Alkohol am Steuer: Alles zu Wirkung, Restalkohol und Abbau

Frauen trinken Alkohol im Kofferraum eines Autos
Wer Alkohol trinkt, sollte das Auto besser stehen lassen© iStock.com/Todor Tsvetkov

Alkohol am Steuer erhöht das Unfallrisiko. Welche Folgen auch schon bei geringen Promillewerten drohen und warum Restalkohol nicht unterschätzt werden darf.

  • Alkoholisierte Unfallverursacher waren meist absolut fahruntüchtig

  • Auch unter 0,5 Promille kann es zu Problemen kommen

  • Blutalkoholkonzentration abhängig von verschiedenen Faktoren

Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2021 insgesamt 16.426 Personen bei einem alkoholbedingten Unfall. Jeder 16. getötete Verkehrsteilnehmer starb im Jahr 2021 infolge eines Alkoholunfalls, insgesamt wurden dabei 165 Menschen getötet.

Es gibt zwar insgesamt weniger Alkoholunfälle mit Personenschaden im Straßenverkehr: Die Zahl hat sich zwischen 1975 und 2021 um rund 74 Prozent verringert. Aber die Pkw-Fahrerinnen und Fahrer, die daran beteiligt waren, hatten in 70 Prozent der Fälle mehr als 1,1 Promille und waren damit absolut fahruntüchtig.

Schon geringe Mengen Alkohol problematisch

Autofahrer müssen in kürzester Zeit zahlreiche Informationen und Sinneseindrücke aufnehmen und verarbeiten. Manchmal wird eine Reaktion im Bruchteil einer Sekunde notwendig, um z. B. einen Unfall zu vermeiden. Dies erfordert schon in nüchternem Zustand körperliche und geistige Höchstleistungen. 

Viele Autofahrende sind sich nicht bewusst, dass auch der Konsum von geringen Mengen Alkohol Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit hat. Alkohol beeinflusst zum Beispiel das Konzentrations- und Wahrnehmungsvermögen negativ. Außerdem steigt die Risikobereitschaft, Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt. Besonders gefährlich kann die Kombination aus Alkohol und Medikamenten sein. Wer Medikamente einnehmen muss, sollte sich durch den behandelnden Arzt oder die Apothekerin fachlich beraten lassen.

Auswirkungen von Alkohol

Mit steigender Alkoholkonzentration erhöht sich auch die Wirkung. Aber Achtung: Bereits kleinere Mengen können zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen. Die individuelle akute Wirkung von Alkohol hängt von zahlreichen Faktoren ab, etwa vom Gesundheitszustand, Alter und Gewöhnung.

Gemäß der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)* können folgende Blutalkoholwerte und die dazugehörigen Wirkungen bei Erwachsenen als Orientierung dienen. Wichtig ist, dass die tatsächliche Reaktion auf eine bestimmte Menge Alkohol aufgrund individueller Faktoren deutlich abweichen kann.

Bereits ab 0,2 Promille können sich beispielsweise Konzentrationsvermögen und Bewegungskoordination verschlechtern, ab 0,5 Promille werden die Reaktionen immer langsamer. Dafür steigt die Risikobereitschaft. Zur Enthemmung kommt es ab 0,8 Promille. Jetzt sorgt der Alkohol auch für einen Tunnelblick, also die Einschränkung des Gesichtsfelds: Ähnlich wie bei einem Blick durch den Tunnel werden Gegenstände nur noch in ungefährer Blickrichtung wahrgenommen, seitlich beziehungsweise darüber oder darunter befindliche Objekte nicht mehr.

Ab 3,0 Promille: Akute Alkoholvergiftung

Ab 1,0 Promille beginnt dann das Rauschstadium mit Gleichgewichts-, Seh- und Sprachstörungen, ab 2,0 Promille das Betäubungsstadium mit Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung. Die schwere, akute Alkoholvergiftung setzt etwa bei 3,0 Promille ein – mit Bewusstlosigkeit und dem Verlust der Körperreflexe.

Promillewert

Auswirkungen


0,2 Promille

  • Wahrnehmung, Gefühle, Verhalten verändern sich
  • Konzentrationsvermögen und Bewegungskoordination sinken
  • Hang zu weiterem Alkoholkonsum steigt


0,5 Promille

  • Reaktionen werden langsamer
  • Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt
  • Risikobereitschaft steigt


0,8 Promille

  • Reaktionen sind deutlich verlangsamt
  • Gleichgewichtssinn wie Konzentrationsfähigkeit sind gestört
  • "Tunnelblick" und Enthemmung


1,0 Promille

  • Rauschstadium beginnt
  • Gleichgewichts-, Seh- und Sprachstörungen (Torkeln, Lallen)
  • Bereitschaft zur Aggression steigt


2,0 Promille

  • Betäubungsstadium setzt ein
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Erbrechen
  • Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung


3,0 Promille

  • Schwere, akute Alkoholvergiftung beginnt
  • Gedächtnisverlust, Bewusstlosigkeit oder Tiefschlaf und Verlust der Körperreflexe


ab 4,0 Promille

  • es kommt zu Lähmungen
  • der Mensch fällt ins Koma
  • durch Atemstillstand oder das Einatmen von Erbrochenem kann spätestens ab 4 Promille der Tod eintreten


* Quelle: Infomaterial -– Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) https://www.dhs.de/, zuletzt abgerufen am 25.05.2022

Restalkohol: So lange dauert der Abbau

Die Menge an Restalkohol, die sich am Morgen nach einem feucht-fröhlichen Abend noch im Blut befindet, wird oft unterschätzt. Die Geschwindigkeit des Alkoholabbaus beträgt etwa 0,1 Promille pro Stunde. Das bedeutet: Wer bis spät in die Nacht feiert und dabei auf Alkohol nicht verzichtet, für den besteht die Gefahr, dass er selbst am nächsten Morgen nicht fahrtauglich ist. Erst im Lauf des Tages baut sich Restalkohol vollständig ab.

Blutalkoholkonzentration bei Frauen anders

Junge Frau bei einer Alkoholkontrolle am Tag
Restalkohol vom Vortag und Übermüdung: Die Gefahr wird häufig unterschätzt© ADAC/Markus Hannich

Menschen vertragen Alkohol unterschiedlich gut, dies hängt zum Beispiel ab von Geschlecht, Größe und Gewicht. Grobe Anhaltspunkte für die Blutalkoholkonzentration bietet die Widmark-Formel: So hat ein Mann mit 80 Kilo Gewicht, der zum Beispiel vier Bier à 0,5 Liter mit einem Alkoholgehalt von fünf Volumenprozent zu sich nimmt, theoretisch eine Blutalkoholkonzentration von ca. 1,4 Promille.

Für eine exakte Berechnung der Blutalkoholkonzentration sind allerdings auch Faktoren wie Magenfüllung oder Trinkgeschwindigkeit wichtig. Wenn man davon ausgeht, dass zum Beispiel um 1 Uhr morgens eine Blutalkoholkonzentration von 1,4 Promille vorliegt und ca. 0,1 Promille pro Stunde abgebaut werden, bedeutet dies, dass die 0,3-Promille-Grenze erst um die Mittagszeit unterschritten wird.

Aber Achtung: Promille-Berechnungen bilden immer nur einen Orientierungswert. Der menschliche Körper ist schließlich keine Maschine.

Keine Wundermittel und Abbau-Beschleuniger

Wundermittel und Promille-Abbau-Beschleuniger gibt es nicht. Da hilft auch kein Schlafen, Schwitzen, Kaffeetrinken oder Duschen.

Alkohol am Steuer – rechtliche Folgen

Restalkohol, Übermüdung und Kater können das Reaktionsvermögen negativ beeinflussen. Wer dann einen Fahrfehler begeht, den Verkehr gefährdet oder einen Unfall verursacht, muss schon ab 0,3 Promille Blutalkohol mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe, Punkten und Führerscheinentzug rechnen.

Wenn der 80-Kilo-Mann aus dem obigen Beispiel nach vier Bier eine Blutalkoholkonzentration von ca. 1,4 Promille hat und dann ein Kraftfahrzeug fährt, drohen ihm eine Geld- oder Freiheitsstrafe, drei Punkte und mindestens neun Monate Führerscheinentzug. Möglicherweise muss er sogar zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU). Bei einem Unfall wird es teuer: Es droht ein Regress der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung bis 5000 Euro und die Kaskoversicherung kann die Leistung voll oder teilweise kürzen.

Probezeit: Absolutes Alkoholverbot

Für Personen vor Vollendung des 21. Lebensjahres und für alle Fahranfänger in der Probezeit gilt bei Fahrten mit dem Kraftfahrzeug ein absolutes Alkoholverbot.

Radfahrende müssen die Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit von 1,6 Promille beachten, um keine Straftat zu begehen. Hier finden Sie mehr Informationen zur Promillegrenze beim Fahrrad.

Mehr Infos über Promillegrenzen und Strafen, wenn Sie mit zu viel Alkohol erwischt werden.

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