Exklusiv: Erster Test des Škoda Karoq

11.1.2019

Im 300 Punkte umfassenden ADAC Autotest muss der neue Škoda Karoq beweisen, was er kann. Dazu alle Fakten, technische Daten und Preise des Kompakt-SUV. Gesamturteil: Note 2,3. Plus: Ergebnisse im Euro-NCAP-Crashtest

  • Der Škoda Karoq ist der Nachfolger des erfolgreichen Yeti
  • 4,38 Meter lang auf Basis des VW Tiguan
  • Bequemer Einstige, komfortable Sitze, einfache Bedienung
  • Der Grundpreis liegt bei 24.890 Euro

 

Fahrzeuge der Gattung SUV sind gefragt wie nie zuvor. Abgesehen von Ferrari und Aston Martin gibt es kaum einen Hersteller, der aktuell kein solches Modell anbietet. Gerade erst sind wieder eine Reihe dieser "Sport Utilitiy Vehicles" (ursprünglich mal abgespeckte Geländewagen, die sich heute hauptsächlich durch ihre erhöhe Sitzposition auszeichnen) im Segment der Kompaktwagen erschienen. Die Palette reicht vom Seat Ateca über den Citroën C5 Aircross bis hin zum neuen Toyota RAV4. Und eben dem Škoda Karoq.  

Den Karoq als kleinen Bruder des Škoda Kodiaq hat der ADAC nun getestet. Mit 4,38 Metern Länge ist er ein SUV der Kompaktklasse im Baukasten des VW-Konzerns. Obwohl zehn Zentimeter kürzer als der VW Tiguan, liefert er insgesamt ein mehr als ordentliches Platzangebot.

In das Gepäckabteil passen immerhin 430 Liter, gemessen bis unter das Abdeckrollo. Wird mehr Stauraum benötigt, lassen sich die Rücksitze standardmäßig nur umklappen. Will man sie verschieben oder ganz herausnehmen, muss das Sitzsystem Varioflex (Aufpreis: 390 €) als Extra geordert werden.


Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Wie von Škoda gewohnt, hat der Karoq Sinn für Details. An der Windschutzscheibe gibt es einen Kartenhalter, für den Fond lässt sich eine Halterung fürs Tablet bestellen (50 Euro). Sogar der Kofferraum überzeugt mit witzigen Details für den Alltag. So kann die Beleuchtung etwa als Taschenlampe fungieren, es stehen drei kleine Staufächer für Krimskrams zur Verfügung, und an den Seiten ist je eine Schiene mit zwei verschiebbaren Haken zum Anhängen von Einkaufstüten befestigt.

Die optionale Anhängerkupplung lässt sich per Knopfdruck aus- und einklappen, die Heckklappe öffnet sich elektrisch oder per Fußbefehl (wenn keine Hand frei ist), im Fond gibt es eine 230-Volt-Steckdose, und das Abdeckrollo hebt sich automatisch beim Öffnen der Heckklappe. Außerdem kann man die Beifahrersitzlehne umklappen, um besonders lange Gegenstände im Innenraum zu transportieren. In Sachen Variabilität trumpft der Škoda Karoq wie ein Familien-Van mit Bestnoten auf.

Die Bedienung ist weitgehend problemlos

Vorn sitzt man, wie von einem SUV erwünscht, leicht erhöht und sehr bequem. Die als Extra erhältlichen digitalen Anzeigen im Cockpit sind – nach dem Muster des Technologievorreiters Audi – individuell konfigurierbar. Sämtliche Bedienelemente scheinen am rechten Platz. Mit zwei kleinen Ausnahmen: Statt der umständlichen Plus-Minus-Touchscreen-Tasten für die Lautstärke wäre ein Drehknopf besser.

Darüber hinaus fehlt eine Direkttaste, mit der man die Navigationskarte auf den Bildschirm holt. Alternativ gibt es dafür Lautstärkeregler am Lenkrad und eine Sprachsteuerung für das Navi. Hinter dem Steuer tut sich die neue Welt des VW-Konzerns auf.

Praktisch ist es, eine Stadt durch einfachen Fingertipp auf der Karte als neues Navigationsziel einzugeben. Und die Zwei-Finger-Funktion zum Vergrößern oder Verkleinern des Kartenmaßstabs macht die Bedienung kinderleicht. Die Anbindung eines Smartphones empfiehlt sich per Apple Carplay oder Android Auto. Dass sich Škoda bei der Klimatisierung für altmodische Knöpfe und Tasten entschieden hat, ist übrigens kein Fehler – nicht nur mit Blick auf die ältere Kundschaft. So muss man sich nicht durch Menüs quälen, nur um das Gebläse anzuschalten.

Euro NCAP-Crastest: Der Karoq bekommt 5 Sterne

Der Škoda Karoq erreicht volle 5 Sterne im Euro-NCAP-Crashtest. Der Kompakt-SUV ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern vorne und hinten ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, der Fahrer wird zusätzlich durch einen Knieairbag geschützt. Der Insassenschutz für Erwachsene ist gut, das Verletzungsrisiko ist gering bis sehr gering.

Allerdings enttäuscht die Kindersicherheit: Beim 6-Jährigen sind die Belastungen für Oberkörper und Nacken im Frontcrash mittel bis hoch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar, für den Beifahrersitz sind ISOFIX-Anbindungspunkte optional erhältlich. Der Karoq ist serienmäßig mit einem Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten ausgestattet.

Technisches Highlight: Der 1,5-l-Motor

Ein technisches Highlight der Motorenpalette ist der 1,5-Liter-Turbobenziner (1.5 TSI) des Testwagens, der 150 PS leistet und mit einer Zylinderabschaltung (ACT) aufwartet. Das System arbeitet insofern perfekt, als dass der Fahrer nicht bemerkt, wenn der Wagen zwei der vier Zylinder abschaltet. Was ohnehin nur dann geschieht, wenn man lediglich im Verkehr dahinrollt.

Das Einsparpotenzial durch die ACT-Technik lässt sich nicht genau beziffern. Doch Fakt ist, dass der Verbrauch im neuen ADAC EcoTest (mit dem deutlich verschärften WLTP-Fahrzyklus) mit 6,9 Litern Super pro 100 Kilometer nicht sonderlich niedrig ausfällt. Fahrleistungen und Durchzugskraft des 1.5 TSI sind aber prima. Leichte Punktabzüge gibt es bei der Laufkultur. Grund: Der Vierzylinder wird oberhalb von 3000 Umdrehungen etwas rau und laut.

Einen Allradantrieb gibt es übrigens für 1800 Euro Aufpreis, aber nicht für jede Version. Basisbenziner und Basisdiesel (jeweils 115 PS) sind ausschließlich mit Frontantrieb zu haben.

Das ADAC Testergebnis: gut

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG für 1800 Euro Aufpreis) ist gut abgestuft und schaltet prinzipiell geschmeidig. Doch ab und zu kommt es beim Zurückschalten zu einem leichten Ruckeln, das auch auftritt, wenn man zu heftig anfährt. Ebenfalls im grünen Bereich liegt das Urteil über die Fahreigenschaften des Škoda Karoq: Die Federung ist ausgewogen, der Wagen völlig unkritisch im Fahrverhalten, die Bremsen sind kräftig, die Lenkung arbeitet zielgenau.

Glanzpunkte setzt der Karoq bei der Sicherheit. Škoda bietet für ihn an aktiven Sicherheitssystemen so gut wie alles, was man in dieser Klasse bekommen kann. Ein Notbremsassistent mit Kollisionswarnung samt Personenerkennung ist immer an Bord.

Das ADAC Urteil fällt mit der Gesamtnote 2,3 gut aus: Der neue Škoda hat uns überzeugt. Auch sein Preis-Leistungs-Verhältnis ist prima. Der Anfang einer automobilen Liebe? Auf alle Fälle könnte er der Typ "verlässlicher Kumpel" sein: immer solide, komplett alltagstauglich und – zum Glück – ohne Überraschungen.

Hier können Sie den kompletten Testbericht herunterladen

Technische Daten (Herstellerangaben) Škoda Karoq 1.5 TSI ACT Style DSG
Motor 4-Zyl.-Turbobenziner, 1498 cm3, 110 kW/150 PS, 250 Nm bei 1500 U/min
Fahrleistungen 8,6 s auf 100 km/h, 203 km/h Spitze
Verbrauch 5,4 l Super/100km, 123 g CO2/km
Maße L 4,38 / B 1,84 / H 1,60 m
Leergewicht / Zuladung 1393 kg / 536 kg
Kofferraum 521 – 1630                    
Preis 30.490 Euro, Baureihe ab 24.890 Euro 

 

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,3 m
Wendekreis 10,9 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
6,9 l Super/100 km , 189 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
725 km
Innengeräusch bei 130 km/h 68,1 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1460 / 478 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 430 / 1020 / 1600 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,3                   
Innenraum 2,2
Komfort 2,4
Motor/Antrieb 2,0
Fahreigenschaften 
2,3
Sicherheit
1,8
Umwelt/EcoTest
2,8

 

  • Das hat uns gefallen: Gute Fahrleistungen. Variabler Innenraum. GuteVerarbeitung. Viele praktische Ausstattungsdetails. Viele Sicherheitssysteme lieferbar. Kräftige Bremsen.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Bei hohen Drehzahlen etwas rauer Motor.

 Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: Uwe Rattay (6), PR (1).

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns: redaktion.motorwelt@adac.de