Ford Focus Turnier: 1.0 und Sportversion ST im Test

Beigener Ford Focus Turnier faehrt an Gebaeude vorbei
Gut in Form: Ford Focus Turnier ∙ © Ford

Der Ford Focus Turnier punktet mit üppigem Laderaum, viel Platz für die Insassen und in den "zivilen" Versionen mit hohem Komfort – so soll ein Kombi sein. Im Test: der vernünftige Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost und der sportliche ST 2.3

  • Ford Focus Turnier: Selbst mit Dreizylinder genügend Kraft

  • Testverbrauch: 6,3 und 8,3 Liter Super im ADAC Ecotest

  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis beim kleinen Benziner

Was die Käufer eines Ford Focus von einem Kompaktwagen erwarten, ist eindeutig: Möglichst viel Nutzwert soll er haben. Deshalb entscheiden sich rund 75 Prozent der Kunden für die Kombiversion Turnier. Das war beim Vorgänger-Modell schon so. Eine kluge Entscheidung, denn für 1100 Euro Aufpreis zum fünftürigen Steilheck-Focus erhält man das eindeutig vielseitigere und familientauglichere Auto.

Viel Platz im Kofferraum

Kofferraum eines Ford Focus Tunier
Lademeister: Nach ADAC Messung bis zu 1590 Liter Transportvolumen ∙ © Ford

Rund 30 Zentimeter länger als das kompakte Basismodell misst der Turnier 4,67 Meter. Von einem parkfreundlichen Kompaktwagen kann man da zwar kaum noch sprechen. Aber die Konkurrenz fällt ähnlich üppig aus: Ein Škoda Octavia Combi kommt auf 4,69 und ein Opel Astra Sports Tourer auf 4,70 Meter Länge. Die Folge: Ein Kofferraumvolumen, das Handwerker, Vertreter und Familien gleichermaßen beglückt. Bei aufrechter Rückbank nimmt der Kombi 415 Liter Gepäck bis unter das Gepäckrollo auf. Bis unters Dach passen 875 Liter oder zwölf handelsübliche Getränkekisten hinein. Nach Umklappen der Rücksitzlehnen passen nach ADAC-Messmethodik (mit Quadern von jeweils einem Liter Volumen) maximal 1590 Liter Transportgut hinein. Da bieten selbst größere Kombis oft nicht mehr Platz.

Gut auch, dass die Ladekante nur 63 Zentimeter über der Straße liegt und so schwere Gegenstände ohne Verrenkungen verstaut werden können. Die Rücksitze lassen sich praktischerweise über zwei Hebel auch vom Kofferraum aus umklappen. Die dann entstandene Ladefläche ist eben und noch einmal knapp elf Zentimeter länger als beim Vorgängermodell. 12-Volt-Steckdose, Taschenhaken und Verzurrösen finden sich hier ebenfalls.

Wer die Kassette der Kofferraumabdeckung öfter ein- und ausbauen muss, dürfte sich über die durchdachte Lösung im Turnier freuen, die das nervige Gefummel mit dem sperrigen Teil besonders beim Wiedereinsetzen erträglicher macht: Die Kassette wird einfach in einer Führungsschiene eingehängt und Richtung Rücksitzlehne gefahren. Fertig. Warum machen das nicht alle so?

Weil der neue Focus fünf Zentimeter mehr Radstand hat als der Vorgänger, wurde auch der Innenraum größer, was sich besonders an der üppigen Beinfreiheit in der zweiten Reihe festmachen lässt: Vorn sitzen Personen bis 1,95 Meter bequem, hinten reicht die Beinfreiheit sogar für Menschen bis fast zwei Meter Körpergröße. Einen teureren Mittelklasse-Kombi à la BMW 3er Touring oder Audi A4 Avant braucht es da eigentlich nicht mehr.

Ford Focus Active: Ein Hauch von offroad

Ford bietet den Focus auch als Crossover-Modell in Offroad-Optik an. In der Variante "Active" verfügen Fünftürer und Kombi über robuste Karosserie-Beplankungen, drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit und spezielle Fahrmodi für rutschigen Untergrund und unbefestigte Straßen. Die Preise starten bei 26.850 Euro.

Im Test: der Dreizylinder-Benziner mit 125 PS 

Beigener Ford Focus Turnier steht auf einem Parkplatz
Das Panoramaglasdach (Extra) sorgt für ein luftigeres Raumgefühl ∙ © Ford

Vier verschiedene Dreizylinder (100 bis 182 PS) und ein Vierzylinder (280 PS im Top-Modell ST) umfasst das Spektrum der Benzinmotoren, bei den Diesel hat man die Wahl zwischen vier Vierzylinder-Motoren (95 bis 190 PS im ST). Der anfangs angebotene Basisbenziner mit 85 PS wurde mangels Nachfrage aus dem Programm gestrichen. Im ADAC Test tritt zunächst der 1.0 Ecoboost mit 125 PS an. Der Motor überzeugt mit guten Fahrleistungen und genügend Durchzugskraft für Überholmanöver auf der Landstraße.

Der Testverbrauch liegt mit 6,3 Litern Super pro 100 Kilometer – trotz Zylinderabschaltung zum Spritsparen – ein bisschen zu hoch. Unter 1500 Touren brummt das 1,0-Liter-Motörchen zudem merklich. Insofern wäre der robustere 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS wohl die noch bessere Wahl.

An Lenkung und Fahrverhalten haben die kritischen ADAC Ingenieure absolut nichts auszusetzen. Ein besonderes Lob verdienen die kräftigen Bremsen, die den Wagen – bei idealen Bedingungen – aus 100 km/h nach nur 32,1 Metern zum Stillstand bringen. Auch die feine Dosierbarkeit imponiert.

Im Test: der Vierzylinder-Benziner mit 280 PS 

Ford Focus ST Wagon fahrend auf einer Straße
Kräftig motorisiert: Der Focus Turnier St mit 280 PS. ∙ © Ford

In einer ganz anderem Liga spielt der ST 2.3: 280 PS und 420 Nm, denen 1490 Kilo Lebendgewicht gegenüber stehen – klingt gut und ist es auch. 250 km/h sind drin, in 5,8 Sekunden kann man ihn laut Ford aus dem Stand auf 100 km/h treiben. Auch die ADAC Messungen stellen klar, dass der Testwagen das ST-Logo zu Recht trägt. So geht es etwa bei Bedarf in drei Sekunden von 60 auf 100 km/h. Auch im höchsten Gang ist der Durchzug noch beachtlich: In der sechsten Welle braucht man 9,3 Sekunden von 60 auf 100 km/h.

Der 2,3 Liter große Vierzylinder ist ein eher robuster Geselle. Zwar sind seine Vibrationen nie wirklich störend, es gibt aber deutlich laufruhigere Mitbewerber. Die sechs Gänge flutschen präzise und auf kürzeren Wegen als beim Standard-Focus in die gewünschte Gasse, unterstützt von der fein dosierbaren Kupplung. So macht Schalten Spaß!

Die Kehrseite: Im ADAC Ecotest pendelt sich der Verbrauch bei 8,3 Litern Super pro 100 Kilometer ein. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 228 Gramm pro Kilometer. Die Schadstoffanteile im Abgas sind sehr gering, beim Kohlenmonoxidausstoß unter hoher Last ist der Turbomotor aber sehr auffällig. Die Quittung: magere zwei von fünf möglichen Sternen im Ecotest.

Der Focus ST federt deutlich härter ab

Den größten Einfluss auf die Alltagstauglichkeit haben das Fahrwerk und die Lenkung. Der ST ist zwar äußerst agil, aber dadurch auf der Autobahn ziemlich nervös und gerade innerorts nicht allzu komfortabel. Im ST-Turnier erlebt man Sportlichkeit stets und ständig, und man könnte meinen, er wurde für die Rennstrecke konzipiert. Alles fühlt sich sehr direkt und knackig an. Allerdings: Nicht jede Fahrernatur würde sich lange Reiseetappen mit dem ST wünschen. Das fängt bei den Sportsitzen an, deren dicke Seitenwülste bei Ein- und Aussteigen erst einmal überwunden werden wollen. Und hört beim Federungskomfort auf, der schon ziemliche Nehmerqualitäten erfordert. So kommt der Kombi im Kapitel "Federung" nur auf die Note 3,8.

Serienmäßig ist eine elektronisch geregelte Differenzialsperre an Bord. Über Kupplungen lenkt diese bei Bedarf mehr Drehmoment an das Rad, das gerade mehr Traktion hat. Im Extremfall zu 100 Prozent. Die gute Traktion des Ford ist im Alltag erlebbar, es zuckt aber mitunter merklich im Lenkrad, wenn die Sperre arbeitet. Bei Nässe tut sich aber auch die intelligenteste Sperre schwer, 420 Nm über die Vorderräder zu verdauen – hier sind die Antriebsräder auch im ST überfordert. Beim ADAC Ausweichtest sind aufgrund der reaktionsfreudigen und präzisen Vorderachse im Zusammenspiel mit der lebendigen Hinterachse launige und schnelle Manöver möglich.

Sehr gute aktive Sicherheit

Das serienmäßige Infotainmentsystem erfüllt die aktuellen Anforderungen: Apple-CarPlay und Android Auto zur Verbindung mit dem Smartphone gehören  selbstverständlich dazu. Das Touchscreen-Display ist oben auf dem Armaturenbrett angebracht und damit für den Fahrer gut zu bedienen. Leider verzichtet Ford auf Direktwahltasten für Navigation (Serie), Radio und Telefon. Auch ein Drehregler zum Scrollen im Menü und Zoomen in der Navi-Karte fehlt.

Bei der aktiven Sicherheit schneidet der Ford Focus sehr gut ab. Selbst ein ­Notbremsassistent samt Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, Abstands- und Kollisionswarnung gehören zum Serienumfang. Gegen Aufpreis gibt es eine adaptive Abstandsregelung mit Stauassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie ein Head-up-Display. Der Totwinkelassistent beinhaltet eine Querverkehrwarnung beim rückwärts Ausparken. 

Kindersitze sind kein Problem

Für Familien stellt sich die Frage nach der Kindersitztauglichkeit. Und auch hier zeigt der Focus keine Schwäche. Auf der Rückbank lassen sich zwei Kindersitze anbringen, der Beifahrersitz kann mit ­einer Babyschale belegt werden. 

Erfreulich niedrig fallen die laufenden Kosten für den Focus Turnier 1.0 EcoBoost aus. 566 Euro pro Monat (inklusive Wertverlust) für die getestete Version sind ein guter Wert. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt also. Beim ST müssen 819 Euro pro Monat veranschlagt werden – aber der spielt ja auch beim Antrieb in einer anderen Liga.

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Ford Focus Turnier: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost Titanium

Ford Focus Turnier ST 2.3 Ecoboost

Motor

Dreizylinder-Turbobenziner, 998 cm³, 92 kW/125 PS, 170 Nm bei 1400 U/min

Vierzylinder-Turbobenziner, 2261cm³, 206 kW/280 PS, 420 Nm bei 3000 U/min

Fahrleistungen

10,3 s auf 100 km/h, 198 km/h Spitze

5,8 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

5,8 l Super/100 km, 132 g CO₂/km

8,2 l Super/100 km, 179 g CO₂/km

Leergewicht / Zuladung

1383 / 542 kg

1543 / 522 kg

Maße

L 4,67 / B 1,83 / H 1,47 m

L 4,67 / B 1,83 / H 1,47 m

Kofferraum

575 – 1620 l

608 – 1653 l

Preis (19 % MWSt.)

ab 27.400 Euro, Basismodell Focus Turnier ab 22.300 Euro

ab 38.700 € (mit Styling-Paket)

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost

Ford Focus Turnier ST 2.3 Ecoboost

Überholvorgang 60-100 km/h

6,5 s

3,0 s

Bremsweg aus 100 km/h

32,1 m

32,5 m

Wendekreis

11,1 m

11,6 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,3 l Super/100 km , 172 g CO₂/km (well-to-wheel)

8,3 l Super/100 km , 228 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

825 km

625 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,0 dB(A)

70,8 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1395 / 530 kg

1490 / 575 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

415 / 875 / 1590 l

415 / 875 / 1590 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost

Ford Focus Turnier ST 2.3 Ecoboost

Karosserie/Kofferraum

2,3

2,4

Innenraum

2,2

2,1

Komfort

2,6

2,9

Motor/Antrieb

2,3

1,6

Fahreigenschaften

1,9

2,0

Sicherheit

1,8

1,7

Umwelt/EcoTest

2,5

3,9

Gesamtnote

2,2

2,9

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

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