Lastindex: So belastbar ist ein Autoreifen

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Von Jochen Wieler

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Aufschrift eines Autoreifens im Detail
Im Foto ein XL-Reifen mit hoher Traglast ("Extra Load")© iStock.com/Octavian Lazar

Was es mit dem sogenannten Lastindex bei Reifen auf sich hat, wissen nur die wenigsten Autofahrer. Ganz unwichtig ist der auch Tragfähigkeitsindex genannte Wert aber nicht. Alles Wissenswerte dazu sagt der ADAC.

  • Lastindex: So viel Gewicht darf ein Reifen schultern

  • Wert steht u.a. verschlüsselt auf der Reifenflanke

  • Schwere Fahrzeuge brauchen einen höheren Index

Lastindex bei Reifen: Warum Tragfähigkeit wichtig ist

Wer neue Reifen für sein Auto kauft, stößt neben der Reifengröße auf eine Reihe weiterer Zahlen und Buchstaben. Eine davon ist der sogenannte Lastindex, auch Tragfähigkeitsindex genannt. Die meisten Autofahrer schenken ihm wenig Beachtung. Dabei gehört der Lastindex zu den wichtigsten Sicherheitsmerkmalen eines Reifens. Wird ein Reifen mit zu geringer Tragfähigkeit montiert, kann dies nicht nur gefährlich werden, sondern auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Was bedeutet der Lastindex?

Der Lastindex gibt an, welche maximale Last ein einzelner Reifen tragen darf. Er wird als zweistellige oder dreistellige Zahl auf der Reifenflanke angegeben und ist Bestandteil der vollständigen Reifenbezeichnung.

Beispiel: 225/45 R17 94W. In dieser Kennzeichnung steht die Zahl 94 für den Lastindex. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Gewicht der Reifen maximal tragen kann. Der Wert selbst wird nicht direkt in Kilogramm angegeben, sondern muss über eine genormte Tabelle entschlüsselt werden. Der Lastindex von 94 in unserem Beispiel entspricht einer Tragfähigkeit von 670 Kilogramm pro Reifen.

Tabelle: Häufige Lastindex-Werte im Überblick

Die Tabelle zeigt beispielhaft einen Ausschnitt der genormten Traglast-Skala.

LastindexTragfähigkeit pro Reifen in kg

85

500

88

560

91

615

92

630

94

670

95

690

97

730

99

775

102

850

105

925

Wo findet man den vorgeschriebenen Lastindex?

Reifenkennzeichnung
Diese Bezeichnungen finden sich auf jeder Reifenflanke© ADAC e.V.

Der Lastindex des Reifens selbst ist auf dessen Reifenflanke (siehe Grafik) angegeben. Welcher Lastindex für ein Fahrzeug vorgeschrieben ist, steht wiederum in den Fahrzeugunterlagen. Relevant sind insbesondere:

  • Die Zulassungsbescheinigung Teil I ("Fahrzeugschein"). Dort findet sich unter den Feldern 15.1 und 15.2 eine eingetragene Reifengröße für die Vorder- und Hinterachse. Der Lastindex ist in der Regel direkt genannt.

  • Die CoC-Bescheinigung (Certificate of Conformity) ist noch aussagekräftiger. Das Dokument gehört zu jedem Fahrzeug mit EU-Typgenehmigung und listet alle zulässigen Rad-Reifen-Kombinationen einschließlich Last- und Geschwindigkeitsindex auf. Somit lassen sich auf einen Blick alle vom Hersteller freigegebenen Kombinationen aus Felgen- und Reifengrößen einsehen.

Bei modernen Fahrzeugen ist in der Zulassungsbescheinigung oft nur eine Reifendimension eingetragen. Weitere zulässige Reifenkombinationen finden sich meist in den CoC-Papieren.

So lässt sich die Tragfähigkeit berechnen

Da die Belastung eines Fahrzeugs in der Regel nicht gleichmäßig auf Vorder- und Hinterachse verteilt ist, muss die Tragfähigkeit der Reifen achsweise betrachtet werden. Ein Lastindex von 94 entspricht 670 Kilogramm pro Reifen. Auf einer Achse ergibt sich damit eine Tragfähigkeit von 1340 Kilogramm, die mindestens der maximal zulässigen Achslast entsprechen muss (siehe Zulassungsbescheinigung Teil I unter den Punkten 8.1 und 8.2 für Vorder- und Hinterachse).

Umgekehrt lässt sich der erforderliche Lastindex über die maximale Achslast aus der Zulassungsbescheinigung berechnen. Ist dort beispielsweise eine zulässige Hinterachslast von 1240 Kilogramm angegeben, muss jeder Reifen 620 Kilogramm tragen können. Laut Lastindex-Tabelle ist dann ein Index von 91 (615 Kilogramm) nicht mehr ausreichend. In diesem Fall müssen Reifen mit einem Lastindex von 92 (entspricht 630 Kilogramm) montiert werden.

Darf der Lastindex höher sein als vorgeschrieben?

Ja. Ein Reifen mit einem höheren Lastindex kann in der Regel problemlos verwendet werden, sofern alle anderen Anforderungen erfüllt sind. Beispielsweise kann anstelle eines Reifens mit Lastindex 91 auch ein Modell mit Lastindex 94 oder 95 montiert werden. Für den normalen Pkw-Betrieb ergeben sich daraus meist keine Nachteile.

Darf der Lastindex niedriger sein?

Nein. Ein niedrigerer Lastindex als vorgegeben ist grundsätzlich nicht zulässig. Der Grund: Wird ein Reifen über seine zulässige Tragfähigkeit hinaus belastet, steigt die Gefahr von übermäßiger Erwärmung. Dies kann zu Reifenschäden und Reifenplatzern, längeren Bremswegen und instabilem Fahrverhalten führen.

Zusätzlich kann die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erlöschen. Im Fall eines Unfalls können außerdem versicherungsrechtliche Probleme entstehen.

Lastindex und Geschwindigkeit gehören zusammen

Der Lastindex darf nicht isoliert betrachtet werden. Seine Gültigkeit bezieht sich auf bestimmte Betriebsbedingungen und steht in engem Zusammenhang mit dem Geschwindigkeitsindex des Reifens.

Die maximale Tragfähigkeit einer Bereifung hängt je nach Geschwindigkeitskategorie von der möglichen Höchstgeschwindigkeit des jeweiligen Fahrzeuges ab.

Bei sehr hohen Geschwindigkeiten nimmt die Belastbarkeit eines Reifens unter Umständen ab und es kann zu Tragfähigkeitsabschlägen kommen. Deshalb müssen die Vorgaben der Reifenhersteller sowie die zulässigen Kombinationen aus Last- und Geschwindigkeitsindex eingehalten werden.

Die Tragfähigkeit ist abhängig vom Fülldruck

Die Tragfähigkeit eines Reifens hängt nicht nur vom Lastindex, sondern auch vom Reifenfülldruck ab. Die in Lastindex-Tabellen angegebenen Tragfähigkeitswerte gelten nur unter Normbedingungen. Ein zu niedriger Fülldruck verringert die mögliche Tragfähigkeit und kann zu erhöhter Erwärmung sowie zu Reifenschäden führen.

Beispielsweise steht ein Lastindex 88 für eine maximale Tragfähigkeit von 560 Kilogramm pro Reifen. Dieser Wert wird bei Standard-Pkw-Reifen üblicherweise erst bei einem Reifenfülldruck von 2,5 bar erreicht. Sinkt der Fülldruck, reduziert sich auch die zulässige Belastbarkeit des Reifens.

Daher sollte stets der vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene Reifenfülldruck eingehalten werden. Die entsprechenden Angaben finden sich in der Betriebsanleitung oder auf dem Reifendruckaufkleber am Fahrzeug. Auch Reifenhersteller stellen Tragfähigkeits-Luftdrucktabellen für normale Pkw-Reifen und XL-Reifen bereit.

Die Beispieltabelle zeigt, wie sich die Tragfähigkeit mit unterschiedlichem Reifendruck verändert.

Lastindex / Tragfähigkeit in kg bei Luftdruckbei 2,1 barbei 2,3 barbei 2,5 bar

90

520

560

600

92

550

590

630

94

585

625

670

XL-Reifen: Mehr Tragfähigkeit für schwere Fahrzeuge

Ein Mercedes VLE steht auf einer Straße
Der elektrische Mercedes VLE hat ein erlaubtes Gesamtgewicht von bis zu 3,7 Tonnen. Die Reifen müssen entsprechend ausgelegt sein© Mercedes

Viele moderne Fahrzeuge – insbesondere Elektroautos, SUVs und Vans – benötigen Reifen mit erhöhter Tragfähigkeit. Diese werden häufig mit dem Kürzel "XL" (Extra Load)/Reinforced gekennzeichnet. Ein XL-Reifen kann die höhere Tragfähigkeit nur deshalb erreichen, weil er für höhere Betriebsdrücke ausgelegt ist. Die verstärkte Karkasse allein würde nicht ausreichen: Die zusätzliche Tragfähigkeit steht erst bei entsprechend erhöhtem Fülldruck zur Verfügung. Die tatsächlich zulässige Belastung hängt daher immer von der Kombination aus Lastindex und Reifenfülldruck ab.

Typische Gründe für ihren Einsatz sind ein hohes Fahrzeuggewicht, große und damit schwere Batterien bei Elektroautos oder eine hohe Zuladung. Wichtig: Ist in den Fahrzeugunterlagen ausdrücklich ein XL-Reifen vorgeschrieben, darf dieser nicht durch einen Standardreifen ersetzt werden.

Was gilt bei Winterreifen?

Auch bei Winter- und Ganzjahresreifen muss der vorgeschriebene Lastindex eingehalten werden. Die Tragfähigkeit des Reifens muss stets ausreichend sein. Wer von Sommer- auf Winterreifen wechselt, sollte daher nicht nur auf die richtige Reifengröße achten, sondern auch den Lastindex prüfen.

Fazit

Der Lastindex ist weit mehr als eine unscheinbare Zahl auf der Reifenflanke. Er definiert die maximale Tragfähigkeit eines Reifens und ist damit ein entscheidender Faktor für Sicherheit, Fahrstabilität und die Zulässigkeit der Bereifung. Während ein höherer Lastindex meist problemlos verwendet werden kann, ist eine Unterschreitung der vorgeschriebenen Werte nicht erlaubt.

Wer neue Reifen kauft, sollte deshalb stets kontrollieren, ob Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex den Herstellervorgaben entsprechen, um sicher und vorschriftsmäßig unterwegs zu sein.

Fachliche Beratung: Felix Henning, ADAC Technik Zentrum