Test MGS5 EV: Eine echte Alternative zum VW ID.4?

• Lesezeit: 8 Min.

Von Jochen Wieler

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MG macht vieles richtig. Das beweist der chinesische Hersteller mit dem neuen MGS5 EV einmal mehr. Das kompakte SUV hat so gut wie keine Schwächen. ADAC Test, Daten, Preise.

  • MGS5 EV ist Nachfolger des MG ZS EV

  • Viel Platz, hochwertiges Interieur

  • Reichweite: 415 Kilometer im ADAC Test

Wo fast alle anderen Marken aus China in Deutschland immer noch nicht richtig Fuß gefasst haben, hat MG gut lachen: Mit rund 25.000 Zulassungen im Jahr 2025 hat die Marke hierzulande längst etablierte Hersteller wie Jeep, Honda und Alfa Romeo hinter sich gelassen, die chinesische Konkurrenz sowieso.

Das hat Gründe: Dem ein oder anderen mag die Marke MG einerseits noch etwas mehr sagen als BYD, Wey oder Nio – auch wenn sie nichts mehr mit ihren englischen Wurzeln zu tun hat. Andererseits werden die Fahrzeuge über ein klassisches Händlernetz verkauft und nicht nur online. Dazu kommt, dass die Autos ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

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Hier können Sie den ausführlichen Test zum MGS5 EV Long Range Luxury herunterladen

MGS5: Preise ab 37.990 Euro

Aufnahme des MG S5
MGS5: Das Heck mit durchgehender Lichtleiste lehnt sich an den MG4 an© MG

Das ist auch beim neuen MGS5 EV nicht anders, der sich anschickt, BMW iX1, Peugeot e-3008, Škoda Elroq und Hyundai Kona in die Parade zu fahren. Die Konkurrenz sollte den Newcomer jedenfalls nicht unterschätzen: Optisch gefällig, rein elektrisch angetrieben und mit 4,48 Metern Länge durchaus familientauglich ist er ab 37.990 Euro zu haben, mit größerer Batterie (64 statt 49 kWh) ab 42.990 Euro. Und damit vergleichsweise erschwinglich.

Für sein Geld bekommt man einiges, auch an Ausstattung, schon beim Basismodell "Comfort": Selbstredend sind alle aktuellen Assistenzsysteme dabei, eine kabellose Verbindung von Smartphones über Apple CarPlay und Android Auto, Sitz- und Lenkradheizung, Navigationssystem und Parksensoren vorn und hinten. Der "Luxury" als Alternative kommt zusätzlich mit elektrischer Heckklappe, 360-Grad-Kamera, kabellosem Laden für Smartphones und Wärmepumpe. Letztere ist wichtig, um besonders im Winter energiesparend unterwegs zu sein.

MGS5 Innenraum und Kofferraum mit viel Platz

Gut auch, wie solide der MGS5 auftritt. Die Türen schließen mit einem satten Plopp, die Materialien im Innenraum sind weich und fassen sich gut an. Die Mittelkonsole mit der integrierten Armauflage ist auffallend robust gefertigt und vermittelt damit ein gutes Qualitätsgefühl. Schlecht entgratete Kanten lassen sich nur in Bereichen finden, die man nicht täglich berührt. Dort fällt dann auch die Materialqualität etwas ab.

Bis auf den mittleren Sitz hinten sitzt es sich bequem, der Einstieg gelingt auch in den Fond sehr angenehm. Dort überrascht das gute Platzangebot, das sich auch hinter größeren Konkurrenten nicht verstecken muss. Es reicht sogar für zwei Meter große Mitfahrerinnen und Mitfahrer, wenn vorn jemand mit nicht mehr als 1,85 Metern Größe Platz genommen hat. Allerdings fällt der Kniewinkel etwas spitz aus, was den Komfort vor allem für größere Menschen mindert.

Der Kofferraum des MG bietet im Konkurrenzvergleich ein durchschnittliches Ladevolumen und fasst laut den Messungen des ADAC zwischen 405 (stehende Sitze, unterhalb der Kofferraumabdeckung) und 1420 Litern (alles umgeklappt). Der Laderaum erweist sich dank des großen Ausschnitts als sinnvoll nutzbar, einzig eine Verstaumöglichkeit für die Hutablage wäre noch von Vorteil.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Bedienung: Der MGS5 im Detail

Das Innendesign sticht heraus: MG hat den Spagat gut geschafft, ein modernes, clean gehaltenes Cockpit zu bauen, das nicht an wichtigen Tasten wie etwa der Spiegelverstellung, "richtigen" Drehknöpfen für die Lautstärke und die Innenraumtemperatur spart und damit besser zu bedienen ist als manch ein chinesischer Konkurrent. Ausbaufähig sind die stellenweise schlechten Übersetzungen, die mitunter zu unsinnigen Begriffen führen.

Oder hätten Sie auf Anhieb gewusst, was mit "Historische Handys" gemeint ist? Zudem funktioniert die Sprachbedienung alles andere als gut, sodass man etwa beim Eingeben eines Naviziels dann doch wieder die kleine Touch-Tastatur auf dem Bildschirm bemühen muss und entsprechend abgelenkt ist. Auch die eigentlich vorhandene Ladeplanung auf einer Route hat beim Testwagen des ADAC nicht funktioniert.

Der Touchscreen ist groß genug, aber nicht überdimensioniert, bestens ablesbar und weitgehend gut zu bedienen. Und auch die Menüstruktur erschließt sich schnell: Der Bildschirm reagiert flüssig auf Eingaben, und die Bedienfelder sind meist so groß dargestellt, dass sie anderen Herstellern als Vorbild dienen können. Praktische separate Tasten wie beispielsweise für die elektrische Heckklappe oder die Autohold-Funktion bietet der MG nicht, sie befinden sich in einem "Swipe-down-Menü", das man über den oberen Bildschirmrand erreicht.

Durchschnittliche Reichweite im Test

Aufnahme des MG S5
Mit 4,48 Metern Länge hat der MGS5 noch ein parkfreundliches Maß© MG

Beim Fahren stellt sich das Gefühl ein, in einem hochwertigen Auto zu sitzen. Dass sich das Fahrzeug lautlos in Bewegung setzt, ist bei einem E-Auto nicht weiter erwähnenswert, doch auch bei höheren Geschwindigkeiten bleibt es im Innenraum noch angenehm ruhig.

Die Karosserie wirkt solide, nichts klappert, knarzt oder rumpelt, die Federung macht ihre Arbeit ordentlich und sorgt für einen passablen Komfort. Eine leichte Einschränkung: Mit tieferen Hindernissen wie Schlaglöchern konfrontiert, kommt der MGS5 an seine Grenzen und gibt die Unebenheit deutlich an die Insassen weiter.

Gäbe es noch etwas zu mäkeln, wäre es höchstens die etwas gefühllose Lenkung, was sich auch im "Sport"-Modus nicht bessert. Dann lässt sich das Lenkrad nur etwas schwerer drehen.

Beim ADAC Test ist die Version "Long Range" angetreten, also die Variante mit der größeren Batterie (64 kWh) und einer angegebenen Reichweite von 466 Kilometern in der Luxury-Ausführung (44.990 Euro). Im ADAC Ecotest konnten die Testingenieure eine Reichweite von 415 Kilometern ermitteln, ein für heutige Verhältnisse eher durchschnittlicher Wert. Beim Verbrauch hält sich der MGS5 mit gemessenen 17,4 kWh/100 km allerdings erfreulich zurück.

Wer den MGS5 als Familienfahrzeug auch für längere Strecken nutzt, sollte sich auf jeden Fall den größeren Akku gönnen, denn mit der kleineren Batterie (49 kWh, 37.990 Euro) wird man im Winter auf der Autobahn eher mit wenig vergnüglichen 250 statt mit den angegebenen 340 Kilometern Reichweite rechnen dürfen.

Wie schnell lädt der MGS5 wieder auf?

An einer 11-kW-Wallbox gelingt die Vollladung in rund 7 Stunden. Während beim getesteten Long Range-Modell die maximale AC-Ladeleistung 11 kW beträgt, liegt sie bei der Standardvariante nur bei mageren 7 kW. Vor allem wenn man häufig an öffentlichen Ladesäulen lädt (z.B. beim Einkaufen), ist das Plus an Ladeperformance praktisch.

Deutlich schneller geht das Laden mit Gleichstrom. Die Ladung von 10 auf 80 Prozent dauert dann nur gut 28 Minuten an einer entsprechend leistungsfähigen Ladesäule. Der MG konnte im Test eine maximale Ladeleistung von 139 kW erreichen und trifft damit exakt die Herstellerangabe. Er erreicht Letztere recht schnell, hält das hohe Niveau bis fast zur Hälfte und lädt im Durchschnitt mit 110 kW.

Um auch bei niedrigen Temperaturen die bestmögliche Ladeleistung zu erzielen, bietet der MG sowohl ein automatisches Aufwärmen der Batterie bei Zieleingabe einer Schnellladesäule als auch ein manuelles Vorkonditionieren.

Gute Fahrleistungen mit größerer Batterie

Aufnahme des MG S5
Angenehm: Komfortables Fahrwerk im MGS5© MG

Die große Batterie hat einen weiteren Vorteil: Sie kommt mit einem stärkeren Motor. Mit 170 kW/231 PS statt 125 kW/170 PS darf der MG dann 190 statt 170 km/h Spitze fahren. Und er beschleunigt erheblich besser: Statt in 9,0 Sekunden geht es in flotten 6,3 Sekunden auf 100 km/h, was sich beim Überholen auf der Landstraße bezahlt macht.

Auch rein subjektiv ist man mit dem Long Range sehr souverän unterwegs. Ansatzlos spurtet der Chinese davon, reagiert umgehend beim Druck auf das Fahrpedal und überrascht mit einer ordentlichen Portion Fahrspaß, was man so bei einem Familien-SUV nicht gleich vermutet. Schließlich ist der S5 eigentlich eher ein gemütlich-komfortabel abgestimmter Gleiter ohne allzu große sportliche Ansprüche.

Fahrversuche: ESP reagiert recht spät

Aufnahme des MG S5
Hat nur wenige Schwächen: Der MGS5 EV© MG

Beim ADAC Ausweichtest überrascht umso mehr, dass das SUV die Pylonengasse recht flott und präzise meistert. Wünschenswert wäre nur noch, dass das ESP etwas schneller eingreift: Beim Zurücklenken in die ursprüngliche Fahrspur kommt der erhöhte Aufbau in Bewegung und das Heck will mit Gegenlenken stabilisiert werden – bevor das ESP dies tut.

Auch bei einer zu schnell angegangenen Kurve und darauf folgendem Bremsimpuls des Fahrers oder der Fahrerin reagiert der MG nicht so besonnen, wie man es sich wünscht. Das Manöver sorgt für eine deutliche Lastwechselreaktion, das Heck wird leicht und drängt. Zudem greift das ESP erst spät stabilisierend ein, sodass ein zeitiges Gegenlenken des Fahrers den MGS5 früher wieder auf Kurs bringt.

Bei einem Sportwagen wäre solch ein Fahrverhalten wünschenswert, ein kompaktes Alltags-SUV sollte sich hier aber konservativer verhalten und dem Fahrer mehr Arbeit abnehmen.

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Fazit

Am Ende bleiben nur wenige Schwachpunkte. Der S5 EV wirkt solide, durchdacht und modern, sodass im Grunde nicht viel gegen ihn spricht. Im Vergleich zu seinem Vorgänger MG ZS EV hat er einen gehörigen Sprung nach vorn gemacht – was wohl auch die Konkurrenz bemerken wird. Sieben Jahre Garantie auf das Fahrzeug hat sie meist nicht zu bieten.

  • Das hat uns gefallen: gute Verarbeitung im Innenraum, effizienter Verbrauch, zügige Fahrleistungen, lange Garantielaufzeiten

  • Das hat uns nicht gefallen: Laderoutenplanung funktioniert nicht, umständliche Bedienung, wenig Möglichkeiten für individuelle Ausstattung, unzuverlässiger Einklemmschutz der Fenster

MGS5 EV: Technische Daten und Preise

ADAC Messwerte

ADAC Testergebnis

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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