Geld verdienen mit dem E-Auto: So nutzen Sie die THG-Quote

Elektroauto laden und dabei Geld verdienen: Der Treibhausgashandel macht es möglich ∙ © Shutterstock/Alexander Steamaze

Wer ein Elektroauto besitzt, kann seit 2022 beim Quotenhandel eine Prämie von mehreren Hundert Euro im Jahr bekommen. Das sind die Hintergründe – und so wird das Geld ausgezahlt.

  • Mineralölunternehmen müssen den CO₂-Ausstoß ihrer Produkte kompensieren

  • Halter von Elektrofahrzeugen können eingespartes Treibhausgas "verkaufen"

  • Abwicklung und Auszahlung übernehmen Zwischenhändler

  • Aktuell zu verdienen: Etwa 250 bis 350 Euro pro Jahr

Der CO₂-Ausstoß muss sinken. Dazu hat sich Deutschland bei diversen Klimakonferenzen verpflichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung in den letzten Jahren auch im Verkehrsbereich verschiedene Maßnahmen ergriffen – von der CO₂-Abgabe auf fossile Kraftstoffe bis zur Förderung von Elektroautos. Das Ziel: klimaschädliche Mobilität soll teurer, klimaschonende Fortbewegung dagegen günstiger werden.

Deshalb bekommen Halterinnen und Halter eines batterie-elektrischen Pkw seit Anfang 2022 die Möglichkeit, den Fahrstrom für ihr Elektrofahrzeug selbst am Kraftstoffmarkt als nachhaltige Antriebsenergie zu vermarkten: Der Halter erhält für die Veräußerung einer pauschalierten Strommenge seines Elektrofahrzeugs im Quoten-Handelssystem eine finanzielle Kompensation.

Quotenanteile: So wird mit CO₂ gehandelt

Grundlage für den Handel ist die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote). Sie verpflichtet Mineralölunternehmen dazu, den durch ihre Treibstoffe verursachten CO₂-Ausstoß von Jahr zu Jahr zu senken. Die Höhe der jeweiligen THG-Minderungsquote legt die Bundesregierung fest: Sind es aktuell noch sieben Prozent, werden es 2030 schon 25 Prozent sein.

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Bislang reichte es, dem Benzin oder Diesel Biokraftstoff beizumischen – beim Benzin in Deutschland bis zu zehn Prozent (E10), beim Diesel bis zu sieben Prozent (B7). Doch schafft ein Mineralölunternehmen die jährlich steigenden Quoten nicht mehr, muss es Strafe zahlen – oder Verschmutzungsrechte nachkaufen, um die gesetzlichen Vorgaben zumindest auf dem Papier zu erfüllen.

Vom Verkauf dieser "sauberen" Anteile konnten im Verkehrssektor bislang nur Energieversorger profitieren: Dank des Grünstrom-Anteils im deutschen Strommix schöpfen sie ihr CO₂-Budget nicht aus, weshalb sie das eingesparte Klimagas als Emissionszertifikat an die Mineralölunternehmen verkaufen dürfen. Der Preis für diese Zertifikate wird nicht vom Staat festgelegt, sondern bildet sich frei am Markt, abhängig von Angebot und Nachfrage.

THG-Quote: Elektroauto-Haltende profitieren

Seit Anfang 2022 dürfen auch Halterinnen und Halter von Elektroautos das von ihnen eingesparte CO₂ "weiterverkaufen". Eigentlich wären dazu nur Betreiber öffentlicher oder privater Ladepunkte berechtigt. Doch der Gesetzgeber hat die Definition eines privaten Ladepunkts so weit gefasst, dass faktisch alle, denen ein vollelektrisches E-Auto gehört, am Quotenhandel teilnehmen können. Wichtig: Plug-in-Hybride sind ausgeschlossen, weil sie auch mit fossilem Kraftstoff betankt werden können.

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Um Privatleuten allzu großen Aufwand zu ersparen, schätzt das Umweltbundesamt (UBA) jedes Jahr den durchschnittlichen Stromverbrauch eines E-Autos und berechnet auf dieser Basis die handelbaren Quotenanteile. Dafür wird die Einsparung (im Durchschnitt ca. 350 kg CO₂) mit dem Faktor 3 multipliziert – so sieht es das entsprechende Regelwerk vor.

Für das Jahr 2022 kommt das UBA so auf zwei MWh Ladestrom pro E-Auto (Stand Dezember 2021). Daraus ergibt sich eine Treibhausgasminderungsquote von 1028,16 kg CO₂-Äquivalent. In diesem Umfang können dann CO₂-Quotenanteile weiterverkauft werden.

Zwischenhändler übernehmen die Abwicklung

Im Vergleich mit einem großen Stromversorger ist das natürlich nicht besonders viel. Deshalb müssen Privatleute Zwischenhändler einschalten: Diese bündeln die CO₂-Minderung vieler Elektro-Fahrzeughalterinnen und -halter und verkaufen diese dann im Paket weiter.

Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter, die diese Dienstleistung anbieten. Zu ihnen gehören beispielsweise The Mobility House, E-Mobilio oder die Maingau Energie. Diese Unternehmen werben mit Auszahlungssummen von ca. 250 bis 350 Euro im Jahr pro E-Auto. Eine aktuelle Liste der Zwischenhändler* finden Sie zum Beispiel hier.

So funktioniert die Auszahlung

Wer mit dem eigenen Elektroauto am THG-Quotenhandel teilnehmen will, muss sich bei einem der Dienstleister anmelden. Um zu belegen, dass man tatsächlich im Besitz eines E-Autos ist, muss man eine Kopie des Fahrzeugscheins (Zulassungsbescheinigung Teil I) vorlegen. In der Regel reicht es, einen Scan oder eine Fotografie des Dokuments über die Website des jeweiligen Zwischenhändlers hochzuladen.

Anschließend prüft der Anbieter die Angaben und zahlt die Prämie aus. Bei manchen Dienstleistern schon kurz nach der Anmeldung, bei anderen erst nach einigen Monaten.

Allerdings schränken viele Zwischenhändler dieses Versprechen ein: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) fehlt oft eine Auszahlungs-Garantie der THG-Vergütung in Höhe der beworbenen Summe. Manche Zwischenhändler behalten sich sogar das Recht vor, die an sie übertragene THG-Quote gar nicht erst zu verkaufen – und dann auch kein Geld auszuzahlen. Entsprechend aufmerksam sollte man die AGBs vor der Auswahl eines Anbieters durchlesen.

Der ADAC begrüßt diese Neuregelung: Aus Verbrauchersicht ist es positiv zu bewerten, dass mit der zusätzlichen Anrechenbarkeit von elektrischem Strom der Wettbewerb um kosteneffiziente Treibhausgasminderungen für Energie im Verkehrssektor gefördert wird.

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Thomas Paulsen
Stellv. Chefredakteur
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