Test Renault Clio: Als Vollhybrid ein Volltreffer?

• Lesezeit: 7 Min.

Von Wolfgang Rudschies, Andreas Huber

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Der neue Renault Clio tritt optisch selbstbewusst auf. Was hinter der Fassade steckt, wie viel Platz der Kleinwagen hat und wie sparsam die Vollhybridversion fährt, hat der ADAC im Autotest herausgefunden.

  • Erfolg verpflichtet: Clio der sechsten Generation

  • Als Benziner mit 115 und als Hybrid mit 158 PS erhältlich

  • Preise starten ab 19.900 Euro

Der Clio ist weltweit gesehen das Erfolgsmodell der Renault-Gruppe. 17 Millionen Stück haben die Franzosen in 35 Jahren unters Volk gebracht. Schaut man aktuell auf den deutschen Markt, muss sich der Clio mit Modellen wie dem Opel Corsa, dem Peugeot 208 und vor allem dem VW Polo messen, die hierzulande starke Gegner sind. Aber was tun die Franzosen nun, um sich noch besser zu behaupten?

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Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 herunterladen

Der neue Clio: Komplett anders

Zuerst einmal hat sich Renault das Design vorgenommen. Die neue Front wirkt bullig und hat einen sehr selbstbewussten Look bekommen. Das Heck ist etwas zurückhaltender und – mit zweigeteilten LED-Leuchteinheiten links und rechts – auch gefälliger gestaltet. So steht der Clio im äußeren Auftritt komplett neu da.

Beim Interieur greift der Clio weitgehend auf bekannte Elemente zurück. Die Basisversion "Evolution" kommt mit einem 7-Zoll-Zentraldisplay und einem 10-Zoll-Touchscreen angefahren, bei den Versionen "Techno" und "Esprit Alpine" sind die zwei Bildschirme je 10 Zoll groß. Der zentrale Touchscreen ist dabei leicht zum Fahrer bzw. der Fahrerin ausgerichtet, das erleichtert Bedienung und Ablesen ein wenig.

Was den Wohlfühlfaktor im Innenraum angeht, bestehen zwischen den Ausstattungsversionen ("Evolution", "Techno", "Esprit Alpine") große Unterschiede. Während es in der getesteten Top-Ausstattung "Esprit Alpine" schöne Alcantara-Bezüge an Türen und Armaturenbrett gibt, geht es in der Version "Techno" ziemlich trist zu. So sieht der Armaturenbrett-Bezug vor den Augen des Beifahrers nicht nur billig aus, er fühlt sich auch genau so an.

Ähnlich traurig ist es um die Auskleidung der Türen bestellt. Abgesehen von der gepolsterten Armauflage dominiert hier zwar an der Oberfläche strukturiertes, aber letztlich doch hartes Plastik. Wobei die Einfassungen der Lautsprecher den Vogel abschießen: Die sahen bei Autos aus den 80er-Jahren schon so aus.

Dass Renault auch beim Clio an den separaten Funktionstasten für die Klimabedienung unterhalb des Touchscreens festhält, verdient genauso ein Extra-Lob wie der überschaubare Umfang der Einstell-Menüs auf dem Bildschirm. Die Google-basierte Menüstruktur erschließt sich rasch, auch wenn die Touchflächen recht klein ausfallen. Das kann auf schlechten Fahrbahnen mitunter zu Fehlbedienungen führen.

Überdenken sollte Renault auch die übertriebene Hebelei auf der rechten Seite des Lenkstocks. Selbst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit verwechselt man schnell mal den Fahrstufen- mit dem Wischerhebel. Drei Lenkstockhebel – es gibt auch noch den Bediensatelliten für Radio und Co. – sind einer zu viel.

In der getesteten Ausstattungslinie zeigt sich der Clio in Sachen Konnektivität auf der Höhe der Zeit und bietet unter anderem eine kabellose Smartphone-Integration, ein Navi mit Echtzeit-Verkehrsinformationen sowie eine induktive Ladestation für das Telefon.

Benziner und Benzin-Hybrid zur Wahl

Frontansicht eines fahrenden Renault Clio
Den neuen Clio gibt es mit konventionellen 115 oder 158 Vollhybrid-PS © DPPI Media/Clément Choulot

Die Einstiegsversion wird von einem einen 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 115 PS (TCe 115) angetrieben, der wahlweise per Hand oder automatisch mithilfe eines Doppelkupplungsgetriebes geschaltet wird und sich mit 5,1 Liter Benzin laut WLTP-Norm begnügen soll. Sein Basispreis von knapp unter 20.000 Euro dürfte ein gutes Argument sein.

Das vom ADAC getestete Topmodell ist mit einem Vollhybrid-System ausgestattet, das 158 PS Systemleistung bereitstellt. Hier arbeitet ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 80 kW/109 PS mit einem 36 kW/49 PS starken Elektromotor und einem 15 kW/20 PS starken Riemenstartergenerator zusammen. Dabei soll der Verbrauch bei nur 4,1 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer liegen.

Test: Clio Vollhybrid mit Smart Mode

Einen Vollhybrid gab es im Vorgänger zwar auch schon, aber der neue leistet 15 PS mehr und es lassen sich mit diesem Antrieb auch etwas längere Abschnitte fast ohne Benzinverbrauch schaffen. Grund: Die Hybrid-Batterie ist um 0,2 auf jetzt 1,4 kWh gewachsen.

Interessant sind auch die hinterlegten Fahrprogramme, die im Clio "Smart Mode" heißen. Beim Überholen etwa wechselt das Programm (nach einer kleinen Denkpause) in den Sport-Modus, um alsbald automatisch wieder ins Sparprogramm "Eco" zurückzuswitchen, sobald der Fahrer das Gaspedal eine Weile gelupft hält. Man kann die Fahrprogramme aber auch per Knopf am Lenkrad manuell vorwählen.

Seitenansicht eines fahrenden Renault Clio
Die 1,4 kWh Strom des Akkus reichen für kleine vollelektrische Etappen © DPPI Media/Clément Choulot

Rein elektrisch fahren will der Clio möglichst lange – vorausgesetzt, man tritt das rechte Pedal nicht allzu tief. Beim forcierten Beschleunigen kommt der Benziner dazu. Die Geräuschkulisse bleibt zwar gedämpft, die Töne treffen aber nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Wer eine zurückhaltende Fahrweise pflegt, erlebt im Alltag einen angenehmen Hybridantrieb mit entspanntem Charakter. Bei nervösem Gasfuß und höherem Autobahntempo können die teils hektischen Wechsel zwischen den Antriebsarten jedoch etwas störend wirken.

Bemerkenswert sparsam ist der Antrieb. 4,6 Liter Testverbrauch waren noch vor ein paar Jahren nur mit einem wirklich guten Dieselmotor zu schaffen. Seine Vorteile kann der Hybrid vor allem in der Stadt und auf der Landstraße ausspielen. Mit seinem 39 Liter fassenden Benzintank kommt der Vollhybrid 850 Kilometer weit. Auch die Fahrleistungen lassen keine Wünsche offen.

ADAC Ausweichtest mit Schwächen

Der Fahrkomfort im neuen Clio entspricht den Erwartungen an einen modernen Kleinwagen. Das Fahrwerk ist ordentlich abgestimmt und filtert Straßenunebenheiten weitgehend weg. Nur bei kräftigen Asphaltschäden wird es mal ein bisschen rauer.

Beim ADAC Ausweichtest zeigte der Clio unerwartet Schwächen. Wo der alte Clio noch mühelos durch die Pylonengasse eilte, drängte beim aktuellen Modell das Heck beim abrupten Ausweichen unerwartet stark nach außen. Zwar bestand keine Schleudergefahr, doch das ESP-System reagierte so spät, dass die ADAC Ingenieure notierten: "Test nicht bestanden." Ein Grund für dieses Fahrverhalten könnten die Spritspar-Reifen des getesteten Fahrzeugs gewesen sein. Der Vorgänger wurde mit Standardbereifung gefahren.

Kofferraum und Platzangebot

Kofferraum eines Renault Clio
Der Kofferraum hat eine typische Kleinwagengröße, aber eine 20 Zentimeter hohe Innenkante© ADAC/Wolfgang Rudschies

Beim Blick in den Kofferraum tut sich ein unpraktisches tiefes Loch auf, wo Getränkekisten erst über die 73 Zentimeter hohe Außenkante und beim Herausnehmen über eine 20 Zentimeter hohe Innenkante gehievt werden müssen. Ein Trostpflaster ist, dass der Kofferraum im Vergleich zum Vorgänger nach ADAC Messung 20 Liter größer geworden ist. 270 Liter Fassungsvermögen bei stehender Rückbank sind aber nach wie vor nicht die Welt. Der Clio ist und bleibt halt ein Kleinwagen, auch wenn er noch so selbstbewusst dasteht.

Beim Umklappen der Rücksitzlehnen entsteht – wie leider in sehr vielen Fahrzeugen – ein Absatz, der das Beladen generell und das Durchschieben von größeren Gegenständen im Speziellen erschwert.

Ein Raumwunder ist der Clio auch im Innenraum nicht. Lässt sich vorn noch der Sitz für bis zu 1,90 Meter große Personen zurückschieben, sitzt es sich hinten erheblich beengter. Wird der Vordersitz auf einen Fahrer oder eine Fahrerin mit 1,85 Meter Körpergröße eingestellt, bringen im Fond nur bis 1,75 Meter große Insassen ihre Beine gut unter.

Fazit: Reicht das Angebot?

Der getestete Vollhybrid-Antrieb macht seine Sache prima. Als Full Hybrid in der Top-Version "Esprit Alpine" kostet der Clio zwar 27.600 Euro, bietet dafür aber viel Leistungspotenzial bei geringem Verbrauch und einer guten Ausstattung, die kaum Wünsche offen lässt. Mit weniger Ausstattung gibt es den Hybrid ab 24.200 Euro.

Wem das noch zu teuer ist, dem bleibt als Alternative lediglich der 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 115 PS. Ob den Kunden die Auswahl aus zwei Motoren reichen wird? Die Autogas-Version (LPG), die Renault in anderen europäischen Ländern anbietet, wird es – Stand heute – in Deutschland wohl nicht geben. Renault sollte beim Fahrwerk nachbessern oder die Wahl der Reifen überdenken.

  • Das hat uns gefallen: einfache Bedienung, sparsamer Hybridantrieb, gute Fahrleistungen, umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung

  • Das hat uns nicht gefallen: beengter Fond, unpraktische Klapptürgriffe hinten, teils träge agierendes Getriebe, Schwächen beim ADAC Ausweichtest

Renault Clio: Technische Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik (ab 01/26)

Motorart

Voll-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.789 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

116

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

158

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.750 U/min

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,3 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

92 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

4,1 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

1,4

Kofferraumvolumen normal

301 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.094 l

Leergewicht (EU)

1.316 kg

Zuladung

454 kg

Anhängelast ungebremst

670 kg

Anhängelast gebremst 12%

900 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.116 mm x 1.768 mm x 1.451 mm

Grundpreis

27.600 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik

Überholvorgang 60–100 km/h

4,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,7 m

Wendekreis

11,0 m

ADAC Testverbrauch

4,6 l/100 km

Reichweite

850 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1318 / 452 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

270 / 630 / 990 l

Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel

2,01 m

ADAC Testergebnis

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