XTL-Sprit aus Speiseöl: Diesel dürfen 100 Prozent "Frittenfett" in neuer Form tanken

Pommes im Fett einer Friteuse
Frittenfett im Tank? Diesel dürfen künftig Kraftstoff tanken, der zu 100 Prozent aus Speiseöl gewonnen wird© stock.adobe.com

Sprit aus Speiseöl? Diesel dürfen künftig zu 100 Prozent paraffinischen Kraftstoff tanken, der auch aus Frittenfett hergestellt ist. Das raten ADAC Fachleute Besitzerinnen und Besitzern von Dieselfahrzeugen.

  • Bislang war nur eine geringe Beimischung erlaubt

  • ADAC fordert Hersteller auf, Verträglichkeit bei älteren Modellen zu prüfen

  • Nachteil: Der paraffinische Kraftstoff steht nur begrenzt zur Verfügung

Auch bisher konnte hydriertes Pflanzenöl dem Diesel beigemischt werden. Neu ist, dass es nun 100 Prozent sein dürfen. So soll der Straßenverkehr nachhaltiger werden. Die sogenannten paraffinischen Dieselkraftstoffe (XTL) seien nun auch als Reinkraftstoff zugelassen, teilte das Bundesumweltministerium nach einem Kabinettsbeschluss am Mittwoch, 22. November, mit.

Die Verordnung muss noch vom Bundesrat abgesegnet werden und könnte im Frühjahr 2024 umgesetzt werden. Die paraffinischen Kraftstoffe werden unter anderem aus Abfallstoffen und Pflanzenölen hergestellt und durch Hydrierung (HVO, Hydrotreated Vegetable Oil) gewonnen. Achtung: Nicht verwechselt werden darf HVO mit reinem Pflanzenöl, das bei älteren Dieseln in der Vergangenheit häufig verwendet wurde. !

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Diesel: Nun 100 Prozent hydriertes Pflanzenöl möglich

Bereits heute können paraffinische Dieselkraftstoffe dem herkömmlichen Diesel beigemischt werden, vorausgesetzt das finale Produkt erfüllt die Kraftstoffnorm für Diesel (DIN EN 590). Nach der geänderten Verordnung dürfen sie nun aber auch in 100-prozentiger Konzentration angeboten werden, wenn sie die Norm DIN EN 15940 erfüllen.

Die neue Verordnung verpflichtet Tankstellenbetreibende allerdings auch, die Kundinnen und Kunden einheitlich zu informieren, um Schäden an Fahrzeugen durch falsche Betankung zu vermeiden.

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ADAC: Verträglichkeit von "Frittenfett" prüfen

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze begrüßt die Entscheidung: "Die klimaschonende Weiterentwicklung von Kraftstoffen für Bestandsfahrzeuge ist ein wichtiger Schritt, um die Klimaschutzziele zu erreichen." Jetzt seien die Hersteller gefordert, neue Fahrzeuge für die Verwendung von Speiseöldiesel auszulegen und die Verträglichkeit bei älteren Modellen zu prüfen.

Positiv herauszustellen ist hier BMW. Der Hersteller hat alle Dieselmodelle, sogar ältere Bestandsfahrzeuge, für den Betrieb mit paraffinischen Kraftstoffen nach der EN 15940 Norm freigegeben. Der ADAC setzt darauf, dass weitere Hersteller nachziehen und ebenfalls rasch entsprechende Fahrzeugfreigaben erteilen, um mögliche Unsicherheit der Verbraucher zu beseitigen und eine breitere Nutzung des Kraftstoffs zu ermöglichen.

Nicht jedes Fahrzeug verträgt XTL

Bevor sie den neuen Kraftstoff tanken, sollten sich Fahrerinnen und Fahrer dieselbetriebener Fahrzeuge also beim Hersteller vergewissern, dass ihr Fahrzeug den Kraftstoff verträgt. Einzelne Fahrzeuge sind bereits entsprechend im Tankdeckel mit XTL gekennzeichnet oder die Information lässt sich aus der Betriebsanleitung entnehmen.

Tankstellenbetreiber müssen ihrerseits künftig XTL an den Zapfsäulen deutlich kennzeichnen. Alle Fahrerinnen und Fahrer von Fahrzeugen, die keinen Nachweis über die Verträglichkeit von XTL haben, sollten ausschließlich die bisherige Dieselsorte „Diesel B7“ tanken.

Sprit aus Speiseöl: Kraftstoffmenge ist limitiert

Inwiefern Autofahrerinnen und Autofahrer flächendeckend Kraftstoff aus "Frittenfett" tanken können, ist offen. Das Ministerium mahnte, dass es nur eine begrenzte Menge gebe. Altspeiseöle – beispielsweise aus der Gastronomie – würden bereits heute vollständig als Beimischung vollständig im Verkehr eingesetzt, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Diese Menge könne nicht wesentlich gesteigert werden. Möglich ist aber ein Zukauf von international großen Raffinerien, also der Import beispielsweise aus anderen europäischen Ländern.

Mit Material von dpa.