Coronavirus: Fragen und Antworten zum Reiserecht

Frau mit Mundschutz
Unterwegs in Corona-Zeiten: Viele haben Fragen zum Reiserecht – ADAC Juristen antworten ∙ © Shutterstock/Maridav

Wer zahlt bei Reise-Storno oder -Absage wegen Coronavirus? Was gilt für Urlauber aus Risikogebieten und bei Quarantäne? Fragen von ADAC Mitgliedern und die Antworten der Clubjuristen.

Urlaubsland kein Risikogebiet – muss ich mich vor Rückflug trotzdem testen lassen?

Beate H.** aus Leipzig: Ich habe einen Flug nach Rom gebucht. Muss ich mich vor dem Rückflug immer noch testen lassen, wenn Italien kein Risikogebiet ist und keine Reisewarnung gilt? Oder kann ich auch ohne negativen Coronatest nach Hause fliegen?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Die Testpflicht für alle Flugreisenden aus dem Ausland gilt bis auf Weiteres. Dabei ist unerheblich, ob Sie aus einem Risikogebiet einreisen oder nicht. Die Airline darf Sie nicht mitnehmen, wenn Sie beim Check-in im Ausland kein negatives Testergebnis, einen Impfnachweis oder einen Nachweis über Ihre Genesung vorweisen können.

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Reise noch vor der Absage storniert – wer zahlt?

Matthias J.** aus München: Ich hatte eine Reise auf die Kanaren gebucht. Aufgrund von Corona habe ich diese storniert. Der Reiseveranstalter verlangte Stornokosten. Später hat der Veranstalter die Reise von sich aus storniert. Bekomme ich jetzt den gesamten Reisepreis zurück?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Rechtlich sieht es hier leider schlecht aus: Ein kostenfreier Rücktritt von einer Pauschalreise ist nur möglich, wenn die Anreise oder die Durchführung durch außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort erheblich beeinträchtigt ist. Ein starkes Indiz dafür sind Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Eine weltweite Reisewarnung wegen der Corona-Pandemie gibt es nicht mehr. Stattdessen beurteilt das Auswärtige Amt wieder jedes Land gesondert.

Wenn Sie Ihre Reise zu einem Zeitpunkt storniert haben, zu dem es für die Kanaren keine Reisewarnung gab, hätten Sie nur dann einen Anspruch auf Erstattung des Reisepreises, wenn auch am Tag der Stornierung mit hoher Wahrscheinlichkeit mit außergewöhnlichen Umständen zum Zeitpunkt des Reiseantritts zu rechnen war. Können Sie das nicht nachweisen, haben Sie keine Chance, den Reisepreis wiederzubekommen. Ob der Reiseveranstalter die Reise später von sich aus noch absagt, spielt für diese Beurteilung keine Rolle.

Gutschein statt Fährüberfahrt: Bekomme ich das Geld später ausbezahlt?

Sabine T.** aus Böblingen: Wir hatten für Mai 2020 eine Fähre nach Korsika gebucht. Die Fahrt wurde wegen Corona abgesagt. Die Fährgesellschaft hat uns einen Gutschein angeboten, der bis 31.12.2021 gültig ist. Wir haben den Gutschein angenommen. Die Fährgesellschaft will uns den Fährpreis nicht auszahlen, wenn wir in 2021 nicht nach Korsika fahren. Man bietet uns an, für 2021 ein Ticket zu buchen und es dann für das Jahr 2022 zu "parken". Müssen wir das akzeptieren oder haben wir Anspruch darauf, das Geld spätestens zum 31.12.2021 ausbezahlt zu bekommen?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Bei der Annullierung einer Fährfahrt haben Sie ein Wahlrecht: Sie können entweder mit einem anderen Schiff zum frühestmöglichen Zeitpunkt unter vergleichbaren Bedingungen fahren. Oder Sie entscheiden sich für die Erstattung des Fahrpreises und falls nötig die kostenlose Rückfahrt zum Abfahrtshafen. In diesen Fällen müssen Sie keinen Gutschein akzeptieren.

Wenn Sie aber von diesem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht haben, dürfte es auf Ihren konkreten Vertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Reederei ankommen. Lesen Sie daher die vertraglichen Regelungen genau durch. Grundsätzlich ist zu empfehlen, mit der Fährgesellschaft eine gütliche Einigung zu erzielen. Sollten Sie weiteren Beratungsbedarf haben, können Sie sich an die ADAC Clubjuristen oder einen ADAC Vertragsanwalt* wenden.

Fähre ausgefallen oder verspätet – das sind Ihre Rechte

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/David Klein

Kann ich meinen Urlaub auch ohne Reisewarnung kostenfrei stornieren?

Markus H** aus Frankfurt: Ich habe eine Reise nach Mauritius gebucht. Wenn es für Mauritius keine Reisewarnung gibt und ich die Reise trotzdem stornieren möchte – geht das kostenfrei?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Auch eine Reisewarnung führt nicht automatisch zu einem kostenfreien Rücktrittsrecht. Ob Sie Ihren Urlaub kostenfrei stornieren können, hängt in erster Linie davon ab, was Sie genau gebucht haben: Pauschalreisende können bei erheblichen Mängeln oder Leistungsänderungen von dem Vertrag zurücktreten. Das Gleiche gilt, wenn am Urlaubsort unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Anreise an das Urlaubsziel erheblich beeinträchtigen.

Eine Reisewarnung zählt in der Regel als Indiz für das Vorliegen außergewöhnlicher Umstände. Sie ist aber keine zwingende Voraussetzung. Das wurde auch für den Fall der Corona-Pandemie bereits von ersten Gerichten bestätigt. Ein kostenfreier Rücktritt wäre daher auch ohne Reisewarnung denkbar. Ob tatsächlich unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, muss für jeden Einzelfall gesondert beurteilt werden.

Auch auf Individualreisen, also einzelne gebuchte Leistungen wie Flüge oder Hotelaufenthalte, wirkt sich eine Reisewarnung nicht unmittelbar aus. Wird der Flug oder die Übernachtung angeboten, ist es für Urlauber oft schwer, bei der Stornierung einer solchen Buchung den vollen Preis zurückzubekommen. Wegen der Corona-bedingten Unsicherheiten beim Reisen, haben allerdings viele Anbieter großzügige Umbuchungs- und Stornierungsregelungen aufgenommen. Hier lohnt sich ein Blick in Ihren Vertrag.

Kreuzfahrt-Route geändert: Reisepreisminderung?

Herbert S.** aus Wuppertal: Ich hatte mich so auf die erste Kreuzfahrt nach Corona gefreut. An Bord teilte uns der Kapitän mit, dass die geplanten Landgänge wegen Corona nicht stattfinden können. Muss ich das akzeptieren oder kann ich eine Reisepreisminderung verlangen?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Eine Kreuzfahrt ist eine Pauschalreise. Was vor Antritt der Reise vertraglich vereinbart wurde, muss auch eingehalten werden. Hat der Reiseveranstalter schon bei der Buchung der Kreuzfahrt auf mögliche Einschränkungen bei den Landgängen hingewiesen, müssen Sie diese wohl hinnehmen.

Fallen aber ohne einen Hinweis bei der Buchung wesentliche Programmpunkte der Kreuzfahrt aus oder wird die Route in erheblichem Umfang geändert, können Sie eine Minderung des Reisepreises verlangen. Entscheidend ist also der Inhalt Ihres Vertrages und der Umfang, in dem schon vor der Buchung auf mögliche Einschränkungen der Kreuzfahrt durch Corona hingewiesen wurde.

Rechte bei Mängeln auf der Kreuzfahrt

Zurück zu Hause: Wo muss ich die Quarantäne verbringen?

Andreas J.** aus Coburg: Ich muss zu Hause in Quarantäne. Darf ich die Quarantäne in meinem Wohnwagen verbringen? Und darf ich durch andere Bundesländer bis nach Hause fahren?

Antwort der ADAC Clubjuristen: Nach den Verordnungen der Länder ist bei einer Quarantäneverpflichtung immer davon die Rede, dass man sich auf direktem Weg in die eigene Häuslichkeit oder in eine andere geeignete Unterkunft begeben muss. Der Begriff der geeigneten Unterkunft wird bewusst offengelassen. Es ist daher nicht zwingend notwendig, die Quarantäne zuhause zu verbringen.

Es muss sich bei der Unterkunft aber um einen Ort handeln, an dem eine Gefährdung anderer ausgeschlossen ist. Ein Wohnmobil oder Wohnwagen auf einem Campingplatz genügt diesen Anforderungen wohl eher nicht, wenn Sie diesen in regelmäßigen Abständen verlassen müssen, z.B. um den Waschraum aufzusuchen. Außerdem sind Campingplätze unter Umständen von Beherbergungsverboten betroffen. Wenn Sie die Quarantäne nicht bei sich zu Hause verbringen wollen, sollten Sie das Vorgehen unbedingt mit dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt absprechen.

Die Quarantäneverpflichtung gilt nur bei der tatsächlichen Einreise in das jeweilige Bundesland. Daher ist es möglich, Bundesländer zu durchfahren. Der Transit ist grundsätzlich überall erlaubt.

Einreise nach Deutschland: Testpflicht und Quarantäne

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