Reifenreparatur: Was Sie bei defekten Reifen tun können

• Lesezeit: 5 Min.

Von Thomas Kroher

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Dicker Nagel steckt in einem Autoreifen
Ein Reifen mit eingefahrenem Nagel ist meist zu retten© Shutterstock/AppleZoomZoom

Reparieren oder austauschen? Stichverletzungen durch Nagel oder Schraube bedeuten nicht gleich das Aus für einen Pkw- oder Motorradreifen. Das müssen Sie zur Reifenreparatur wissen.

  • Wann eine Reifenreparatur sinnvoll ist

  • Vor- und Nachteile von Pannenhilfe-Sets

  • Reparatur nur von qualifizierter Fachwerkstatt vornehmen lassen

Nagel im Reifen: Was ist zu tun?

Der Reifen verliert langsam Luft? Das kann viele Ursachen haben, aber auch daran liegen, dass Sie sich eine Schraube oder einen Nagel in die Lauffläche eingefahren haben. Dann lautet die erste Regel: Den Gegenstand nicht entfernen, sondern im Reifen stecken lassen. So bleibt das Loch verschlossen, die Luft entweicht langsamer und Sie vermeiden etwaige weitere Schäden am Reifen.

Außerdem sollte möglichst umgehend ein Termin in einer qualifizierten Reifenfachwerkstatt vereinbart werden. Nur sie kann klären, ob der Reifen zu retten ist – und anschließend im besten Fall die fachgerechte Reparatur durchführen.

Bis zum Werkstatttermin sollte der Fülldruck regelmäßig überprüft und auf korrektem Niveau gehalten werden, um irreparable Plattrollschäden am Reifen zu vermeiden.

Durch die professionelle Instandsetzung des Reifens ist sichergestellt, dass er voll einsetzbar ist und der Spezifikation des Reifens vor der Beschädigung entspricht.

Wann ist eine Reifenreparatur sinnvoll?

Grundsätzlich sind die häufigsten Reifenbeschädigungen reparierbar. Einen Reifen instand zu setzen macht besonders dann Sinn, wenn …

  • … der Reifen noch nicht lange im Einsatz war und deswegen über ausreichende Restprofiltiefe verfügt.

  • … aus technischen Gründen der zweite Reifen der betroffenen Achse auch ersetzt werden müsste. Das kann zum Beispiel bei einem indirekt messenden Reifendruckkontrollsystem (RDKS) erforderlich werden. Dieses ermittelt über die Drehzahl des Rades indirekt den Druck der Reifen. Bei verschleißbedingt unterschiedlichen Durchmessern der Reifen kann es zu Störungen des RDKS kommen. Bei vielen allradgetriebenen Fahrzeugen sehen die Hersteller vor, dass sich die Abrollumfänge der vier Einzelräder nur minimal unterscheiden. In diesen Fällen wäre möglicherweise sogar ein Ersatz aller Reifen erforderlich, selbst wenn lediglich ein Reifen einen Schaden hat.

  • … der Reifenschaden bereits kurz nach seiner Entstehung entdeckt wurde, nicht lange mit zu geringem Reifendruck gefahren wurde und sehr zeitnah repariert werden kann.

  • … an dem Reifen noch keine provisorische Notreparatur (z.B. mit Pannenspray) vorgenommen wurde.

  • … ein geeigneter Ersatzreifen nicht verfügbar oder nicht zu beschaffen ist (z.B. im Ausland).

  • … nur bestimmte Bereiche des Reifens betroffen sind und die Beschädigungen ein bestimmtes Ausmaß nicht überschreiten.

Wann kann man Reifen nicht reparieren?

Ob ein Reifen noch repariert werden kann, hängt von der Art des Schadens ab und lässt sich pauschal nicht beantworten. In Deutschland gelten dafür die Vorgaben aus § 36 StVZO sowie die "Richtlinien für die Instandsetzung von Luftreifen und für die Beurteilung von Reifenschäden" des Bundesverkehrsministeriums.

Demnach sind nichtreparable Reifenschäden solche, durch die "die Betriebssicherheit des Reifens herabgesetzt ist und die weitere Verwendung des Reifens gänzlich ausgeschlossen ist". Ob dem bei einem konkreten Fall so ist, müssen die qualifizierten Mitarbeiter einer geeigneten Fachwerkwerkstatt beurteilen.

Bei Schäden an der Innenseite des Reifens, einer Schraube in der Seitenwand des Reifens und Rissen oder Löchern in der Lauffläche, die größer sind als 5 Millimeter, ist eine Reparatur meistens nicht mehr möglich. Bei Motorradreifen gilt dies nur für den mittleren Bereich der Lauffläche. 

Dann muss ein Reifen ersetzt werden

Nicht repariert, sondern ersetzt werden muss ein Reifen, wenn:

  • die Seitenwand beschädigt ist (Schnitt, Riss, Einstich, Beule)

  • die Karkasse oder Gürtelstruktur beschädigt wurde

  • das Loch oder der Einstich zu groß ist (Faustregel: deutlich über 5 bis 6 mm),

  • der Reifen längere Zeit mit zu wenig Luft oder platt gefahren wurde (Plattrollschaden)

  • Risse, Ausbrüche oder Gewebeeinlagen sichtbar sind

  • der Reifen bereits mehrfach an derselben Stelle repariert wurde

  • Alter, Verschleiß oder Profiltiefe einen sicheren Betrieb ohnehin nicht mehr zulassen

Was kostet eine Reifenreparatur?

Für die Schadensbeurteilung und die Reparatur muss der Reifen von der Felge demontiert werden, wenn es sich nicht nur um äußerliche Schäden handelt. Die Reparatur erfolgt meist mithilfe von Warm- oder Heißvulkanisation und dauert circa 2 Stunden. 

Die Reparatur eines einfachen Nagelloches kostet etwa 30 Euro bei Kaltvulkanisation und 50 Euro bei Standardreifenreparatur durch Warm- oder Heißvulkanisation. Welche der Reparaturmöglichkeiten die sinnvollste ist, entscheidet die Fachwerkstatt.

Wie schnell darf man mit einem reparierten Reifen fahren?

Hier muss man zwischen einem fachgerecht reparierten Reifen und einer Notreparatur unterscheiden. Wurde der Reifen von einer qualifizierten Reifenfachwerkstatt nach den geltenden Richtlinien instand gesetzt und als reparaturfähig eingestuft, gilt kein gesetzlich vorgeschriebenes Geschwindigkeitslimit allein aufgrund der Reparatur. Der Reifen darf anschließend wieder bis zu seinem ursprünglichen Geschwindigkeitsindex betrieben werden.

Anders sieht es aus, wenn nur eine provisorische Pannenhilfe eingesetzt wurde. Hier gelten die Vorgaben des Fahrzeug- oder Kit-Herstellers. Häufig wird die Geschwindigkeit auf maximal 80 km/h begrenzt. Die Fahrt dient ausschließlich dazu, eine Werkstatt zu erreichen. Danach muss der Reifen geprüft oder ersetzt werden.

Können Pannenhilfesets helfen?

Vielen Pkw wird für den Fall einer Reifenpanne ein Pannenhilfeset in den Kofferraum gelegt. Doch nach der Verwendung der Reifendichtmittel aus diesen Sets ist aus verschiedenen technischen Gründen eine professionelle Reparatur dieses Reifens durch einen Fachbetrieb nicht mehr erlaubt.

Alternativ können bei Stichverletzungen im Laufflächenbereich für eine provisorische Abdichtung des Reifens auch Gummistopfen oder gummierte Fäden von außen in den Stichkanal eingeführt werden. Dieses Verfahren setzt auch die ADAC Straßenwacht gelegentlich ein. Diese vorübergehenden Abhilfen dichten bei korrekter Anwendung zuverlässiger ab und verschmutzen die Felge weniger als die flüssigen Dichtmittel.

Am Ende der notdürftigen Reparatur wird der Reifen mittels CO₂-Patronen befüllt. In jedem Fall ist nach einer Behelfsreparatur der Reifendruck in kurzen Fristen regelmäßig zu prüfen.

Für alle Notfallabdichtungen gilt, dass eine spätere professionelle Reparatur ausgeschlossen ist. Überlegen Sie deswegen vor dem Einsatz solcher Mittel, ob Sie den Reifen nicht lieber fachmännisch reparieren lassen wollen.