanen Bereich oder auf der Landstraße unterwegs sind, sei deshalb der größere Akku empfohlen. Der hat einfach mehr Reserven für Autobahn und den deutschen Winter, wie auch der ADAC Reichweitenrechner zeigt:
ADAC Reichweitenrechner
Leapmotor B03X BEV ProMax Design 145 kW (197 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
370km
(Reichweite laut Hersteller: 382 km)
Bei der AC-Ladeleistung setzen die Chinesen auf die üblichen 11 kW, sodass die kleine Batterie in knapp 4 Stunden von ganz leer auf ganz voll kommt, die große braucht gute 5 Stunden. Unterwegs soll sich die große Batterie an DC-Schnellladesäulen in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen lassen. Das wäre ein guter Wert, den ein ausführlicher Test beim ADAC aber noch bestätigen muss.
Günstige Preise ab 24.900 Euro
Ab 24.900 Euro ist der B03X mit der kleinen Batterie zu haben, mit der großen kostet er 29.400 Euro. Das ist günstig und zeigt, dass brauchbare Elektroautos längst kein Vermögen mehr kosten. Aber ist es auch unschlagbar günstig? Haben die Chinesen die Konkurrenz preislich abgehängt? Keineswegs. Denn selbst die europäischen Elektro-Mini-SUVs können hier ganz gut mithalten. So kosten die vergleichbaren Versionen des neuen Škoda Epiq 25.900 und 32.100 Euro, der VW ID. Cross beginnt bei 27.995 Euro. Den Fiat 600e gibt es mit 54 kWh großer Batterie mit aktuellem Rabatt ab 28.990 Euro, wenn auch etwas schlechter ausgestattet.
Riesig ist der Preisunterschied also nicht, zumal Leapmotor keine Rabatte gewährt, wie Deutschland-Chef Martin Resch voller Stolz herausstellt: Durch Preisnachlässe würde man sich nur die Gebrauchtwagenpreise kaputtmachen, und die seien bei Leapmotor vergleichsweise gut.
Die Geschäfte laufen offenbar auch ohne Rabatte: Von Januar bis August 2026 wurden hierzulande rund 13.392 Fahrzeuge von Leapmotor zugelassen. Alteingesessene Marken wie Mitsubishi (8552 Stück), Smart (5560), Subaru (2613), Honda (5380) oder Land Rover (9716) sind damit längst überholt.
Alles in allem bekommt man mit dem B03X ein solide gemachtes Auto mit viel Platz, variablem Innenraum und hohem Fahrkomfort – und das zum günstigen Preis. Was man nicht erwarten darf, ist ein fahrdynamisches Auto.
Leapmotor B03X: Technische Daten und Preise
Technische Daten (Herstellerangaben) | Leapmotor B03X BEV Pro Life (ab 07/26) | Leapmotor B03X BEV ProMax Design (ab 07/26) |
|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 130 | 145 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 177 | 197 |
Drehmoment (Systemleistung) | 200 Nm | 200 Nm |
Antriebsart | Hinterrad | Hinterrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 8,6 s | 8,6 s |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 160 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 292 km | 382 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | 15,5 kWh/100 km | 15,7 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 39,8 | 53,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:3,7-11,0 DC:100,0 | AC:3,7-11,0 DC:133,0 |
Kofferraumvolumen normal | 302 l | 302 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.253 l | 1.253 l |
Leergewicht (EU) | 1.525 kg | 1.625 kg |
Zuladung | 395 kg | 395 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 4 Jahre oder 100.000 km | 4 Jahre oder 100.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 4.270 mm x 1.810 mm x 1.635 mm | 4.270 mm x 1.810 mm x 1.635 mm |
Grundpreis | 24.900 Euro | 29.400 Euro |
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