Genesis GV60: Koreas edles Elektro-SUV im ADAC Test

• Lesezeit: 8 Min.

Von Jochen Wieler

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Ein Genesis GV60 frontal fotografiert
Markantes Gesicht: Der Genesis GV60 ragt aus der Masse heraus© Genesis

Die zu Hyundai gehörende Marke Genesis hat in Deutschland ein halbes Dutzend Baureihen im Angebot. Unter anderem das Elektroauto GV60. Es nutzt Konzerntechnik, macht aber auch einiges anders. ADAC Test des 2025 überarbeiteten Modells.

  • Schnelles Laden: 800-Volt-Technik wie bei Kia und Hyundai

  • Basismodell mit 168 kW/229 PS im Test

  • Leicht überarbeitete Version jetzt mit 84-kWh-Batterie

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Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Genesis GV60 herunterladen

Genesis ist jetzt schon ein paar Jahre auf dem deutschen Markt. Doch der große Durchbruch ist der Marke bislang nicht gelungen. Als Grund für die ziemlich mauen Verkaufszahlen ist in erster Linie eine falsche Vertriebsstrategie zu nennen. Zu glauben, man würde ein teures Premiumprodukt mal eben über einen Mausklick im Internet verkaufen und könnte sich ein Händlernetz sparen, war wohl etwas blauäugig.

Daran haben die beiden Showrooms in München und Frankfurt nichts geändert und auch nicht der komfortable Hol- und Bringservice, wenn es um Werkstattbesuche oder Probefahrten ging. Mittlerweile hat Genesis auch stationäre Händler gewinnen können, doch laut der eigenen Website sind es nach wie vor nur neun Verkaufsstellen in ganz Deutschland. Weitere 14 Standorte sind für Probefahrten und Service vorgesehen. Ob das reicht?

Genesis GV60 Facelift: Das hat sich geändert

Zwei neue Genesis GV60 stehend frontal fotografiert
Leicht überarbeitete Front beim Genesis GV60 des aktuellen Jahrgangs© Genesis

Zumindest beim Modellangebot geht Genesis mit fünf Modellreihen unbeirrt seinen Weg weiter. Erst 2025 wurde der elektrische GV60 leicht überarbeitet. Der aktuelle Jahrgang ist vor allem an einer leicht nachgeschärften Front zu erkennen und an einem neuen, durchgehenden 27-Zoll-Display am Armaturenbrett. Es gibt nun vier Ausstattungsvarianten und derzeit drei Motorversionen mit Leistungen zwischen 229 und 490 PS, Mitte 2026 folgt noch der Sportwagen-Killer GV60 Magma mit heftigen 650 PS Leistung und einer irren Beschleunigung von 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Allen Versionen gemein: Im Unterboden steckt nun eine mit 84 kWh etwas größere Batterie. Zusammen mit Effizienz-Optimierungen sorgt sie für ein Plus an Reichweite von 44 Kilometern im Vergleich zum Vorgänger. Laut Datenblatt soll der GV60 nun bis zum ersten Ladestopp 561 Kilometer weit fahren können. Ob dem so ist, klärt der ADAC Test der bodenständigen Basisversion mit 168 kW/229 PS starkem Heckantrieb.

Dass der GV60 der technische Bruder des Hyundai Ioniq 5 und des Kia EV6 ist, sieht man ihm nicht an: Optisch unterscheiden sich die drei Fahrzeuge aus dem gleichen Konzern deutlich. So stellt der Hyundai mit seiner kastigen Form den Pragmatiker für alle dar, die viel Nutzwert wollen; der Kia EV6 gibt sich als adrette Sportlimousine mit extravaganter Optik. Und der Genesis GV60? Er soll eher für Luxus und Sportlichkeit stehen und gibt sich betont eigenständig und elegant.

Verspielte Details machen den Reiz aus

Und er fällt auf im Straßenbild. Selbst wenn er mit einer Länge von 4,52 Metern der kürzeste Vertreter des Trios ist, wirkt er neben anderen Autos ziemlich wuchtig. Mit dem Schlüssel in der Tasche auf das Auto zugehen reicht, damit der GV60 seine versenkten Türgriffe ausfährt und in den Innenraum bittet. Zwar lassen sich die Türgriffe nicht sonderlich gut greifen, doch Show ist eben alles.

Innen geht sie weiter: In der Mittelkonsole befindet sich eine interessant aussehende Glaskugel, die nachts auch noch mystisch beleuchtet ist und ziemlich stylish wirkt. Die Zukunft vorhersagen kann sie aber nicht, vielmehr dreht sie sich nach dem Druck auf den Startknopf eindrucksvoll und verwandelt sich in einen runden Gangwahlknopf für die Automatik.

Ziemlich cool, wie auch das übrige Innenraumdesign. Mit vielen Ablagen, Becherhalter und USB-Anschlüssen. Der Fahrer schaut auf einen großen Monitor. Zwar ist der Bildschirm als Touchscreen ausgeführt, doch es gibt zusätzlich einen handlichen Controller nach Art des iDrive-Knubbels von BMW, über den sich die Bildschirmmenüs bedienen lassen. Das klappt recht intuitiv. Trotz der reduzierten Optik fällt die Bedienung im Alltag leicht und man kommt nach kurzer Eingewöhnung ganz gut zurecht.

Genesis GV60: Was taugen Kameraspiegel?

Der neue Genesis GV60 - ein Fahrbericht
Kamerarückspiegel: Sieht cool aus, doch der Nutzen ist fraglich© IG-@_fraser73

Schon etwas schwieriger wird es mit den aufpreispflichtigen digitalen Außenspiegeln. Für 1540 Euro extra sitzen in den Türen zwei Monitore, die das Kamerabild von außen in den Innenraum übertragen. Vorteil: Einen toten Winkel gibt es nicht mehr und die Kameras sind verschmutzungssicher. Doch der Gewöhnungsaufwand ist enorm. Schon nicht mehr automatisch aus dem Fenster Richtung "Spiegel" zu sehen, sondern auf den Monitor im Eck kostet Überwindung.

Insgesamt überwiegen die Nachteile: Man kann nur schwer einschätzen, wie weit ein Auto tatsächlich entfernt ist, und zusammen mit dem Bildschirm hinter dem Lenkrad, dem auf der Mittelkonsole, dem Display für die Heizungseinstellung und dem (gut gemachten) Head-up-Display als Projektion in der Scheibe flimmert dann mit zwei weiteren Bildschirmen in den Ecken ganz schön viel vor den Augen des reizüberfluteten Fahrers bzw. der Fahrerin. Ergo: Einfach nicht mitbestellen.

Mitbestellen sollte man dagegen das Soundsystem von Bang & Olufsen. Und zwar nicht nur wegen des exzellenten Klangs: Es erzeugt zudem einen Gegenschall, der Fahrgeräusche eliminiert. Das klappt hervorragend. Der Testwagen war überaus leise unterwegs, störende Abroll- und Windgeräusche waren nicht zu vernehmen.

Elektro-SUV mit guten Fahrleistungen

Der neue Genesis GV60 - ein Fahrbericht
Sieht sportlich aus, fährt sportlich: Genesis GV60© IG @_fraser73

Für den ADAC Test stand das Basismodell zur Verfügung. Bei zwei Tonnen Leergewicht sind zwar 229 PS nicht die Welt, dennoch fühlt sich der GV60 mit dem schwächsten der verfügbaren Antriebe völlig ausreichend motorisiert an. Mehr Leistung wünscht man sich selten. Die E-Maschine zieht vom Stand weg mit Nachdruck an, gibt die Leistung gleichmäßig ab und lässt erst bei Autobahntempo nach.

Von 60 auf 100 km/h geht es in 3,9 Sekunden, von 80 auf 120 km/h in 5,0 Sekunden. Genesis verspricht für den Sprint von 0 auf 100 km/h 7,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 185 km/h abgeregelt. Rein objektiv gesehen fehlt einem hier nichts. Man sollte nur tunlichst nie die anderen Varianten mit 318 bzw. 490 PS Probe fahren, die einen regelrecht in den Sitz pressen, dem Elektrowagen eine behände Leichtfüßigkeit verleihen und reine Spaßgranaten sind.

485 km Reichweite im ADAC Test

Und wie steht es um Verbrauch und Reichweite? Im standardisierten ADAC Ecotest kann der schwere Koreaner mit durchschnittlich 18,8 kWh auf 100 Kilometer schon mal mehr überzeugen als der noch vor dem Facelift gemessene, 490 PS starke "Sport Plus" mit 23,9 kWh.

Eine volle Batterie erlaubt auf Basis des Ecotest-Verbrauchs eine Reichweite von rund 485 Kilometern für die getestete Basisversion. Zum Vergleich: Der "alte" Sport Plus kam nur auf 365 Kilometer. Gut: Die Batterie lässt sich jetzt auch vor dem Schnellladen vorkonditionieren, was der Standzeit auf Langstrecken zuträglich ist.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

800 Volt: Der 84-kWh-Akku lädt schnell

Mit seinem 800-Volt-System kann der GV60 auch bei der Ladefähigkeit punkten. Er lädt an CCS-Schnellladesäulen im Test in nur 19 Minuten von 10 auf 80 Prozent und erleichtert dank integrierter Batterieheizung und Laderoutenplanung das Nachladen bei kalten Temperaturen und weiten Strecken. An langsameren AC-Säulen schafft der GV aber nur 11 kW, was eine Ladezeit bei leerem Akku von etwa neun Stunden nach sich zieht.

Praktische Zusatzfunktion: Der GV60 ist optional mit einer "Vehicle-to-Load"-Funktion (V2L) ausgestattet. Damit kann das E-Auto nicht nur andere elektrische Geräte mit 230 Volt Wechselspannung und bis zu 3,6 kW versorgen, sondern sogar andere Elektroautos laden, sofern der Akku des Genesis ausreichend gefüllt ist.

Beim ADAC Ausweichtest sehr fahraktiv

Der neue Genesis GV60 - ein Fahrbericht
4,52 Meter lang, coupéförmige Karosserie, bis zu 490 PS stark© Genesis/Dominic Fraser

Verreißt man in einem Schreckmoment das Lenkrad, etwa wenn ein Reh auf die Straße springt, reagiert der Koreaner zackig. Er ändert dabei unverzüglich die Richtung, zudem gerät der Aufbau spürbar in Bewegung. Der GV60 lässt sich ohne große Mühen wieder auf den ursprünglichen Kurs zurücklenken, erfordert dabei aber einen aufmerksamen Fahrer. Hinsichtlich der Fahrdynamik ist sein Verhalten vorteilhaft, bezüglich der Fahrsicherheit würde man sich eine gelassenere Reaktion wünschen.

Diese legt der Genesis beim Geradeauslauf an den Tag, hier bringt ihn so schnell nichts aus der Ruhe. Muss der Fahrer eine zu schnell angefahrene Kurve mit einem Bremsimpuls korrigieren, zeigt sich auch hier sein fahraktiver Charakter. Das Heck wird entlastet, es beginnt leicht nach außen zu drängen, wird aber schlussendlich vom ESP stabilisiert.

Die Lenkung ist angenehm direkt abgestimmt, was den dynamischen Anspruch des Elektroautos weiter unterstreicht, ohne es aber bei der Geradeausfahrt nervös wirken zu lassen.

Genesis GV60: Platz in Innen- und Kofferraum

Der neue Genesis GV60 - ein Fahrbericht
Für die Sitze ist auf Wunsch nachhaltiges Material erhältlich© Genesis/Dominic Fraser

Vorn bietet der GV60 gute Platzverhältnisse und selbst für 1,95 Meter große Menschen ausreichend Platz. Die Luftigkeit des Hyundai Ioniq 5 darf man allerdings nicht erwarten. In der zweiten Reihe ist das Raumangebot nicht sonderlich üppig. Das liegt an der mäßigen Kopffreiheit, die nur für rund 1,90 Meter große Insassen ausreicht. Die Beinfreiheit fällt allerdings aufgrund des sehr großen Radstands sehr groß aus.

Unter der Kofferraumabdeckung fasst das Ladeabteil ordentliche, wenn auch nicht üppige 340 Liter. Nutzt man den Stauraum bis zum Dach hoch, erweitert sich das Volumen auf 495 Liter. So kann man im Kofferraum bis zu acht Getränkekisten unterbringen. Sind die Rücksitze umgeklappt, stehen bis zu 1300 Liter Volumen zur Verfügung. Unter dem Kofferraumboden bietet ein Fach weitere 35 Liter, zudem finden im praktischen Frunk unter der Fronthaube (45 Liter) beispielsweise die Ladekabel Platz.

Dass die Radkästen im Kofferraum mit schnell verkratzendem Hartplastik verkleidet sind, passt nicht so ganz zum Premium-Anspruch der Marke.

Fazit

Der GV60 ist ein interessantes Auto für alle, die Wert auf Individualität legen und kein Auto haben wollen, das an jeder Ecke zu sehen ist. Der Genesis ist gut gemacht, als Elektroauto alltagstauglich und muss den Vergleich mit Konkurrenten wie dem VW ID.4, dem Tesla Model Y oder dem Ford Explorer, um nur einige Gegner zu nennen, nicht scheuen. Ganz im Gegenteil, seine 800-Volt-Technik für schnelles Laden hat er den meisten voraus. Ein Schnäppchen ist der GV60 allerdings nicht. Zudem bleibt das Händlerproblem.

  • Das hat uns gefallen: umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung, sehr gute Verarbeitungs- und Materialqualität, sehr schnelles Laden, vielseitige Bedienmöglichkeiten

  • Das hat uns nicht gefallen: schlechte Sicht nach hinten, hoher Anschaffungspreis, unergonomische Türgriffe

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Genesis GV60: Technische Daten, Preis

ADAC Messwerte

ADAC Testurteil

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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