Test MG HS: Kampfansage an VW Tiguan und Nissan Qashqai

• Lesezeit: 7 Min.

Von Jochen Wieler

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Mit dem MG HS hat der chinesische Hersteller einen preiswerten Konkurrenten zu VW Tiguan, Nissan Qashqai und Ford Kuga im Angebot. Auch als Plug-in-Hybrid ist das Mittelklasse-SUV zu haben. Ob diese Version zu empfehlen ist, klärt der ADAC Autotest.

  • MG HS mit viel Platz und hohem Komfort

  • Plug-in-Hybrid mit hoher E-Reichweite

  • Benziner ab 27.990 Euro, Plug-in-Hybrid ab 39.990 Euro

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MG scheint ein glückliches Händchen zu haben, wenn es darum geht, genau die richtigen Produkte zur richtigen Zeit zu präsentieren. Der MG4 trifft schon seit ein paar Jahren den Nerv aller, die ein günstiges E-Auto in der Kompaktklasse suchen. Der MG3 wurde als Kleinwagen-Hybrid just zu dem Zeitpunkt eingeführt, als immer mehr Kleinwagen vom Markt genommen oder teurer wurden.

Und längst ist auch der MG HS als SUV in familienkompatibler Größe im Angebot – und zwar auch als Plug-in-Hybrid mit einer laut Hersteller alltagstauglichen Elektro-Reichweite von 100 Kilometern. Genau das will die Kundschaft gerade. Zusammen mit dem Benzinmotor unter der Haube ist er sowohl für lokal emissionsfreie Fahrten im Alltag wie auch für längere Strecken gerüstet.

MG HS: Günstiges Familien-SUV

Front und Seitenansicht eines fahrenden MG HS
Sieht gut aus: Die Optik des neuen MG HS dürfte gut ankommen© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Den überaus günstigen Preis von 27.990 Euro für den 170 PS starken Benziner, der ebenfalls im Angebot ist, kann die getestete Plug-in-Hybrid-Version zwar nicht halten. Sie ist erst ab 39.990 Euro zu haben, unterbietet die Konkurrenz von VW, Nissan, Hyundai oder Škoda aber dennoch um einige Tausend Euro – nur der chinesische Wettbewerber BYD kann da mithalten.

Doch nicht allein der Preis eines Fahrzeugs, auch das Gesamtpaket muss stimmen. Wie sieht es hier aus für das Modell aus Fernost mit dem englischen Markennamen? Im ausführlichen Test konnte sich der ADAC ein Bild vom MG machen.

Zunächst der Blick auf den Antrieb: Die beiden Motoren des Plug-in-Hybrids im HS bilden ein überzeugendes, 272 PS starkes Duo. Auf den Benziner entfallen dabei 105 kW/143 PS, der E-Motor kommt auf 135 kW/183 PS. Die Fahrleistungen sind top: So geht es von 60 auf 100 km/h in gemessenen 4,2 Sekunden und von 80 auf 120 km/h in 5,8 Sekunden. In 6,8 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht, wenn beide Antriebe zusammenwirken.

Bei rein elektrischem Antrieb lässt der Vortriebswille des Mittelklasse-Hybrids zwar spürbar nach, sorgt aber immer noch für ordentliche Fahrleistungen. Das Ansprechverhalten ist zumeist einwandfrei und spontan, den Übergang zwischen den Antrieben merkt man kaum. Unterm Strich kann man das Ganze als unaufgeregt bezeichnen.

MG HS Hybrid: 87 km Elektro-Reichweite

So stellt sich beim Fahren der Eindruck eines komfortablen Gleiters für die große Reise ein, der überwiegend elektrisch und dann fast lautlos unterwegs ist. Doch selbst wenn der Benziner mitarbeitet – leise bleibt es im MG HS immer.

Bleibt die Frage, wie viel der HS verbraucht und welche Reichweite er mit reinem Elektroantrieb hat. Letztere liegt im ADAC Test bei 87 Kilometern. Ein solider Wert, der Pendler im Alltag genügen sollte. Ist die Batterie leer und fährt man im Hybridmodus weiter, kommt der MG nach ADAC Messung mit 7,3 Litern auf 100 Kilometern aus. Auch das ist passabel.

Schnellladen kann der Plug-in-Hybrid nicht

Heckansicht eines fahrenden MG HS
Als Plug-in-Hybrid kommt der HS nach ADAC Messung rein elektrisch 87 Kilometer weit© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Die 21,4 kWh der Batterie können leider nur an der AC-Ladesäule befüllt werden – und das mit mageren 6,6 kW Ladeleistung. An der öffentlichen Säule braucht es also mehr als 3 Stunden, bis die Batterie wieder voll ist. An einer 11-kW-Wallbox beträgt die Ladeleistung nur mickrige 3 kW, die Ladezeit verlängert sich entsprechend auf etwa 7 Stunden. Eine Schnelllademöglichkeit hat der HS nicht – ein klarer Wettbewerbsnachteil im Vergleich zum VW Tiguan mit 40 kW Schnellladeleistung, aber auch zum chinesischen Mitbewerber Wey 03 mit 50 kW, bei denen sich das Nachladen auch auf Zwischenstopps lohnt.

MG HS: Gutes Fahrwerk, mäßige Bremsen

Auf der Autobahn gefällt der HS mit sauberem Lauf und gutem Kontakt zur Straße, und das trotz komfortbetonter Auslegung. Die Federung arbeitet sehr ordentlich, Unebenheiten filtert das Fahrwerk gut weg. Für ein Familien-SUV ist das eine passende und sehr gelungene Auslegung.

Der MG reagiert selbst beim anspruchsvollen ADAC Ausweichtest gelassen und zeigt sich fahrsicher, wenn es darum geht, einem Hindernis spontan ausweichen zu müssen. Das ESP hält sich zurück und lässt sogar noch etwas Spielraum, bevor es eingreift. Die Durchfahrtsgeschwindigkeiten in der Pylonengasse sind nicht nur am komfortablen Fahrzeugcharakter gemessen hoch.

Die Lenkung ist für die Anforderungen an ein Mittelklasse-SUV in diesem Preissegment ordentlich abgestimmt. Kurven und Kreisverkehre lassen sich ohne größere Korrekturen am Lenkrad präzise genug durchfahren. Einen Fauxpas leistet sich der MG allerdings: Die Bremsleistung lässt nach heutigen Maßstäben zu wünschen übrig. Gemessene 38,0 Meter Bremsweg im Mittel von zehn Vollbremsungen aus 100 km/h sind ein paar Meter zu viel und daher nur ein ausreichendes Ergebnis.

Innenraum mit viel Platz, durchschnittlicher Kofferraum

Die inneren Werte des neuen MG HS überzeugen. Reisende plus Gepäck finden auf 4,67 Metern Länge reichlich und gut nutzbaren Raum, selbst für Großgewachsene ist genügend Bewegungsfreiheit vorhanden. Hinten verwöhnt der HS zwar mit einer üppigen Beinfreiheit, doch die Kopffreiheit endet bei einer Körpergröße von 1,90 Metern.

Auf allen Sitzen ist auch auf langen Strecken Wohlfühlen angesagt, man sitzt gut, und dem Fahrer oder der Fahrerin wird schon in der "Comfort" genannten Basisversion mit elektrisch verstellbarem Gestühl das Leben erleichtert.

Der Kofferraum des Plug-ins schluckt wegen der Batterie etwas weniger als die Verbrenner-Variante. Nach ADAC Messung passen 390 bis 1475 Liter (umgeklappt) hinein, für diese Fahrzeugklasse sind das durchschnittliche Werte. Für das Familiengepäck sollte es allerdings gut reichen. Das Gepäckabteil ist dank stufenloser Ladekante und ebener Ladefläche nach Umklappen der Rücksitze einfach zu beladen, wenn man die SUV-typisch hohe Ladekante erst mal überwunden hat.

Die Materialqualität im Innenraum fällt weitgehend gut aus. Die oberen Bereiche vorn wie hinten sind weich ausgeführt, erst im unteren Bereich kommt harter Kunststoff zum Einsatz – das ist klassenüblich.

Die Fahrerüberwachung nervt

Frontansicht eines fahrenden MG HS
Komfortabel und leise: Der HS präsentiert sich als angenehmes Reiseauto© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Auf der Höhe der Zeit ist der HS beim Infotainment. Das Cockpit mit den Bildschirmen sieht nicht nur gut aus, die beiden ineinander übergehenden 12,3-Zoll-Displays können vielfältig eingestellt werden. Live-Navigationsdienste samt Wetter- und Verkehrsinformationen, den Zugang zu Amazon Music oder die Koppelung von Smartphones sind leicht konfigurier- und bedienbar.

Die Navigation durch die Bedienoberfläche wird durch dauerhaft angezeigte Schnellwahltasten für Hauptfunktionen (Home, Navigation, Einstellungen, Media, Klima) erleichtert und die Start-Ansicht gibt einen guten Überblick über alle relevanten Inhalte. Hinter der übersichtlichen ersten Ebene verbirgt sich ein großer Funktionsumfang, dessen Bedienpfade Eingewöhnungszeit benötigen.

Zusätzlich gibt es ein Schnellwahl-Menü, das über eine Wischgeste vom oberen Bildschirmrand aufgerufen wird. Hier bringt MG weitere wichtige Funktionen wie die Helligkeits-Regler für die Displays sowie Fahrassistenz-Einstellungen unter (Geschwindigkeits- und Aufmerksamkeitswarner).

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Einen haptischen Lautstärkeregler sucht man abseits der Lenkradtasten leider vergeblich. Ebenso unglücklich: Die Bedienung der Nebelschlussleuchte sowie der Nebelscheinwerfer erfolgt über kleine Touchflächen auf dem Zentraldisplay. Dort würde man sicherheitsrelevante Funktionen nicht vermuten. Kontraproduktiv sind die stellenweise schlechte Übersetzung, die mitunter zu unsinnigen Begriffen wie "Gesundheitszentrum" oder "cluster" führt. Auch mit der Groß- und Kleinschreibung nimmt es der MG nicht genau.

Ebenso unschön ist, dass die "Fahrerüberwachung" derart sensibel reagiert und den Fahrer oder die Fahrerin sofort maßregelt ("Fahren Sie nicht unaufmerksam"), wenn man mal kurz nicht aus der Windschutzscheibe guckt. Die unzuverlässige Tempolimiterkennung ist genauso nervig.

Ausstattung des HS: Comfort oder Luxury

Seitenansicht eines stehenden MG HS
Mit 4,66 Metern Länge ist der MG HS etwas größer als ein VW Tiguan© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Der HS PHEV ist schon in der Basis "Comfort" gut ausgestattet: Einparksensoren hinten sowie eine Heck-Kamera mit dynamischen Führungslinien sind ebenso Standard wie zahlreiche Sicherheitssysteme und 13 Fahrassistenten. Für faire 2000 Euro Aufpreis bietet die "Luxury"-Variante zusätzlich etwa Sprachsteuerung, Online-Musik und Echtzeit-Staudaten, induktives Laden von Mobiltelefonen, eine elektrische Heckklappe, 360-Grad-Kamera und acht Lautsprecher.

Nicht up to date ist, dass Smartphones zur Anbindung von Android Auto und Apple CarPlay noch per Kabel angesteckt werden müssen. Auch eine Lenkradheizung oder ein Head-up-Display gibt es im HS nicht.

  • Das hat uns gefallen: praxistaugliche elektrische Reichweite, zügige Fahrleistungen, attraktiver Preis, lange Garantielaufzeit

  • Das hat uns nicht gefallen: langer Bremsweg, mäßige Ladeleistung, teils umständliche Bedienung, fehlende Ausstattungsdetails

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MG HS PHEV: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

MG HS 1.5T GDI PHEV Luxury Automatik (ab 08/25)

Motorart

PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.496 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

200

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

272

Drehmoment (Systemleistung)

350 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min

Antriebsart

Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,8 s

Höchstgeschwindigkeit

190 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

100 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

14 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

0,5 l/100 km

Stromverbrauch kombiniert (WLTP)

21,8 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

21,4

Ladeleistung (kW)

AC:6,6

Leergewicht (EU)

1.930 kg

Zuladung

400 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.670 mm x 1.890 mm x 1.663 mm

Grundpreis

41.990 Euro

Im ADAC Autokatalog finden Sie die Daten und Preise aller Versionen des MG HS.

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)MG HS 1.5T GDI PHEV Luxury Automatik

Überholvorgang 60–100 km/h

4,2 s

Bremsweg aus 100 km/h

38,0 m

Wendekreis

11,7 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

1,6 l Super + 18,5 kWh/100 km, 135 g CO₂/km (well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

845 km (davon 87 elektrisch)

Innengeräusch bei 130 km/h

67,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1866 / 464 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

390 / 875 / 1475 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

MG HS 1.5T GDI PHEV Luxury Automatik (10/24 - 07/25)

Karosserie/Kofferraum

2,7

Innenraum

2,5

Komfort

2,7

Motor/Antrieb

1,5

Fahreigenschaften

3,0

Sicherheit

2,1

Umwelt/EcoTest

2,3

Gesamtnote

2,4
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Text: Jochen Wieler mit Material von SP-X

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