Mopedautos – Rolleralternative mit Dach und vier Rädern

Ein Leichtkraftfahrzeug der Marke Ligier steht vor einer Bahnrampe
Höchstgeschwindigkeit: Bei 45 km/h ist für Mopedautos Schluss ∙ © Ligier Group/Juergen Skarwan

Sie sehen aus wie normale Autos, sind aber keine. Sogenannte Mopedautos versprechen jungen Leuten ab 16 Jahren eine autoähnliche Mobilität. Doch wie sicher sind die Leichtmobile im Verkehr?

Bei deutschen Automobilherstellern spielten Mopedautos nach den Erfolgen legendärer Modelle wie der BMW Isetta oder des Messerschmidt Kabinenrollers in den 1950er- und 1960er-Jahren nur noch eine untergeordnete Rolle. In Frankreich und Italien hingegen erfreuen sich die leichten Kleinen insbesondere bei der jungen Käufergeneration bis heute großer Beliebtheit. Vor allem die elektrischen Varianten werden immer häufiger nachgefragt. Die Hersteller bewerben Mopedautos als ganzjahrestaugliche Alternative zum klassischen Roller.

Was sind Mopedautos?

Mopedautos sind Leichtkraftfahrzeuge der Fahrzeugklasse L6e. Sie haben vier Räder, ein oder zwei Sitzplätze, sind auf vier kW Leistung beschränkt, wiegen höchstens 425 Kilogramm und sind bauartbedingt maximal 45 km/h schnell. Leichtkraftfahrzeuge sind eine Art Mischform aus normalem Pkw und Moped. Sie werden daher alternativ auch als Mopedautos, 45-km/h-Autos oder Leichtmobile bezeichnet.

Auf Leichtkraftfahrzeuge spezialisierte Hersteller wie z.B. Ligier, Aixam, Casalini oder Piaggio bieten eine breite Modellpalette mit verschiedenen Antriebsformen an – vom klassischen Verbrennungsmotor über Hybride bis zum reinen Elektrofahrzeug. Die Mopedautos müssen im Gegensatz zum herkömmlichen Pkw weder zur TÜV-Untersuchung noch zugelassen werden. Somit wird für sie auch keine Kfz-Steuer fällig. Lediglich ein Versicherungskennzeichen ist erforderlich.

Zum Führen eines Mopedautos benötigen Jugendliche ab 16 Jahren in Deutschland mindestens einen Führerschein der Klasse AM. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg dürfen bereits 15-Jährige hinters Steuer eines "Leichties".

Wie sicher sind Mopedautos?

Grundsätzlich sollten Interessenten Folgendes wissen, bevor sie sich ein Mopedauto anschaffen: Leichtmobile unterliegen beim Thema Crashsicherheit keinen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen, wie sie für Pkw gelten. Dessen ungeachtet hat der ADAC in den Jahren 2006, 2014, 2016 und 2018 mehrere Generationen von Mopedautos NCAP-Crashtests (Front- und Seitencrash) unterzogen.

Mit ernüchternden Ergebnissen, vor allem in puncto Sicherheit, die auch vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) und der GDV-Unfallforschung bestätigt wurden. Bemerkenswert ist, dass selbst die modernsten Modelle kein zufriedenstellendes Ergebnis bei der Unfallsicherheit lieferten.

Die Fahrstabilität der von den ADAC Experten getesteten Leichtkraftfahrzeuge Renault Twizy 45, Aixam City Diesel und Ellenator im Ausweichtest war erschreckend schlecht. Weiterhin erhielten zwei der drei Leichten die Note 5 in der Kategorie Sicherheit. Hauptgrund: Neben Sicherheitsgurten und Fahrerairbag gab es keine weiteren Sicherheitsausstattungen.

Ein Leichtkraftfahrzeug der Marke Ligier fährt auf einer Teststrecke
Ein Leichtkraftfahrzeug des Herstellers Ligier in der Kurve ∙ © Ligier Group

Ausführliche Testergebnisse zu Renault Twizy 45, Aixam City Diesel und Ellenator

Zusätzlich birgt die auf 45 km/h begrenzte Geschwindigkeit der Leichtmobile ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko. Vor allem in der Dunkelheit und außerorts fällt es anderen Verkehrsteilnehmern schwer, den großen Unterschied zwischen der eigenen Geschwindigkeit und der des maximal 45 km/h schnellen Leichtfahrzeugs richtig einzuschätzen, da diese Fahrzeuge visuell als "normale Autos" wahrgenommen werden.

Die ADAC Experten weisen außerdem auf ein unterschätztes Problemfeld hin: Der erforderliche Führerschein für ein Leichtkraftfahrzeug wird auf einem Zweirad absolviert, doch der Führerscheinneuling ist dann mit einem Pkw-ähnlichen Fahrzeug auf vier Rädern mit grundsätzlich anderem Fahrverhalten unterwegs.

Deshalb sollten Fahranfänger unbedingt zusätzliche Fahrstunden mit ihrem Mopedauto nehmen. Empfohlen wird auch ein Fahrtraining, um die speziellen Fahreigenschaften des vierrädrigen Fahrzeugs besser einschätzen und beherrschen zu lernen.

Empfehlung des ADAC zu Leichtkraftfahrzeugen

Der Gesetzgeber muss auch für Leichtmobile Mindestsicherheitsanforderungen vorschreiben, die die Hersteller zum Einsatz von besseren Sicherheitstechniken zwingen.

Sind Mopedautos zu empfehlen?

Unter Sicherheitsaspekten auf keinen Fall. Wer es sich leisten kann, sollte lieber etwas mehr Geld in einen normalen Pkw investieren. Interessenten sollten sich vor der Anschaffung eines zwischen 11.000 und knapp 19.000 Euro kostenden Leichtkraftfahrzeugs außerdem über den möglichen Einsatzbereich klar werden. Und der begrenzt sich sinnvollerweise auf die Stadt.

Längere Überlandfahrten sind in Leichtkraftfahrzeugen ein No-Go und Nachtfahrten sowie Touren außerhalb geschlossener Ortschaften nicht zu empfehlen.

Das eindeutige Fazit der ADAC Experten: viel schlechter als jedes andere Auto, aber immerhin ein Dach über dem Kopf.

Text: Jörg Peter Urbach. Fachliche Beratung: Ruprecht Müller

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