BMW i5: Was der elektrische 5er an Qualität und Fahrspaß bietet

Seitenansicht eines fahrenden BMW i5
Optisch unterscheidet sich der elektrische i5 kaum vom konventionellen 5er© BMW

Ein 84 kWh großer Akku sowie mindestens 250 kW Leistung lassen einiges an Reichweite und Fahrspaß erwarten. Mit dem BMW i5 auf Testfahrt – auch in der bärenstarken M-Version. Plus: Vorstellung des i5 Touring. Daten, Preise, Bilder

  • BMW i5: Batterie für bis zu 560 km Reichweite

  • Zwei Leistungsstufen, Heck- und Allradantrieb

  • Elektro-5er als Kombi: i5 Touring ab 72.200 Euro

  • Überholen per Blicksteuerung

Nicht nur Fans der Marke BMW bekommen beim Gedanken an einen BMW 5er leuchtende Augen. Besonders deren Sechszylinder-Motoren haben einen legendären Ruf. Und auch der Platz und der Komfort eines 5er genießen viel Hochachtung – nun schon seit sieben Modellgenerationen.

Bei der achten Generation, die nun am Start ist, haben wir es mit einer deutlichen Zäsur zu tun. Und die beruht auf der neuen Antriebsvielfalt: Es gibt den neuen 5er nämlich nicht nur mit Diesel- und Benzinmotoren, darunter auch ein schöner Sechszylinder mit 280 kW/381 PS, sondern auch als Plug-in-Hybrid – und in einer vollelektrischen Version namens i5.

Der elektrische BMW i5 ist mit bis zu 442 kW/601 PS elektromotorischer Leistung das Flaggschiff der Baureihe. Was der i5 kann und bietet, haben wir bei einer ausgiebigen Testfahrt versucht zu ermitteln.

BMW i5: Allradlenkung gegen Aufpreis

Heckansicht eines fahrenden BMW i5
Sieht gut aus: Der BMW i5 von hinten© BMW

Erster Eindruck beim Fahren: Man ist im i5 nicht so von der Fahrbahn entkoppelt und der Welt entrückt wie in vielen anderen Elektroautos. Der i5 fährt sich wie ein normaler Fünfer – verbindlich, engagiert und ganz nah bei der Straße. Verantwortlich dafür ist unter anderem ein semiaktives Fahrwerk, an der Hinterachse eine Luftfederung mit Niveauregulierung. Gegen Aufpreis bauen die Bayern auch eine Hinterachslenkung ein, die allerdings nur bis zu 2,5 Grad mitlenkt, weil sich ein BMW nicht anfühlen soll wie ein Gabelstapler. Ohnehin reicht das schon, um den Wendekreis beim Rangieren oder in engen Serpentinen um 30 Zentimeter schrumpfen zu lassen.

BMW i5: Echte Freude am Fahren

Seitenansicht eines fahrenden BMW i5
Die enorme Länge von 5,06 Metern sieht man dem i5 zumindest auf den Bildern nicht an© BMW

Entsprechend flott und flüssig lässt sich der i5 fahren. Stets sicher, auch wenn der Grenzbereich mal nahe kommt. Schon die Basisversion, der BMW i5 eDrive40, schafft den Spurt von 0 auf 100 km/h in glatten 6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 193 km/h elektronisch abgeregelt. Das sind jetzt in der gehobenen Mittelklasse keine überragenden Werte, aber es reicht allemal, um stets schneller zu sein als die Polizei erlaubt. Vor allem glänzt der i5 als lässiger Dauerläufer. Oder wie es BMW gern formuliert: die reinste Fahrfreude (sheer driving pleasure). So etwas bietet tatsächlich kein anderer Hersteller auf diesem Niveau.

Rekuperieren oder Rollen

Der 250 kW/340 PS leistende Elektromotor sitzt BMW-typisch an der Hinterachse. Das Drehmoment wird mit 400 Nm beziffert. In der sogenannten Boostfunktion, die der Fahrer mithilfe eines Paddels am Lenkrad aktiviert, beträgt das Drehmoment 430 Nm.

Bei diesem E-Motor handelt es sich um eine Konstruktion, die ohne Permanentmagneten auskommt und daher auch keine seltenen Erden benötigt – einen Rohstoff, der auf dem Weltmarkt quasi ausschließlich aus China stammt. BMW spricht von einer stromerregten Synchronmaschine. Das bedeutet in der Praxis, dass der Fahrer phasenweise ins "Segeln" kommen kann und dann stromlos rollt. Voraussetzung ist im i5 allerdings, dass man im Menü die niedrigste der drei Rekuperationsstufen einstellt.

In der vom Werk voreingestellten Stufe bremst der i5, sobald der Fahrer den rechten Fuß vom Pedal nimmt. Und gewinnt damit stets einen Teil der Bremsenergie zurück. Der Wagen rekuperiert überdies vorausschauend (adaptiv), wenn sich eine geschlossene Ortschaft, ein Kreisverkehr oder eine Tempozone nähert. Oder wenn der i5 auf ein langsameres Fahrzeug im Verkehr aufläuft. Mit ein bisschen Gewöhnung ist die adaptive Rekuperation eine prima Sache.

Reichweite von bis zu 560 Kilometer

Die Batteriekapazität liegt bei 81,2 kWh netto und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 560 Kilometer nach WLTP. Wenn das mal knapp werden sollte, gibt’s einen neuen "Max Range"-Mode, der konsequenter ist als je zuvor, nicht nur die Leistung drosselt, sondern auch das Tempo auf 90 km/h limitiert und so auf Knopfdruck die Restreichweite um bis zu 25 Prozent streckt.

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An der CCS-Schnellladesäule schwingt sich der i5 zu einer maximalen Ladeleistung von 205 kW auf. Und dürfte damit seinem schärfsten Konkurrenten, dem Mercedes EQE, mindestens ebenbürtig sein auf der Langstrecke – die Messung der Ladekurve steht für den BMW i5 noch aus.

Moderner Innenraum mit großen Displays

Blickfang im Cockpit ist das sanft geschwungene Digitaldisplay hinter dem Lenkrad (BMW nennt es "Curved Display"), das aus einem 12,3 und einem 14,9 Zoll großen Display besteht. Wie bei anderen BMW-Modellen ist das äußerst komplexe System anfangs gewöhnungsbedürftig. Aber es hat sich einiges zum Besseren gewendet – nicht nur, weil BMW den bekannten iDrive-Controller zum Navigieren durch die Bedienebenen nicht aus dem i5 verbannt hat.

So gibt es jetzt eine Reihe von Direktasten in der sogenannten Interaction Bar, einer kleinen Menüleiste unterhalb des zentralen Displays. Auch wurde eine weitere Bedienleiste am unteren Rand des Displays zur Klimabedienung eingeführt. Und nicht zuletzt gibt es die Möglichkeit, Prioritäten auf Funktionskacheln nach persönlichem Bedarf im Display zu setzen.

Freihändig auf der Autobahn fahren

Highlight bei den Assistenzsystemen ist die nächste Generation des Autobahnpiloten, der den Segen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) bekommen hat. Statt wie bislang alle paar Sekunden den Griff zum Lenkrad einzufordern, darf der i5 dauerhaft Tempo, Spur und Abstand regeln, wenn der Fahrer nur trotzdem brav aufmerksam bleibt und die Kamera hinter dem Lenkrad keine Blickablenkung erkennt. Freihändig nach Frankfurt – bis auf ein paar Baustellen, besonders enge Kurven oder Autobahnkreuze – das ist jetzt im neuen Fünfer nicht nur möglich, sondern auch erlaubt. Das Beste daran: Der Autobahnpilot kostet nicht viele Tausend, sondern nur wenige Hundert Euro Aufpreis.

Cockpit im BMW i5
Die Hände dürfen im i5 dauerhaft im Schoss liegen – auf der Autobahn bis 130 km/h © BMW

Die machen sich schon nach den ersten Kilometern auf der Autobahn bezahlt. Denn sobald der Fünfer mit aktiviertem Autobahnpiloten auf einen langsameren Vordermann aufläuft, startet die größte Show, die das neue Modell zu bieten hat: ein automatischer Überholvorgang, für den der Fahrer nicht mehr tun muss, als die ganze Aktion durch einen dezidierten Blick in den Spiegel zu bestätigen. Überholen per Blicksteuerung, das ist aktuell ein ziemlich einzigartiges Feature.

Performance-Version des BMW i5

Der BMW i5 M von vorne fotografiert
An der Front gut zu erkennen: Die 442 kW starke i5-M-Version© ADAC/Wolfgang Rudschies

Wem die Basisversion i5 eDrive40 zu zahm erscheint, der kann sich darüber Gedanken machen, ob es sich lohnt, noch 30.000 Euro mehr auf den Tisch zu legen. Ab rund 100.000 Euro gibt es nämlich eine Performance-Version des i5. Der i5 M60 xDrive bietet 442 kW und 820 Nm Drehmoment, eine Beschleunigung von 3,8 Sekunden und eine Autobahn-Geschwindigkeit von bis zu 230 Sachen. Wer gern Auto fährt und nicht auf den Euro schauen muss, wird beglückt sein. Mit welcher Macht und Leichtigkeit man auf der Landstraße vorausfahrende Autos überholen kann, das ist ziemlich einzigartig. Und die im Vergleich zum i5 nochmals gesteigerte Fahrpräzision des i5 M60, die ist nahezu unglaublich.

BMW i5 Touring: Elektro-Kombi auf Top-Niveau

Erfreulich auch, dass BMW eine Kombiversion des i5 mit entwickelt hat. Denn noch sind elektrische Kombis rar. Der i5 Touring bietet einen Kofferraum von guten 570 Litern. Klappt man die Rücksitzlehnen um, entsteht ein Transportraum von 1700 Litern. Die großzügigen Platzverhältnisse innen basieren auf einem enormen Radstand von fast genau drei Metern (2995 mm).

Dass die Heckklappe weit nach oben schwingt und die Ladekante tief herunterreicht, macht das Beladen besonders bequem. BMW betont, dass auch die Breite der Gepäckraumöffnung im Vergleich zum Touring der siebten 5er Generation deutlich größer geworden ist. Staufächer unter dem Laderaumboden ermöglichen die Unterbringung der Kassetten für das Gepäckraumtrennnetz und die flexible Kofferraumabdeckung. Wer einen Anhänger ziehen will mit dem i5 Kombi, darf sich auf eine erlaubte Last von 1500 Kilogramm berufen.

Preislich startet der i5 Touring bei 72.200 Euro für den i5eDrive40 und liegt damit exakt 2000 Euro über der Limousine. Der stärkere i5 M60 xDrive kostet stolze 101.500 Euro.

BMW i5: Technische Daten, Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

BMW i5 eDrive40 (ab 10/23)

BMW i5 M60 xDrive (ab 10/23)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

250
442

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

340
601

Drehmoment (Systemleistung)

430 Nm
820 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,0 s
3,8 s

Höchstgeschwindigkeit

193 km/h
230 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

582 km
511 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,9 kWh/100 km
18,4 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

83,9
83,9

Batteriekapazität (Netto) in kWh

81,2
81,2

Ladeleistung (kW)

AC:11,0-22,0 DC:205,0
AC:11,0-22,0 DC:205,0

Kofferraumvolumen normal

490 l
490 l

Leergewicht (EU)

2.205 kg
2.380 kg

Zuladung

535 kg
515 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg
2.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

Keine
Keine

Länge x Breite x Höhe

5.060 mm x 1.900 mm x 1.515 mm
5.060 mm x 1.900 mm x 1.505 mm

Grundpreis

70.200 Euro
99.500 Euro

Text: Thomas Geiger, Jochen Wieler, Wolfgang Rudschies

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