Mercedes GLE Coupé im Test: Wie gut ist das SUV-Coupé?

Mercedes GLE Coupé auf einem Berg
Mercedes GLE Coupé mit mächtiger Front© Mercedes

Die erste Generation des Mercedes GLE Coupé war noch ein ziemlich grober Klotz. Die aktuelle Version kommt um einiges eleganter daher, bleibt aber eine Wuchtbrumme. ADAC Test, Bilder, Daten.

  • 4,94 Meter Länge, bis 1790 Liter Kofferraumvolumen

  • Starke Motoren mit bis zu 612 PS; drei Plug-in-Hybride

  • Selbstbewusste Preise ab 97.860 Euro

Ein SUV-Coupé ist eine ganz spezielle Fahrzeuggattung. Bei SUV-Hassern ist sie ganz besonders umstritten, schließlich brauchen sie viel Verkehrsfläche, bieten aber einen vergleichsweise bescheidenen Nutzwert. Das ist auch beim Mercedes GLE Coupé nicht anders, das bereits in der zweiten Generation zu haben ist. War die Erstauflage noch eine Art Schnellschuss, wirkt die seit 2019 erhältliche Nummer zwei deutlich stimmiger. 

Doch schon allein wegen seines hohen Preises dürfte das aktuelle Modell ein Nischendasein fristen: Unter knapp 98.000 Euro ist nichts zu machen.

Elegant in der SUV-Coupé-Nische

ein roter Mercedes GLE Coupé in Heckansicht vor Felskette
Mercedes GLE Coupé: Von hinten eleganter als der Vorgänger© Mercedes

Die erste Coupé-Generation des großen SUV kam 2015 als Reaktion auf den Erfolg des Wettbewerbers BMW X6 auf den Markt – mitten im Modell-Lebenszyklus des Standard-GLE. Generation zwei wurde hingegen schon bei der Entwicklung der Baureihe mitgedacht und wirkt optisch stimmiger: An Stelle des klobigen Heckabschlusses endet die Dachlinie deutlich filigraner in einer kleinen Spoilerkante am Deckel des Gepäckabteils. Bei einer Überarbeitung im Jahr 2023 wurde am Erscheinungsbild nur minimal gefeilt.

Die vordere Wagenhälfte entspricht weitgehend dem Steilheck-GLE, allerdings neigt sich die Windschutzscheibe ein wenig stärker, was die sportliche Optik unterstreicht.

Mit 4,94 Meter Länge ist das GLE Coupé rund vier Zentimeter länger als der Vorgänger, der Radstand legte um zwei Zentimeter zu, was für entspanntere Platzverhältnisse im Inneren und ein besseres Raumgefühl sorgt. Selbst die Beine knapp zwei Meter großer Personen finden problemlos Platz, die Kopffreiheit würde auch noch für größere Mitreisende reichen. Im Fond limitiert die Kopffreiheit die Personengröße auf rund 1,90 Meter. Gefühlt geht es im Coupé im Vergleich zum großen Bruder beengter zu. Das Raumgefühl leidet unter der hohen Seitenlinie, der niedrigen Dachlinie und den schmalen Seitenfenstern.

Das Laderaumvolumen unter der Kofferraumabdeckung liegt bei sehr ordentlichen 460 Litern. Bis zum Dachhimmel passen nach ADAC Messung 615 Liter rein. Hier zeigt sich aber dennoch der Nachteil der Coupé-Dachlinie: Der Standard-GLE bietet 150 Liter mehr. Der gesamte Raum hinter den Vordersitzen fasst bis zu 1435 Liter. Die Rücksitzlehne kann ab Werk im Verhältnis 40:20:40 geteilt werden.

Der Kofferraum lässt sich dank der großen Heckklappe gut nutzen. Die Klappe schwingt erfreulich weit auf – erst ab über zwei Meter Körpergröße läuft man Gefahr, sich den Kopf zu stoßen. Eine elektrische Heckklappenbetätigung zählt beim GLE Coupé zur Serienausstattung. Die Ladekante liegt mit 86 Zentimetern recht hoch und innen stört eine kleine Stufe von neun Zentimetern.

Innenraum mit MBUX-Infotainment

Blick in den Innenraum des Mercedes GLE Coupé
Elegantes Cockpit mit edler Anmutung wie im normalen GLE© Mercedes

Wichtig im Alltag: Auch das Fassungsvermögen der Ablagen im Innenraum ist gewachsen, insgesamt gibt es 40 Liter zusätzlich für Kleinkram. Darüber hinaus ist im Cockpit das Infotainment-System MBUX eingezogen, das schon in der A-Klasse und anderen Mercedes-Modellen mit leistungs- und lernfähiger Sprachsteuerung punktet. Zu den Kritikpunkten zählt weiterhin das teils umständliche und ablenkungsintensive Bediensystem, dessen Touch-Lenkradtasten bei der Bedienung mehr Verdruss als Genuss erzeugen.

GLE Coupé 300 d im Test

Beim Antrieb setzt Mercedes weiter auf sehr starke Motoren. Mit weniger als 298 PS (300 d, Zweiliter-Mildhybrid-Turbodiesel), den der ADAC getestet hat, ist das Coupé nicht zu haben. Der zweite, mittlerweile auch hybridisierte Selbstzünder namens 450 d (3.0 V6) leistet 367 PS, der vor dem Mini-Facelift ebenfalls vom ADAC getestete 400 d (3.0 V6) mit 330 PS wurde inzwischen aus dem Programm genommen. Wie dieser kommt aber auch der jüngst getestete leicht hybridisierte Einstiegsdiesel nicht über drei Ecotest-Sterne hinaus.

Die ADAC Testingenieure attestieren dem SUV-Coupé beachtliche Fahrleistungen bei einem für die üppigen Abmessungen vertretbaren Verbrauch von 7,4 l/100 km im ADAC Ecotest. Das stattliche und über 2,3 Tonnen schwere SUV ist trotz seines Gewichts souverän unterwegs. Man kann zügig überholen, die Beschleunigung von 60 auf 100 km/ ist in 4,3 Sekunden abgeschlossen, von 80 auf 120 km/h geht es in 5,5 Sekunden. Hier sorgt unter anderem die Boost-Funktion des Integrierten Startergenerators für flotte Fahrleistungen. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h gibt Mercedes-Benz zügige 6,9 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 226 km/h angegeben.

Der Neungang-Wandlerautomat namens 9G-Tronic schaltet meist sehr sanft, nur selten tritt vor allem beim Runterschalten ein leichtes Ruckeln auf.

Assistenzsysteme im GLE Coupé

Seitenansicht des Mercedes GLE Coupé
Wuchtig: Das "Coupé" ist knapp fünf Meter lang© Mercedes

Bereits standardmäßig ist das GLE Coupé mittlerweile mit einem Luftfederfahrwerk mit adaptiver Dämpfung namens Airmatic ausgestattet, das sich automatisch an den Fahrzustand sowie die Beladung anpassen kann. Es ist auf größtmöglichen Komfort ausgelegt, leidet aber deutlich unter der optionalen, 21 Zoll großen Mischbereifung mit nicht gerade schmächtigen Breiten: 275er Gummis vorn und sogar 315er hinten machen optisch zwar etwas her, sind jedoch richtig schwer. So bekommt die an sich sensibel ansprechende Federung die hohen ungefederten Massen nicht immer in den Griff und lässt das GLE Coupé auf kurzen Wellen oder Querfugen unbeholfen abrollen.

Mercedes wollte offensichtlich dem Coupé nicht krampfhaft Sportlichkeit anzuerziehen, sondern Fahrwerk und ESP konsequent auf Sicherheit abzustimmen. So greift das elektronische Stabilitätsprogramm schon bei der ersten Lenkbewegung im Parcours des ADAC Ausweichtest ein, regelt dann weiterhin und lässt den großen Mercedes in Folge leicht untersteuernd aber erstaunlich präzise um die Pylonen rollen. Das ist zwar nicht dynamisch, aber eben sicher.

Beim Thema Assistenzsysteme zieht das Coupé mit dem normalen GLE gleich und bietet zum Beispiel den "aktiven Abstands-Assistenten", der etwa aus Basis von Live-Traffic-Verkehrsinformationen einen Stau erkennen und von sich aus die Geschwindigkeit reduzieren kann – falls sich der Fahrer nicht aktiv dagegen entscheidet. Der "aktive Lenk-Assistent" wiederum soll im Stau sogar automatisch eine Rettungsgasse bilden können, wenn dies auch andere Fahrzeuge im Geschwindigkeitsbereich bis 60 km/h tun.

Viel High-Tech also für ein Nischenfahrzeug, dessen Segment momentan durchaus Anklang findet. So ist neben dem Hauptkonkurrenten BMW X6 nun auch das Porsche Cayenne Coupé auf dem Markt. Eine Etage darunter tummeln sich BMW X4Mercedes GLC Coupé und der Audi Q3 Sportback.

Hohe Preise für Mercedes GLE Coupé

Bereits in der Basisversion sind für das getestete Einsteigermodell GLE Coupé 300 d 99.645 Euro fällig. Mit zusätzlichen Extras kostet der Testwagen rund 115.000 Euro, und damit unverschämt teuer. Der 450 d kommt auf mindestens 110.795 Euro. Die obere Begrenzung liefert das ab 177.596 Euro angebotene GLE Coupé 63 S 4Matic+ mit 612 PS und 22 PS starker Hybrid-Unterstützung. Die Plug-in-Hybride GLE 350 de mit 333 PS, GLE 400 e mit 381 PS und GLE 53 Hybrid mit 544 PS werden ab 103.679, 97.860 und 133.851 Euro angeboten.

Mercedes GLE 300 d Coupé: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz GLE Coupé 300 d AMG Line Advanced Plus 4MATIC 9G-TRONIC (ab 03/24)

Motorart

Diesel (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.993 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

213

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

289

Drehmoment (Systemleistung)

550 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.200 U/min

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,9 s

Höchstgeschwindigkeit

226 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

180 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

6,9 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

655 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.790 l

Leergewicht (EU)

2.390 kg

Zuladung

560 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

2.700 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.941 mm x 1.947 mm x 1.716 mm

Grundpreis

99.645 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Mercedes GLE Coupé 300 d AMG Line Advanced Plus 4MATIC

Überholvorgang 60-100 km/h

4,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,1 m

Wendekreis

12,1 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

7,3 l Diesel/100 km, 230 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

1145 km

Innengeräusch bei 130 km/h

65,1 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

2310 / 640 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

460 / 870 / 1435 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Mercedes-Benz GLE Coupé 300 d AMG Line Advanced Plus 4MATIC 9G-TRONIC (ab 03/24)

Karosserie/Kofferraum

2,4

Innenraum

2,2

Komfort

1,9

Motor/Antrieb

1,5

Fahreigenschaften

2,2

Sicherheit

1,3

Umwelt/EcoTest

3,2

Gesamtnote

2,1
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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Text: Holger Holzer/SP-X, Rudolf Huber