Fahrradträger im Vergleich: Dach, Anhängerkupplung oder Heck?

Die verschiedenen Trägersysteme für Fahrräder mussten auch einen Ausweichtest überstehen ∙ Bild: © Foto Ralph Wagner, Video: © ADAC e.V.

Wie transportiert man Fahrräder am besten: Auf dem Dach, auf der Anhängerkupplung oder am Heck? Der ADAC hat drei Fahrradträgersysteme für den Transport von E-Bikes mit dem Auto in Sachen Handhabung, Sicherheit und Mehrverbrauch verglichen.

  • Große Unterschiede bei der Handhabung

  • Spritverbrauch steigt teilweise erheblich an

  • Kein Sieger aber klare Empfehlung für ein System

Wer ein Fahrrad oder eines der beliebten E-Bikes mit dem Pkw transportieren möchte, für den kommen primär drei verschiedene Systeme von Fahrradträgern in Frage, die alle unterschiedlich montiert werden. Entweder auf einer vorhandenen Anhängerkupplung, auf dem Dach des Fahrzeugs oder an der Heckklappe. Der ADAC hat aus den verfügbaren Angeboten für diese Transportmöglichkeiten jeweils ein System aus dem oberen Preisbereich ausgewählt und die verschiedenen Fahrradträger auf ihre Vor- und Nachteile hin untersucht.

Montage der Fahrradträger teils kompliziert

Die Montage für den Fahrradträger auf der Heckklappe gestaltete sich schwierig © Foto Ralph Wagner

Bei der Handhabung und Montage der unterschiedlichen Fahrradträger-Systeme zeigen sich teilweise große Unterschiede. So war das Trägersystem für die Anhängerkupplung zum Beispiel komplett vormontiert, konnte von einer Person am Fahrzeug angebracht und anschließend sofort genutzt werden. Auch das Beladen mit Fahrrädern gestaltet sich dank der niedrigen Ladehöhe recht einfach. Zusätzlich bietet das System für die Anhängerkupplung einen doppelten Diebstahlschutz: einmal für den Träger selbst sowie für die E-Bikes. Dank Kippfunktion bleibt auch der Zugang zum Kofferraum im beladenen Zustand möglich. Der einzige Nachteil: Das Fahrzeug muss bereits über eine Anhängerkupplung verfügen.

Die Fahrradträger-Variante für die Heckklappe muss dagegen erst mühsam zusammengebaut werden. Dies kann, je nach handwerklichem Geschick, einige Zeit in Anspruch nehmen. Hier können Systeme mit gut lesbarer und leicht verständlicher Bedienungsanleitung punkten, um eine Fehlmontage zu vermeiden. Wer sich die Erstmontage nicht zutraut, sollte ein solches System besser vom Fachhändler zusammenbauen und am Fahrzeug montieren lassen.

So haben die Systeme im Vergleich abgeschnitten

Ist der Fahrradträger für die Heckklappe erst einmal zusammengebaut, dann lässt er sich im Zweifel auch von einer Person weitgehend problemlos am Fahrzeug befestigen. Das Be- und Entladen von E-Bikes ist jedoch auf Grund der Montagehöhe des Fahrradträgers – weder Kennzeichen noch Beleuchtungseinrichtung des Fahrzeugs dürfen verdeckt werden – doch etwas mühsam.

Optional ist der Heckklappenträger auch als Tieflader, mit einer ähnlichen Ladehöhe wie der Träger für die Anhängerkupplung erhältlich, doch der Mehrpreis für diese Systeme mit zusätzlicher Beleuchtung plus Montage des Elektro-Satzes ist recht hoch. Ein klarer Minuspunkt für das Heckklappen-System: Der Kofferraum des Autos ist nicht mehr zugänglich, solange die E-Bikes auf dem Träger montiert sind. Die Heckklappendämpfer können das zusätzliche Gewicht von Fahrradträger und Rädern schlicht nicht stemmen.

Beladung des Dachträgers nur zu zweit

Aufgrund der Montagehöhe lässt sich der Dachträger nur zu zweit sicher beladen © Foto Ralph Wagner

In der Mitte zwischen den beiden anderen Systemen liegt der Fahrradträger für das Dach. Dabei ist kaum Montage am Träger selbst nötig, auch ein Laie kann dieses Fahrradträger-System zusammenbauen. Der notwendige fahrzeugspezifische Querträger ist in der Regel schnell an der Dachreling des jeweiligen Fahrzeugs montiert. Das für den Systemvergleich gewählte Originalmodell des Fahrzeugherstellers brachte sogar einen passenden Drehmomentschlüssel mit. Weniger einfach ist dagegen das Be- und Entladen der E-Bikes. Auf Grund der Ladehöhe sind zwingend zwei Personen erforderlich. Vor allem, wenn wie in unserem Fall ein hohes Fahrzeug wie ein SUV zum Einsatz kommt.

Vor- und Nachteile der Systeme im Einzelnen

In der interaktiven Grafik sehen Sie die einzelnen Charakteristiken der verschiedenen Systeme inklusive ihrer positiven und negativen Eigenschaften. Klicken Sie die gelb hinterlegten Zahlen von 1 bis 3 an, um die Ansicht zu ändern.

Unbedingt maximale Zuladung beachten

Da vor allem ältere E-Bikes recht schwer sein können, muss beim Beladen der Trägersysteme auf die maximale Zuladung geachtet werden, denn auch hier gibt es deutliche Unterschiede. So sind beim gewählten System für das Dach nur 20 kg pro Schiene erlaubt. Bei der Recherche ergab sich zudem, dass dies aktuell wohl eher einen Höchstwert darstellt. Beim System für die Heckklappe sind es dagegen 25 kg und beim Fahrradträger für die Anhängerkupplung sogar 30 kg pro Schiene. Bei diesen Werten ist jedoch unbedingt die maximale Dach- sowie die Stützlast des verwendeten Fahrzeugs zu beachten. Dadurch können sich die Maximalwerte der Zuladung noch verringern.

Auffälligkeiten beim Crash

Fahrradträger für die Heckklappe: Nachteile bei Crashversuch und Mehrverbrauch © Foto ADAC/Ralph Wagner

Ausschlaggebend für die Bewertung des Vergleichs waren auch Crashversuche (ADAC City Crash mit 30 km/h) mit den verschiedenen Systemen. Das beste Ergebnis im Crashtest zeigt der Fahrradträger für die Anhängerkupplung. Zwar kommt es zum Kontakt mit der Heckklappe samt Dellen und eine Befestigungskralle bricht, dennoch bleiben die E-Bikes auf dem Fahrradträger. Beim System für die Heckklappe, das lediglich im oberen Bereich der Kofferraumklappe eingehängt und mit dem unteren Bereich verspannt wird, sieht das ganz anders aus. Hier besteht die Gefahr, dass das System samt Rädern komplett nach hinten abklappt und auf dem Boden aufschlägt. Auch die Heckklappe selbst wird mit kleinen Dellen und Kratzern an den Verspannpunkten oben und unten in Mitleidenschaft gezogen.

Einen Sonderfall stellt das Crash-Ergebnis des Fahrradträger-Systems für das Dach dar, denn hier kristallisiert sich das T-Nut-System des Querträgers als Schwachpunkt heraus. Beim schwereren E-Bike, das mit einem Gewicht von 22,4 kg (ohne Sattel/Stütze) für eine etwa zehnprozentige Überladung des Transportsystems sorgt, was auch in der Praxis immer wieder zu beobachten ist, kollabiert das Aluprofil des Querträgers an den T-Nut-Stellen des Transportsystems, zwei im Bereich des Vorder- eines im Bereich des Hinterrades. In der Folge stürzt das E-Bike bei einem Crash vom Fahrzeugdach.

Alle Systeme bestehen Brems- und Ausweichversuche

Ein wesentlich positiveres Gesamtergebnis gibt es dagegen von den Fahrprüfungen mit Vollbremsungen und Ausweichmanövern zu vermelden. Hier präsentierten sich alle Transportsysteme vorbildlich und so gab es bei den einzelnen Prüfungen weder ein Verrutschen von Fahrradträger-System oder E-Bikes noch von irgendwelchen Beschädigungen am Fahrzeug zu verzeichnen. Allerdings beeinflussen die Fahrradträger-Systeme das Fahrverhalten des Fahrzeugs deutlich. Steht das System im Fahrtwind, steigt der Verbrauch teilweise erheblich.

Hoher Mehrverbrauch beim Heckklappen-Träger

So ergaben die Verbrauchsfahrten mit den verschiedenen Systemen ein eindeutiges Bild. Während sich der Mehrverbrauch beim Fahrradträger für die Anhängerkupplung mit maximal 6,3 % bei 130 km/h in erträglichen Grenzen hielt, sorgten das Dachsystem mit 34,2 Prozent und vor allem der Fahrradträger für die Heckklappe mit 44,3 Prozent für einen deutlichen Mehrverbrauch im Vergleich zur Referenzfahrt ohne Fahrradträger. Bereits bei den Fahrten mit 100 km/h war diese eindeutige Tendenz zu erkennen.

Die großen Unterschiede sind eindeutig konstruktionsbedingt. Beim Dachsystem stehen die Räder längs und beim Heckklappensystem quer im Fahrtwind, während der Fahrradträger für die Anhängerkupplung größtenteils von der Fahrzeugkarosserie verdeckt wird.

Klare Empfehlung für die Anhängerkupplung

Das System für die Anhängerkupplung schnitt im Vergleich am besten ab © Foto Ralph Wagner

Am Ende gibt es einen klaren Sieger im Vergleich der Fahrradträger-Systeme: Der Fahrradträger für die Anhängerkupplung kann alle Testkategorien für sich entscheiden. Er bietet die komfortabelste Handhabung, gute Sicherheit bei einem Crash und den geringsten Mehrverbrauch. Soll der Fahrradträger zudem öfters genutzt werden, lohnt sich daher sogar die Nachrüstung einer Anhängerkupplung am Fahrzeug, die zudem noch weitere Transportmöglichkeiten, etwa die Nutzung eines Anhängers oder einer Transportbox, ermöglicht.

Tipps für Verbraucher

Vor dem Kauf:

  • Vor dem Kauf eines Fahrradträgers sollte man sich über den vorgesehenen Einsatzzweck Gedanken machen.

  • Während der Transport mit der Anhängerkupplung und auf dem Dach von den Fahrzeugherstellern vorgesehen ist, ist es die zusätzliche Last an der Heckklappe oftmals nicht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich vor dem Kauf eines Systems für die Heckklappe an seine Werkstatt oder den Fahrzeughersteller wenden.

  • Beim Transport von schweren Fahrrädern auf dem Dach empfiehlt es sich, anstelle des T-Nut-Systems eher auf eine Variante zurückzugreifen, die den Querträger vollumfänglich umfasst (z.B. mittels U-Bügel).

  • Es ist zu klären, wie und wo das Fahrradträger-System bei Nichtgebrauch gelagert werden kann.

  • Das Gewicht der zu transportierenden E-Bikes sollte bekannt sein, um eine Überladung des Transportsystems zu vermeiden.

  • Steht eine Urlaubsfahrt an, sollte das maximal zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs bekannt sein. Diese Information findet sich im Fahrzeugschein.

  • Wer teure oder empfindliche Fahrräder transportiert, sollte sich unbedingt passende Rahmenschützer kaufen, um Kratzer und Beschädigungen zu vermeiden.

Vor der Fahrt:

  • Fahrradträger-System und E-Bikes auf sicheren Halt überprüfen.

  • Wenn möglich, Akkus der E-Bikes zum Transport entnehmen.

  • Der Fahrradträger darf nicht überladen werden, die zulässige Stützlast der Anhängerkupplung sowie das Eigengewicht des Trägers ist zu beachten.

Während der Fahrt:

  • Achtsam Fahren: Durch den Träger wird das Fahrverhalten des Fahrzeuges beeinflusst, weshalb dieses in Extremsituationen ungewohnt reagieren kann.

  • Nach 50 Kilometern anhalten und alle Schrauben und Gurte kontrollieren.

  • Die empfohlene Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h bei Benutzung eines Fahrradträgersystems sollte unbedingt eingehalten werden.

Fachliche Beratung: Michael Peuckert, ADAC Technik Zentrum