Babyschalen & Co.: Der beste Kindersitz für Neugeborene und Kleinkinder

Kleine Kinder werden entgegen der Fahrtrichtung gesichert
Kleine Kinder werden entgegen der Fahrtrichtung gesichert© ÖAMTC/Stephan Huger

Für jede Altersgruppe gibt es unterschiedliche Kindersitz-Arten. In diesem Artikel fasst der ADAC zusammen, welche Systeme sich schon für Neugeborene eignen und teilweise bis zum Alter von vier Jahren genutzt werden können.

  • Babyschalen mit und ohne Isofix

  • Mitwachsende Kindersitze bis ca. vier Jahre

  • Sicherung immer entgegen der Fahrtrichtung

Bereits für Neugeborene gibt es eine große Vielfalt an Kindersitzen: Neben der klassischen rückwärtsgerichteten Babyschale mit Tragegriff – die es in sehr großer Auswahl und in einer sehr großen Preisspanne gibt – werden auch Babywannen, in denen Neugeborene flach liegend transportiert werden können, und fest im Auto zu montierende Sitze angeboten.

Der Klassiker: Die Babyschale

Verschiedene Crashtests sind beim ADAC Kindersitztest obligatorisch © ADAC/Test und Technik

Wichtig für alle Modelle: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Kinder unter neun Kilogramm (in nach UN Reg. 44 zugelassenen Produkten) bzw. unter 15 Monaten (in nach UN Reg. 129 zugelassenen Produkten) nicht in Fahrtrichtung gesichert werden dürfen. Denn bei der Sicherung in Fahrtrichtung wird bei einem Frontalunfall nur der Körper vom Gurt zurückgehalten, der Kopf schleudert jedoch ungebremst nach vorn. Dabei sind die Belastungen für Kopf und Nacken deutlich höher als in rückwärtsgerichteten Kindersitzen, in denen beim Frontalunfall der Körper und der Kopf von der Sitzschale abgestützt werden. Da bei Neugeborenen der Kopf überproportional groß und die Nackenmuskulatur noch sehr schwach ist, ist es bei ihnen besonders wichtig, die Belastungen beim Unfall zu reduzieren.

Generell gilt für alle Babyschalen:

  • Babyschalen werden immer entgegen der Fahrtrichtung eingebaut (Kind schaut nach hinten).

  • Manche Modelle haben nur eine Zulassung bis zehn Kilogramm bzw. bis 80 Zentimeter Körpergröße. Da diese Schalen oft schon nach wenigen Monaten zu klein werden, sollte sich der Nachfolgesitz auch entgegen der Fahrtrichtung einbauen lassen.

  • Achten Sie auf das Gewicht der Babyschale, insbesondere, wenn das Kind darin über weitere Strecken getragen werden soll.

  • Es ist kein Problem, wenn die Füße des Kindes an der Lehne des Fahrzeugsitzes anstehen. Ein Wechsel in den nächsten Sitz ist erst dann erforderlich, wenn der Kopf den oberen Schalenrand erreicht hat.

  • Aus Sicherheitsgründen sollte der Wechsel in den nachfolgenden Kindersitz so spät wie möglich erfolgen. Wenn es schwer wird, das Baby in der Schale zu tragen, kann man die Schale auch einfach im Auto lassen.

  • Bei der Nutzung von Babyschalen auf dem Beifahrersitz muss immer der Frontairbag deaktiviert werden.

ADAC Kindersitztest Frühjahr 2022

Im aktuellen Test wurden 30 verschiedene Kindersitze in puncto Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt geprüft.

Babyschalen zur Gurtbefestigung

So wird die Babyschale mit dem Fahrzeuggurt gesichert © ÖAMTC/Stephan Huger

Babyschalen, die ausschließlich mit dem Fahrzeuggurt befestigt werden, sind meist etwas günstiger als Modelle mit Isofix-Befestigung, haben aber auch das Risiko der Fehlbedienung. Denn häufig wird der Fahrzeuggurt beim Einbau von Babyschalen falsch in die Führungen eingelegt. Der Beckengurt muss immer über das Fußende der Schale geführt und der Diagonalgurt um das Kopfende der Schale gelegt werden (siehe Abbildung). Der Winkel der Schale kann bei Autos mit steileren Sitzflächen etwas angepasst werden, indem das Beinende der Babyschale etwas angehoben und das Kopfende etwas tiefer in Richtung Sitzpolster gedrückt wird.

Die Vorteile:

  • Meist sehr guter Schutz beim Frontalunfall

  • Kind kann in der Schale zum Auto getragen werden

  • Günstiger Preis

  • Universell verwendbar

Die Nachteile:

  • Erhöhte Gefahr von Einbaufehlern

  • Etwas höherer Einbauaufwand

Babyschalen mit Isofix-Station

Einfach einklicken: Babyschale mit Isofix-Befestigung © ÖAMTC/Stephan Huger

Nicht jede Isofix-Station kann mit jeder Babyschale kombiniert werden – selbst wenn beide von einem Hersteller stammen. Schale und Isofix-Station sollten daher bevorzugt gemeinsam gekauft werden. Es gibt verschiedene Varianten von Isofix-Stationen: Einfache Modelle können nur mit der zugehörigen Babyschale kombiniert werden. Modulsysteme, die sowohl für die Babyschale als auch für den Nachfolgesitz genutzt werden können, sind meist etwas teurer.

Einige Modulsysteme bieten zusätzlich eine integrierte Drehfunktion. Bei der Nutzung mit der Babyschale bietet diese noch keinen großen Vorteil, die Drehfunktion erleichtert aber das Anschnallen des größeren Kindes im Nachfolgesitz.

In Fahrzeugen mit steilen Sitzflächen (z.B. Kompakt- oder Sportwagen) stehen Babyschalen mit Isofix-Station teilweise etwas zu aufrecht, sodass der Kopf des schlafenden Kindes auf die Brust fällt. Um dies auszugleichen, gibt es Babyschalen, die über eine Winkelverstellung (in der Schale selbst oder in die Isofix-Station integriert) verfügen.

Babyschalen mit i-Size-Zulassung können auf allen Fahrzeugsitzen mit i-Size-Zulassung montiert werden. In allen anderen Fällen muss die dem Kindersitz beiliegende Typliste beachtet werden. Aus der Typliste geht hervor, in welche Fahrzeuge die Schale passt und eingebaut werden darf.

Alternativ kann die Babyschale fast immer auch separat, das heißt ohne Isofix-Station, mit dem Fahrzeuggurt angeschnallt werden. So kann die Schale fast in jedem Auto gesichert werden.

Vorteile:

  • Meist guter Schutz beim Frontalunfall

  • Meist einfacher und schneller Einbau

  • Kind kann in der Schale zum Auto getragen werden

  • Geringe Gefahr von Einbaufehlern

Nachteil:

  • Teurer als Babyschalen zur Gurtbefestigung

Babywannen

In einer Babywanne wird das Kind liegend transportiert © Stephan Huger | Studio Huger

Babywannen sind besonders gut geeignet, wenn das Neugeborene aus gesundheitlichen Gründen flach liegend transportiert werden muss (Rat des Kinderarztes einholen). Doch auf lange Autofahrten mit Neugeborenen sollte auch in einer Babywanne verzichtet werden. Aufgrund der kurzen Nutzungszeit (Zulassung meist nur bis zehn Kilogramm bzw. unter 75 Zentimeter) sollte sich der Nachfolgesitz entgegen der Fahrtrichtung einbauen lassen.

Vorteil:

  • Baby liegt flach in der Schale

Nachteile:

  • Meist klein und deshalb nur einige Monate nutzbar

  • Braucht zwei volle Sitzplätze

  • Kleine Auswahl an verfügbaren Modellen

  • Oft hoher Preis

Mitwachsender Sitz ab der Geburt bis ca. 4 Jahre

"Mitwachsende" Sitze können länger benutzt werden © ÖAMTC/Stephan Huger

Manch ein Kindersitz kann mit entsprechenden Einlegekissen bereits ab der Geburt genutzt werden und kann so die Babyschale ersetzen. Allerdings sind dabei einige Aspekte zu beachten. So können Kinder im Kleinkindersitz nicht wie in einer herkömmlichen Babyschale zum Auto getragen werden. Das Gurtzeug ist für Neugeborene meist wuchtig, und oft liegt das Baby etwas aufrechter im Sitz als in einer Babyschale. Aus Sicherheitsgründen sollte im Anschluss nicht zu früh in eine Sitzerhöhung mit Rückenstütze gewechselt werden – auch nicht, um sich den Kauf eines weiteren Sitzes fürs neu geborene Geschwisterkind zu sparen.

In vielen Sitzmodellen kann das Kind sowohl entgegen als auch in Fahrtrichtung sitzen. Neugeborene bis neun Kilo bzw. 15 Monate müssen immer rückwärts gesichert werden. Für einen optimalen Schutz beim Unfall sollte das Kind möglichst bis zum zweiten Geburtstag entgegen der Fahrtrichtung sitzen.

Die meisten mitwachsenden Kleinkindersitze können ausschließlich mit Isofix und Stützfuß ins Auto eingebaut werden, eine Montage mit dem Fahrzeuggurt – z.B. zur gelegentlichen Nutzung in einem Wohnmobil – ist nicht möglich.

Kleinkindersitze mit i-Size-Zulassung können auf allen Fahrzeugsitzen mit i-Size-Zulassung montiert werden. In allen anderen Fällen muss die dem Kindersitz beiliegende Typliste beachtet werden. Aus der Typliste geht hervor, in welche Fahrzeuge die Schale passt und eingebaut werden darf.

Im Handel werden sowohl einteilige Sitze als auch Sitzschalen, die auf einer separaten Isofix-Station befestigt werden, angeboten.

Einteilige mitwachsende Sitze

Vorteile:

  • Kinder können meist lange entgegen der Fahrtrichtung gesichert werden

  • Viele Modelle bieten eine Drehfunktion, die das Anschnallen des Kindes erleichtert

Nachteile:

  • Babys sitzen aufrechter als in einer Babyschale und können nicht im Sitz zum Auto getragen werden

  • Oft schwer und sperrig und deshalb etwas aufwendiger einzubauen

  • Erhöhtes Risiko, dass Kinder zu früh in Fahrtrichtung angeschnallt werden

Zweigeteilte mitwachsende Sitze

Vorteile:

  • Kinder können meist lange entgegen der Fahrtrichtung gesichert werden

  • Die Einzelteile sind weniger schwer und sperrig, das erleichtert den Einbau ins Auto

Nachteile:

  • Babys sitzen aufrechter als in einer Babyschale und können nicht im Sitz zum Auto getragen werden

  • Das Hineinheben und Anschnallen des Kindes ist in rückwärtsgerichteten Sitzen ohne Drehfunktion etwas aufwendiger

  • Erhöhtes Risiko, dass Kinder zu früh in Fahrtrichtung angeschnallt werden

Fachliche Beratung: Andreas Ratzek, ADAC Technikzentrum

Thomas Kroher
Thomas Kroher
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