BMW 4er Coupé: Am Grill scheiden sich die Geister

BMW 4er Coupe fahrend
Elegante Erscheinung: Das BMW 4er Coupé sieht sportlich aus ∙ © BMW

Die Differenzierung zum 3er ist deutlich: Mit dem dynamischen 4er Coupé feiert bei BMW die Fahrfreude ein sehnlich erwartetes Comeback. Testfahrt, Bilder und Infos

  • Der BMW 4er hebt sich jetzt stärker vom 3er ab

  • Das Coupé fährt sich deutlich sportlicher als bisher

  • Motoren-Angebot von 184 bis 510 PS

BMW musste sich bei der letzten Generation viel Kritik über die Nähe von Dreier und Vierer gefallen lassen. Um die abzustellen, durften besonders die Designer bei der Entwicklung des aktuellen Vierer in die Vollen gehen und neben der Silhouette auch die Front völlig neu gestalten.

BMW-Entwicklungschef Peter Langen sagt: „Dem Dreier einfach nur zwei Türen zu nehmen, war uns zu wenig.“ Die modifizierte Front fällt vor allem durch die riesige Niere auf, mit der die Bayern immer wieder kontroverse Diskussionen auslösen. Oder deutlicher ausgedrückt: Die Front finden viele zu wichtig geraten.

BMW 4er mit sportlichem Fahrverhalten

Front des BMW 4er Coupe fahrend
Sehr markant: Die neue BMW-Niere reicht fast bis zum Boden ∙ © BMW

Für Langen ist dieses Design Lust und Last zugleich. „Wir mussten dafür sorgen, dass der Vierer auch so sportlich fährt, wie er künftig aussieht“, erklärt der Ingenieur und hat das Coupé deshalb auch technisch weiter denn je vom Dreier weggerückt. Natürlich sei die Hardware weitgehend identisch, räumt er ein. Doch das 4er Coupé ist nicht nur knapp sechs Zentimeter flacher als die 3er Limousine und hat einen zwei Zentimeter niedrigeren Schwerpunkt. Es leistet sich darüber hinaus hinten eine um gute zwei Zentimeter verbreiterte Spur, vorne einen größeren Sturz und reihum ein paar zusätzliche Streben, die den Aufbau versteifen und selbst bei strammer Fahrt auf schlechten Straßen Ruhe in den Wagen bringen.

Den Unterschied zum 3er soll man spüren

Heck des BMW 4er Coupe fahrend
Durch die breitere Spur wirkt der 4er präsenter als vorher ∙ © BMW

Das Ergebnis ist ein Fahrverhalten, wie es kein anderes Auto in dieser Klasse bietet. Präzise, aufgeweckt, agil und dabei trotzdem so gelassen, dass der Fahrer bei allem Engagement entspannt bleibt, schnürt der Vierer durchs Münchner Hinterland und lässt das Herz mit jeder Kurve höher schlagen. Selbst bei 60, 70 Sachen im dritten, vierten Gang liegt er besser in der Hand, reagiert feinfühliger auf Lenkung, Gas und Fahrbahn.

„Uns war es wichtig, dass man dieses Gefühl schon beim alltäglichen Fahren hat und den Unterschied auch dann spürt, wenn man nicht mit quietschenden Reifen über die Landstraße fliegt“, sagt Langen. Und wenn Fahrer und Fahrphysik doch mal über Kreuz geraten, bleibt der Vierer trotzdem kontrollierbar. Wo der Dreier oft nur als vornehmes Transportmittel genutzt wird, wird der Vierer so zu einem buchstäblich bewegenden Auto und macht selbst auf profanen Alltagsstrecken den Weg zum Ziel.

Wenig Platz im Fond, vom 3er bekannte Instrumente

Cockpit des BMW 4er Coupe
Innen unterscheidet sich der 4er kaum vom 3er BMW ∙ © BMW

So sehr sich Dreier und Vierer beim Aussehen und bei der Abstimmung unterscheiden, so nahe sind sie sich beim Ambiente und bei den Antrieben. Klar, vorn sitzt man ein bisschen tiefer, die Polster liegen etwas enger an und natürlich gibt es wieder einen Gurtbringer, damit man sich beim Anschnallen nicht verrenken muss. Und im Fond geht es ein bisschen bescheidener zu. Hinten können zwei Personen auf einer Rückbank mit "Einzelsitzcharakter" Platz nehmen, wie es BMW nennt. Auch einen Cabrio-Ableger gibt es natürlich wieder.

Das 4er Coupé ist groß geworden

Bei den Maßen hat das 4er Coupé zumindest ordentlich zugelegt. Es ist knapp 13 Zentimeter länger geworden und erstreckt sich nun auf üppigen 4,77 Metern, die Breite beträgt 1,85 Meter (plus drei Zentimeter). Und auch wenn der 4er nun sechs Millimeter höher geworden ist, duckt er sich immer noch 5,7 Zentimeter tiefer auf die Straße als die 3er Limousine.

Mit digitalen Anzeigen und dem großen Touchscreen daneben gibt es im Innenraum keine Überraschungen, das Cockpit wirkt genauso modern wie in anderen BMW neuerer Machart und genauso vertraut ist auch das Bediensystem mit einer natürlichen Spracheingabe und der etwas verspielten Gestensteuerung. Ebenso das große Heer der Assistenten, die aktiv in Längs- und Querführung eingreifen.

BMW 4er mit 48 Volt-Mildhybrid

Seitenansicht des BMW 4er Coupe
Das BMW 4er Coupé wirkt optisch wie ein kleiner 8er ∙ © BMW

Die Vier- und Sechszylinder-Motoren von 184 PS im 420i bis zu 374 PS im M440i sind genau wie der Heck- oder Allradantrieb und die Achtgang-Automatik alte Bekannte. Allerdings hat zumindest der stärkste Motor für den Einsatz im Sport-Coupé noch einmal trainiert und kam als erster Benziner bei BMW mit einem elektrischen Starter-Generator samt 48 Volt-System. Der spart nicht nur ein bisschen Treibstoff durch bessere Rekuperation, sondern hilft mit bestenfalls 11 PS auch beim Anfahren. Neu seit März 2021 sind die ebenfalls mit Mildhybrid-Technik ausgerüsteten Versionen M440d xDrive Coupé mit 340 PS und das 430d xDrive Coupé mit 286 PS im Einsatz.

Und dass BMW die 4er-Baureihe wieder mit einem potenten M4 krönen würde, war immer klar. Die 3,0-Liter-Sechszylinder bringen es auf 480 PS, im M4 Competition auf 510 PS.

Präzise, leichtgängig und schon weit diesseits des Grenzbereichs ausgesprochen lustvoll zu bewegen – so wird der Vierer tatsächlich zum Gralshüter der Fahrfreude. BMW kann getrost ins Rennen mit Konkurrenten wie dem Mercedes C-Klasse Coupé oder dem Audi A5 gehen. Und das zu Preisen zwischen 47.300 Euro für den Basis-420i bis 91.000 Euro für den M4 Competition.

Die Motoren des BMW 4er Coupé im Vergleich

Modell

Motor / Antrieb

Fahrleistungen

Verbrauch (WLTP)

Preis




BMW 420i

Vier-Zylinder-Benziner, 1998 cm³, 190 kW/258 PS

7,5 s auf 100 km/h, 240 km/h Spitze

6,3 - 7,1 l Super/100 km, 143 - 161 g CO₂/km

ab 47.300 €




BMW 430i

Vier-Zylinder-Benziner, 1998 cm³, 135 kW/184 PS

5,8 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

6,6 - 7,4 l Super/100 km, 150 - 168 g CO₂/km

ab 52.300 €




BMW 420d (xDrive)

Vier-Zylinder-Diesel, 1995 cm³, 140 kW/190 PS

7,1 (7,4) s auf 100 km/h, 240 (238) km/h Spitze

4,5 - 5,2 (4,8 - 5,5) l Diesel/100 km, 118 - 137 (126 - 145) g CO₂/km

ab 49.800 € (ab 52.300 €)




BMW 430d xDrive

Sechs-Zylinder-Diesel, 2993 cm³, 210 kW/286 PS

5,1 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

5,2 - 5,9 l Diesel/100 km, 137 - 155 g CO₂/km

ab 59.100 €




BMW M440i xDrive

Sechs-Zylinder-Benziner, 2998 cm³, 275 kW/374 PS

4,5 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

7,4 - 8,1 l Super/100 km, 170 - 186 g CO₂/km

ab 68.400 €




BMW M440d xDrive

Sechs-Zylinder-Diesel, 2993 cm³, 250 kW/340 PS

4,6 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze

7,5 - 6,3 l Diesel/100 km, 150 - 164 g CO₂/km

ab 69.300 €




BMW M4

Sechs-Zylinder-Benziner, 2993 cm³, 353 kW/480 PS

4,2 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze (mit Divers Package 290 km/h)

10,3 - 105 l Super/100 km, 235 - 240 g CO₂/km

ab 84.000 €




BMW M4 Competition

Sechs-Zylinder-Benziner, 2993 cm³, 375 kW/510 PS

3,9 s auf 100 km/h, 250 km/h Spitze (mit Divers Package 290 km/h)

9,9 - 10,2 l Super/100 km, 227 - 233 g CO₂/km

ab 91.000 €




Text: Thomas Geiger

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