E10 – das muss man zum Bio-Benzin wissen

09.04.2019

Seit 2011 gibt es den Ottokraftstoff mit der Zusatzbezeichnung „E10“ an Tankstellen in Deutschland. "E" steht für Ethanol, die Zahl "10" für maximal 10 Prozent Anteil Ethanol am Ottokraftstoff. Auch wenn fast jedes Fahrzeug problemlos E10 verträgt, ist es im Gegensatz zu den zuvor üblichen Ottokraftstoffen (E5) nicht für alle Fahrzeuge geeignet.

Mann tankt sein Auto
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E10 tanken

Was ist E10?

Mit dem Zusatz "E10" werden Ottokraftstoffe bezeichnet, die gegenüber den bisherigen Ottokraftstoffen einen höheren Anteil an Ethanol enthalten. Der Buchstabe "E" steht für Ethanol, die Zahl "10" für maximal 10 Prozent. Bisher war der zulässige Ethanolanteil in Ottokraftstoffen auf maximal 5 Prozent beschränkt (E5).

Die Qualitätsanforderungen an E10-Kraftstoffe wurden in der nationalen Norm E DIN 51626-1, Ausgabe November 2010, erstmalig festgeschrieben. Nach Anpassung der europäischen Norm für Ottokraftstoffe wurde diese von der DIN EN 228, Ausgabe Januar 2013 abgelöst. Diese Anforderung wurde in die Kraftstoffqualitätsverordnung aufgenommen

Trotz E10: E5-Sprit bleibt im Angebot

In Deutschland sind die Kraftstoffanbieter per Verordnung verpflichtet, an allen Tankstellen zeitlich unbefristet Super E5 weiterhin anzubieten. Ausnahmeregelungen sind nur für sehr kleine Tankstellen vorgesehen.

Kennzeichnung von E10-Zapfsäulen

Um Fehlbetankungen von E10-unverträglichen Fahrzeugen zu vermeiden, ist eine eindeutige und auffällige Kennzeichnung von E10 sowohl unmittelbar an der Zapfsäule als auch an der Ausschilderung der Preise notwendig. Laut Verordnung (10. BImSchV) sind E10-Zapfpistolen mit einem runden Aufkleber "Super E10 schwefelfrei" bzw. "Super Plus E10 schwefelfrei" zu kennzeichnen. Zusätzlich müssen an den Zapfsäulen folgende Hinweise deutlich angebracht werden: „Enthält bis zu 10 % Bioethanol“ und „Verträgt Ihr Fahrzeug E10? Herstellerinformation einholen! Im Zweifel Super oder Super Plus tanken!“.

Die Zapfsäulen mit E5-Kraftstoffen werden wie bisher mit "Super schwefelfrei" bzw. "Super Plus schwefelfrei" gekennzeichnet.

Nicht jedes Auto verträgt E10

E10 kann insbesondere bei hohem Druck und hohen Temperaturen unter Ethanolat-Bildung korrosiv auf Aluminium wirken. Besonders problematisch ist, dass der Korrosionsangriff bereits nach einer einmaligen Betankung mit E10 ausgelöst werden kann und dann nicht mehr aufzuhalten ist. Hierbei möglicherweise auftretende Leckagen im Kraftstoffsystem stellen zudem ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Hinzu kommen Probleme durch die Lösungseigenschaften von Ethanol für anorganische Komponenten, wodurch das Risiko erhöhter Metallwerte im Kraftstoff gegeben ist. Auch die Verträglichkeit von Dichtungsmaterialen und Schläuchen im Kraftstoffsystem kann problematisch sein. Deshalb sollten nur vom Hersteller freigegebene Modellreihen mit E10 betankt werden.

Vor der Verwendung von speziellen Additiven, die im Zubehörhandel angeboten werden und die E10-Tauglichkeit auch bei nicht „freigegebenen“ Modellen gewährleisten sollen, ist abzuraten!

Besteht die Gefahr von Motorschäden auch bei freigegebenen Fahrzeugen?

Bei von den Fahrzeugherstellern freigegebenen Fahrzeugen sind keine Schäden durch Verwendung von E10 zu erwarten. Sollten trotz Freigabe dennoch Schäden auftreten, so ist nach Ansicht des ADAC der Fahrzeughersteller für diese haftbar, wenn der Schaden auf die Betankung mit E10 zurückzuführen ist. Bis dato sind dem ADAC jedoch keine Schadensfälle bekannt, die auf eine Betankung mit E10 zurückzuführen sind.

E10 und E5-Kraftstoff abwechselnd tanken

Fahrzeuge, die E10-tauglich sind, können auch abwechselnd oder auch als Mischung von E10- mit E5-Kraftstoff betankt werden.

Was tun bei Fehlbetankung von nicht E10-tauglichen Fahrzeugen mit E10?

Nur Ford und Mercedes Benz haben keine Vorbehalte gegen eine einmalige Fehlbetankung mit E10 – nachtanken mit E5 genügt in diesem Fall.

Für alle anderen Marken gilt weiterhin: Eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 kann zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. Im Falle einer Fehlbetankung mit E10 sollten grundsätzlich die Hinweise des Fahrzeugherstellers beachtet werden. Nach Einschätzung des ADAC kann es jedoch ausreichen, unverzüglich den Tank mit einer ethanolarmen Kraftstoffsorte (am besten Super Plus) aufzufüllen, um damit wieder ein möglichst unkritisches Ethanol-Mischungsverhältnis zu erreichen. Wurde der Tank hingegen randvoll mit E10 aufgefüllt, ist das Abpumpen des Kraftstoffes – je nach Fahrzeugherstellermaßgabe – erforderlich.

Mehrverbrauch durch E10

Der Spritverbrauch wird kraftstoffseitig von zwei Faktoren beeinflusst. Zum einen beträgt der Energiegehalt von Ethanol nur etwa zwei Drittel des Energiegehalts von Ottokraftstoff, zum anderen hat Ethanol bessere Verbrennungseigenschaften und erhöht die Oktanzahl. Aufgrund der verschiedenen Motor- und Regelungstechniken sind einheitliche Angaben über den Kraftstoffverbrauch bei der Zumischung von Ethanol daher nicht möglich. Als Richtwert kann man von ca. drei Prozent ausgehen im Vergleich zu Ottokraftstoff ohne Ethanolbeimischung. Da jedoch auch der derzeitige Ottokraftstoff bereits bis zu fünf Prozent Ethanol enthält, liegt der zusätzliche Mehrverbrauch bei ca. 1,5 Prozent.

Abweichungen im Alltagsbetrieb nach oben und unten sind möglich, denn die größten Verbrauchsunterschiede sind nach ADAC Erfahrung auf unterschiedliche Fahrweise und auf äußere Einflüsse (Verkehrsfluss, Witterung, Außentemperatur, Streckenführung und Topographie usw.) zurück zu führen.

Lagerstabilität von E10

Die Lagerstabilität von E10-Kraftstoffen unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der von E5-Kraftstoffen. Ethanol ist sehr alterungsstabil, sogar besser als fossiler Ottokraftstoff. Die Problematik ist, dass sich unter gewissen Umständen Ethanol und fossiler Kraftstoff entmischen können.

Vermeiden lässt sich dies durch eine konstante Umgebungstemperatur (ist in der Praxis jedoch kaum realisierbar) bzw. in dem man verhindert, dass über die Tankatmung (Belüftung) große Luftmengen bewegt werden. Daher sollte man den Tank bei einer längeren Nichtnutzung des Fahrzeuges stets vollfüllen.

 

Nur spezielle Flexible Fuel Vehicles vertragen E85

Nichts zu tun hat das Thema "E10" mit anderen Ethanol-Mischungen – wie etwa E85 (Ottokraftstoff mit einem max. Anteil von 85 Prozent Ethanol). E85 ist nur für so genannte, von einigen Fahrzeugherstellern angebotene "Flexible Fuel Vehicles" (FFV) vorgesehen, die speziell dafür ausgelegt wurden, über entsprechende Tanksäulen versorgt werden und natürlich anhand ihrer Modellbezeichnung erkennbar sind.

Weitere Informationen finden sie hier

Standheizungen vertragen E10 meist problemlos

Standheizungssysteme gibt es als Ausstattungsoption ab Werk oder als Zubehör zur Nachrüstung. Bei ab Werk eingebauten Systemen liegt die jeweilige E10-Freigabe beim Fahrzeughersteller, weshalb hier eine individuelle Abfrage ratsam ist. Die beiden führenden Hersteller von Standheizungen zur Nachrüstung – Webasto und Eberspächer – haben ihre Systeme mit E10-Kraftstoff geprüft. Webasto bestätigt die E10-Verträglichkeit für alle benzinbetriebenen Heizgeräte der Produktfamilien Thermo Top Z/E/C/P, die ab etwa 1997 eingeführt wurden, sowie für Thermo Top Evo. Alle Eberspächer Benzinheizgeräte, Kraftstoffpumpen und Originalzubehöre zur Heizung sind bei bestimmungsgemäßen Einbau E10 verträglich.

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E10 Verträglichkeit

Entscheidend sind die Hersteller-Angaben!

Jeder Autofahrer muss Gewissheit haben, ob sein Fahrzeug Ottokraftstoffe mit einem höheren Ethanolanteil ohne Schäden nutzen kann. Entscheidend sind die Angaben des jeweiligen Fahrzeugherstellers/-importeurs. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass alle Neufahrzeuge inzwischen problemlos E10 vertragen.

Entsprechende Informationen sind auf den Internetseiten der Fahrzeughersteller/-importeure veröffentlicht. Teilweise (z.B. Audi, Daihatsu, Toyota) gibt es auch eine direkte Abfragemöglichkeit über die Fahrzeugidentnummer (FIN).

Darüber hinaus hat die DAT (Deutsche Automobil Treuhand GmbH) im Auftrag der Fahrzeughersteller/-importeure die Broschüre E10-Verträglichkeit von Kraftfahrtzeugen erstellt. Diese enthält eine Übersicht aller vorliegenden Verträglichkeitsangaben. Die Broschüre ist unter DAT Broschüre "E10-Verträglichkeit von Kraftfahrzeugen" abrufbar.

Hier können Sie überprüfen, ob Ihr Fahrzeug Super E10-tauglich ist.

Wichtige Hinweise:

  • Sollten Zweifel an der E10-Tauglichkeit bestehen bzw. sollte das Erstzulassungsdatum des Fahrzeugs nahe an den Grenzen des angegebenen Produktionszeitraums/Baujahrs liegen, wird eine Beratung hinsichtlich der E10-Verträglichkeit beim Vertragshändler bzw. über die genannten Hersteller-Hotlines empfohlen!
  • Bei Re-Import-Fahrzeugen sollte man sich über die Hersteller-Hotline nochmals rückversichern.
  • Zu nicht genannten Herstellern liegen keine Informationen vor. Der ADAC rät in diesem Fall davon ab,E10 zu verwenden.
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E10 und die Umwelt

Umweltaspekte

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Bioethanol zu produzieren. Die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung schreibt vor, dass die genutzte Biokomponente zu mindestens 35 Prozent weniger CO2-Ausstoß führen muss gegenüber fossilem Benzin (50 Prozent im Jahr 2017 und 60 Prozent ab 2018). Bioethanol kann hinsichtlich der fossilen Energiebilanz Vorteile aufweisen.

Neben Regelungen zur Treibhausgasminderung macht die Nachhaltigkeitsverordnung auch Vorgaben zum Schutz natürlicher Lebensräume und zur nachhaltigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Sie schützt z.B. Flächen mit einem hohen Wert für die biologische Vielfalt (z.B. Regenwald), Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand und Torfmoore.

Der ADAC erwartet die Einhaltung der deutschen und europäischen Nachhaltigkeitsverordnungen durch die Biokraftstoffproduzenten sowie, falls sich Bedarf für Nachbesserungen herausstellt, die wirksame Ausgestaltung der Regelungen. Pauschale Kritik an Biokraftstoffen und an der Bioethanolproduktion ist nicht stichhaltig, stattdessen sollten die Umweltverbände konkrete Verbesserungen der Nachhaltigkeitsregelungen vorschlagen.

Im Gegensatz zur Biokraftstoff-Herstellung bestehen zur Produktion von Grundstoffen für Nahrungsmittel, Futtermittel und Kosmetika keine Vorgaben zur Nachhaltigkeit, obwohl rund 95 % der Flächen zum Anbau für Exportgüter (auch in sensiblen Regionen wie Brasilien) für diese Erzeugnisse genutzt werden.

Tank-Statt-Teller-Diskussion

Beim Komplex Nahrungsmittelversorgung, Hunger in der Welt, Lebensmittelpreise spielen viele Faktoren eine Rolle, z.B. weltweit zunehmender Fleischkonsum, die Beeinträchtigung der Nahrungsmittelvorsorgung durch Krieg oder Bürgerkrieg etc. Auch wenn derzeit nur ein geringer Teil der Ackerflächen für Biokraftstoffe genutzt wird, ist die Bewertung der Flächenkonkurrenz zwischen Anbau für Lebensmittel, Futtermittel, Rohstoffe für Kosmetika und für Energiepflanzen ein entscheidendes Kriterium. Biokraftstoffe dürfen keinen Engpass bei der Nahrungsmittelproduktion auslösen.

Nach Auskunft des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft reicht ein kleiner Teil der rund 12 Millionen Hektar Ackerfläche in Deutschland, rund 0,5 bis 0,7 Millionen Hektar, um den Ethanolbedarf Deutschlands für E10 zu decken. Zudem sind laut Angaben der UN-Ernährungsorganisation FAO weltweit noch einige Milliarden Hektar Fläche verfügbar, die ohne Nutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion für Biokraftstoffe genutzt werden können.

Bioethanol und E10 als Kraftstoff

Vor allem seit der Einführung von E10 in Deutschland Anfang des Jahres 2011 wird die Nutzung von Biokraftstoffen und insbesondere Bioethanol kontrovers und oftmals auch sehr emotional diskutiert. Ein nüchterner Blick auf die Tatsachen belegt allerdings, dass Bioethanol in Deutschland eine sinnvolle Ergänzung zu den herkömmlichen Kraftstoffen darstellen kann.