Langzeittest Q6 e-tron: Kann der fast 90.000 Euro teure Audi punkten?

• Lesezeit: 5 Min.

Von Andreas Huber, Wolfgang Rudschies, Jochen Wieler

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Audi Q6 e-tron während der Fahrt aus frontaler Perspektive
Wird die ADAC Redaktion über ein Jahr im Berufsalltag begleiten: Der Audi Q6 e-tron© ADAC/Tobias Sagmeister

Mit dem Q6 e-tron war Audi die erste deutsche Premiummarke mit 800-Volt-Technik im Angebot. Aber lädt der Audi damit wirklich extraschnell? Wie schlägt sich das SUV im Alltag? Das wird der Langzeittest der ADAC Redaktion klären. Alles Wissenswerte im Testtagebuch.

Für Audi ist der Q6 e-tron mehr als nur ein weiteres Elektro-SUV. Er musste als Erster beweisen, dass die Marke in der Elektromobilität einen Schritt nach vorn gemacht hat – besonders bei Reichweite, Ladeleistung, Raumangebot und digitaler Bedienung. Auf dem Papier scheint dieser Anspruch erfüllt zu sein. Die 800-Volt-Technik soll kurze Ladezeiten ermöglichen, neue Elektromotoren sollen die Effizienz verbessern. Die ADAC Ingenieure haben dem Ingolstädter bereits gute Noten gegeben: Note 1,6 für den Audi Q6 e-tron im ADAC Autotest.

Der Langzeittest der ADAC Redaktion geht noch einen Schritt weiter: Rund ein Jahr lang muss der Q6 e-tron zeigen, wie souverän er tägliche Kurzstrecken, lange Autobahnetappen, spontane Ladepausen und die kleinen Zumutungen des Alltags meistert. Mit Blick auf die Ausstattungsliste des Testwagens sind die Voraussetzungen dafür jedenfalls auf dem Papier schon mal gegeben.

Testwagen Audi Q6 e-tron im Überblick

Als Audi Q6 e-tron performance stehen 225 kW (306 PS) Leistung zur Verfügung, die über die Hinterräder auf die Straße gebracht werden. Das adaptive Luftfahrwerk (2150 Euro) soll für komfortables Reisen sorgen, während die Akustikverglasung (150 Euro für die vorderen Fenster) das Geräuschniveau senkt. Exterieur und Interieur sind mit der sportlichen S line versehen (zusammen 4075 Euro), der Lack heißt "Ascariblau Metallic" und kostet 1400 Euro extra.

Neben einem Augmented-Reality-Head-up-Display (1450 Euro) sorgt ein Beifahrerdisplay (795 Euro) für Unterhaltung in der ersten Reihe. Dank des "Tech pro"-Pakets (5650 Euro) verfügt der Q6 unter anderem über Matrix-LED-Scheinwerfer und digitale OLED-Rückleuchten. Zum Basispreis von 68.800 Euro kommen durch die Extras insgesamt 18.290 Euro dazu, was zu einem stolzen Testwagenpreis von 87.090 Euro führt.

Ob der Audi dem hohen Preis und den daraus resultierenden hohen Erwartungen gerecht wird, lesen Sie im kontinuierlich aktualisierten Langzeittest-Tagebuch:

Audi Q6 e-tron im ADAC Langzeittest

+++ 28.7.2026 +++

Audi Q6 e-tron während der Fahrt auf einer Straße aus der Heckperspektive
Die blaue Außenfarbe steht dem Q6 richtig gut© ADAC/Tobias Sagmeister

Willkommen in München. Weit hatte es unser neuer Dauertestkandidat nicht. Zwischen seinem Produktionsstandort Ingolstadt und der ADAC Zentrale in München liegen nur rund 80 Kilometer. In der fahl beleuchteten ADAC Tiefgarage wirkte der blaue Lack auf mich etwas stumpf. Sobald der Audi aber im Licht stand, hat mich die Farbe überzeugt. Steht dem Q6 richtig gut.

Beim Cockpit setzt Audi auf sein Standardbesteck. Drei Displays bietet "unser" Audi, die Bedienoberfläche ist dabei nicht mehr ganz so undurchsichtig wie zum Marktstart des SUVs. Hier hat Audi zum Modelljahr 2026 mit neuer Hard- und Software nachgeholfen. Merkt man von der neuen Elektronik während der Fahrt etwas, oder ist das alles nur Optik? Man bemerkt sie absolut! Vor allem die gerne mal nervige Tempowarnung hält sich angenehm zurück. Kleinere Geschwindigkeitsübertritte moniert der Audi mit einem dezenten Ton, der so wenig stört, dass man nicht versucht ist, das System abzuschalten. Die Möglichkeit gäbe es mehrfach per Shortcut, sie ist aber schlicht überflüssig. Wunderbar, so kann die Technik wirklich helfen! ah

+++ 15.8.2026 +++

Die erste große Tour. Als erster der Kollegen darf ich die erste längere Strecke mit dem Audi fahren. Was mich besonders interessiert: Wie weit komme ich mit einer Akkuladung und wie gut funktionieren die Assistenten auf der Autobahn? Von München geht es in das rund 450 Kilometer entfernte Leipzig. Sollte der Q6 eigentlich in einem Stück schaffen, trotzdem schickt mich die Routenplanung zum Zwischenladen. Grund: die Präferenzen in der Ladeplanung. Hier lässt sich einstellen, wie viel Strom der Akku entweder beim Stopp an der Schnellladesäule oder am Ziel haben soll. Das lässt sich zwar schnell anpassen, allerdings muss man den Punkt im Navigationssystem aktiv ansteuern. Nach Veränderung der Kriterien lotst mich der Audi ohne Pause nach Sachsen. Ich lade aber trotzdem einmal kurz nach, schließlich habe ich vor Ort keine Gelegenheit zum Stromzapfen und ich will nicht ganz leer ankommen. ah

+++ 16.8.2026 +++

Andreas Huber läd den Audi Q6 etron
Laut Audi lädt der Q6 e-tron mit bis zu 270 kW. Aber gleich auf der ersten Langstrecke überbietet das SUV die Werksangabe© ADAC/Tobias Sagmeister

Musterschüler. Die Rückreise nach München steht an und ich habe noch 35 Prozent SoC (State of Charge). Also fahre ich nach rund einer Stunde Fahrt raus in einen Ladepark. Dieser ist ziemlich voll, weshalb ich mir die Ladesäule bereits nach drei Minuten Standzeit mit einem Kia EV4 teilen muss. Ärgerlich, denn als ich mit 15 Prozent angesteckt habe, zog sich der Q6 über 250 kW aus der 300-kW-DC-Säule, nun teilen wir uns deren Leistung und ich bekomme "nur" rund 150 kW über das Ladegerät in den Akku. Dafür kann der Audi natürlich nichts, nur zeigt das ein allgemeines Problem der E-Mobilität: Selbst wenn das Auto extrem schnell laden kann, muss das in Stoßzeiten nicht unbedingt eine kurze Ladezeit bedeuten – jeder möchte laden, und so teilt man sich eben zu zweit eine Säule und damit die Ladepower.

Ich fahre mit 60 Prozent im Akku nach rund 20 Minuten weiter und steuere nach rund zwei Stunden den nächsten Ladepark an. Gleiche Situation, auch hier müsste ich mir eine Säule teilen. Zum Glück gibt es an diesem Autohof noch einen zweiten Anbieter, der deutlich weniger frequentiert ist. Angesteckt, und nach kurzer Zeit lädt der e-tron zeitweise mit 281 kW. Das ist mehr als ordentlich, zumal Audi den Q6 mit einer maximalen Ladeleistung von 270 kW angibt. So macht Schnellladen Spaß. ah

Technische Daten zum Audi Q6 e-tron im Langzeittest

Technische Daten (Herstellerangaben)

Audi Q6 e-tron performance (ab 08/24)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

225

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

306

Drehmoment (Systemleistung)

485 Nm

Antriebsart

Hinterrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,7 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

646 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Stromverbrauch kombiniert (WLTP)

16,3 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

100,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

94,9

Ladeleistung (kW)

AC:11,0-22,0 DC:270,0

Kofferraumvolumen normal

526 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.529 l

Leergewicht (EU)

2.275 kg

Zuladung

540 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

2.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.771 mm x 1.939 mm x 1.685 mm

Grundpreis

68.800 Euro

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