Honda CR-V: Kompakt-SUV im ADAC Test

21.1.2019

Die neue Generation des Honda CR-V überzeugt mit viel Platz, hohem Komfort und besseren Assistenzsystemen. Wie schlägt sich der 193-PS-Benziner im ADAC Test? Testergebnisse, technische Daten, Preise, Verbrauch

  • Der neue C-RV hat mehr Komfort, bessere Assistenzsysteme & 3. Sitzreihe
  • Konkurrenten: VW Tiguan, Mazda CX-5, Nissan Qashqai, Renault Kadjar, Peugeot 3008
  • Hoher Verbrauch im ADAC Ecotest: 8,9 Liter Super/100 km
  • Preise beginnen bei 28.490 Euro

 

Das ist bitter für Honda: 2018 wurden gerade einmal 4717 CR-V an den Mann gebracht. Zum Vergleich: Der Mazda CX-5 kam auf 20.025 Stück und der Nissan Qashqai auf 22.143. Und das, obwohl der CR-V laut Honda seit 2012 der meistverkaufte SUV weltweit ist. Wie geht das zusammen?

Der europäische Markt scheint für Honda keinen großen Stellenwert zu haben: Die Japaner fokussieren sich auf Japan, USA und boomende Schwellenländer. Der Nachfolger der CR-V zeigt dies – nicht nur beim Design – allzu deutlich: So wird die aktuell fünfte Generation in dieser Form bereits seit Ende 2016 in den USA verkauft. Die für Europa angepasste Version ist dagegen erst im Oktober 2018 in den Handel gekommen.

Motoren: Es gibt nur einen Benziner und einen Hybrid

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Roter Honda CR V fahrend von hinten
Honda CR-V: Optisch auf den US-Geschmack getrimmt

Und der neue Kompakt-SUV kommt ohne Dieselmotor. Auf den Selbstzünder verzichtet Honda ganz, weil er in der restlichen Welt keine Rolle spielt und in Europa die Nachfrage stark zurückgegangen ist. Ein mutiger Schritt, denn trotz Abgaskrise haben sich beim alten CR-V auch zuletzt noch rund 30 Prozent für einen Diesel entschieden.

Dass dadurch Kunden abspringen, befürchtet Honda dagegen nicht: "Wir haben sehr viele loyale Kunden, die der Marke treu bleiben", hofft Kai Cvetko von Honda Deutschland. Dennoch ein Experiment. Der CR-V wird mit nur als Benziner und als Benzin-Hybrid angeboten. Im ADAC Test: Der 1,5-Liter-Turbo-Benziner mit Allradantrieb, der mit CVT-Automatikgetriebe 193 PS leistet. Die Version mit Schaltgetriebe hat 20 PS weniger und kommt auf 173.

Im 1,6 Tonnen schweren CR-V sorgt der Antrieb für durchaus flotte, wenn auch nicht rekordverdächtige Fahrleistungen: Honda gibt den Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h mit glatten zehn Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Den Zwischensprint von 60 auf 100 km/h erledigt der Japaner in gemessenen 5,1 Sekunden.

Das stufenlose Automatikgetriebe macht seine Sache sehr gut und simuliert sieben Schaltstufen. Vorteil: Beim starken Beschleunigen verharrt der Motor nicht wie bei anderen Autos mit CVT-Getriebe bei hohen Drehzahlen und nervt durch lautes Geheule, ähnelt vielmehr einer konventionellen Wandlerautomatik. Und ist daher ähnlich komfortabel.

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Verbrauch im ADAC Ecotest: 8,9 Liter Super

Beim Verbrauch verspricht Honda zwischen 6,3 (Frontantrieb, Schaltgetriebe) und 7,1 Liter Super im Schnitt für die getestete Version mit Allradantrieb und CVT-Getriebe. Diese Traumwerte ließen sich im realitätsnahen ADAC Ecotest nicht realisieren. Im Schnitt genehmigte sich der Japaner, der in der getesteten Version ohne Start-Stopp-Automatik auskommen muss, unzeitgemäß hohe 8,9 Liter Super auf 100 Kilometer. Auf der Autobahn sogar 11,1 Liter.

Gute Noten gibt es dafür nicht, zumal auch der Kohlenmonoxid-Ausstoß auf der Autobahn stark erhöht ist. Die Partikelemissionen, ein Problem bei Benzin-Direkteinspritzern, hat Honda dagegen im Griff. Unter dem Strich erhält der CR-V nur zwei von fünf Sternen im Ecotest. Sparsamer soll die Hybridversion des CR-V sein (siehe Fahrbericht unten), was wir demnächst überprüfen werden.

Gegen Aufpreis: CR-V als Siebensitzer

Erstmals gibt es den CR-V der fünften Generation auch als Siebensitzer – bei gleicher Fahrzeuglänge von 4,60 m. Die kompakten Maße lassen aber nur wenig Raum für die dritte Sitzreihe. Entsprechend eingeengt fühlt man sich ganz hinten. Wer größer ist als 1,70 m stößt mit dem Kopf am Dach an, und weil man auch nicht so recht weiß, wohin mit den Füßen, die stets Tuchfühlung mit der Reihe davor haben, kann von vollwertigen Plätzen leider nicht die Rede sein.

Sinnvoller erscheint daher der getestete Fünfsitzer, der im Fond mit wirklich guter Beinfreiheit glänzt und im sehr großen und gut nutzbaren Kofferraum auch ausladendes Reisegepäck problemlos schlucken sollte. Bis unter die Kofferraumabdeckung passen laut ADAC Messung gute 510 Liter und umgeklappt bis unters Dach sogar 1625.

Ebenfalls gut: Die Ladekante ist niedrig und der Einstieg wegen der für einen SUV überraschend niedrigen Karosserie sehr bequem: Die hinteren Türen öffnen um fast 90 Grad.

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Gegenschall soll den Lärm minimieren

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Honda CR V Cockpit
Aufgeräumtes Cockpit mit Touchscreen und CVT-Getriebe

Auch die Federung darf sich mit dem Prädikat "komfortabel" schmücken und absorbiert Unebenheiten gekonnt. Sportliche Gene stecken daher nicht im komfortorientierten Honda, was sich im wenig dynamischen Fahrverhalten zeigt. Trotzdem absolviert der CR-V den anspruchsvollen ADAC Ausweichtest souverän und stets sicher. Das ESP greift gezielt und feinfühlig ein.

Interessant: Um den Geräuschkomfort zu steigern, hat Honda großen Aufwand betrieben. Neben einer guten Dämmung, kommt auch eine aktive Geräuschkompensation ANC (Active Noise Control) zum Einsatz. Zwei Mikrofone überwachen die Lärmbelastung. Bei Bedarf werden entgegengesetzte Audiosignale erzeugt, um die Geräusche zu neutralisieren. Störendes Dröhnen ist dem CR-V damit tatsächlich fremd, gegen Windgeräusche bei höherem Tempo bringt das System aber nichts. Bei Tempo 130 liegt ein Schalldruckpegel von 68,1 dB(A) an – besonders leise ist das nicht.

Die verwendeten Materialien im Innenraum machen auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, doch beim genaueren Hinsehen zeigen einige Stellen, dass gespart wurde. Die hinteren Türverkleidungen etwa sind aus billigem Hartplastik gefertigt und die A-Säulen müssen ohne Stoffüberzug auskommen. Zudem fallen die Spaltmaße an der Heckklappe sehr groß aus.

Dass die Assistenzsysteme vom Totwinkel- über Notbrems- bis zum Ausparkassistent auf den neuesten Stand gebracht worden sind, versteht sich bei einem neuen Auto schon fast von selbst. Dass Apple CarPlay, Android Auto, Rückfahrkamera und ein Navigationssystem bereits ab der zweiten Ausstattungsstufe serienmäßig an Bord sind noch nicht.

Die Grundversion namens Comfort mit Schaltgetriebe und Frontantrieb bringt immerhin schon LED-Scheinwerfer, Alarmanlage und 17-Zoll-Alufelgen mit und liegt preislich bei 28.490 Euro. Das getestete Modell kommt in Elegance-Ausstattung auf knapp 36.000 Euro mit Rückfahrkamera und 18-Zoll-Felgen.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Honda CR-V 1.5 Turbo Elegance 4WD Automatik.

 

Technische Daten (Herstellerangaben)
Honda CR-V 1.5 Turbo Elegance 4WD Automatik
Motor
Vierzylinder-Turbobenziner, 1498 cm3, 142 kW/193 PS, 243 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen 10,0 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze
Verbrauch
7,1 l Super/100 km, 162 g CO2/km
Maße
L 4,60 / B 1,86 / H 1,69 m
Kofferraum
561 – 1756 l (5-Sitzer)
Leergewicht / Zuladung
1598 kg / 752 kg
Anhängelast ungebremst / gebremst  600 kg / 1500 kg 
Preis
35.890 Euro, Modellreihe ab 28.490 Euro
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,1 s 
Bremsweg aus 100 km/h
37,7 m
Wendekreis 11,9 m
Testverbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
8,9 l Super/100 km , 237 g CO2/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC EcoTest (max. 5 Sterne)
**
Reichweite
640 km
Innengeräusch bei 130 km/h 68,1 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1600 / 750 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 510 / 955 / 1625 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,7
Karosserie/Kofferraum 2,5
Innenraum 2,4
Komfort 2,7
Motor/Antrieb 1,7
Fahreigenschaften 
2,8
Sicherheit
2,1
Umwelt/EcoTest
4,1

 

  • Das hat uns gefallen: Guter Federungskomfort. Viel Platz für Insassen und Gepäck. Sehr hohe Zuladung. Umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung.
  • Das hat uns nicht gefallen: Kein Start-Stopp System in Verbindung mit Automatikgetriebe. Durstiger Benziner. Beifahrersitz ohne Höhenverstellung. Heckklappe mit geringer Öffnungshöhe.
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Schon gefahren: Das kann die Hybrid-Version des Honda CR-V

Ab Februar 2019 wird der Honda CR-V auch als Hybridversion angeboten. Ist sie ein guter Ersatz für die gestrichene Dieselversion? Nicht ganz, wie wir auf ersten Testfahrten feststellen konnten.

Weil Honda auf ein ungewöhnlich starkes Elektroaggregat setzt, dient vornehmlich der E-Motor mit 135 kW (184 PS) als Antrieb. Der 145-PS-Verbrenner dient zum einen zur Stromerzeugung und zum anderen greift er dann ein, wenn es flotter vorangehen soll.

Wie bei vielen Elektroautos üblich, verzichtet Honda dabei auf ein Getriebe mit verschiedenen Übersetzungsstufen. Das E-Aggregat dreht einfach immer höher und beschleunigt so bis auf maximal 180 km/h, die der CR-V auch problemlos erreicht. Bei starker Beschleunigung oder hoher Geschwindigkeit muss der Benziner die dafür nötige Energie mit Hilfe höherer Drehzahlen bereitstellen.

Am wohlsten fühlt sich der Hybrid aber bei moderatem Reisetempo. Wird der Abstandstempomat zwischen 120 oder 130 km/h einstellt, gleitet der zudem recht komfortable CR-V angenehm ruhig dahin. Allerdings geht es bei diesem Tempo bereits mit dem Verbrauch nach oben – Autobahn-Viel- und Schnellfahrer wären hier mit einem Diesel besser bedient. Im Stadt- oder Landstraßenverkehr ist es dagegen ein Leichtes, einen Wert um den Normverbrauch von 5,3 Liter Super zu erreichen.

Wegen der Batterie im Heck schrumpft nicht nur das Kofferraumvolumen von 561 auf 497 Liter, auch eine dritte Sitzreihe ist nicht bestellbar.

Zum Preis: Der Hybrid kostet mindestens 32.290 Euro, die Topversion liegt bei 43.590 Euro.

Text: Jochen Wieler mit Material von SP-X, Fotos: PR.

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