Cupra Leon: Auf Testfahrt mit dem "jungen Wilden"

Cupra Leon Heckansicht fahrend
Cupra Leon als Kombi "Sportstourer": Der ADAC fuhr den Plug-in-Hybrid mit 245 PS ∙ © Cupra

Wem der Seat Leon etwas zu bieder ist, der greift zum sportlich geschnittenen Cupra Leon. Zum Beispiel zum Kombi ST e-Hybrid mit 245 PS. Testfahrt mit allen Daten und Preisen

  • Fahren in zwei Welten: Sportlich oder sparsam

  • Als Kombi ab 40.095 Euro – minus 7.177 Euro Umweltprämie

  • Elektrische Reichweite: 52 Kilometer nach WLTP

Der VW Golf hat im VW-Konzern viele Gesichter – und bedient damit die individuellen Wünsche der Kunden. Weil das alles offenbar ganz prima funktioniert, gibt es dank des modularen Querbaukastens eben nicht nur einen VW Golf, sondern, optisch deutlich unterschiedlich, auch einen Audi A3, einen Seat Leon sowie einen Skoda Octavia auf der gleichen technischen Basis-Architektur. Und sogar noch einen Cupra Leon.

Cupra Leon: Als Fünftürer oder Kombi zu haben

Der Cupra Leon ist sowohl als kompakter Fünftürer als auch als verlängerter Kombi erhältlich. Die Rollenverteilung im Konzern sieht in etwa so aus: Während der VW Golf die Figur des Grundsoliden und Vernünftigen besetzt, der Audi A3 das am edelsten und elegantesten ausgestaltete Modell ist und der Škoda Octavia den preisgünstigen und praktischen Raumriesen spielt, gibt der Cupra Leon mit seinem dynamischen Äußeren und den besonders kräftigen Motoren den jungen Wilden.

Und wild ist er tatsächlich – vor allem wenn unter seiner Haube der kräftige Plug-in-Hybrid-Antrieb steckt, der uns für die erste Testfahrt zur Verfügung stand. Das Motorgespann besteht aus einem 1,4-Liter-Benziner mit Turboaufladung, der bis zu 110 kW/150 PS Leistung bereitstellt, und einem mit dem sechsstufigen DSG-Getriebe verblockten Elektromotor, der 85 kW/115 PS beisteuert. Macht als Systemleistung knackige 180 kW/245 PS und 400 Nm Drehmoment. Damit beschleunigt der als "e-Hybrid" bezeichnete Spanier in exakt sieben Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und meistert Autobahnkilometer mit Geschwindigkeiten von bis zu 225 km/h.

Plug-in-Hybrid: Möglichst viele Kilometer elektrisch

Ladeanschluss des Cupra Leon
An der Wallbox in 3,5 Stunden wieder voll geladen ∙ © Cupra

Dabei wirkt die Kraft nicht unkultiviert, im Gegenteil: Das grundsätzliche Leistungspotenzial ist bei jedem Fahrmanöver spürbar. Besonders natürlich, wenn der Fahrdynamikschalter auf Sport oder Cupra ("Rennstrecken"-Modus) umgelegt wird oder die Schaltpaddel am Lenkrad den passenden Gang wählen. Ist der Fahrer jedoch gemächlich unterwegs, registriert er auch immer das Spritsparpotenzial der Maschinerie – die vordringlichste Aufgabe eines Plug-in-Hybrid.

Solange genügend Energie im 12,8 kWh fassenden Akku vorhanden ist, fährt der Cupra Leon nach Möglichkeit rein elektrisch. Erst ab 130 km/h oder bei heftigem Beschleunigungswunsch schaltet sich der Verbrenner als Kraftquelle hinzu. Im durchschnittlichen Fahrprofil soll der Cupra Leon Plug-in-Hybrid 52 Kilometer rein elektrisch fahren können – was für die meisten Strecken der Berufspendler durchaus genügt.

Wird der Cupra allerdings beim Beschleunigen wie eine Zitrone ausgequetscht, ist der Frontantrieb beim Start aus dem Stand mit den 400 Nm überfordert – die Vorderräder fangen an, wild zu stempeln. Der kleine 1,4-Liter-Motor klingt dann wie ein voluminöser Sportmotor – wenn auch per künstlichem Sound-Design.

Leon ST: Voll alltags- und reisetauglich

Fahrer und Beifahrer sitzen bequem und mit gutem Seitenhalt in den serienmäßigen Sportschalen. Das Panoramadach (als Extra) durchflutet den ordentlich eingerichteten Innenraum. Die Beinfreiheit hinten fällt gut aus. Aber wie üblich reicht der Platz im Fond nur für zwei Erwachsene: Der mittlere Sitz hinten ist für Erwachsene viel zu schmal und unbequem.

Der Platz im Kofferraum wird für den Leon Sportstourer mit "620 bis 1600 Liter" angegeben. Leider gilt der Wert aber nicht für den e-Hybrid: Weil die Traktionsbatterie zum elektrischen Fahren unter der Rückbank untergebracht ist, passen in den Kofferraum des Plug-in-Hybrid lediglich 470 bis 1450 Liter. Fürs übliche Reisegepäck sollte das jedoch reichen.

Selbstverständlich sind auch alle üblichen Assistenzsysteme für den Leon zu haben. Toll: Der "Exit Assist" warnt den Fahrer davor, seine Tür zu öffnen, wenn beispielsweise ein Fahrradfahrer von hinten kommt. Nicht so toll fanden wir das selbstständige Verzögern des Autos vor Kreisverkehren oder Ortseinfahrten: Das dezente, aber bestimmte Abbremsen fühlt sich nach einem Eingriff an, der die Autonomie des Fahrers infrage stellt. Gerade als sportlich orientierter Fahrer will man das aber nicht haben.

Bedienung in einer neuen digitalen Welt

Cockpit des Cupra Leon
Cockpit: Einstellmöglichkeiten gibt es mehr, als einem lieb ist ∙ © Cupra

Die Sprachbedienung hört – wie könnte es anders sein? – auf das Kommando "hola, hola", das Touchdisplay am Armaturenbrett ist serienmäßig 10 Zoll groß und schön scharf in der Abbildung, wirkt aber mit den vielen bunten Funktionssymbolen überladen. Überhaupt fordern die zahlreichen Menüs und Einstellmöglichkeiten Geduld und Eingewöhnungszeit. Einfach starten und losfahren – das jedenfalls war einmal. Und muss man akzeptieren, dass es keine herkömmliche Klimabedieneinheit mehr gibt, wie sie fest etabliert und im Schlaf zu betätigen war? In der modernen digitalen (Auto-)Welt immer öfter.

Fazit: Tolles Auto mit Umweltprämie

Cupra Leon Draufsicht
Der 26 Zentimeter kürzere Fünftürer ist rund 1200 Euro billiger ∙ © Cupra

Wer sich automobil gern in zwei Welten bewegt – mal sehr sportlich, mal sparsam und klimafreundlich –, wird mit dem Cupra Leon ST e-Hybrid sicherlich gut Freund werden. Der Sportkombi ist in jeder Hinsicht alltagstauglich, auch für die Urlaubsreise zu gebrauchen und auf Kurzstrecken rein elektrisch zu betreiben. Wenn es auch ein bisschen weniger Kraft sein darf, empfiehlt sich der e-Hybrid mit einer Systemleistung von 150 kW/204 PS. Er beschleunigt in 7,7 Sekunden auf 100 km/h und ist maximal 220 Sachen schnell, gehört also definitiv auch nicht zu den Langsamen auf unseren Straßen.

Er kostet als Kombi ab 38.600 Euro, als kompakter Fünftürer ab 37.300 Euro. Die gefahrene 245-PS-Version ist ab 40.095 Euro zu haben, der Fünftürer ab 38.795 Euro. Top: Plug-in-Hybride mit einem Netto-Listenpreis von bis zu 40.000 Euro werden vom Staat mit 4500 Euro gefördert, der Hersteller legt noch eine Umweltprämie von 2.677,50 Euro brutto obendrauf. Macht insgesamt 7.177,50 Euro, die man geschenkt bekommt.

Wichtig: Schauen Sie in die aktuelle Liste der förderfähigen Fahrzeuge* beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Cupra Leon: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Cupra Leon Sportstourer e-Hybrid

Motor/Antrieb

1,4-Liter-Turbobenziner, 1395 cm³, 110 kW/150 PS,

250 Nm bei 1500 U/min + E-Motor mit 85 kW/115 PS;

Systemleistung: 180 kW/245 PS, 400 Nm, Frontantrieb

Fahrleistungen

7,0 s auf 100 km/h, 225 km/h Spitze

Batteriekapazität / Reichweite elektrisch

12,8 kWh / 52 km

Maße

L 4,66 / B 1,80 / H 1,46 m

Kofferraum

470 - 1450 l

Leer- / Gesamtgewicht

1717 / 2090 kg

Preis

ab 40.095 €

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