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BMW 4er Coupé 2020: Erste Testfahrt

BMW 4er Coupe fahrend
Elegante Erscheinung: Das neue BMW 4er Coupé ∙ © BMW

Im Oktober 2020 kommt der neue BMW 4er auf den Markt. Mit dem dynamischen Sportler feiert die Fahrfreude ein Comeback. Testfahrt, erste Bilder und Infos.

  • Neuer BMW 4er hebt sich stärker vom 3er ab

  • Das Coupé fährt sich deutlich sportlicher als bisher

  • Motoren bis zu 374 PS; ein noch stärkerer M4 folgt

BMW musste sich zuletzt viel Kritik über die Nähe von Dreier und Vierer gefallen lassen. Damit das künftig nicht mehr passiert, durften besonders die Designer bei der Entwicklung des neuen Vierer in die Vollen gehen und neben der Silhouette auch die Front völlig neu gestalten.

BMW-Entwicklungschef Peter Langen sagt: „Dem Dreier einfach nur zwei Türen zu nehmen, war uns zu wenig.“ Die modifizierte Front fällt vor allem durch die riesige Niere auf, mit der sich die Bayern schon auf der IAA 2019 ins Gespräch brachten.

Neuer BMW 4er mit sportlichem Fahrverhalten

Für Peter Langen ist dieses Design Lust und Last zugleich. „Wir mussten dafür sorgen, dass der Vierer auch so sportlich fährt, wie er künftig aussieht“, erklärt der Ingenieur und hat den Vierer deshalb auch technisch weiter denn je vom Dreier weggerückt. Natürlich sei die Hardware weitgehend identisch, räumt er ein. Doch das 4er Coupé ist nicht nur knapp sechs Zentimeter flacher als die 3er Limousine und hat einen zwei Zentimeter niedrigeren Schwerpunkt. Es leistet sich darüber hinaus hinten eine um gute zwei Zentimeter verbreiterte Spur, vorne einen größeren Sturz und reihum ein paar zusätzliche Streben, die den Aufbau versteifen und selbst bei strammer Fahrt auf schlechten Straßen Ruhe in den Wagen bringen.

Den Unterschied zum 3er soll man spüren

Das Ergebnis ist ein Fahrverhalten, wie es kein anderes Auto in dieser Klasse bietet. Präzise, aufgeweckt, agil und dabei trotzdem so gelassen, dass der Fahrer bei allem Engagement entspannt bleibt, schnürt der Prototyp durchs Münchner Hinterland und lässt das Herz mit jeder Kurve höher schlagen. Selbst bei 60, 70 Sachen im dritten, vierten Gang liegt der Vierer besser in der Hand, reagiert feinfühliger auf Lenkung, Gas und Fahrbahn.

„Uns war es wichtig, dass man dieses Gefühl schon beim alltäglichen Fahren hat und den Unterschied auch dann spürt, wenn man nicht mit quietschenden Reifen über die Landstraße fliegt“, sagt Langen. Und wenn Fahrer und Fahrphysik doch mal über Kreuz geraten, bleibt der Vierer trotzdem kontrollierbar. Wo der Dreier oft nur als vornehmes Transportmittel genutzt wird, wird der Vierer so zu einem buchstäblich bewegenden Auto und macht selbst auf profanen Alltagsstrecken den Weg zum Ziel.

Wenig Platz im Fond, vom 3er bekannte Instrumente

So sehr sich Dreier und Vierer beim Aussehen und bei der Abstimmung unterscheiden werden, so nahe sind sie sich beim Ambiente und bei den Antrieben. Klar, vorn sitzt man ein bisschen tiefer, die Polster liegen etwas enger an und natürlich gibt es wieder einen Gurtbringer, damit man sich beim Anschnallen nicht verrenken muss. Und im Fond geht es zumindest bis zum Debüt des kommenden 4er Grand Coupé ein bisschen bescheidener zu. Hinten können zwei Personen sitzen auf einer Rückbank mit "Einzelsitzcharakter", wie es BMW nennt. Auch ein Cabrio-Ableger ist natürlich wieder geplant.

Bei den Maßen hat das 4er Coupé zumindest ordentlich zugelegt. Es ist knapp 13 Zentimeter länger geworden und erstreckt sich nun auf üppigen 4,77 Metern, die Breite auf 1,85 (plus drei Zentimeter). Und auch wenn der 4er nun sechs Millimeter höher geworden ist, duckt er sich immer noch 5,7 Zentimeter tiefer auf die Straße als die 3er Limousine.

Mit digitalen Anzeigen und dem großen Touchscreen daneben gibt es im Innenraum keine Überraschungen, das Cockpit wirkt genauso modern wie in anderen BMW neuerer Machart und genauso vertraut ist auch das Bediensystem mit einer natürlichen Spracheingabe und der etwas verspielten Gestensteuerung. Ebenso das große Heer der Assistenten, die aktiv in Längs- und Querführung eingreifen.

BMW 4er mit Motoren bis 374 PS und 48 Volt

Und auch die Vier- und Sechszylinder-Motoren bis zum 374 PS starken Dreiliter im vorläufigen Top-Modell M 440i sind genau wie der Heck- oder Allradantrieb und die Achtgang-Automatik alte Bekannte. Allerdings hat zumindest der stärkste Motor für den Einsatz im neuen Sportler noch einmal trainiert und kommt als erster Benziner bei BMW mit einem elektrischen Starter-Generator samt 48 Volt-System. Der spart nicht nur ein bisschen Treibstoff durch bessere Rekuperation, sondern hilft mit bestenfalls 18 PS auch beim Anfahren. Die Technik wird der Vierer allerdings bald mit allen Baureihen teilen müssen. Dass auch wieder ein potenter M4 die Baureihe krönen wird, steht außer Frage.

Präzise, leichtgängig und schon weit diesseits des Grenzbereichs ausgesprochen lustvoll zu bewegen – so wird der Vierer tatsächlich zum neuen Gralshüter der Fahrfreude, und BMW kann getrost ins Rennen mit Konkurrenten wie dem Mercedes C-Klasse Coupé oder dem Audi A5 gehen. Zu Preisen und zur genauen Markteinführung hat sich BMW noch nicht geäußert.

Text: Thomas Geiger