Drängeln – zu wenig Abstand wird gefährlich

15.4.2019

Zu dichtes Auffahren, also Drängeln, gehört zu den Hauptursachen für schwere Verkehrsunfälle auf Autobahnen. Wie erkenne ich den richtigen Abstand zum Vordermann, welche rechtlichen Konsequenzen drohen wenn zu dicht aufgefahren wird? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Autofahrer bedrängt ein anderes Fahrzeug
©ADAC/Jürgen Stein

Zu dichtes Auffahren ist nicht nur unangenehm für den Vorausfahrenden und gefährlich für alle Verkehrsteilnehmer, es ist zudem eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 400 Euro Geldbuße, bis zu zwei Punkten in Flensburg und bis zu einem Fahrverbot von drei Monaten geahndet werden kann. Daher wird der richtige Abstand von der Polizei mit Videoaufzeichnungen überwacht und dokumentiert.

Wenn nicht nur der Sicherheitsabstand fehlt, sondern auch extrem dicht aufgefahren wird, kann dies als Straftat - "Nötigung im Straßenverkehr" - eingestuft werden: Beträgt der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nur wenige Meter und wird der Vordermann mit Lichthupe über eine längere Strecke hinweg bedrängt, ermitteln die Behörden strafrechtlich gegen den Drängler. Neben einer hohen Geldstrafe hat der Verkehrssünder ein Fahrverbot oder die Entziehung der Fahrerlaubnis zu erwarten.

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Bußgelder

  • Über 80 bis 100 km/h: Falls der Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes beträgt, beläuft sich die Strafe auf 320 Euro und einen Punkt. 
  • Über 100 bis 130 km/h: Weniger als 1/10 des halben Tachowertes bedeuten 320 Euro, zwei Punkte sowie drei Monate Fahrverbot. 
  • Über 130 km/h: Weniger als 1/10 des halben Tachowertes haben 400 Euro Geldbuße, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot zu Folge.

Wichtig zu wissen: Nur ein gefährdender Abstand wird sanktioniert. Das ist dann nicht gegeben, wenn der Abstand nur kurzfristig und vorübergehend unterschritten wird - wenn etwa Vorausfahrende abbremsen oder einscheren und der Fahrer nicht die Möglichkeit hat, den angemessenen Sicherheitsabstand wieder herzustellen, zum Beispiel durch Abbremsen.

Mit unserem Bußgeld- und Abstandsrechner erfahren was bei weniger als dem halben Tacho droht

Mit halbem Tacho ist der Abstand richtig

Der Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug muss so groß sein, dass der Fahrer das eigene Auto auch anhalten kann, wenn der Vordermann unerwartet abbremst. Zwei Faustregeln sorgen für mehr Sicherheit: Außerhalb geschlossener Ortschaften kann der Abstand mit "Halbem Tacho" eingehalten werden. Also bei 100 km/h sollte der Abstand 50 Meter betragen. Die Entfernung lässt sich mithilfe der Leitpfosten am Straßenrand abschätzen, meist sind sie jeweils 50 Meter voneinander entfernt. Einfacher ist die 2-Sekunden-Regel: Orientieren Sie sich an einem auffälligen Bauwerk oder Landschaftsmerkmal, etwa einer Schilderbrücke oder einem einzelnen Baum. Wenn das vorausfahrende Auto es passiert, beginnen Sie die Sekunden zu zählen. Frühestens nach zwei Sekunden sollten Sie an der gleichen Stelle vorbeikommen.

Nur oft ist es für Autofahrer nicht so einfach, gleichzeitig den Verkehr und weiße Stangen oder Schilderbrücken im Auge zu behalten. Hier kann die Technik helfen. Abstandswarner oder der Abstandsregeltempomat (ACC, Adaptive Cruise Control) nutzen Radarsignale, um die Distanz zum vorausfahrenden Fahrzeug zu messen. Während Abstandswarner nur piepsen, hält das ACC das vorgegebene Tempo und den Abstand, bremst bei Bedarf und beschleunigt anschließend wieder. In Deutschland sind etwa 2,5 Millionen Menschen in Autos mit diesem System unterwegs.

Allerdings lassen sich Abstandswarner und ACC meist weit unter die Faustformel "halber Tacho" oder "zwei Sekunden" herunterregeln. Und diese Möglichkeit nutzen erfahrungsgemäß viele Autofahrer – die Lücke zum Vordermann könnte ja von anderen zum Einscheren genutzt werden.

So reagieren Sie richtig bei Dränglern

Drängeln ist gemeingefährlich. Und nichts nervt Autofahrer mehr. In einer Umfrage des ADAC nennen 85 Prozent der Mitglieder zu dichtes Auffahren als Hauptärgernis. 

Wie sollten Autofahrer aber auf Drängler reagieren? ADAC Verkehrspsychologin Nina Wahn rät: Beim Überholen auf der Autobahn den Verkehr von hinten im Augen behalten. Und auf das Überholen verzichten, wenn ein viel schnelleres Fahrzeug angeschossen kommt. "Das kann viel Ärger und Stress ersparen." Wenn einem der Hintermann dann an der Stoßstange klebt, heißt es Ruhe bewahren und den Druck auf keinen Fall auf den Vorausfahrenden verlagern.

Noch gefährlicher ist es, sich auf Machtspielchen einzulassen. Etwa, indem man die linke Spur nicht freigibt oder abbremst. Die Verkehrspsychologin warnt: "Der drängelnde Hintermann verhält sich ohnehin schon irrational, das könnte ihn noch mehr provozieren." Besser: Die Ruhe bewahren und bei nächster Gelegenheit den Weg freigeben. Besonders beängstigend sind Drängler auf der Landstraße – gerade auf unbekannter Strecke. Nina Wahn empfiehlt: "Fahren Sie in einer solchen Situation ganz besonders vorausschauend." Ihr Appell: "Gehen Sie kein Risiko ein!"

Das gilt außerdem auf der Autobahn