Testfahrt mit dem Opel Astra Sports Tourer: Ein Kombi im Designerkleid

Schick in Schale: Der neue Opel Astra Sports Tourer
Schick in Schale: Der neue Opel Astra Sports Tourer© Opel Automobile GmbH

Der neue Opel Astra Sports Tourer hat sich nicht nur schick gemacht. Auch sonst bringt der Kombi einige Talente mit. Wozu also noch einen SUV? Testfahrt, Daten, Bilder.

  • Opel Astra Sports Tourer ab 27.750 Euro

  • Motoren: Benziner, Diesel, Plug-in-Hybride

  • Großer Kofferraum mit bis zu 1634 Litern Fassungsvermögen

Kaum zu glauben: Seit dreißig Jahren wird der Opel Astra mittlerweile gebaut. Klar, über die Modellgenerationen hat er sich auch mächtig verändert, doch abseits von modischen "Crossover"-Fahrzeugen, die nicht Fisch noch Fleisch sind, ist er für Liebhaber der klassischen Kompaktklasse eine sichere Bank. Nicht, dass Opel keine SUVs anbieten würde – aber der Astra sorgt für ein bisschen Kontinuität in einer sich rasant verändernden Autowelt. Nach dem kompakten Fünftürer wurde nun die Kombiversion des aktuellen Astra L, der Sports Tourer, nachgereicht.

Im Gepäck hat er eine bunte Antriebsvielfalt. So gibt es den Opel Astra Sports Tourer ab 27.750 Euro als Benziner, als Diesel ab 32.150 Euro und als Plug-in-Hybrid zu 39.750 Euro. Die kombinierten WLTP-Verbräuche der Ottovarianten pendeln sich bei knapp unter sechs Litern ein, während der Diesel gemittelt nur rund viereinhalb Liter je 100 Kilometer zu sich nimmt.

60 km elektrisch: Astra Sports Tourer als Plug-in-Hybrid

Auf stolzen 4,64 Metern Länge packt der Astra Kombi einiges weg © Opel Automobile GmbH

Dank rund zwölf kWh Batteriekapazität ist der Plug-in gut für 60 Kilometer rein elektrische Fahrt im Schnitt, im reinen Stadtverkehr sollen sogar 72 Kilometer ohne Zutun des Verbrennungsmotors möglich sein. Potenzielle Interessenten sollten dennoch sorgfältig abwägen, ob ihr persönlicher Anwendungsfall zum Plug-in-Hybrid passt. Wer oft nachladen kann und täglich überschaubare Strecken zurücklegt, ist mit ihm sicher nicht schlecht bedient.

Allerdings spricht auch die Performance für den "PHEV", also den Plug-in-Hybrid, denn die Ottovarianten sind mit 81 kW/110 PS respektive 96 kW/130 PS (Diesel ebenso 130 PS) nicht die stärksten ihrer Art. Die Leistungsskala bei den Plug-in-Versionen reicht dagegen von 133 kW/180 PS bis 165 kW/225 PS.

Längst erhielt auch der neue Astra das vor einiger Zeit aufgefrischte Opel-Gesicht mit dem markanten "Vizor". Hier bildet der in schwarz gehaltene Kühlergrill eine nahtlose Einheit zusammen mit den leicht getönten Scheinwerfern, die wiederum markante LED-Tagfahrleuchten enthalten. Auch die Schlussleuchten erstrahlen in LED-Technologie und weisen in ihrer L-förmigen Ausprägung hohen Wiedererkennungswert auf.

Das "Curved Display" sieht sehr schick aus

Dass die Designer einen Hang zu schwarz haben, fällt übrigens unmittelbar nach dem Einstieg in den Kombi auf. Wo bei früheren Autos das schnöde Kombiinstrument prangte, inszenieren die Gestalter heute ihr "Curved Display". Spätestens nach Betätigen des Startknopfs verwandelt sich die bis in die Region der Mittelkonsole ragende schwarze Scheibe in ein buntes Infotainment-Monstrum, auf dem Fahrer und auch Beifahrer alle Infos abrufen können, die man so braucht.

Mit der Menüführung muss man sich erst anfreunden, aber das ist angesichts der heutigen Funktionskomplexität völlig in Ordnung. Nach ein paar Griffen hat man zumindest die Kontrolle über die wichtigsten Funktionen wie Fahrerassistenz und Navigation. Gut: Unter dem Bildschirm gibt es Direktwahltasten und auch die Heizung lässt sich noch per Knopfdruck bedienen. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, die Oberfläche des mitgeführten Smartphones über Apple CarPlay oder Android Auto ins Fahrzeug zu bringen.

130-PS-Benziner hat typischen Dreizylinder-Sound

Markant: Die neue Opel-Front mit durchgehend schwarzem "Visier" © Opel Automobile GmbH

Für den ersten Kontakt mit dem kompakten Kombi hat Opel ordentlich aufgefahren und bis auf die 2023 folgende Elektrovariante fast alle Motorisierungen mitgebracht. So geht es mit dem 130-PS-Benziner los, der sowohl als Automat wie auch als Schalter zur Verfügung steht. Ganz im Sinne des Downsizing-Gedankens werkelt er als aufgeladene Dreizylinder-Ausführung mit schmalen 1,2 Litern Hubraum.

Nicht, dass der kleine Motor ungebührlich laut würde, aber er verrät sich über sein für die Zylinderzahl charakteristisches Sirren. Ob per geschmeidigem Achtgang-Wandler oder leichtgängig schaltbarer Sechsgang-Box – das Kraftpaket (230 Newtonmeter schon ab niedrigen 1750 Touren) zieht den 1,4-Tonner hinreichend wuchtig.

Gleiches gilt für den ebenfalls 130 PS starken Diesel, für den die Preisliste auch Automatik wie Schaltgetriebe vorsieht. Man kann darüber streiten, ob der heute mit aufwändiger Abgasreinigung ausstaffierte Diesel angesichts immer stärker aufkommender Elektromobilität überhaupt noch sinnvoll ist – auch in puncto Betriebskosten. Aber insbesondere Langstreckennutzer werden sich freuen. Denn tausend Kilometer am Stück abspulen funktioniert auch anno 2022 eben nur mit dem Selbstzünder.

Als launiger Antrieb dagegen entpuppt sich im Zuge der Testfahrten eindeutig der Plug-in-Hybrid. Natürlich reichen 130 PS völlig aus und sind vernünftig, aber die 180 PS-Variante ist das Zückerchen unter den Astra Sports Tourern.

Opel Astra Sports Tourer mit großem Kofferraum

Lademeister sind zwar die anderen Ausführungen mit ansehnlichen 597 bis 1634 Liter Gepäckraumvolumen (der Hybrid fasst bis zu 1553 Liter), aber dafür marschiert der Plug-in-Hybrid hurtig voran, erreicht nach 7,7 Sekunden Landstraßentempo und verliert auch weit darüber hinaus noch nicht nennenswert an Puste. Immer interessant ist auch, wie die Hybride ihre Antriebskomponenten sortieren, zumal ja Verbrenner und die 81 kW/110 PS starke E-Maschine gemeinsam mit der Achtgang-Automatik an der Vorderachse zerren. Doch nennenswerte Zugkraftunterbrechungen bleiben zum Glück aus.

Glücksmomente diesseits des Antriebs bescheren jede Menge Hightech-Features, zu denen sogar voll adaptive LED-Scheinwerfer zählen, die allerdings ausstattungslinienabhängig sind und nicht als Extra geordert werden können. Selbstverständlich gibt es auch Dinge wie Head-up-Display, Rundumkamera sowie Verkehrsschilderkennung.

Gute Sitze mit Massagefunktion

Gute Straßenlage, etwas leichtgängige Lenkung beim Astra Sports Tourer © Opel

Überhaupt nicht selbstverständlich in dieser Klasse dagegen ist die üppige Auswahl verschiedener Sitz-Ausführungen, was in der Spitze sogar darin mündet, dass sich zumindest die Passagiere vorn durchkneten lassen können – allerdings verbunden mit mindestens 1310 Euro Extrakosten. Wem das komplexe Bediensystem wenig behagt, kann seine Wünsche auch per Sprachsteuerung an das Auto kommunizieren. Schön, dass diese mittlerweile nicht nur definierte Kommandos verarbeitet, sondern freies Sprechen akzeptiert.

Wer so frei ist eine Bestellung für den Astra aufzugeben, könnte den Lademeister ab Herbst 2022 geliefert bekommen. Sogar auf Wunsch in Zweifarblackierung, was den Kompakten dann vollends zum Designerstück avancieren ließe.

Fazit: Einen größeren und teureren Mittelklasse-Kombi kann man sich sparen, denn der Astra Kombi, der eigentlich der Kompaktklasse zugeordnet wird, reicht für Familie samt Gepäck völlig aus. Und vielleicht überlegt ja auch der ein oder andere SUV-Käufer, ob es denn der Sports Tourer nicht auch tut.

Opel Astra Sports Tourer: Technische Daten, Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Opel Astra Sports Tourer 1.2 Turbo Elegance (ab 03/22)

Opel Astra Sports Tourer 1.2 Turbo Business Elegance (ab 03/22)

Opel Astra Sports Tourer 1.5 Diesel Elegance (ab 03/22)

Opel Astra Sports Tourer 1.6 Turbo Hybrid Business Elegance Automatik (ab 03/22)

Motorart

Otto
Otto
Diesel
PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.199 ccm
1.199 ccm
1.498 ccm
1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

81
96
96
133

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

110
130
130
180

Drehmoment (Systemleistung)

205 Nm
230 Nm
300 Nm
360 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min
5.500 U/min
3.750 U/min
6.000 U/min

Antriebsart

Front
Front
Front
Front

Beschleunigung 0-100km/h

10,8 s
10,0 s
10,8 s
7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

199 km/h
210 km/h
209 km/h
225 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-
-
-
60 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

127 g/km
127 g/km
116 g/km
25 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

5,6 l/100 km
5,6 l/100 km
4,4 l/100 km
1,1 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-
-
-
12,4

Ladeleistung (kW)

-
-
-
AC:1,8-7,4

Kofferraumvolumen normal

597 l
597 l
597 l
516 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.634 l
1.634 l
1.634 l
1.553 l

Leergewicht (EU)

1.376 kg
1.394 kg
1.470 kg
1.717 kg

Zuladung

494 kg
486 kg
490 kg
453 kg

Anhängelast ungebremst

680 kg
690 kg
730 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.200 kg
1.200 kg
1.500 kg
1.400 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.642 mm x 1.860 mm x 1.443 mm
4.642 mm x 1.860 mm x 1.443 mm
4.642 mm x 1.860 mm x 1.443 mm
4.642 mm x 1.860 mm x 1.443 mm

Grundpreis

29.000 Euro
29.850 Euro
33.400 Euro
39.750 Euro

Text: Patrick Broich/SP-X, Jochen Wieler

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.